{"id":169182,"date":"2017-11-03T13:53:15","date_gmt":"2017-11-03T12:53:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=169182"},"modified":"2017-11-03T13:53:15","modified_gmt":"2017-11-03T12:53:15","slug":"dr-guenther-hoegg-referierte-an-der-avh-ueber-das-kindliche-denken-und-darueber-wie-man-es-versteht-und-nutzt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=169182","title":{"rendered":"Dr. G\u00fcnther Hoegg referierte an der AvH \u00fcber das kindliche Denken und dar\u00fcber, wie man es versteht und nutzt"},"content":{"rendered":"<p>Mein Kind \u2013 das unbekannte Wesen! Nicht selten stehen Eltern ihrem \u2013 vielleicht pubertierenden \u2013 Kind gegen\u00fcber und k\u00f6nnen nicht verstehen, was passiert. Dabei funktionieren kindliche Gehirne anders als erwachsene, Kinder ticken anders, denken anders, handeln anders. Hat man das verstanden, kann man Wege finden, auf Kinder zuzugehen, sie zu guten Schulleistungen f\u00fchren und Konflikte vermeiden. Ein Ansinnen, das Eltern und Lehrer eint, wie Gitta Holloch, Schulleiterin der Alexander-von-Humboldt-Schule findet. Aus diesem Grund war vor einigen Monaten der Jurist, Lehrer und Psychologie-Experte Dr. G\u00fcnther Hoegg an dem Lauterbacher Gymnasium \u2013 zu einer Lehrerfortbildung, die allen Beteiligten jedoch so wichtig erschien, dass am Mittwochabend auch die Elternschaft zu einem Vortrag \u00fcber das kindliche Denken und Handeln eingeladen war. Gut 200 M\u00fctter und V\u00e4ter waren dieser Einladung gefolgt.<\/p>\n<p>In ihrer kurzen Begr\u00fc\u00dfung unterstrich Holloch die Bedeutung, die Schulentwicklung an der Alexander-von-Humboldt-Schule hat. Die Eltern in Entscheidungen \u00fcber Konzepte einzubinden, sei dabei wichtig, so die Schulleiterin, schlie\u00dflich verfolgten Schule und Elternhaus dasselbe Ziel: die Kinder zu schulischem Erfolg und zu einem erfolgreichen Leben zu f\u00fchren.<br \/>\nDabei kann es hilfreich sein, \u201ein die K\u00f6pfe der Kinder zu schauen\u201c, f\u00fchrte Dr. G\u00fcnther Hoegg aus. In einem 90-min\u00fctigen Vortrag nahm er die Eltern mit auf eine Reise in das kindliche Zeitgef\u00fchl, die Bedeutung von Belohnungen und auch Strafen sowie die Wichtigkeit elterlicher Konsequenz. Seinen Vortrag w\u00fcrzte er mit vielen Anekdoten aus dem eigenen Schulbetrieb und seiner eigenen Vita \u2013 selbst sein altes Zeugnis hatte er dabei: Im Jahr 1966 wurde er mit vier F\u00fcnfen und einer eher durchschnittlichen Beurteilung nicht versetzt. Erst an einem Internat mit klaren Regeln, Strukturen und Konsequenzen ging es schulisch f\u00fcr ihn bergauf. Eine Erfahrung, die der promovierte Jurist mit Schwerpunkt Schulrecht offenbar nicht missen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>\u201eKinder sind keine kleinen Erwachsenen\u201c, so die erste Klarstellung des Abends: Vor ihnen liegt ihr ganzes Leben: Im Gegensatz zu dem Zeitgef\u00fchl von Erwachsenen, denen die Zeit immer schneller und schneller zu vergehen scheint, komme Kindern eine Woche wie ein Monat vor, ein Monat wie ein Jahr. So sei es kein Wunder, dass sie eine drohende Nichtversetzung in einem halben Jahr gar nicht ernst nehmen, f\u00fchrte Dr. Hoegg aus. Ebenso sei ihr kindliches Streben nicht auf schulischen Erfolg ausgerichtet, sondern darauf, den Freiheitsdrang zu befriedigen und auch darauf, die Eltern auszutricksen, Grenzen auszuprobieren und auszudehnen.<\/p>\n<p>Auch auf Lernprozesse ging der P\u00e4dagoge ein: Bereits nach einer Woche blieben von etwas Erlerntem gerade noch 25% \u00fcbrig, so die Statistik. Einzig Wiederholung br\u00e4chte hier die gew\u00fcnschten Erfolge. Auch Lob \u2013 sofern es ernstgemeint sei \u2013 diene dazu, die Leistung zu steigern. Wolle man bei einem Kind Interesse wecken, gelte es, zwei Schleusen zu \u00f6ffnen: Die zu erwartende Information oder Erfahrung m\u00fcsse zuerst als angenehm und dann als wichtig empfunden werden. Selbst f\u00fcr Erwachsene gelte dies \u2013 ein Grund, warum der Referent selbst an der Eingangst\u00fcr zur Aula gestanden und einige pers\u00f6nlich willkommen gehei\u00dfen hatte. F\u00fcr den Umgang mit dem Kind bedeute dies, dass man es beim Nachhausekommen eben nicht mit der Frage \u00fcberfalle \u201eWie war es in der Schule?