{"id":168215,"date":"2017-09-29T07:38:29","date_gmt":"2017-09-29T05:38:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=168215"},"modified":"2017-09-29T07:38:29","modified_gmt":"2017-09-29T05:38:29","slug":"zum-auftakt-der-interkulturellen-woche-beschaeftigte-sich-ein-tanztheater-mit-dem-thema-menschenrechte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=168215","title":{"rendered":"Zum Auftakt der Interkulturellen Woche besch\u00e4ftigte sich ein Tanztheater mit dem Thema Menschenrechte"},"content":{"rendered":"<p>Kann man Menschenrechte tanzen? Was bedeuten sie f\u00fcr junge Menschen? Sind sie f\u00fcr Deutsche in Deutschland etwas anderes als f\u00fcr Migranten? F\u00fcr Christen etwas anderes als f\u00fcr Muslime? Und wie stellt man sie dar, wenn man fast keine Requisiten hat, nichts als ein paar sparsame Kost\u00fcme?<\/p>\n<p>Antworten auf all diese Fragen gaben am Samstagabend acht junge Menschen in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule in der Schillerstra\u00dfe einem viel zu kleinen Publikum, das sich seinerseits \u00fcber einen ganz au\u00dferordentlichen Genuss freuen konnte. Die interkulturelle Tanzgruppe \u201eGet2gether\u201c aus Hannover war anl\u00e4sslich der Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche nach Alsfeld gekommen und damit einer Einladung der Ev. Dekanate Alsfeld und Vogelsberg sowie dem Bundesprogramm \u201eDemokratie Leben\u201c gefolgt.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Produktion \u201eHuman Act &#8211; Tanztheater zum Thema Menschenrechte \u201c hat die Gruppe von 14 Jugendlichen im Alter von 16 bis 24 Jahren aus sieben Nationen unter der Regie von Parisa Hussein-Nejad, der Schauspielleitung von Saham El Gaban und dem Tanztraining von Amanda Reich von Oktober 2016 bis M\u00e4rz 2017 geprobt. Brandaktuelle Geschehnisse sind in die Handlung eingeflossen, Zitate von Trump, Assad, dem Dalai Lama, Eleanor Roosevelt, Kahlil Gibran und aus der Bibel darin zu finden. Seit Sommer sind die Schauspieler nun auf verschiedenen Veranstaltungen zu Gast und stellen ihrem Publikum viele Fragen zum Thema Menschenrechte \u2013 drei ganz zentrale: Wie passiert das eigentlich, dass wir aufh\u00f6ren einander im Geiste der Mitmenschlichkeit zu begegnen, uns als gleich und zugeh\u00f6rig zu betrachten? Wann wird aus dem WIR ein DU und ICH? Wann verlieren Menschenrechte ihre Bedeutung? Bedenkt man, dass das St\u00fcck von den Jugendlichen selbst geschrieben und erarbeitet wurde, wird klar, dass diese Fragen besonders f\u00fcr die jungen Menschen mit ihren ganz verschiedenen Migrations- und Herkunftsgeschichten offenbar von gro\u00dfer Bedeutung sind.<\/p>\n<p>Am Anfang des Abends steht ein Fest. Freunde feiern miteinander, es erklingt Musik. Doch bald spaltet sich die Gruppe, einer wird Anf\u00fchrer \u2013 ein kurzer Schritt nur noch, bis er der einzige ist, der satt wird und die anderen hungern: Wann wird aus dem WIR ein Du und ein ICH? Parallel dazu werden die Verhandlungen \u00fcber Syrien thematisiert. Ein \u00fcberzeichneter Trump, ein herrschs\u00fcchtiger Assad, eine Gemengelage, die schwer zu verstehen ist. Bleibt die Frage: Wem wird es am Ende n\u00fctzen, wenn alle tot sind? Und wo ist zuhause, wenn alles dahin ist? Heimat wird tanzend gepriesen als Ort, an dem alle Gerechtigkeit suchen und finden &#8211; sofern sie in Frieden miteinander leben k\u00f6nnen.