{"id":170336,"date":"2017-12-15T07:56:04","date_gmt":"2017-12-15T06:56:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=170336"},"modified":"2017-12-15T07:56:04","modified_gmt":"2017-12-15T06:56:04","slug":"an-expertinnen-wissen-fehlt-es-nicht-taubenhaus-in-der-fuldau-7608048-e-teure-fehlplanung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=170336","title":{"rendered":"An Expert*innen-Wissen fehlt es nicht &#8211; Taubenhaus in der Fuldau = 76080,48 \u00e2\u201a\u00ac teure Fehlplanung"},"content":{"rendered":"<p>Seit Ende Mai 2015 ist nach \u00fcber zweij\u00e4hriger Planungs- und Bauphase das Taubenhaus am Rande der Fuldaaue fertiggestellt. Gekostet hat das Bauwerk exakt 76.080,48 \u00e2\u201a\u00ac*. Im Juni 2015 hat ein Z\u00fcchter 16 eigene Tiere hier angesiedelt, um Tauben aus dem Stadtzentrum anzulocken.<\/p>\n<p>Der Standort war von Anfang an umstritten, da dieser zum einen zu weit entfernt vom Lebensraum der st\u00e4dtischen Taubenpopulationen ist und zum anderen ein Auengebiet zwar viele Vogelarten beheimatet \u2013 Tauben jedoch ein anderes Umfeld bevorzugen. Doch wider besseres Wissen wurde auf diese Notl\u00f6sung gesetzt oder vielmehr beratungsresistent diese teure Fehlentscheidung getroffen und umgesetzt. &#8220;Das ist schon ein ziemliches Armutszeugnis. Dass nun aber noch per Gutachten gekl\u00e4rt werden soll, was der Stadt Fulda schon mehrfach und kostenlos von Vogelexperten und Menschen, die sich seit Jahren mit L\u00f6sungen f\u00fcr die Stadttauben besch\u00e4ftigen, dargelegt wurde, l\u00e4sst Schilda gr\u00fc\u00dfen&#8221;, kommentiert Ute Riebold, Mitglied im Ausschuss f\u00fcr Bauwesen, Stadtplanung und Umwelt.<\/p>\n<p>Ein kurzer R\u00fcckblick auf die vergangenen zweieinhalb Jahre seit Fertigstellung des Holzhauses:<br \/>\nAnfang Februar 2016 erkl\u00e4rte B\u00fcrgermeister Wehner auf eine Anfrage: &#8220;\u00e2\u20ac\u00a6 Da von Beginn an klar war, dass das Taubenhaus eine gewisse Anlaufzeit ben\u00f6tigt, soll zun\u00e4chst die weitere Entwicklung der Taubenpopulation im Jahr 2016 abgewartet werden.&#8221;<\/p>\n<p>Ein Jahr darauf (Februar 2017) erkl\u00e4rte er auf eine weitere Anfrage: &#8220;\u00e2\u20ac\u00a6 Ob das Taubenhaus den innerst\u00e4dtischen Taubenbestand verringert, kann erst nach ca. 5 Jahren konkret beantwortet werden. \u00e2\u20ac\u00a6&#8221;<br \/>\nWeitere 4 Monate sp\u00e4ter (Juni 2017) antwortet B\u00fcrgermeister Wehner auf eine CDU-Anfrage: &#8220;\u00e2\u20ac\u00a6 Insgesamt wird das Taubenhaus von den Tauben gut angenommen.<\/p>\n<p>Einen R\u00fcckgang der Tauben aus dem innerst\u00e4dtischen Bereich wird allerdings nicht deutlich wahrgenommen. Daf\u00fcr bedarf es der Beobachtung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum. Ungeachtet des Taubenhauses am Rande der Innenstadt wird derzeit \u00fcberpr\u00fcft, ob weitere kleine Taubenschl\u00e4ge im innerst\u00e4dtischen Bereich sinnvoll sind. Hierzu wird derzeit eine Ausschreibung vorbereitet, um einen Gutachter hinzuziehen zu k\u00f6nnen. \u00e2\u20ac\u00a6&#8221;<br \/>\nEin erneuter Stillstand von einem knappen halben Jahr folgte: Die Anfrage der CDU im Rahmen der Haushaltsberatungen wird fast gleichlautend wie im Juni beschieden.<\/p>\n<p>Anstatt einfach einen Punkt zu machen und nun endlich die Fachleute ernst zu nehmen wird seit Monaten auf ein Gutachten verwiesen, was weder n\u00f6tig ist noch in Auftrag gegeben wurde. Statt sich in Selbstkritik zu \u00fcben, wird der schwarze Peter auf Menschen geschoben, die sich um das Wohl der Stadttauben sorgen. &#8220;Das F\u00fcttern von Tauben mit artgerechtem Futter am Uniplatz h\u00e4lt die Tauben sicher nicht davon ab, sich in der Fuldaaue anzusiedeln. Das ist weder das Problem noch die L\u00f6sung des Problems.