{"id":171584,"date":"2018-02-15T16:26:46","date_gmt":"2018-02-15T15:26:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=171584"},"modified":"2018-02-15T16:26:46","modified_gmt":"2018-02-15T15:26:46","slug":"trennline-verlaeuft-zwischen-barmherzigkeit-und-unbarmherzigkeit-sandra-hamamy-und-fabian-melber-von-sea-watch-ueber-die-rettung-von-fluechtenden-auf-hoher-see","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=171584","title":{"rendered":"Trennline verl\u00e4uft zwischen Barmherzigkeit und Unbarmherzigkeit &#8211; Sandra Hamamy und Fabian Melber von Sea-Watch \u00fcber die Rettung von Fl\u00fcchtenden auf hoher See"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-kerzen.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-171586\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-kerzen-265x177.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-kerzen-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-kerzen-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-kerzen-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/4-kerzen.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-melber_hamamy_kautzmann_schellhaas.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-171585\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-melber_hamamy_kautzmann_schellhaas-265x177.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-melber_hamamy_kautzmann_schellhaas-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-melber_hamamy_kautzmann_schellhaas-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-melber_hamamy_kautzmann_schellhaas-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/3-melber_hamamy_kautzmann_schellhaas.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Flucht und Migration, Ursachen, Wirkung und Folgen sind eines der beherrschenden Themen der Gegenwart und der Zukunft. Nicht selten wird diese Diskussion hochemotional gef\u00fchrt, bestimmt auch von \u00c4ngsten um das eigene Wohlergehen in vielerlei Hinsicht. Seit den EU-Deals mit der T\u00fcrkei und Libyen hat die Zahl der nach Deutschland einreisenden Fl\u00fcchtlingen stark nachgelassen. Was von vielen Menschen als Erleichterung empfunden wird, ist teuer erkauft \u2013 nicht nur finanziell, wie jetzt Sandra Hamamy und Fabian Melber von der NGO Sea-Watch einen Vormittag lang in der Max-Eyth-Schule ausf\u00fchrten. Die beiden Aktivisten sprachen auf Einladung des Fachbereichs Religion in Kooperation mit dem Fachbereich PoWi und unterst\u00fctzt von dem Bundesprogramm \u201eDemokratie leben\u201c vor den 12. Klassen der Fachoberschule. Die Schulpfarrerinnen Christine Schellhaas und Claudia Kautzmann f\u00fchrten in den intensiven Tag ein und luden die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auch zum Austausch mit den beiden G\u00e4sten ein. Schulleiter Friedhelm Walther unterstrich, wie wichtig es sei, in dieser schwierigen Situation Orientierung zu bekommen und auch den Wert eines Lebens in Frieden als etwas ganz Besonderes wahrzunehmen und nicht als Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Dieser Einsch\u00e4tzung schloss sich im Nachgang auch Sandra Hamamy an: \u201eWir leben durch puren Zufall in diesem Land, einer Demokratie mit einer stabilen Regierung und lange w\u00e4hrendem Frieden\u201c, unterstrich sie die Willk\u00fcrlichkeit dieser pivilegierten Situation. Ein Gl\u00fcck, das vielen anderen Menschen nicht zuteilwird. \u201eDie Trennlinie, inwieweit das privilegierte Europa Gefl\u00fcchtete aufnehmen und unterst\u00fctzen soll, verl\u00e4uft nicht zwischen politischen Lagern\u201c, so Hamamy, \u201esondern zwischen Barmherzigkeit und Unbarmherzigkeit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eErtrinken ist ein leiser Vorgang und doch ein langer Kampf gegen das Untergehen.\u201c In eindr\u00fccklichen Worten schilderte Hamamy den Tod, den in jedem Jahr tausende von Menschen im Mittelmeer zwischen Libyen und Italien finden. \u201eEs folgt der Tod. Sich langsam kr\u00fcmmend, sinkt der K\u00f6rper in die Tiefe.\u201c In der Tiefe der Meere, dort wo keine Hoheitsgebiete mehr sind, herrsche Freiheit. Der Meeresgrund sei \u201eHeritage of Manhood\u201c, das Erbe der Menschheit. Ebenso wie die Toten darauf. Mit diesen Worten begann ein nachdenklicher Tag, dessen Inhalt noch lange nachklingen wird.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit vielen anderen Menschen sind Sandra Hamamy und Fabian Melber regelm\u00e4\u00dfig auf dem Mittelmeer unterwegs, sie die \u201eim richtigen Leben\u201c Politologin an der Gie\u00dfener Universit\u00e4t ist, als Dolmetscherin und Rettungsschwimmerin, er, Student der Fotografie, als Fotojournalist und Chronist der Ereignisse. Denn Sea-Watch will nicht nur Menschenleben retten, sondern auch dokumentieren, was dort drau\u00dfen, fernab des medialen und auch des gesellschaftlichen Interesses passiert.