{"id":171262,"date":"2018-02-01T16:16:22","date_gmt":"2018-02-01T15:16:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=171262"},"modified":"2018-02-01T16:16:22","modified_gmt":"2018-02-01T15:16:22","slug":"nichts-von-janne-teller-theaterauffuehrung-der-q3-der-albert-schweitzer-schule-fragt-nach-dem-sinn-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=171262","title":{"rendered":"\u201eNichts\u201c von Janne Teller \u2013 Theaterauff\u00fchrung der Q3 der Albert-Schweitzer-Schule fragt nach dem Sinn des Lebens"},"content":{"rendered":"<p>Das Szenario ist bekannt und macht auf den ersten Blick keinen so originellen Eindruck. Eine Schulklasse. Irgendwo in einem kleinen, ordentlichen Ort. Die Kinder, lauter 13- bis 14-J\u00e4hrige, folgen Eltern und Lehrern auf dem Weg, \u201eetwas und jemand zu werden.\u201c Einzig die scheinbar harmlose Musik und die Ank\u00fcndigung der Erz\u00e4hlerin, dass in der 2. Augustwoche etwas Schreckliches passieren w\u00fcrde, l\u00e4sst aufhorchen. Am Ende der Auff\u00fchrung des Theaterst\u00fccks \u201eNichts. Was im Leben wichtig ist\u201c, eine von dem DS-Kurs der Q3 unter der Leitung von Miriam Reus selbst adaptiere B\u00fchnenversion des gleichnamigen Romans der d\u00e4nischen Autorin Janne Teller, wird es eine ganz Reihe an Leib und Seele verletzter junger Menschen geben, einen Toten und die unaufgel\u00f6ste Erkenntnis, dass offenbar wirklich nichts eine Bedeutung hat.<\/p>\n<p>Dreimal hat der Kurs der angehenden Abiturienten das beklemmende St\u00fcck kurz vor Halbjahresende in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in der Krebsbach aufgef\u00fchrt und mit vielen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, aber auch mit einem erwachsenem Publikum, die Frage nach dem Sinn des Lebens geteilt.<\/p>\n<p>In dem St\u00fcck stellt sie der Sch\u00fcler Pierre Anthon, der sich eines Tages unversehens aus dem unkritischen Klassenverband erhebt, um festzustellen, dass nichts irgendetwas bedeutet. Dass es sich daher auch nicht lohne, irgendetwas zu tun. Einzig Teil des Nichts zu werden, erscheint ihm sinnvoll, und er besetzt einen Pflaumenbaum auf dem Schulweg, um fortan \u201eTeil von nichts\u201c zu werden und den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler tagt\u00e4glich auf dem Schulweg seine nihilistischen Sentenzen mitzugeben. Mit der Zeit frisst sich der Zweifel in die Kinder: Sollte Pierre Anthon recht haben? Sie schmieden einen Plan: In einem stillgelegten S\u00e4gewerk errichten sie ihren \u201eBerg der Bedeutung\u201c, dessen Aufbau den Kritiker Pierre Anthon \u00fcberzeugen soll. Jeder von ihnen soll etwas darauf opfern, was ihm wichtig ist. Schon bald erkennen die Jugendlichen jedoch selbst, dass eine alte Puppe, ein Kamm oder ein einst benutztes Gesangbuch nicht von jener Bedeutung sind, um die es Pierre Anthon geht. Mit nichts k\u00f6nnen sie den Nihilisten beeindrucken, der nicht m\u00fcde wird, seine destruktiven Erkenntnisse wie \u201eIn demselben Moment, in dem ihr geboren werdet, fangt ihr an zu sterben\u201c zu verbreiten. Doch was hat angesichts solcher Aussagen eine Bedeutung? Wie widerlegt man sie und wo findet man das, was wirklich wichtig ist? Offenbar muss es wehtun, um zu wirken. Der erste von ihnen muss seine Boxhandschuhe opfern und legt damit auch ein St\u00fcck