{"id":168885,"date":"2017-10-27T08:36:39","date_gmt":"2017-10-27T06:36:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=168885"},"modified":"2017-10-27T08:36:39","modified_gmt":"2017-10-27T06:36:39","slug":"die-ess-kastanie-ist-baum-des-jahres-2018","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=168885","title":{"rendered":"Die Ess-Kastanie ist Baum des Jahres 2018"},"content":{"rendered":"<p>Der botanische Blick richtet sich 2018 auf eine in Deutschland eher seltene Baumart: Die Ess-Kastanie. Wo sie w\u00e4chst \u00fcberrascht Castanea sativa jedoch mit kulinarischer  wie praktischer Vielseitigkeit \u2013 und nicht zuletzt mit ihrer reizvollen Bl\u00fctenpracht. Bei der Ausrufung am 26. Oktober im Berliner Zoo durch die Baum des Jahres Stiftung, pflanzte Dr. Silvius Wodarz gemeinsam mit der frischgebackenen Deutschen Baumk\u00f6nigin 2018 Anne K\u00f6hler den Jahresbaum. Schirmherr Minister Peter Hauk (MdL) freut sich auf ein wegweisendes Jahr f\u00fcr die Ess-Kastanie.<\/p>\n<p>Das Kuratorium Baum des Jahres schlug den Jahresbaum vor &#8211; die Stiftung Baum des Jahres hat entschieden: 2018 soll im Zeichen der Ess-Kastanie stehen. \u201eDie Ess-Kastanie hat eine recht junge Geschichte in unseren Breiten\u201c erkl\u00e4rt die Deutsche Baumk\u00f6nigin 2018 \u201eSie gilt zwar nicht als heimische Baumart, geh\u00f6rt aber \u2013 zumindest in S\u00fcdwestdeutschland \u2013 l\u00e4ngst in die \u00fcber Jahrtausende entstandene Kulturlandschaft.\u201c<\/p>\n<p>Genussbaum: Weinbau<\/p>\n<p>Wann die ersten Ess-Kastanien ihre Zweige in den Himmel des heutigen Deutschlands reckten ist nicht sicher \u00fcberliefert. Die Griechen etablierten den Baum im Mittelmeerraum, bereits in der Bronzezeit fanden sich Anbaugebiete in S\u00fcdfrankreich. Gut m\u00f6glich, dass die eine oder andere Ess-Kastanie sich schon damals \u00fcber Handelsrouten nach Germanien verirrt hat. Die R\u00f6mer brachten sie schlie\u00dflich vor rund 2000 Jahren \u00fcber die Alpen, erkannten die g\u00fcnstigen botanischen Voraussetzungen und etablierten die Art besonders entlang des Rheins, der Nahe, der Mosel und der Saar. Fortan waren Weinbau und Ess-Kastanie nicht mehr voneinander wegzudenken: Aus dem gegen Verrottung erstaunlich resistenten Kastanienholz fertigten Winzer Rebst\u00f6cke \u2013 meist wuchs der Ess-Kastanienhain direkt oberhalb des Weinbergs. Das Holz erwies sich weiter als brauchbares Material f\u00fcr den Hausbau, Fassdauben, Masten, als Brennholz und Gerberlohe.<\/p>\n<p>Genussbaum: Die Fr\u00fcchte<\/p>\n<p>Wohl noch bedeutender als f\u00fcr den Weinbau war die Ess-Kastanie lange f\u00fcr die Ern\u00e4hrung der Bev\u00f6lkerung: Die fettarmen, st\u00e4rkereichen und s\u00fc\u00dflichen Maronen blieben nach Missernten oft das lebensrettende Nahrungsmittel. Botanisch betrachtet sind Ess-Kastanien N\u00fcsse, weniger fett als Walnuss oder Haselnuss, jedoch reich an Kohlehydraten. Wohlhabende B\u00fcrger der Antike genossen sie \u2013 wie heute \u2013 eher als kulinarisches Beiwerk. Die Fr\u00fcchte gewann man in lockeren Best\u00e4nden (Sleven). Auch wenn die Kulturen heute weitgehend aufgegeben sind, pr\u00e4gen die (inzwischen) stattlichen B\u00e4ume noch die Landschaft \u2013 insbesondere den Ostrand des Pf\u00e4lzerwaldes und den Westhang des Schwarzwaldes (Ortenaukreis). Als Weizenalternative k\u00f6nnte die Ess-Kastanie bald eine Renaissance erleben: Neben k\u00f6stlicher Nascherei in der kalten Jahreszeit, lassen sich die Fr\u00fcchte in getrockneter Form mahlen. Brot und Geb\u00e4ck aus Ess-Kastanienmehl sind glutenfrei und damit f\u00fcr Allergiker eine willkommene Erweiterung des Speisezettels.<\/p>\n<p>Retter im Klimawandel?<\/p>\n<p>Obwohl die Ess-Kastanie sich in Deutschland nicht im Wuchsoptimum befindet kommt sie gut mit den klimatischen Bedingungen unserer Breiten zurecht. Eine Baumart die anpassungsf\u00e4hig und w\u00e4rmeresistent ist \u2013 da horcht heute mancher Forstbotaniker auf. Ist die Ess-Kastanie also ein Retter im Klimawandel? Das l\u00e4sst sich so einfach nicht beantworten: Bisher ist Castanea sative eher ein Parkbaum, im Wald findet man sie selten. Doch Forstleute forschen seit einigen Jahren, unter welchen Bedingungen die Ess-Kastanie in unseren W\u00e4ldern hochwertiges Holz f\u00fcr langlebige Bau- und M\u00f6belholzprodukte liefern k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Hintergrundinformation<\/p>\n<p>Die Ess-Kastanie ist seit 1989 der drei\u00dfigste Jahresbaum. In Deutschland ist die Ess-Kastanie nicht heimisch, gedeiht jedoch auf warmen Standorten. H\u00e4ufig findet man sie als Park- und Gartengew\u00e4chs. Das Wurzelsystem ist kr\u00e4ftig ausgepr\u00e4gt, sie bildet eine Pfahlwurzel, die jedoch nicht sehr tief reicht. Junge Ess-Kastanien weisen eine glatte, gr\u00e4uliche Rinde auf die im Alter tief zerfurcht und borkig wird. Die knapp 20 Zentimeter langen Bl\u00e4tter sind elliptisch geformt und mit einem feinen Stachelkranz bewehrt. Obwohl der Name es zun\u00e4chst nahelegt, haben Ess- und Rosskastanie wenig gemein: W\u00e4hrend die Ess-Kastanie eng mit Buchen und Eichen verwandt ist, geh\u00f6rt die Rosskastanie zu den Seifenbaumgew\u00e4chsen. Die f\u00e4lschlich vermutete Verwandtschaft begr\u00fcndet sich wohl darin, dass beide Arten im Herbst zun\u00e4chst von stacheligen Kugeln umh\u00fcllte, mahagonibraune Fr\u00fcchte hervorbringen. Diese finden besonders in der Naturheilkunde Anwendung: Hildegard von Bingen empfahl die Fr\u00fcchte als Universalheilmittel, insbesondere aber gegen \u201eHerzschmerz\u201c, Gicht und Konzentrationsst\u00f6rungen. Zur\u00fcckzuf\u00fchren ist die heilsame Wirkung vermutlich durch den hohen Gehalt an Vitamin B und Phosphor. Kenner genie\u00dfen die Bl\u00e4tter der Ess-Kastanie als Tee.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der botanische Blick richtet sich 2018 auf eine in Deutschland eher seltene Baumart: Die Ess-Kastanie. 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