{"id":171286,"date":"2018-02-02T12:24:22","date_gmt":"2018-02-02T11:24:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=171286"},"modified":"2018-02-02T12:24:22","modified_gmt":"2018-02-02T11:24:22","slug":"schule-ist-das-was-man-draus-macht-elisabeth-hillebrand-geht-nach-20-jahren-als-schulleiterin-der-albert-schweitzer-schule-in-den-ruhestand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=171286","title":{"rendered":"\u201eSchule ist das, was man draus macht!\u201c &#8211; Elisabeth Hillebrand geht nach 20 Jahren als Schulleiterin der Albert-Schweitzer-Schule in den Ruhestand"},"content":{"rendered":"<p>20 Jahre lang stand Elisabeth Hillebrand an der Spitze der Albert-Schweitzer-Schule. Nun ging mit einer gro\u00dfen Verabschiedung in der Aula des Schulstandorts in der Schillerstra\u00dfe am vergangenen Mittwoch das \u201eelisabethanische Zeitalter\u201c, wie es in einem Redebeitrag des Schulleitungsteams hie\u00df, zu Ende. Ein Abschied ja, aber einer, den alle Beteiligten mit viel Humor und guten W\u00fcnschen, mit ganz offen gezeigter Wertsch\u00e4tzung und mit ehrlich gemeinter Bekundung von Respekt und Anerkennung meisterten.<\/p>\n<p>In ihrer Begr\u00fc\u00dfung freute sich die unkonventionelle Schulleiterin \u00fcber alle, die sie zum Abschied noch einmal in ihrer alten Wirkungsst\u00e4tte beehrten. Ihre gro\u00dfe Familie in der ersten Reihe, ehemalige Kollegen, Vertreter der Alsfelder Schulen, Weggef\u00e4hrten, Mitstreiter, au\u00dferschulische Kooperationspartner, sowie Vertreter des Schulamtes und des Vogelsbergkreises. Hocherfreut durchk\u00e4mmte sie die Reihen, sprach ihre G\u00e4ste an und stellte einzelne vor. Diese offene, zugewandte Art war ein Motiv, das sich sp\u00e4ter durch alle Reden zog, eine der offensichtlichsten Eigenschaften einer Frau, die, wie es der ehemalige Schulamtsleiter Christoph Fellner von Feldegg ausdr\u00fcckte, nach vielen anf\u00e4nglichen Steinen, die man ihr in den Weg gelegt hatte, stets ihre Zielgruppe von sich \u00fcberzeugen konnte: die Sch\u00fclerschaft.<\/p>\n<p>Diese wiederum lie\u00df es sich nicht nehmen, sowohl musikalisch, als auch mit kleinen Abschiedsworten Lebewohl zu sagen. \u201eWir lieben Ihre coole Art, Ihre offene T\u00fcr und Ihr Verst\u00e4ndnis f\u00fcr uns. Es ist schade, dass Sie gehen.\u201c \u201eIhr werdet mit sehr fehlen\u201c, antworte Hillebrand ergriffen und f\u00fcgte hinzu: \u201eDas geht ja gut los!\u201c Sp\u00e4ter im Lauf der Veranstaltung spielten noch das Schulorchester unter der Leitung von Arno Pausch und die Big Band unter der Leitung von Martin Wilhelm zum Abschied auf, und auch die Vertreter der SV, Marie Decker, Emilia Zulauf und Diyar Ilhan, bedankten sich bei ihrer Schulleiterin f\u00fcr das Engagement, die offene Art und \u2013 f\u00fcr Insider \u2013 die Schulmilchwerbung.<\/p>\n<p>Das erste Wort nach der Begr\u00fc\u00dfung hatte jedoch Volker Karger, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamtes in Gie\u00dfen. \u201eSchule ist das, was man draus macht\u201c und \u201eWer aufh\u00f6rt besser zu werden, ist nicht mehr gut\u201c, zitierte er die scheidende Schulleiterin, und lobte sie f\u00fcr die inhaltliche Komplexit\u00e4t dieser Aussagen, die sie an ihrer Schule stets mit Leben gef\u00fcllt hat, wie zahlreiche Beispiele der Schulentwicklung und auch der Reaktion auf Ver\u00e4nderung von au\u00dfen belegten: So habe sie sich ganz besonders f\u00fcr die ASS als Schule im l\u00e4ndlichen Raum starkgemacht, sie habe das Ganztagsangebot eingef\u00fchrt, vielf\u00e4ltigste AG-Angebote pr\u00e4sentiert