{"id":171151,"date":"2018-01-29T18:25:20","date_gmt":"2018-01-29T17:25:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=171151"},"modified":"2018-01-29T18:25:20","modified_gmt":"2018-01-29T17:25:20","slug":"meltdown-und-spectre-bug-oder-hintertuer-it-sicherheitsexperte-ist-skeptisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=171151","title":{"rendered":"Meltdown und Spectre: Bug oder Hintert\u00fcr? IT-Sicherheitsexperte ist skeptisch"},"content":{"rendered":"<p>Die Prozessor-Sicherheitsl\u00fccken Meltdown und Spectre halten seit Jahresbeginn die gesamte IT-Branche in Atem, denn aus ihr ergeben sich nicht nur \u00fcber ein Dutzend Angriffsm\u00f6glichkeiten. M\u00f6gliche Attacken hinterlassen nicht einmal Spuren in traditionellen Log-Dateien. Betroffen sind die Chip-Hersteller Intel, AMD und ARM \u00c2\u2013 und mit ihnen praktisch jeder in Computern verbaute Prozessor seit den 90er Jahren.<\/p>\n<p>Nun meldet sich Christian Heutger, IT-Sicherheitsexperte, zu Wort: \u00c2\u201eDas Ausma\u00df ist kaum zu fassen. Die Rede ist nicht nur von Prozessoren, die in unseren privaten wie gesch\u00e4ftlichen IT-Ger\u00e4ten und Smartphones verbaut sind. Sie sind auch in Krankenh\u00e4usern, Kraftwerken, in Netzwerkservern \u00c2\u2013 also in Systemen, die Teil Kritischer Infrastruktur sind \u00c2\u2013 verbaut\u00c2\u201c. Der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der PSW GROUP (www.psw-group.de) ist skeptisch: \u00c2\u201eDie Sicherheitsl\u00fccke Meltdown existiert f\u00fcr Intel seit 1995 und ist massiv. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieser Bug den Chip-Herstellern nicht ansatzweise selbst in den Sinn gekommen ist. Denn auch Gro\u00dfkonzerne wie Intel oder AMD haben Fachleute, die Sicherheitsschw\u00e4chen in Mikroprozessoren erforschen. Warum braucht es Experten von Google Project Zero und Forscher von Universit\u00e4ten und aus der Industrie, um das Problem zu entdecken und die Chiphersteller quasi vor vollendete Tatsachen zu stellen?\u00c2\u201c<\/p>\n<p>Dabei scheint gerade Meltdown f\u00fcr Angreifer einfach zu nutzen sein. Die Sicherheitsl\u00fccken Meltdown und Spectre erlauben das Auslesen des Speichers, auf die der User-Prozess erst gar nicht zugreifen k\u00f6nnen d\u00fcrfte und spendieren Angreifern wie Malware oder Hackern dadurch Zugang zu sensiblen Nutzerdaten, beispielsweise auf Passw\u00f6rter. \u00c2\u201eWarum sollten nicht hochprofessionalisierte Hacker die L\u00fccken bereits entdeckt und sie ausgenutzt haben? Nur weil bislang keine Schadsoftware bekannt ist, die Meltdown oder Spectre ausnutzt? Und genau das ist auch das n\u00e4chste Problem: Antivirenl\u00f6sungen erkennen nur Schadprogramme, die bereits bekannt sind. Automatisch erkennt keine Antivirenl\u00f6sung der Welt ein ihr unbekanntes Schadprogramm. Denn erst anhand seiner individuell typischen Signatur k\u00f6nnen Antivirenl\u00f6sungen ein solches Programm erkennen und blockieren\u00c2\u201c, macht Christian Heutger auf Auswirkungen aufmerksam.<\/p>\n<p>Damit nicht genug: Auch Geheimdienste k\u00f6nnen die Sicherheitsl\u00fccken als offene Hintert\u00fcr nutzen und damit Zugang zu jedem erw\u00fcnschten System auf der Welt zu erlangen. Wenngleich der US-Geheimdienst NSA versichert, Meltdown und Spectre seien nicht zum Aussp\u00e4hen von Daten genutzt worden, bleibt Heutger vorsichtig: \u00c2\u201eF\u00fcr einen Geheimdienst w\u00e4ren Angriffe \u00fcber die beiden Sicherheitsl\u00fccken ungemein wertvoll, da sie keine Spuren hinterlassen. Sp\u00e4testens seit den Ver\u00f6ffentlichungen von Edward Snowden wissen wir um die ausufernden, weltweiten Aussp\u00e4h-Aktivit\u00e4ten der NSA.\u00c2\u201c<\/p>\n<p>Technisch gesehen handelt es sich bei den Sicherheitsl\u00fccken um einen Bruch der Memory Isolation. Moderne Out-of-Order-Prozessoren tun, was ihr Name bereits vorgibt: sie agieren \u00c2\u201eout of order\u00c2\u201c (\u00c2\u201eau\u00dfer Betrieb\u00c2\u201c). Um Performance-Vorteile zu sichern, f\u00fchren die Prozessoren spekulativ einige Befehle aus, die beispielsweise Translation Lookaside Buffer aktualisieren, die f\u00fcr die Adressberechnung notwendig sind oder die eventuell ben\u00f6tigte Daten in Caches laden. So werden Befehle ausgef\u00fchrt, die im realen Programmfluss m\u00f6glicherweise eben doch nicht ausgef\u00fchrt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>\u00c2\u201eGenau da liegt das Problem. Damit werden T\u00fcr und Tor f\u00fcr etliche Angriffsszenarien ge\u00f6ffnet. Die Forscher, die die Sicherheitsl\u00fccken Meltdown und Spectre entdeckt haben, sorgen in ihren Angriffsszenarien daf\u00fcr, dass das Spekulieren bei bestimmten Befehlen grunds\u00e4tzlich schiefgeht. So erh\u00f6ht sich die Zeit, die der Prozessor ben\u00f6tigt, um die fehlerhafte Spekulation zu erkennen. In dieser Zeit k\u00f6nnen Folgebefehle \u00c2\u201etransient\u00c2\u201c ausgef\u00fchrt werden. Diese werden ausschlie\u00dflich spekulativ mit internen Registern, nie aber mit Architekturregistern ausgef\u00fchrt\u00c2\u201c, erkl\u00e4rt Christian Heutger.<\/p>\n<p>F\u00fcr den normalen User ist die Situation aktuell sehr undurchsichtig. Die L\u00fccke wird als sehr gravierend eingesch\u00e4tzt und s\u00e4mtliche Hersteller bem\u00fchen sich um schnelle L\u00f6sungen. Googles Analysen zeigen, dass man lokal Code ausf\u00fchren k\u00f6nnen muss, um einen Angriff zu starten. Welche Auswirkungen die L\u00fccke tats\u00e4chlich hat und wie sich die Gegenma\u00dfnahmen auswirken, muss sich erst noch zeigen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Prozessor-Sicherheitsl\u00fccken Meltdown und Spectre halten seit Jahresbeginn die gesamte IT-Branche in Atem, denn aus ihr ergeben sich nicht nur \u00fcber ein Dutzend Angriffsm\u00f6glichkeiten. M\u00f6gliche Attacken hinterlassen nicht einmal Spuren in traditionellen Log-Dateien. Betroffen sind die Chip-Hersteller Intel, AMD und ARM \u00c2\u2013 und mit ihnen praktisch jeder in Computern verbaute Prozessor seit den 90er Jahren. &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":171152,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-171151","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/171151","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=171151"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/171151\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":171153,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/171151\/revisions\/171153"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/171152"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=171151"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=171151"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=171151"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}