{"id":169700,"date":"2017-11-22T07:25:54","date_gmt":"2017-11-22T06:25:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=169700"},"modified":"2017-11-22T07:25:54","modified_gmt":"2017-11-22T06:25:54","slug":"die-lage-der-kurden-zwischen-allen-fronten-lautete-das-thema-eines-vortrags-des-bundesvorsitzenden-der-kurdischen-gemeinde-deutschland-e-v-kgd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=169700","title":{"rendered":"\u201eDie Lage der Kurden zwischen allen Fronten\u201c lautete das Thema eines Vortrags des Bundesvorsitzenden der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V. (KGD)"},"content":{"rendered":"<p>Auf Einladung der Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik, Sektion Fulda, sprach Ali Ertan Toprak vor 65 interessierten Zuh\u00f6rern einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung im Hotel \u201eJ\u00e4gerhaus\u201c in Fulda-Bronnzell \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit der Kurden und ihre aktuelle Situation in Kurdistan und Deutschland.\u00e2\u20ac\u00a8<\/p>\n<p>Schweigeminute f\u00fcr die Erdbebenopfer<br \/>\nNach der Begr\u00fc\u00dfung durch Sektionsleiter Michael Trost, gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute der \u00fcber 400 Opfer der schrecklichen Erdbebenkatastrophe in den s\u00fcdlichen Kurdengebieten im irakisch-iranischen Grenzgebiet und der um sie trauernden Angeh\u00f6rigen.\u00e2\u20ac\u00a8Den Kurdischen Peschmerga, in deutsch: \u201ezum Tod bereit\u201c, zollte Trost \u201ehohen Respekt, Bewunderung und Dankbarkeit f\u00fcr ihren heldenhaften Kampf gegen die Terrormilizen des sog. IS\u201c und gab der Hoffnung Ausdruck, \u201e das \u00fcberw\u00e4ltigende Ergebnis des Unabh\u00e4ngigkeits-Referendum solle nicht zu einer Zerrei\u00dfprobe zwischen der Autonomen Region Kurdistan und der irakischen Zentralregierung in Bagdad werden\u201c.<\/p>\n<p>Toprak zu Kosovo und V\u00f6lkerrecht<br \/>\nAli Ertan Toprak erl\u00e4uterte zun\u00e4chst, 2008 habe sich das Kosovo f\u00fcr unabh\u00e4ngig erkl\u00e4rt, ganz ohne Volksabstimmung und nat\u00fcrlich gegen den erkl\u00e4rten Willen der serbischen Regierung in Belgrad. Zwei Jahre sp\u00e4ter, am 22. Juli 2010, h\u00e4tte der Internationale Gerichtshof erkl\u00e4rt, dass dieses Vorgehen legitim gewesen sei. Einseitige Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rungen seien durch das V\u00f6lkerrecht gedeckt. Auch die territoriale Integrit\u00e4t Serbiens sei nicht verletzt worden, weil territoriale Unversehrtheit als V\u00f6lkerrechtsprinzip nur f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen Staaten, nicht jedoch f\u00fcr Akteure innerhalb eines Staates gelte. Applaus h\u00e4tte es f\u00fcr dieses Urteil von den USA, der EU und von Deutschland gegeben.\u00e2\u20ac\u00a8<\/p>\n<p>Die kurdische Unabh\u00e4ngigkeits-Bewegung\u00e2\u20ac\u00a8Beim kurdischen Unabh\u00e4ngigkeitsreferendum im Nordirak habe sich Ende September diesen Jahres wie zu erwarten eine breite Mehrheit der Bev\u00f6lkerung mit 93% der Stimmen zur Losl\u00f6sung vom Irak entschieden.\u00e2\u20ac\u00a8Die Unabh\u00e4ngigkeits-Bewegung der Kurden im Nordteil des Irak, der kurdischen Autonomieregion, von vor sechs Wochen habe sich jedoch in der Zwischenzeit in ein Debakel verwandelt. Kurdistan unter dem vor wenigen Tagen zur\u00fcckgetretenen Pr\u00e4sidenten Massud Barsani habe \u201ealles auf eine Karte gesetzt und sei vorangeprescht mit seinen Aspirationen, seiner Sehnsucht nach Unabh\u00e4ngigkeit und Staatlichkeit\u201c.\u00e2\u20ac\u00a8Weiterhin konstatierte er:<br \/>\n\u201eDie Kurden wollen nicht mehr in einem Staat leben, in den sie nach dem Ersten Weltkrieg durch die Willk\u00fcr der Siegerm\u00e4chte gezwungen worden waren\u201c <\/p>\n<p>In einem Staat, der seine Versprechungen nicht wahrgemacht h\u00e4tte und der die Kurden immer wieder gnadenlos bek\u00e4mpft h\u00e4tte. Bei Aufst\u00e4nden gegen Bagdad w\u00e4ren in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren Hunderttausende Kurden ums Leben gekommen, der Westen h\u00e4tte dabei immer nur zugeschaut. Als Beispiel f\u00fchrte Toprak aus, 1988 h\u00e4tte Saddam Hussein Tausende Menschen in Halabdscha mit Giftgas ermorden lassen, mit Giftgas, das seine Schergen mit deutscher Hilfe h\u00e4tten produzieren k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Weiterhin erinnerte er an 1991, die Kurden w\u00e4ren damals von den Amerikanern ermuntert worden, gegen Saddam aufzustehen und dann schm\u00e4hlich im Stich gelassen worden. Mit den Worten \u201ejetzt l\u00e4sst der Westen die Kurden wieder im Stich\u201c dr\u00fcckte Toprak seine tiefe Entt\u00e4uschung aus. <\/p>\n<p>Die Amerikaner w\u00fcrden vor einer &#8220;Destabilisierung&#8221; der Region warnen, was unfassbar zynisch sei, w\u00e4ren sie es doch selbst gewesen, die mit dem Krieg 2003 diese Region ins Chaos gest\u00fcrzt h\u00e4tten. <\/p>\n<p>Etwa 2 Millionen Fl\u00fcchtlinge aufgenommen!