{"id":167722,"date":"2017-09-15T08:54:12","date_gmt":"2017-09-15T06:54:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=167722"},"modified":"2017-09-15T08:54:12","modified_gmt":"2017-09-15T06:54:12","slug":"die-sanierung-des-turms-am-blauen-schloss-in-tann-wurde-von-bund-land-und-kreis-gefoerdert-fundament-ist-teil-der-alten-burg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=167722","title":{"rendered":"Die Sanierung des Turms am Blauen Schloss in Tann wurde von Bund, Land und Kreis gef\u00f6rdert \/ Fundament ist Teil der alten Burg"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEs ist auch f\u00fcr mich ein Erlebnis\u201c, sagt Besitzer Kilian von der Tann \u00fcber den Anblick des frisch sanierten Turmes am Blauen Schloss in Tann. Bei den Renovierungsarbeiten an dem Bauwerk, dessen untere Stockwerke noch aus der Burgenzeit stammen, ist sogar ein kleiner Schatz entdeckt worden \u2013 nicht aus Gold, aber kulturhistorisch bedeutsam.<\/p>\n<p>Eine der zahlreichen Inschriften an der Turmfassade nennt Christoph von der Tann als Erbauer. Dieser hatte einen Teil der Burg von seinem Vater Melchior als Fuldaer Lehen \u00fcbernommen und 1574 drei Stockwerke auf den Turm, der damals in einem Wassergraben stand und zu einer Zwingeranlage geh\u00f6rte, aufsetzen lassen. Melchiors Name und der seiner Gattin stehen zusammen mit den Namen ihrer 17 Kinder auf einer Steintafel unter dem Fenster im ersten Obergeschoss. Von seinen Nachkommen hat es Christophs \u00e4lterer Bruder Eberhard zu Bekanntheit gebracht: als Gesandter der Herz\u00f6ge von Sachsen sowie Streiter f\u00fcr die Reformation. Er starb im gleichen Jahr, in dem der Turm erh\u00f6ht wurde, in Tann.<\/p>\n<p>Eine weitere Inschrift benennt die sechs Kinder Christophs und seiner Frau. Doch vor allem die Reihe bemalter Wappen, vormals unauff\u00e4llige Sandsteinreliefs, stellen seit der Sanierung einen Blickfang dar. Dabei handelt es sich um die Adelsprobe des Christoph von der Tann: Links sind unter seinem Hoheitszeichen \u2013 der Forelle &#8211; die Wappen seiner Vorfahren m\u00fctterlicherseits bis ins achte Glied wiedergegeben; rechts befinden sich die acht Wappen seiner Frau Anna von Ebersberg. Als \u201ein dieser umfangreichen Form einmalig f\u00fcr Hessen\u201c hat Professor Dr. G. Ulrich Gro\u00dfmann, Experte f\u00fcr mittelalterliche Kunstgeschichte, diese Wappendarstellung bewertet.<\/p>\n<p>Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert verwandelten die Familien von der Tann die romanisch-gotische Burg nach und nach in eine barocke Residenz, bestehend aus Rotem, Blauen und Gelben Schloss, wobei der Turm am Blauen Schloss weitgehend in der urspr\u00fcnglichen Form erhalten blieb. Zwei seiner sechs Geschosse verschwanden in der Erde, als der Burggraben zugesch\u00fcttet wurde. Er diente jahrhundertelang als Brand- und Wehrturm, auf dem die Tanner B\u00fcrgerwehr den Wachdienst verrichtete. Kilian von der Tann erinnert sich, dass 1975, als er nach Tann zog, das untere Geschoss des Treppenturms als Schaf- und Ziegenstall gedient habe. Als Wohnturm war er vermutlich zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg genutzt worden, als etwa 90 Fl\u00fcchtlinge im Schloss untergebracht waren.<\/p>\n<p>Obwohl die Anlage nie ihre Wehrhaftigkeit unter Beweis stellen musste, \u00fcberstand der Turm die Zeit nicht unbeschadet. In den Jahren 2000 bis 2002 musste sein Dachstuhl erneuert werden. Zudem zeigten sich Risse, welche die Standsicherheit gef\u00e4hrdeten. Um die Statik zu ert\u00fcchtigen, begannen im Sommer 2016 aufw\u00e4ndige Renovierungsarbeiten. \u201eAls erstes galt es herauszufinden, weshalb der Turm instabil geworden war\u201c, berichtet Eva Kohlmann, die beim Landkreis f\u00fcr Denkmalschutz zust\u00e4ndig ist. Dabei stie\u00df man auf der Ostseite auf eine neue, bis dato nicht dokumentierte lateinische Inschrift, die einem Brief des Humanisten Erasmus von Rotterdam aus dem Jahr 1539 zuordnet werden kann und \u00fcbersetzt lautet: \u201eAlles in dieser Welt wird besiegt durch lange Geduld, Arbeit und einen scharfen Geist\u201c &#8211; ein Zitat, das nach Ansicht von Eva Kohlmann \u201esowohl auf die Bauma\u00dfnahme als auch den Eigent\u00fcmer zutrifft\u201c.<\/p>\n<p>Nach Untersuchung der Experten hatte haupts\u00e4chlich der Umbau der Schie\u00dfscharten zu Fenstern die Rissbildung im Mauerwerk ausgel\u00f6st. Zur Stabilisierung wurden \u00d6ffnungen wieder verkleinert, Risse geschlossen, die Verfugung erneuert, Bew\u00e4hrungsnadeln und ein Ringanker eingebaut. Mit Beharrlichkeit gelang es Kilian von der Tann, finanzielle Unterst\u00fctzung von Bund, Land und Kreis zu erhalten. Seit Anfang Juli ist der Turm nun wieder standfest und pr\u00e4sentiert sich mit einer Fassade, die seine geschichtliche, k\u00fcnstlerische und st\u00e4dtebauliche Bedeutung unterstreicht. Auch die Inschriften \u2013 Namen, Bibelverse und das neu entdeckte Zitat des Erasmus von Rotterdam \u2013 wurden nachgearbeitet, so dass sie nicht mehr so leicht zu \u00fcbersehen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eEs ist auch f\u00fcr mich ein Erlebnis\u201c, sagt Besitzer Kilian von der Tann \u00fcber den Anblick des frisch sanierten Turmes am Blauen Schloss in Tann. 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