und eine Vorreiterrolle bei der Einf\u00fchrung der interaktiven Whiteboards eingenommen. Dar\u00fcber hinaus habe sie die Praxisorientierung sowie die Zusammenarbeit mit au\u00dferschulischen Partnern forciert und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern damit viel Einblick in das Leben au\u00dferhalb der Schule vermittelt. Auch gesellschaftspolitisch habe sie mit der Einf\u00fchrung der Aktuellen Runde einen weiteren hochrelevanten Aspekt eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Landrat Manfred G\u00f6rig, nicht nur als Schuldezernent, sondern auch als politischer Weggef\u00e4hrte schon lange mit Hillebrand bekannt, w\u00fcrdigte ihre Verdienste in einer sehr pers\u00f6nlichen Ansprache. Auch er wies auf die anf\u00e4nglichen Schwierigkeiten hin, die die Schulleiterin \u2013 u. a. als erste Frau nach 140 Jahren auf dieser Position \u2013 bew\u00e4ltigen musste. 2.600 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler hat sie in den 20 Jahren ihrer Amtszeit zum Abitur begleitet, f\u00fcnf Schuldezernenten kennengelernt und aus allen Ver\u00e4nderungen in der Bildungspolitik das Beste f\u00fcr ihre Schule gemacht. \u201eNach 20 Jahren geht eine \u00c4ra zu Ende\u201c, so der Landrat, der die scheidende Schulleiterin f\u00fcr ihre Kreativit\u00e4t, ihren hohen Anspruch und die \u00d6ffnung der Schule nach au\u00dfen lobte. Zeichen f\u00fcr ihr hohes Engagement seien zum einen die internen Ver\u00e4nderungen, wie die Schaffung einer Themen- und Wanderwoche, der Ausbau der Schulbibliothek und die Einf\u00fchrung von Orchesterklassen, zum anderen aber auch das \u00e4u\u00dfere Erscheinungsbild, das sie im Rahmen von Sanierungsma\u00dfnahmen und Anbauten stark ver\u00e4ndert habe. Sie sei immer am Puls der Zeit geblieben, so der Redner, und verlasse eine sehr gut aufgestellte Schule.<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Stephan Paule, selbst ehemaliger Sch\u00fcler der ASS, zitierte ein Bild aus Hillebrands Amtseinf\u00fchrung: Sie sei die Kapit\u00e4nin auf einem Flaggschiff, hatte es damals gehei\u00dfen. Heute zog Paule das Bild vom Lotsen heran, der das Schiff verlasse, betonte jedoch in Anspielung auf das Bismarck\u00e2\u20ac\u2122sche Motiv, dass sie sich wesentlich von dessen Konservatismus unterscheide: Innovationskraft und Modernit\u00e4t h\u00e4tten ihre Amtszeit gepr\u00e4gt und der Schule zu einer Strahlkraft weit \u00fcber Alsfelds Grenzen hinaus verholfen. Nach den Vertretern des SV sprach Dieter Welker f\u00fcr den F\u00f6rderverein der ASS. Er ging auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft ein und stellte die These auf, dass Hillebrand angesichts der dauerhaften Diskriminierung von Frauen den folgerichtigen Weg als P\u00e4dagogin ergriffen habe. Launig holte er sich Anleihen bei Homer, der sie sicher der Gemeinschaft der Amazonen zugeordnet h\u00e4tte, wenn auch Odysseus heute noch nicht von seiner Odyssee zur\u00fcckw\u00e4re, w\u00e4re er unterwegs auf Elisabeth Hillebrand getroffen.<\/p>\n<p>Diese Worte waren beispielhaft f\u00fcr den lockeren, sehr humorvollen und auch sehr pers\u00f6nlichen Umgang, den die Schulleiterin offenbar mit vielen Menschen aus ihrem Umfeld pflegte, auch wenn sie, wie sie sp\u00e4ter unverhohlen zugab, sehr pragmatisch und manchmal auch fordernd ist. \u201eDoch nichts von alldem, f\u00fcr das ich jetzt gelobt werde, h\u00e4tte ich alleine geschafft. Es ging nur mit einem guten Team\u201c, gab sie den Dank weiter. Nichtsdestotrotz zollten ihr alle Weggef\u00e4hrten Wertsch\u00e4tzung und Respekt, so auch Christoph Fellner von Feldegg, der auf eine lange gemeinsame Arbeit blicken konnte. \u201eKann die \u00fcberhaupt Abitur? Kann die \u00fcberhaupt Schulleitung?