<br \/>\nNat\u00fcrlich g\u00e4be es vieles, was in der kurdischen Autonomieregion im Argen liege, gab der Referent zu, Vetternwirtschaft, Korruption, innerkurdische Konflikte, ein Pr\u00e4sident, der nicht von der Macht lassen wolle.<br \/>\nDoch Irakisch-Kurdistan sei stabiler, demokratischer, offener, als alles andere in der Nachbarschaft. Nicht von ungef\u00e4hr wollten auch viele Jesiden und Christen die Unabh\u00e4ngigkeit. Der Schutz der Minderheiten sei in Kurdistan gew\u00e4hrleistet. Die Kurden h\u00e4tten tapfer gegen den Weltfeind IS gek\u00e4mpft, sie h\u00e4tten bis zu zwei Millionen Fl\u00fcchtlinge aufgenommen (bei urspr\u00fcnglich f\u00fcnfeinhalb Millionen Einwohnern). Dass ihnen der Westen und die Weltgemeinschaft jetzt ihre historische Chance versagen wollten, endlich frei zu sein, sei eine Schande. \u00e2\u20ac\u00a8Die Entwicklung f\u00fchre zum gro\u00dfen Vertrauensverlust bei den Kurden in der Diaspora. Millionen Kurden, die sich mit den \u201ewestlichen Werten\u201c identifizierten, f\u00fchlten sich wiederholt von denjenigen verraten, die immer vorgeben w\u00fcrden, diese Werte zu verteidigen.\u00e2\u20ac\u00a8<\/p>\n<p>Kurden in der Diaspora, in Deutschland: \u201eGut integriert und mit den Werten sich identifizierend\u201c<br \/>\nSo sei die deutsch-kurdische Gemeinschaft in Deutschland mittlerweile mit \u00fcber 1,2 Millionen Menschen die zweitgr\u00f6\u00dfte Migrantengemeinschaft nach den t\u00fcrkischsprachigen Migranten.\u00e2\u20ac\u00a8Zusammenfassend urteilte der mit ma\u00dfvoller Stimme, engagiert und frei vortragende Referent, dass aber trotz mancher Spannungen und kritischer Bewertung der deutschen Haltung zum Unabh\u00e4ngigkeitsstreben der Kurden, \u201eseine Landsleute gut integriert seien und sich mit Deutschland und seinen Werten identifizierten\u201c.<\/p>\n<p>Mit dem Beispiel, dass die Kurdische Gemeinde Deutschland e.V. mittlerweile fester Bestandteil des integrationspolitischen Dialogs der Bundesregierung mit den Migrantenverb\u00e4nden sei, schloss er seinen Vortrag mit dem freundlichen Applaus der zahlreichen Zuh\u00f6rer unter denen sich auch die Direktorin der Point Alpha Stiftung, Frau Ricarda Steinbach, der Vorsitzende des Fuldaer Ausl\u00e4nderbeirats, Abdulkerim Demir, und Ali Suleiman, Vorsitzender der Akademie f\u00fcr Bildung und Integration Fulda e.V. (ABI) befand.<\/p>\n<p>Bevor die G\u00e4ste mit einem vielversprechenden Ausblick auf die Vorhaben der Sektion Fulda im ersten Halbjahr 2018 verabschiedet wurden, nahmen noch viele die Gelegenheit wahr, in einer lebhaften Diskussion Fragen zu stellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Auf Einladung der Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik, Sektion Fulda, sprach Ali Ertan Toprak vor 65 interessierten Zuh\u00f6rern einer \u00f6ffentlichen Veranstaltung im Hotel \u201eJ\u00e4gerhaus\u201c in Fulda-Bronnzell \u00fcber die Unabh\u00e4ngigkeit der Kurden und ihre aktuelle Situation in Kurdistan und Deutschland.\u00e2\u20ac\u00a8 Schweigeminute f\u00fcr die Erdbebenopfer Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Sektionsleiter Michael Trost, gedachten die Anwesenden in einer Schweigeminute der &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":169713,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-169700","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169700","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=169700"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169700\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":169714,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/169700\/revisions\/169714"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/169713"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=169700"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=169700"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=169700"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}