&#8221; Frau Riebold hat Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Menschen, die nicht weiter darauf warten wollen, dass den Tauben in ihrem Lebensraum ein Ort eingerichtet wird, in dem sie K\u00f6rnerfutter erhalten und der Bestand tierschutzgerecht durch Austausch von Eiern gegen Attrappen reguliert werden kann: &#8220;Das ist auch im Sinne des Denkmal- und Geb\u00e4udeschutzes, der Menschen und der Hygiene. Der Kot der Tauben ist nur durch die ungesunde Nahrung sch\u00e4dlich f\u00fcr Geb\u00e4udefassaden. Durch eine artgerechte F\u00fctterung \u2013 Tauben sind K\u00f6rnerfresser &#8211; und Unterbringung werden solche Sch\u00e4den verhindert. Nicht von ungef\u00e4hr wurde Taubenkot fr\u00fcher als hochwertiger D\u00fcnger verwendet. Mit der Androhung der Erh\u00f6hung der Geldbu\u00dfe von eigenen Verfehlungen abzulenken ist weder angebracht, noch souver\u00e4n oder integer.&#8221; Bereits heute k\u00f6nnte ein Versto\u00df gegen das Taubenf\u00fctterungsverbot (Ordnungswidrigkeit) mit einer Geldbu\u00dfe bis 5000 \u00e2\u201a\u00ac belegt werden. &#8220;Da frag ich mich, welche Strafe dem B\u00fcrgermeister so vorschwebt. Es wird dar\u00fcber nachgedacht, von \u00e4lteren Damen f\u00fcr das Verteilen von K\u00f6rnern hohe Geldbetr\u00e4ge zu verlangen und andererseits wird das Menschen gef\u00e4hrdende Zuparken von Radwegen mit 20 \u00e2\u201a\u00ac geahndet \u2013 wenn \u00fcberhaupt eingeschritten wird.&#8221;<\/p>\n<p>Seit fast eineinhalb Jahrzehnten schon wird in Fulda ein Taubenschlag gefordert, um die Population in der Innenstadt tierschutzgerecht regulieren zu k\u00f6nnen \u2013 fr\u00fcher wurde auch Gift verwendet. Im M\u00e4rz 2006 wurde das erste Mal ein Taubenhaus angek\u00fcndigt \u2013 von dem damaligen B\u00fcrgermeister Dippel, der auf eine Zusammenarbeit mit der Ferdinand-Braun-Schule (geplant war, der Bau eines Taubenschlages durch Sch\u00fcler) setzte. Dies hatte sich zerschlagen, wie so viele nachfolgende Ideen und Ank\u00fcndigungen auch: Museumsbau, Karstadt, D\u00e4cher der Bahnhofsgeb\u00e4ude, Hexenturm, Parkh\u00e4user\u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend wird erkl\u00e4rt, warum wir alle \u2013 insbesondere aber die Taubenz\u00fcchter \u2013 eine besondere Verpflichtung und F\u00fcrsorge den Tauben gegen\u00fcber haben: &#8220;Stadttauben sind keine Kulturfolger, sondern verwilderte Haustauben. Diese wiederum sind domestizierte Felsentauben (Columba livia). In der 6500 Jahre andauernden Domestikation hat der Mensch durch Z\u00fcchtung beispielweise die Fruchtbarkeit dieser Tiere gesteigert. Felsentauben sind sehr standorttreu, daher kann man sie als Boten (Brieftauben) nutzen. In dieser Standorttreue liegt auch begr\u00fcndet, dass die Tauben nicht von der Innenstadt in die Fuldaaue umziehen. Und da ihr urspr\u00fcnglicher Lebensraum Felsen waren, f\u00fchlen sie sich in diesem Gr\u00fcng\u00fcrtel auch gar nicht wohl. Offene Dachb\u00f6den, Mauernischen, T\u00fcrme, Br\u00fccken und Balkone dienen als Felsenersatz. Auf B\u00e4umen oder in Baumh\u00f6hlen k\u00f6nnen sie gar nicht br\u00fcten.&#8221;<\/p>\n<p>*<br \/>\nDie Taubenhaus-Baukosten \u00c3\u00a0 76080,48 \u00e2\u201a\u00ac waren folgenderma\u00dfen haushaltswirksam<br \/>\n2014 \u00c3\u00a0 4.678,77 \u00e2\u201a\u00ac | 2015 \u00c3\u00a0 70.038,42 \u00e2\u201a\u00ac | 2016 \u00c3\u00a0 1.363,29 \u00e2\u201a\u00ac<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Seit Ende Mai 2015 ist nach \u00fcber zweij\u00e4hriger Planungs- und Bauphase das Taubenhaus am Rande der Fuldaaue fertiggestellt. Gekostet hat das Bauwerk exakt 76.080,48 \u00e2\u201a\u00ac*. Im Juni 2015 hat ein Z\u00fcchter 16 eigene Tiere hier angesiedelt, um Tauben aus dem Stadtzentrum anzulocken. 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