seiner selbst auf den Berg. Er darf den n\u00e4chsten Opfernden benennen, und mit jeder empfundenen Schwere des Opfers wachsen die Anforderungen an das n\u00e4chste. Bald zieren abgeschnittene Haare, tote Hamster, blutige Hundek\u00f6pfe oder ein ausgebuddelter Kindersarg den Berg. Was kommt als n\u00e4chstes dran, fragt sich das Publikum mittlerweile, und ist fast froh, als, nachdem ein Junge, der Pilot werden wollte und der sich nun ein Auge ausstechen muss, die \u00d6ffentlichkeit von dem d\u00fcsteren Treiben Wind bekommt. Die Aktion wird Aufreger in den Medien und hochbezahltes Kunstobjekt. Doch schenkt das irgendwem oder irgendeiner Sache eine Bedeutung? Im Gegenteil, befindet gegen Ende der Auff\u00fchrung Pierre Anthon: Das mediale Interesse ist vorbei, und wenn man selbst den \u201eBerg der Bedeutung\u201c verkauft hat, dann kann er wohl kaum von Bedeutung gewesen sein. An diesem Tag im S\u00e4gewerk entl\u00e4dt sich alles, der Schmerz, die Frustration und die Erkenntnis, dass Pierre Anthon offenbar recht hat, in einer einzigen hemmungslosen Schl\u00e4gerei, an deren Ende Pierre Anthon leblos zur\u00fcckbleibt und das alte Geb\u00e4ude abbrennt.<\/p>\n<p>Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler werden auf andere Schulen im ganzen Land verteilt, sie versuchen, das Geschehene zu vergessen und ihre Mitsch\u00fcler gleich mit. Doch nat\u00fcrlich werden sie diese Tage im August nicht los. Und was noch schlimmer ist: Sie finden keine Antwort auf die Frage nach der Bedeutung. Auch sp\u00e4ter nicht.<\/p>\n<p>Die Inszenierung der Kurses Q3 der Albert-Schweitzer-Schule wirkte trotz des beklemmenden Themas sehr lebendig, was vermutlich der Tatsache geschuldet war, dass die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler das St\u00fcck selbst ausgew\u00e4hlt und die Theateradaption mit eigenen Themen variiert haben. Der B\u00fchnenaufbau \u2013 mit Hochsitz als Pflaumenbaum im Publikumsbereich \u2013 war trotz seiner Schlichtheit abwechslungsreich und ansprechend, die immergleiche scheinbar harmlose Musik wirkte als Gegenpart zur immer offensichtlicher werdenden Bedrohung und untermauerte die Schwere des St\u00fccks. Auch die Kost\u00fcme der Darstellenden wandelten sich mit der Zeit: Die bunten Teile verschwanden nach der Opfergabe, Zeichen f\u00fcr die Trauer um die Opfer, die auf den \u201eBerg der Bedeutung\u201c gebracht wurden. Mit \u201eNichts. Was im Leben wichtig ist\u201c hatte der Kurs von Miriam Reus kein leichtes St\u00fcck ausgew\u00e4hlt, am Ende gab es keine L\u00f6sung. \u201eDas hat die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler besonders gereizt, das fehlende Happy End\u201c, erl\u00e4utert Reus, \u201eund die Erkenntnis, dass man mit der Frage nach der Bedeutung, nach dem Sinn leben muss und ihre Schwere hin und wieder einfach auszuhalten hat.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Das Szenario ist bekannt und macht auf den ersten Blick keinen so originellen Eindruck. Eine Schulklasse. Irgendwo in einem kleinen, ordentlichen Ort. Die Kinder, lauter 13- bis 14-J\u00e4hrige, folgen Eltern und Lehrern auf dem Weg, \u201eetwas und jemand zu werden.\u201c Einzig die scheinbar harmlose Musik und die Ank\u00fcndigung der Erz\u00e4hlerin, dass in der 2. 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