\u201c, h\u00e4tten die bissigen Kommentare zu Beginn ihrer Laufbahn gefragt. \u201eSie konnte\u201c, stellte Fellner von Feldegg fest und betonte, dass die Grundmaxime ihres Handelns stets die Frage gewesen sei: \u201eWas n\u00fctzt es den Sch\u00fclern?\u201c Damit habe sie sich um die Schule sehr verdient gemacht, was ihr nicht zuletzt mit dem Aufbau eines kompetenten Schulleitungsteams gelungen sei.<\/p>\n<p>Worte eines erfahrenen Un-Ruhest\u00e4ndlers \u00fcberbrachte schlie\u00dflich Hillebrands Vorg\u00e4nger Konrad R\u00fcssel. Er hatte zahlreiche gute Tipps f\u00fcr einen gelungenen Un-Ruhestand parat. Als Abordnung der Max-Eyth-Schule, aber auch in ganz pers\u00f6nlicher Mission, brachten Stephanie Ebert und Christoph Mogel der inzwischen vielfach Geehrten ein wunderbares St\u00e4ndchen dar, bevor der Personalratsvorsitzende Daniel Wolf sich im Namen des Kollegiums bei der scheidenden Schulleiterin bedankte. 80% aller jetzt t\u00e4tigen Lehrer habe sie eingestellt, so Wolf. H\u00f6re man sich in den Lehrerzimmern um, so sei es Konsens, dass alle sich an der ASS sehr wohlf\u00fchlten. Er lobte sie f\u00fcr ihre Offenheit und ihre Innovationskraft, aber auch f\u00fcr den hohen Stellenwert, den sie der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zugeordnet habe.<br \/>\nDen letzten Redebeitrag hatten sich Christian Bolduan und Thomas Weidemann aufgehoben. Sie pr\u00e4sentierten ihre Schulleiterin in einer Reihe mit gro\u00dfen Elisabethen der Weltgeschichte, denen sie in Warmherzigkeit und sozialem Anspruch (Hl. Elisabeth), in Gestaltungskraft und Positionsbewusstsein (Queen Elisabeth I.) und in Z\u00e4higkeit, Beharrlichkeit und Gesundheit (Queen Elisabeth II.) in nichts nachstehe.<br \/>\n\u201eEs bleibt eine Lebensleistung, die sich sehen lassen kann. Generationen von Lehrern, Referendaren, Sch\u00fclern und Abiturienten wissen die Albert-Schweitzer-Schule untrennbar mit Ihrem Namen verbunden\u201c, so die beiden Redner. \u201eEs bleibt das dickste Kapitel in der Schulgeschichte der ASS, das bisher geschrieben wurde. Es wird auch f\u00fcr lange Zeit \u2013 vielleicht f\u00fcr immer \u2013 das inhaltsreichste sein.\u201c<\/p>\n<p>Werdegang:<br \/>\nNach einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin besuchte Elisabeth Hillebrand die Fachoberschule, machte Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und studierte Gartenwissenschaften an der Universit\u00e4t Hannover. Sie trat 1981 den Vorbereitungsdienst f\u00fcr den h\u00f6heren landwirtschaftlichen und ern\u00e4hrungswissenschaftlichen Dienst beim Regierungspr\u00e4sidium K\u00f6ln an. Nach Hessen kam sie aus privaten Gr\u00fcnden im Jahr 1985; hier unterrichtete sie zun\u00e4chst an der Max-Eyth-Schule in Alsfeld und wechselte 1992 als Studiendirektorin zur Koordinierung schulfachlicher Aufgaben an die Gesamtschule in Schlitz. 1998 wurde sie Schulleiterin der ASS, zun\u00e4chst kommissarisch, 1999 endg\u00fcltig. Elisabeth Hillebrand ist sowohl ehrenamtlich als auch politisch aktiv. Unter anderem ist Kreistagsmitglied. Die dreifache Mutter und sechsfache Gro\u00dfmutter will sich nun verst\u00e4rkt der Frauenpolitik widmen, da es dort in den letzten Jahrzehnten wenig Bewegung gegeben habe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>20 Jahre lang stand Elisabeth Hillebrand an der Spitze der Albert-Schweitzer-Schule. 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