{"id":167857,"date":"2017-09-20T07:49:17","date_gmt":"2017-09-20T05:49:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=167857"},"modified":"2017-09-20T07:49:17","modified_gmt":"2017-09-20T05:49:17","slug":"guido-rohm-und-marianne-blum-entlarven-die-schlimmsten-populisten-unserer-zeit-mit-einer-unterhaltsamen-show","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=167857","title":{"rendered":"Guido Rohm und Marianne Blum entlarven die schlimmsten Populisten unserer Zeit mit einer unterhaltsamen Show"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Alles, was Sie vor der Wahl wissen m\u00fcssen!&#8221;, so hatten Marianne Blum und Guido Rohm ihre Veranstaltung angek\u00fcndigt. In der Tat bot dieser Abend allen, die es h\u00f6ren wollten, einen Ausblick auf das, was uns bl\u00fcht, wenn Populisten an die Macht kommen. Denn die Texte, die der Schriftsteller und die Entertainerin gemeinsam geschrieben hatten und in einer B\u00fchnenshow vortrugen, die weit mehr war als eine Lesung, waren zwar allesamt erfunden, aber sie waren so gut erfunden und dar\u00fcber hinaus mit echten Zitaten gespickt, dass \u00fcberdeutlich wurde, was die Figuren, denen sie zugeschrieben waren, im Schilde f\u00fchren. <\/p>\n<p>Wenn Erdogan in dem &#8220;Interview mit einer deutschen Fernseh-Journalistin&#8221; auf die Frage nach den inhaftierten Reportern z.B. antwortet, dass er sie nicht einsperrt, sondern sie &#8220;in kleinen K\u00e4stchen aufbewahrt &#8211; zu ihrem eigenen Schutz&#8221;, sich selbst als &#8220;lieben Onkel Cepl&#8221; pr\u00e4sentiert, der f\u00fcr alle da ist, die f\u00fcr ihn sind, sich selbst als eigentlichen Erfinder der Demokratie und des Feminismus preist, die Journalistin aber wegen jeder kritischen Frage als &#8220;st\u00e4ndig geschiedene, frustrierte westliche Nazi-Schlampe&#8221; bezeichnet, dann ist das ebenso entlarvend wie die &#8220;Ausz\u00fcge aus dem Tagebuch des Bj\u00f6rn H\u00f6cke&#8221;, der in einer Kindergartentagesst\u00e4tte Reden \u00fcber den Erhalt der deutschen Rasse schwingt, aber noch bei Mutti wohnt und Angst vor dem &#8220;Negerkind Anton&#8221; aus der Kindergartengruppe hat. \u00dcberdeutlich wurde auch die Doppelmoral, die alle Populisten kennzeichnet, bei dem &#8220;Brief von Marine le Pen an einen franz\u00f6sischen Rammler&#8221;, in dem einerseits stets von &#8220;reinrassiger Liebe&#8221; schwadroniert, andererseits von den gut best\u00fcckten s\u00fcdl\u00e4ndischen Kerlen getr\u00e4umt wurde. <\/p>\n<p>Moralische Ma\u00dfst\u00e4be gelten bei Populisten stets nur f\u00fcr Andere, nie f\u00fcr sich selbst. Offensichtliche Verfehlungen werden abgestritten (&#8220;Ich bin auf der Maus ausgerutscht!&#8221;) oder umgedeutet und als positive Errungenschaften dargestellt. Grandios wurde gerade dieses Umwerten aller Werte in dem &#8220;Lobgesang auf Donald Trump&#8221; erfasst, in dem der Lobredner mit geradezu unheimlichem religi\u00f6sem Eifer davon schw\u00e4rmt, wie der US-Pr\u00e4sident eine Mauer bauen will, um die Menschen zu einen: &#8220;Denn nur, wer Hass s\u00e4t, wird Liebe ernten&#8221;. Ein Text, der in einer Art Glaubensbekenntnis gipfelte, in dem es z.B. hie\u00df: &#8220;Und Donald schuf als erstes den Donald&#8221;, &#8220;unseren t\u00e4glichen Tweet gib er uns heute&#8221; oder: &#8220;er erl\u00f6se uns von unserem Geld und vergibt nicht den Schuldigern, wie auch wir nicht unseren Schuldigern vergeben sollten&#8221;.<\/p>\n<p>Harter Tobak. Dennoch wurde viel gelacht. Den beiden K\u00fcnstlern gelang das Kunstst\u00fcck, be\u00e4ngstigende Wahrheiten auszusprechen und ihr Publikum gleichzeitig bestens zu unterhalten. Ein Grund daf\u00fcr war sicher die vollkommen uneitle Kompromisslosigkeit, mit der Marianne Blum und Guido Rohm ihre unangenehmen Protagonisten darstellten und damit auch deren unfreiwillige Komik blo\u00dfstellten, ein anderer war der geniale Kunstgriff der beiden, ihre Texte in eine Show einzubetten, die wie ein &#8220;Musikanten-Stadl&#8221; funktionierte mit extrem gut gelaunten, fesch in Tracht gewandeten Moderatoren, Blasmusik-Auftakt, Hymnen-Pathos, Schunkel-Alarm und mitrei\u00dfenden Musikeinlagen, begleitet von Michael G\u00fcnther an der Tuba und Andr\u00e9 Barthelmes an der Gitarre. Jedem Zuschauer wurde dabei sofort klar, dass die N\u00e4he von seichter Unterhaltung und despotischen Machthabern (oder M\u00f6chtegern-Machthabern) kein Zufall ist. &#8220;Ich musste dauernd lachen, habe jetzt aber ein mulmiges Gef\u00fchl&#8221;, meinte eine nachdenkliche Zuschauerin hinterher. Recht hat sie. Man ertappte sich dabei, &#8220;Schwarzbraun ist die Haselnuss&#8221; mitzusingen und dabei an den vorher geh\u00f6rten Tagebuchauszug von Bj\u00f6rn H\u00f6cke zu denken.<\/p>\n<p>Das einzige Problem der Show war: Diejenigen, die Leuten wie Trump, Erdogan, le Pen, H\u00f6cke oder Petry anh\u00e4ngen, w\u00fcrden sich einen solchen Abend nie anschauen. Man kann sie nur bedauern und alle anderen, die nicht da waren auch. Denn wenn politische Aufkl\u00e4rung immer so verabreicht w\u00fcrde, wie von diesen beiden K\u00fcnstlern, m\u00fcssten wir keine Angst vor Populisten egal welcher Couleur haben.<br \/>\nBer\u00fchrend auch wie der Abend seinen Abschluss fand: Bei einer wunderbaren Blues-Version des Volksliedes &#8220;Die Gedanken sind frei&#8221; stimmte die Zuschauer vollen Herzens ein und Vielen war die Erkenntnis des Abends anzusehen: &#8220;Ja, noch sind die Gedanken frei, aber wir m\u00fcssen aufpassen, dass das so bleibt.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>&#8220;Alles, was Sie vor der Wahl wissen m\u00fcssen!&#8221;, so hatten Marianne Blum und Guido Rohm ihre Veranstaltung angek\u00fcndigt. In der Tat bot dieser Abend allen, die es h\u00f6ren wollten, einen Ausblick auf das, was uns bl\u00fcht, wenn Populisten an die Macht kommen. 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