{"id":167332,"date":"2017-09-07T07:48:18","date_gmt":"2017-09-07T05:48:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=167332"},"modified":"2017-09-07T07:48:18","modified_gmt":"2017-09-07T05:48:18","slug":"luchsbestand-in-hessen-erholt-sich-langsam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=167332","title":{"rendered":"Luchsbestand in Hessen erholt sich langsam"},"content":{"rendered":"<p>Umweltministerin Priska Hinz und Thomas Norgall vom Arbeitskreis Hessenluchs stellen aktuellen Luchsbericht vor<\/p>\n<p>\u201eDer Luchsbestand in Hessen erholt sich nur langsam: Nach einem schwierigen Jahr 2016 fehlt zwar ein Beleg f\u00fcr die erfolgreiche Jungenaufzucht. Trotzdem d\u00fcrfen wir optimistisch sein, denn es wurden keine an R\u00e4ude verendeten Luchse mehr gefunden und die beobachteten Tiere sahen alle gesund aus\u201c, sagte Umweltministerin Priska Hinz heute in Wiesbaden. Dort stellte sie gemeinsam mit Thomas Norgall, Naturschutzreferent des hessischen Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland und einer der Koordinator des Arbeitskreises Hessenluchs den Luchsbericht 2016\/2017 vor. \u201eDer landesweite Luchsbestand d\u00fcrfte im zur\u00fcckliegenden Berichtszeitraum zwar phasenweise bis zu zehn Tiere betragen haben, doch uns ist erstmals seit 2010 kein Reproduktionsnachweis gelungen\u201c, erg\u00e4nzte Norgall.<\/p>\n<p>Vier nachgewiesene Luchse<\/p>\n<p>Grundlage der Bestandssch\u00e4tzung sind zum einen die zahlreichen plausiblen Meldungen zu Feststellungen des Luchses, die beim Arbeitskreises Hessenluchs aus ganz Hessen eingingen. Zum anderen f\u00fchren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen in Nordhessen umfangreiche Feldarbeiten durch. Insgesamt konnten mindestens vier verschiedene Luchse \u2013 drei M\u00e4nnchen und ein Weibchen \u2013 in einem mehr als 650 Quadratkilometer gro\u00dfen Gebiet in Nordhessen nachgewiesen werden. Nachdem der Luchsbestand in diesem Gebiet durch die R\u00e4ude zeitweilig auf ein bis zwei Tiere abgesunken war, ist dies erfreuliche Entwicklung. Die Zuwanderung mindestens eines Luchses erfolgte aus dem Harz.<\/p>\n<p>F\u00fcr die exakte Bestandsermittlung hat sich durch die Arbeiten G\u00f6ttinger Wissenschaftler nun auch in Hessen die Wiederkennung der einzelnen Individuen an Hand ihrer Fellzeichnung mit Hilfe so genannter Fotofallen bew\u00e4hrt. Allerdings gelingt die Wiedererkennung nur ge\u00fcbten Spezialistinnen und Spezialisten, denn die hessischen Luchse zeigen nur eine geringe Fellzeichnung, meistens beschr\u00e4nkt auf die Beine. Wichtig f\u00fcr die individuelle Erkennung ist auch die erneut sehr gute Zusammenarbeit mit dem Luchsprojekt Harz. Denn Luchse, die im Harz mit Sendern versehen werden, erreichen regelm\u00e4\u00dfig auch das Bundesland Hessen. Umgekehrt wandern in Hessen identifizierte Luchse nach Niedersachsen ab. Da Luchse keine Landesgrenzen kennen, wird zuk\u00fcnftig auch eine st\u00e4rkere Vernetzung mit den Luchs-Fachleuten des Landes Th\u00fcringen angestrebt.<\/p>\n<p>Ein Jahr ohne Luchs-Nachwuchs<\/p>\n<p>Sichere Luchs-Feststellungen konzentrierten sich im vergangenen \u201eLuchs-Jahr\u201c auf die nordhessischen Landkreise Werra-Mei\u00dfner, Kassel, Schwalm-Eder und im Winter und Fr\u00fchjahr deutlich vermehrt auch auf den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. In Hersfeld-Rotenburg weckten zwei Luchse, die w\u00e4hrend der Paarungszeit im Fr\u00fchjahr 2017 gemeinsam beobachtet werden konnten, die Hoffnung auf Nachwuchs. Der erhoffte Fortpflanzungsnachweis gelang aber bis heute nicht.