<\/p>\n<p>Das Schiff der Sea-Watch patrouilliert regelm\u00e4\u00dfig vor der lybischen K\u00fcste. In das lybische Hoheitsgebiet, das ab der K\u00fcste noch 24 Meilen betr\u00e4gt, darf das Schiff nicht eindringen. Die sogenannte lybische K\u00fcstenwache hindert sie daran und unterbindet dort jegliche Rettungsversuche. Berichte von Sea-Watch dokumentieren, dass die Libyer Gefl\u00fcchtete in ihrem Hoheitsgebiet ertrinken lie\u00dfen. Die Retter selbst wurden bereits mehrfach von lybischem Milit\u00e4r bedroht und beschossen. Teil des Gesch\u00e4fts, das die EU mit dem politisch v\u00f6llig instabilen Land gemacht hat. 42 Millionen Euro gingen laut Hamamy im Jahr 2017 dort an Warlords, Terroristen und Milizen, die die aus Ost- und Westafrika in Libyen gestrandete Fl\u00fcchtlinge unter KZ-artigen Zust\u00e4nden halten, wie j\u00fcngst ein Bericht der Vereinten Nationen best\u00e4tigt hat. Folter, Erpressung und Sklavenhandel sind dort dokumentiert In diesem Jahr sollen daf\u00fcr 80 Millionen Euro an Geldern aus Deutschland eingeplant sein. \u201eF\u00fcr dieses Geld machen die Libyer den Drecksjob f\u00fcr Europa\u201c, fasste Hamamy zusammen. Die EU umgehe damit nicht nur die Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention, sondern auch die \u201eDuty to rescue\u201c, die Pflicht eines jeden Schiffes, in Not geratene Schiffe und Boote zu retten und zu einem sicheren Hafen zu bringen.<\/p>\n<p>\u201eEs ist die Erb\u00e4rmlichkeit der Umst\u00e4nde und es ist die Erb\u00e4rmlichkeit der beteiligten Regierungen, die uns zum Handeln zwingen\u201c, erkl\u00e4rte Hamamy ihre Motivation, ihre komplette Freizeit auf See zu verbringen und sich dort nicht nur dem Retten von Menschen sondern auch dem Zusehen von Sterben auszusetzen. \u201eEs gibt Situationen, da k\u00f6nnen wir nicht alle retten. Wir sind zu wenige Rettungsschwimmer, wenn ein Boot mit vielen hundert Gefl\u00fcchteten untergeht.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch wurden seit Gr\u00fcndung von Sea-Watch im Jahr 2014 30.000 Menschen gerettet. Wie sie das tun, auf welchen Routen das Sea-Watch-Schiff unterwegs ist, welche Begegnungen sie hatten und wie menschenverachtend die Versuche der EU sind, die Grenzen zu sch\u00fctzen, dar\u00fcber berichteten Hamamy und Melber jeweils einer Sch\u00fclergruppe mit Fotos, Fakten und Filmen. Hamamy berichtete von einem Boot mit \u201ejungen M\u00e4nnern\u201c, 14- bis 17-J\u00e4hrige, die sie vor Libyen rettete. Sie erkl\u00e4rte, wie es kommt, dass so viele junge M\u00e4nner und Kinder allein unterwegs sind. \u201eWenn Sie nur einen retten k\u00f6nnten, w\u00e4re das dann nicht Ihr Kind?\u201c, fragte sie die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, f\u00fcr die die Zust\u00e4nde, die Familien dazu bringen, ihre Kinder auf die Flucht zu schicken, nicht vorstellbar sind. \u201eMan kann \u00fcber die Fl\u00fcchtlingspolitik diskutieren, man kann kontroverser Meinung sein, aber man sollte sich immer an Fakten halten, und nicht an Schlagzeilen der Bildzeitung\u201c, mahnte sie die jungen Leute zu einem differenzierten Umgang mit dem Thema und betonte: \u201eNiemand, niemand nimmt eine Flucht auf sich f\u00fcr ein wenig mehr Wohlstand.\u201c<\/p>\n<p>Die finanziellen Bem\u00fchungen, die Fl\u00fcchtenden an den europ\u00e4ischen Grenzen aufzuhalten und somit zu verhindern, dass sie ihr hier g\u00fcltiges Recht auf Asyl wahrnehmen, \u00fcberstiegen die Kosten f\u00fcr Gefl\u00fcchteten in der EU um ein Vielfaches, berichtete Hamamy. Dar\u00fcber hinaus m\u00fcsse sich die EU durchaus fragen lassen, ob ihre Gesch\u00e4fte mit Partnern wie Erdogan oder Dikatoren und Warlords in Afrika moralisch vertretbar seien. \u201eMan h\u00f6rt dar\u00fcber wenig in den Medien \u2013 die Fl\u00fcchtlingsdeals sollen als Erfolg verkauft werden.\u201c Dabei st\u00e4rken sie nach Meinung der Aktivistin das Schmuggler- und Schleppergesch\u00e4ft. F\u00fcr sie sind legale Fluchtwege der einzige Weg, dieses zu verhindern.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bot dieser bewegende Vormittag tiefe Einblicke in einen dramatischen Aspekt der sogenannten Fl\u00fcchtlingskrise und wie Europa sie zu l\u00f6sen versucht. Sie bekamen damit Argumentationshilfen f\u00fcr Gespr\u00e4che zum Thema Flucht und Migration, aber sie nutzten die Anwesenheit der Aktivisten auch, um kritische Fragen zu stellen. Am Ende des Vortrages und des Austauschs bildeten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ein gro\u00dfes Friedenszeichen mit Kerzen im Hof der Schule. Sie nahmen damit Bezug auf eine Sea-Watch-Aktion und gedachten damit den vielen Menschen, die auf den Fluchtwegen nach Europa ihren Wunsch nach Sicherheit und Frieden mit ihrem Leben bezahlt hatten.<\/p>\n<p>Mehr Informationen unter www.sea-watch.org.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Flucht und Migration, Ursachen, Wirkung und Folgen sind eines der beherrschenden Themen der Gegenwart und der Zukunft. Nicht selten wird diese Diskussion hochemotional gef\u00fchrt, bestimmt auch von \u00c4ngsten um das eigene Wohlergehen in vielerlei Hinsicht. Seit den EU-Deals mit der T\u00fcrkei und Libyen hat die Zahl der nach Deutschland einreisenden Fl\u00fcchtlingen stark nachgelassen. 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