{"id":169093,"date":"2017-11-01T13:21:45","date_gmt":"2017-11-01T12:21:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=169093"},"modified":"2017-11-01T13:21:45","modified_gmt":"2017-11-01T12:21:45","slug":"mit-mensch-martin-gutgelaunt-in-die-naechsten-500-jahre-starten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=169093","title":{"rendered":"Mit \u201eMensch Martin\u201c gutgelaunt in die n\u00e4chsten 500 Jahre starten"},"content":{"rendered":"<p>Mit Spannung erwartet und frenetisch gefeiert: Die Premiere von \u201eMensch Martin\u201c. Das Musical zum Lutherjahr von Pfarrer Henner Eurich wurde nach vielen Wochen der intensiven Proben von drei\u00dfig Jungen und M\u00e4dchen des Dekanats gemeinsam mit der Moment-mal-Band und unterst\u00fctzt von Anna Sch\u00fc\u00dfler im Rahmen der Dekanatskirchenmusikmesse am vergangenen Sonntag uraufgef\u00fchrt, und mehr als 500 G\u00e4ste in der Felda-Halle waren gekommen, um zu sehen, was der musikbegeisterte Pfarrer und seine Crew sich wieder hatten einfallen lassen.<\/p>\n<p>\u201eDas Musical erz\u00e4hlt die Geschichte Martin Luthers in einigen Stationen\u201c, beschrieb der Komponist und Autor sein Werk zu Beginn der Auff\u00fchrung, und fasste so kurz und knapp in Worte, was sich hinter zw\u00f6lf unglaublich abwechslungsreichen Liedern verbarg, die viele Musikrichtungen abdeckten und das Leben des Reformators f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich nacherz\u00e4hlten \u2013 und das vermutlich so witzig, gutgelaunt und trotzdem passend, wie man das Leben Luthers vielleicht noch nie betrachtet hat. Die B\u00fchne war sparsam dekoriert, die jungen Akteure trugen keine Kost\u00fcme: Der Fokus lag eindeutig auf den Liedern, die mit wenigen gesprochenen Erl\u00e4uterungen vorgetragen wurden. Das titelgebende St\u00fcck \u201eMensch Martin\u201c er\u00f6ffnete das Musical. Es pr\u00e4sentierte Martin als \u201eeinen von uns\u201c, der der kleine M\u00f6nch vielleicht einmal war, genauso wie \u201eeinen von den Gro\u00dfen\u201c, der der Reformator ja zweifellos geworden ist. Ein fetziges St\u00fcck, das die insgesamt sehr rockige Note des Musicals unterstrich und auch die musikalische Freude der Band eindr\u00fccklich pr\u00e4sentierte. Die vier Musiker und die S\u00e4ngerin hatten ganz offenkundig Spa\u00df daran, mit den Kindern zu singen und spielen, und auch den jungen K\u00fcnstlern war von Anfang an ihre Freude f\u00f6rmlich anzusehen. <\/p>\n<p>Mit dem n\u00e4chsten St\u00fcck griffen die Kinder die Angst auf, die die Menschen im Mittelalter umgetrieben haben k\u00f6nnte: \u201eDie Angst geht um\u201c &#8211; vor dem Teufel, der Pest, dem Tod, der Strafe Gottes \u2013 und dem Gewitter. Letzteres \u00e4ngstige besonders den jungen Martin Luther, der angesichts eines starken Unwetters bekanntlich seinen Schwur leistete, M\u00f6nch zu werden.<\/p>\n<p>Viele Kinder schl\u00fcpften im Lauf des Musicals in die Rolle von Martin \u2013 eine Basecap zeigte an, wer gerade den Reformator spielte; eine gute stilistische Idee, die sowohl bei den Kindern als auch bei den G\u00e4sten sehr gut ankam. Mit dem Lied \u201eGloria in excelsis Deo\u201c wurde aus Martin ein M\u00f6nch, der die Liebe Gottes kennenlernte und nach vielen inneren K\u00e4mpfen und noch mehr \u00dcberlegungen und durch das Studium der Bibel zu der Erkenntnis kam, dass die Menschen von aller Not allein durch Gnade, durch Glaube und durch Liebe gerettet werden k\u00f6nnen: \u201eGott liebt uns, auch wenn wir Fehler machen!