{"id":167359,"date":"2017-09-07T07:55:44","date_gmt":"2017-09-07T05:55:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=167359"},"modified":"2017-09-07T07:55:44","modified_gmt":"2017-09-07T05:55:44","slug":"wie-ein-paar-schuhe-einen-moerder-ueberfuehrte-der-propstmord-zu-blankenau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=167359","title":{"rendered":"Wie ein Paar Schuhe einen M\u00f6rder \u00fcberf\u00fchrte &#8211; Der Propstmord zu Blankenau"},"content":{"rendered":"<p>Im \u00e4u\u00dfersten Westen des Landkreises, nahe Hosenfeld, liegt ein kleines Dorf, das 1699 durch eine sch\u00e4ndliche Bluttat weit \u00fcber seine Grenzen hinaus Ber\u00fchmtheit erlangte. Noch heute erz\u00e4hlt man sich in Blankenau die Geschichte eines M\u00f6rders, der aus Habgier einen Propst ins Jenseits bef\u00f6rderte und daf\u00fcr grausam b\u00fc\u00dfen musste.<\/p>\n<p>Was mag das f\u00fcr ein Aufruhr in Blankenau gewesen sein, als am Morgen des 19. Januar 1699 Propst \u00c4milian von Riedheim blut\u00fcberstr\u00f6mt in seinem Bett gefunden wurde. Erdolcht durch mehrere Stiche, die Tatwaffe am Ort zur\u00fcckgelassen. Der heimt\u00fcckische Mord an dem Geistlichen muss die kleine Gemeinde tief ersch\u00fcttert haben, hatte dieser Menschenfreund doch Zeit seines Lebens nicht nur Almosen an Notleidende gespendet, sondern auch zahlreichen mittellosen M\u00e4nnern das Erlernen eines Handwerks erm\u00f6glicht. Wer konnte ihm etwas B\u00f6ses wollen?<\/p>\n<p>Der entscheidende Hinweis kam von jemandem, von dem man es wohl am wenigsten erwartet h\u00e4tte: einem Kind. Bei der Begehung des Tatortes mit seiner Mutter soll ein vierj\u00e4hriges M\u00e4dchen die Schuhe ihres Onkels erkannt und ausgerufen haben \u201eMutter, seht einmal! Da stehen ja die Schuhe des Petters Kaspar!\u201c. Damit war der T\u00e4ter \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Petter Kaspar Kissel war ausgerechnet einer jener jungen Burschen, die durch die Gunst des Propstes in den Genuss einer Schmiedelehre gekommen waren. Doch offenbar hatte dieser anderes im Sinn gehabt, als durch ehrliche Arbeit Geld zu verdienen. Nachdem die Ermittler in seinem Haus die Schuhe von Riedheims gefunden hatten, gestand er den Komplott.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich, der Soldat in Fulda war und seinem Bekannten Hermann Baier hatte er in einer dunklen Stunde den Plan gefasst, in die Propstei einzubrechen, um die dort vermuteten Reicht\u00fcmer des Geistlichen zu stehlen. Ob sie dabei von ihm \u00fcberrascht wurden oder von vornherein geplant hatten, ihn umzubringen, l\u00e4sst sich nicht sagen.<\/p>\n<p>Der Bruder war am verabredeten Tag jedoch verhindert, so waren Kissel und Baier in der Nacht vom 18. auf den 19. Januar 1699 schlie\u00dflich ohne den Dritten im Bunde in die Propstei eingebrochen. Um keinen L\u00e4rm zu machen, lie\u00dfen sie ihre Holzschuhe vor der T\u00fcr zur\u00fcck. Ein fataler Fehler, wie sich sp\u00e4ter herausstellte.<\/p>\n<p>Der Ausgang des Einbruchs ist bekannt. Nach dem Mord an von Riedheim fl\u00fcchteten die T\u00e4ter ohne Beute aus der Propstei. Dabei hatte Kissel offenbar seine Schuhe mit denen des Propstes verwechselt.<\/p>\n<p>Mit den M\u00f6rdern eines Geistlichen und noch dazu eines bekannten Wohlt\u00e4ters ging die Gerichtsbarkeit jener Zeit alles andere als zimperlich um. W\u00e4hrend der bei der Tat gar nicht anwesende Bruder Heinrich allein f\u00fcr seine Mitwisserschaft in Fulda enthauptet wurde, ist bei Kaspar und Baier von \u201epfetzen mit gl\u00fchenden Zangen\u201c, r\u00e4dern, aufspie\u00dfen und vierteilen die Rede \u2013 nacheinander, versteht sich.<\/p>\n<p>Bis zu 5.000 Menschen sollen der grausamen Exekution in Blankenau beigewohnt haben, das damals kaum mehr als 250 Einwohner gez\u00e4hlt haben d\u00fcrfte. Wohl nur noch ein weiteres Mal in der Geschichte des Dorfes, waren \u00e4hnlich viele Besucher von au\u00dferhalb angereist \u2013 bei der 750-Jahr-Feier vor zwei Jahren.<\/p>\n<p>Die Geschichte des Propstmordes ist noch heute in Blankenau lebendig. In der Pfarrkirche St. Simon und Judas bildet neben dem Hochaltar ein steinernes Denkmal zu Ehren von Riedheims die Mordszene bildlich ab. Das ehemalige Wohnhaus Kissels verweist mit einer Inschrift auf die Herkunft des M\u00f6rders und im Heimatmuseum auf dem Propsteigel\u00e4nde kann die angebliche Mordwaffe, ein etwa 30 Zentimeter langer Dolch, besichtigt werden.<\/p>\n<p>Auch in den Sagen und Geschichten der Gegend leben die Protagonisten fort. So erz\u00e4hlt man sich, dass die Verschw\u00f6rer des Nachts aus ihren Gr\u00e4bern steigen und als Geistgestalten umherwandern. Der Propst soll bisweilen in einer Gespensterkutsche unterwegs sein und nach seinen M\u00f6rdern suchen\u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Zitat:<br \/>\n\u201eWas spucket dort zu Blankenau, im alten Klosterhause? Es wandeln bei der N\u00e4chte Grau, Mit tosendem Gebrause, Drei Geistgestalten wild umher, Und s\u00fchnen ihr Verbrechen schwer\u201c (aus dem Gedicht \u201eDas Kloster in Blankenau\u201c von E. J. Koch, 1835)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Im \u00e4u\u00dfersten Westen des Landkreises, nahe Hosenfeld, liegt ein kleines Dorf, das 1699 durch eine sch\u00e4ndliche Bluttat weit \u00fcber seine Grenzen hinaus Ber\u00fchmtheit erlangte. Noch heute erz\u00e4hlt man sich in Blankenau die Geschichte eines M\u00f6rders, der aus Habgier einen Propst ins Jenseits bef\u00f6rderte und daf\u00fcr grausam b\u00fc\u00dfen musste. 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