<br \/>\nNeben politischen Machtspielen kann auch Religion den Frieden st\u00f6ren. Gibt sie Halt oder ist sie Opium f\u00fcr das Volk? Die Jugendlichen stellen viele Fragen. Auch die nach der Freiheit, die aufh\u00f6rt, wenn sie zur Macht \u00fcber andere wird. Eindr\u00fccklich stellen die Jugendlichen dieses Dilemma dar, indem der eine, der grade noch nach Freiheit rief, die anderen fesselt und niederringt.<\/p>\n<p>Ein Sprecher umrei\u00dft in kurzen Einf\u00fchrungen die einzelnen getanzten Szenen und bringt die Gr\u00fcnde f\u00fcr Krieg und Vertreibung auf einen Ursprung: \u201eMit den ersten Grenzen teilten wir unsere Welt und trennten unsere Herzen voneinander.\u201c Einen gr\u00f6\u00dferen Raum nimmt auch das Thema Liebe und Ehrenmord in der Handlung ein \u2013 wundersch\u00f6n wird die gro\u00dfe, zarte Liebe zwischen einer Syrerin und einem Kurden getanzt, bis die Frau von ihrem Bruder umgebracht wird \u2013 der selbst an seiner Tat schier verzweifelt. Das traurige Res\u00fcmee: \u201eAm Ende bleibt Gewalt die einzige Sprache, und das Blut unserer Kinder tr\u00e4nkt den Boden, der uns einst allen geh\u00f6rte.\u201c<\/p>\n<p>Ebenso thematisiert das Theater die Rolle der Frau im Islam. Zwischendurch passiert es immer wieder, dass der Wunsch nach Ver\u00e4nderung in den Krieg f\u00fchrt. Sollte das alles sein, was die jungen Menschen bisher erfahren haben? Und kann man Achtung und Liebe wirklich nur an einem Ort ohne Grenzen und Nationen finden? Ihr Fazit: \u201eUnsere W\u00fcrde, das sind wir \u2013 auf dieser B\u00fchne sind wir frei.\u201c<\/p>\n<p>Die G\u00e4ste spendeten den jungen Menschen und ihren Projektbegleitern viel Applaus, bevor sich diese unter die Besucher der Zauberhaften Nacht mischten und auch in der Innenstadt nicht m\u00fcde wurde zu tanzen. Die einhellige Meinung nach dieser beeindruckenden Auff\u00fchrung: \u201eWir w\u00fcrden \u00e2\u20ac\u0161Get2gether\u00e2\u20ac\u02dc gerne wieder in Alsfeld sehen und ihr St\u00fcck mit einem gr\u00f6\u00dferen Publikum teilen.\u201c<\/p>\n<p>Die Interkulturelle Woche dauert noch bis zum 30.9. Das weitere Programm sieht heute Abend einen Vortrag \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der Gruppe Seawatch vor. Die Politologin Sandra Hammamy wird um 19 Uhr im DGH Rainrod von ihren Eins\u00e4tzen berichten. Zum Tag des Fl\u00fcchtlings am 29.9. soll ein Stilles Gebet auf dem Alsfelder Marktplatz an die vielen verschiedenen Schicksale von Gefl\u00fcchteten erinnern. Hierzu sind alle Glaubensgemeinschaften eingeladen, miteinander und f\u00fcreinander zu beten. Das Gebet beginnt um 16 Uhr, im Anschluss daran l\u00e4dt die Islamische Gemeinde zu einer Teestunde in die Moschee ein. Den Abschluss der IKW macht am 30.9. eine Party in der Alsfelder Clubbar Plan B. Diese startet um 21 Uhr mit einem Auftritt der \u201eBeatpoeten\u201c, die ihr Programm \u201eHate Speech ist keine Meinungsfreiheit\u201c mitbringen werden. Zur Party geht im Anschluss daran DJ Cylo an sein Set und ist auch f\u00fcr Musikvorschl\u00e4ge aus dem Publikum offen.\u00e2\u20ac\u00a8Mehr Infos gibt es unter www.alsfeld-evangelisch.de sowie www.dekanat-vogelsberg.ekhn.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Kann man Menschenrechte tanzen? Was bedeuten sie f\u00fcr junge Menschen? Sind sie f\u00fcr Deutsche in Deutschland etwas anderes als f\u00fcr Migranten? F\u00fcr Christen etwas anderes als f\u00fcr Muslime? Und wie stellt man sie dar, wenn man fast keine Requisiten hat, nichts als ein paar sparsame Kost\u00fcme? 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