\u201c Nach dem mitrei\u00dfenden St\u00fcck \u201eAllein durch Gnade\u201c fiel es dem Publikum sichtlich schwer, dem Wunsch des Pfarrers nachzukommen und sich den Applaus f\u00fcr das Ende des Musicals aufzuheben. Was hier noch m\u00fchsam gelang, brach sich nach dem n\u00e4chsten St\u00fcck Bahn. Der Pfarrer selbst brillierte in einer so guten Ablass-Verkaufs-Show als Ablassprediger Tetzel, der weder vor den abgedroschensten Werbephrasen noch vor dem Einsatz von Cheerleaderinnen zur\u00fcckschreckte, damit die Menschen ihm jede Menge Geld f\u00fcr die Erl\u00f6sung zahlen w\u00fcrden. Und das machte er so gut, dass wahrscheinlich der eine oder andere kurz davor stand, ihm ein paar Ablassscheine abzukaufen. Tosender Zwischenapplaus in der Felda-Halle war da gerade das Mindeste. Gut, dass Martin Luther rechtzeitig die 95 Thesen an das Tor der Wittenberger Kirche schlug und den Menschen die Augen daf\u00fcr \u00f6ffnete, dass Gottes Liebe sie freimacht von Schuld und damit frei von Ablass. Die Strafe folgte auf dem Fu\u00df, wie man wei\u00df: Papst und Kaiser taten sich zusammen, um Luther zum Widerrufen zu zwingen \u2013 sahen beide doch ihre Felle davonschwimmen, sollten die Menschen ihre Freiheit und M\u00fcndigkeit entdecken. \u201eRevoco\u201c greift die Verhandlung am Wormser Reichstag auf, bedrohlich die M\u00e4chtigen, \u00e4ngstlich, doch entschlossen, der Reformator, der damals noch gar nicht wusste, was er alles bewirkt: \u201eIch kann nicht anders.\u201c Um Gefahr von ihm abzuwenden, entf\u00fchrten seinen Freunde ihn auf die Wartburg, wo er die Zeit nutzte, um die Bibel zu \u00fcbersetzen, denn nicht nur \u201edie Schlauen und die Gelehrten\u201c sollte darin lesen, sondern alle Menschen das Wort Gottes verstehen und die Kirchen wieder voll werden. Auch dieses St\u00fcck riss in seinem rockigen Rhythmus die Menschen in der Halle mit, die dieser neuen, witzigen und sehr liebevollen Sicht auf den Reformator nur zu gerne folgten. Auch in die dunklen Tage blickte das Musical, als sich herausstellte, dass die Ideen Martin Luthers nicht nur zu einem Umdenken gef\u00fchrt hatten, sondern auch zum Handeln f\u00fchrten: Die Bauern reklamierten die von Luther beschriebene Freiheit f\u00fcr sich und k\u00e4mpften blutig und verlustreich gegen die Obrigkeit. Ein verzweifelter Martin Luther findet Trost in der Liebe zur ehemaligen Nonne Katharina von Bora \u2013 Zeit f\u00fcr eine kleine Ballade in dem Musical, eine Reminiszenz an die \u201eLutherin\u201c.<\/p>\n<p>\u201eUnd dann hat Martin ein richtig fetziges Lied geschrieben\u201c, k\u00fcndigte eines der Kinder an was folgte, war die wohl rockigste Interpretation von \u201eEin feste Burg ist unser Gott\u201c, die man je geh\u00f6rt hat und dem Original doch recht nah kommen soll. 1546, im Alter von 62 Jahren verstarb der Reformator. Auch seine letzten Worte hat Pfarrer Henner Eurich vertont: \u201eWir sind alle Bettler\u201c sangen die Kinder ganz bewegt und bewegend, fast am Ende ihres Musicals angekommen. Dieses allerdings schlossen sie noch einmal voller Rhythmus und guter Stimmung, schlie\u00dflich hat Martin, den die Kinder w\u00e4hrend der langen Vorbereitung ganz offenbar als guten Freund kennengelernt haben, die Menschen mit seinem Wirken hoffnungsvoll und stark gemacht. \u201eAllein durch Gnade\u201c erklang es noch einmal durch die Felda-Halle und dem begeisterten Publikum, das mit dem letzten Ton applaudierend vor den K\u00fcnstlern stand, war klar: So kommt Martin auch durch die n\u00e4chsten 500 Jahre!<\/p>\n<p>Noch zwei Auff\u00fchrungen des Musicals \u201eMensch Martin\u201c sind geplant: Am kommenden Freitag, dem 3.11., ist es um 17 Uhr in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in der Schillerstra\u00dfe zu sehen und am Sonntag, dem 12.11., um 16 Uhr in der Mehrzweckhalle in Leusel. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Mit Spannung erwartet und frenetisch gefeiert: Die Premiere von \u201eMensch Martin\u201c. 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