\u201c, sondern mit einem aufmunternden \u201eSch\u00f6n, dass du da bist.\u201c Dar\u00fcber hinaus sei erwiesen, dass h\u00f6here Lebewesen ihr Gegen\u00fcber spiegelten: Man leidet mit dem Referenten, wenn er in eine Zitrone bei\u00dft, man g\u00e4hnt mit dem Nachbarn, der offenbar furchtbar m\u00fcde ist. Auch Kinder spiegeln das Verhalten ihrer Eltern und Lehrer wider. Das Fazit: \u201eSo wie man dem Kind gegen\u00fcbertritt, so wird es sich verhalten.\u201c<\/p>\n<p>Interesse und Bedeutung wecken, Lob spenden, Inhalte wiederholen \u2013 neben alldem sei auch die Art des Lernens wichtig: Wer erinnerte sich nicht an den Spruch \u201e333 \u2013 Issos Keilerei\u201c? Reime und sprachliche Bilder f\u00f6rderten den Lernerfolg ebenso wie die Ank\u00fcndigung einer richtig hohen Anforderung. \u201eDas ist doch ganz leicht\u201c bewirke jedoch Desinteresse bei Kindern, die in der Regel st\u00e4ndig gefordert werden wollten, so Dr. Hoegg. Auch f\u00fcr das Thema des Abends lieferte der Referent ein sprachliches Bild: \u201eDas Erziehen eines Kindes ist wie das Angeln eines gro\u00dfen Fisches.\u201c Zieht man zu fest, rei\u00dft die Leine, zieht man zu wenig, hat man keinen Erfolg. Das Geheimnis bestehe aus dem richtigen Ma\u00df von Ziehen und Lassen, wobei man eben immer ein wenig mehr ziehen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Als wichtiges Instrument bei der Erziehung von Kindern machte der Experte die Konsequenz aus. \u201eKinder wissen zwar, was sie wollen, aber nicht, was sie brauchen.\u201c Es sei daher die Aufgabe von Eltern, auch einmal Nein zu sagen, wenn das Kind etwas m\u00f6chte, das ihm nicht guttut. Noch besser als Nein, weil bestimmter, sei ein deutliches \u201eNat\u00fcrlich nicht.\u201c Der Experte half an diesem Abend auch dabei, die kleinen Tricks schlauer Kinder, die ihre W\u00fcnsche durchsetzen wollten, zu verstehen. \u201eSchnell noch dies tun (vor den Hausaufgaben), schnell noch das machen (vorm Zubettgehen)\u201c \u2013 wenn man da nicht schnell und konsequent gegensteure, habe man als Eltern schnell das Nachsehen. Sei den Kindern aber klar, dass ein Nein auch beim dritten, vierten, f\u00fcnften Fragen ein Nein bliebe, und dass nicht alles erkl\u00e4rt und ausdiskutiert werde, mache das auf Dauer allen das Leben leichter.<\/p>\n<p>\u201eJeder Versto\u00df eines Kindes ist die unausgesprochene Frage \u00e2\u20ac\u0161Wie weit kann ich gehen\u00e2\u20ac\u02dc\u201c, f\u00fchrte Dr. Hoegg weiter aus. Dabei sei es zum einen wichtig, dass Eltern sich nicht gegeneinander ausspielen lie\u00dfen und dass ein disziplinarischer Ablauf \u2013 das auch mit Blick auf die anwesende Lehrerschaft \u2013 kurz sei: Sch\u00fcler st\u00f6rt, Sch\u00fcler wird ermahnt. Sch\u00fcler st\u00f6rt weiter, Sch\u00fcler wird sanktioniert (z. B. durch Umsetzen). \u201eJede weitere Ermahnung verz\u00f6gert diesen Prozess und schw\u00e4cht die vorhergehende.\u201c Wenn es zu Sanktionen kommen m\u00fcsse, m\u00fcssten diese schnell erfolgen, damit sie mit der Ursache gekoppelt blieben und eine erziehende Wirkung h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Viele der anwesenden Eltern hatten an diesem Abend Situationen wiedererkannt und auch eigenes Handeln \u2013 vielleicht erfolgreiches, vielleicht weniger erfolgreiches. Das Thema Konsequenz mag dem einen oder anderen so bekannt wie unrealistisch erschienen sein \u2013 trifft im wahren Leben doch die Theorie auf die Praxis. Hochinteressant waren die dargestellten Zusammenh\u00e4nge dennoch: Der Referent hatte Verst\u00e4ndnis geweckt f\u00fcr die Denkweisen von Kindern und M\u00f6glichkeiten gegeben, wie man solche Muster knackt. F\u00fcr Eltern wie Lehrer waren das wichtige Impulse, die, gemeinsam genutzt, zu einem guten schulischen Erfolg f\u00fchren k\u00f6nnen und Handwerkszeug f\u00fcr eine gute, konflikt\u00e4rmere Erziehung sein k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Mein Kind \u2013 das unbekannte Wesen! Nicht selten stehen Eltern ihrem \u2013 vielleicht pubertierenden \u2013 Kind gegen\u00fcber und k\u00f6nnen nicht verstehen, was passiert. Dabei funktionieren kindliche Gehirne anders als erwachsene, Kinder ticken anders, denken anders, handeln anders. 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