{"id":171204,"date":"2018-01-31T14:25:26","date_gmt":"2018-01-31T13:25:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=171204"},"modified":"2018-01-31T14:38:43","modified_gmt":"2018-01-31T13:38:43","slug":"die-frau-vom-check-point-charlie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=171204","title":{"rendered":"Die Frau vom Check Point Charlie"},"content":{"rendered":"<p>Mucksm\u00e4uschenstill wird es, wenn Jutta Fleck und ihre Tochter Beate Gallus von ihrem missgl\u00fcckten Fluchtversuch aus der DDR erz\u00e4hlen, die Tochter aus Sicht der damals 9-J\u00e4hrigen, die Mutter 35-j\u00e4hrig. Betroffenheit kommt auf bei den Zehtkl\u00e4sslern der Privaten Realschule: Kaum vorstellbar sind die Schilderungen der Zeitzeuginnen \u00fcber die unnachgiebige H\u00e4rte des DDR-Staates, die die Mutter von ihren beiden T\u00f6chtern im Jahr 1982 f\u00fcr lange Zeit trennt. Jutta Fleck, damals Jutta Gallus, landet im ber\u00fcchtigten Frauengef\u00e4ngnis Burg Hoheneck. Die M\u00e4dchen Beate (9) und Claudia (11) werden, ohne sich von der Mutter verabschieden zu d\u00fcrfen, in ein Kinderheim gebracht. Dass der Schock tief sitzt, ist der heute 46-j\u00e4hrigen Tochter anzumerken. Die Stimme ist leicht gebrochen, wenn sie erz\u00e4hlt: &#8220;Wir wurden im Kinderheim noch nicht einmal mehr mit den Namen angesprochen. Wir waren nur noch Nummern, als Individuen ausgeblendet, nichts wert.&#8221; Nur ein Ziel habe der Staat verfolgt: &#8220;Die Umerziehung zu guten sozialistischen Pers\u00f6nlichkeiten.&#8221; F\u00fcr die Mutter ist der Gef\u00e4ngnisalltag die H\u00f6lle, nach 26 langen Monaten wird sie vom Westen freigekauft, doch die Kinder m\u00fcssen zur\u00fcckbleiben. Immer wieder unterbrechen Mutter und Tochter ihre Erz\u00e4hlungen, um mit den aufmerksamen und interessierten Sch\u00fclern zu diskutieren, dabei weisen sie auf die vielfachen Unterschiede zwischen Diktatur und Demokratie hin. Unverst\u00e4ndnis herrscht bei den Jugendlichen \u00fcber die damalige Willk\u00fcr und Staatsmacht: &#8220;Nicht reisen zu k\u00f6nnen, wohin ich m\u00f6chte? Kann ich mir nicht vorstellen.&#8221; Oder: &#8220;Meine Meinung nicht \u00e4u\u00dfern zu d\u00fcrfen, warum denn nicht?&#8221; Die weiteren Schilderungen von Jutta Fleck wurden in dem ARD-Zweiteiler &#8220;Die Frau vom Check Point Charlie&#8221; verfilmt und sind ebenfalls in einem Taschenbuch festgehalten. Am Berliner Grenz\u00fcbergang steht die Mutter nach ihrer \u00dcbersiedlung in die BRD Tag f\u00fcr Tag, bei Wind und Wetter, mit einem Plakat, auf dem ihr lauter Protest zu lesen ist: &#8220;Gebt mir meine Kinder wieder.&#8221; Auge in Auge steht sie hier mit den Grenzsoldaten der DDR. &#8220;Mir wurde gedroht, ich musste um mein Leben f\u00fcrchten, doch meinen Kindern kam ich keinen Zentimeter n\u00e4her.&#8221; Erleichterung auf Seiten der Sch\u00fcler bei der Schilderung, dass es nach vier Jahren doch noch gelang, die M\u00e4dchen in den Westen zu holen. &#8220;Endlich kam das erl\u00f6sende Signal aus Berlin, dass ich meine T\u00f6chter wiedersehen werde.&#8221; Zahlreiche Fragen der Sch\u00fcler schlie\u00dfen sich an die Ausf\u00fchrungen von Mutter und Tochter an. Eines best\u00e4tigen alle wie aus einem Mund: &#8220;Solch einen spannenden Geschichtsunterricht haben wir noch nie erlebt. Das ist viel eindrucksvoller als jede Unterrichtsstunde.&#8221; Jutta Fleck wiederum, die heute als freie Mitarbeiterin bei der hessischen Zentrale f\u00fcr politische Bildung arbeitet, besucht regelm\u00e4\u00dfig Schulen, denn, so ihre Worte: &#8220;Gemeinsam mit vielen weiteren Zeitzeugen treten wir an gegen das Vergessen und m\u00f6chten Mut machen f\u00fcr das eigene Leben.&#8221; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Mucksm\u00e4uschenstill wird es, wenn Jutta Fleck und ihre Tochter Beate Gallus von ihrem missgl\u00fcckten Fluchtversuch aus der DDR erz\u00e4hlen, die Tochter aus Sicht der damals 9-J\u00e4hrigen, die Mutter 35-j\u00e4hrig. Betroffenheit kommt auf bei den Zehtkl\u00e4sslern der Privaten Realschule: Kaum vorstellbar sind die Schilderungen der Zeitzeuginnen \u00fcber die unnachgiebige H\u00e4rte des DDR-Staates, die die Mutter von &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":171205,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-171204","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/171204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=171204"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/171204\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":171222,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/171204\/revisions\/171222"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/171205"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=171204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=171204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=171204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}