<\/p>\n<p>Die langj\u00e4hrige Dokumentation zeigt, dass Luchse in Hessen bisher keine Probleme f\u00fcr Nutztierhalter verursachen. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Im Januar 2017 wurden in einem Damwild-Gehege sieben tote Tiere gefunden, die in der vorangegangenen Nacht durch Kehlbiss get\u00f6tet worden waren. Der Zaun war nicht elektrisch gesichert und konnte von der kletterf\u00e4higen Katze offenbar leicht \u00fcberwunden werden. Weitere Probleme traten in der Folgezeit nicht auf.<\/p>\n<p>Umweltministerin Priska Hinz betonte erneut die Bedeutung der guten und Kooperation aller Beteiligten: \u201eDass wir die R\u00fcckkehr des Luchses so genau nachvollziehen k\u00f6nnen, kann nur durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Akteurinnen und Akteure gelingen. Damit meine ich besonders die engagierte, vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den ehrenamtlichen Luchsbeauftragten des Arbeitskreises Hessenluchs, den beteiligten Forst\u00e4mter und der Naturschutzverwaltung sowie die Kooperation mit den Verantwortlichen des Luchsprojektes der Nationalparkverwaltung Harz und des Forschungsprojektes Uni G\u00f6ttingen.\u201c<\/p>\n<p>Hintergrundinformationen:<\/p>\n<p>Der Arbeitskreis Hessenluchs wurde im 2004 auf Initiative des \u00d6kologischen Jagdvereins Hessen (\u00d6JV) und des hessischen Bund f\u00fcr Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) als verbands\u00fcbergreifender Zusammenschluss gegr\u00fcndet. Weitere Informationen: http:\/\/www.luchs-in-hessen.de\/ueberuns.html<\/p>\n<p>Der Luchsbericht wird vom Arbeitskreis Hessenluchs seit 2007 j\u00e4hrlich im Auftrag der Obersten Naturschutzbeh\u00f6rde im Hessischen Umweltministerium und des Hessischen Landesamtes f\u00fcr Naturschutz, Umwelt und Geologie erstellt. Das Berichtsjahr  dauert jeweils vom 01.05. bis zum 30.04. des Folgejahres. Die Berichte sind die Grundlage f\u00fcr die Berichte zum Erhaltungszustand des Luchses, zu denen Hessen nach dem europ\u00e4ischen Naturschutzrecht, konkret der FFH-Richtlinie, verpflichtet ist. Der Arbeitskreis Hessenluchs ver\u00f6ffentlicht die Berichte auf seiner Hompage, damit sie f\u00fcr die Wissenschaft und die \u00d6ffentlichkeit leicht zug\u00e4nglich sind: http:\/\/www.luchs-in-hessen.de\/luchshinweise_melden.html<\/p>\n<p>Das Luchs-Projekt an der Uni G\u00f6ttingen leitet Dr. Markus Port. Dr. Port und seine Kolleginnen und Kollegen ermitteln den Bestand in einem etwa 650 Quadratkilometer gro\u00dfen Gebiet in Nordhessen. Mit sog. Fotofallen wird die individuelle Fellzeichnung der freilebenden Luchse festgestellt. Weitere Informationen: http:\/\/www.luchs.uni-goettingen.de\/index.php?id=8<\/p>\n<p>Das Luchsprojekt Harz begann Anfang 2000 mit der Wiederansiedlung der gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen Katze. Die Ansiedlung war erfolgreich. Die Harz-Population gilt als Quellpopulation der Luchse in (Nord-) Hessen.  Informationen: http:\/\/www.luchsprojekt-harz.de\/<\/p>\n<p>Als R\u00e4ude bezeichnet einen Befall der Haut mit Milben, die bei S\u00e4ugetieren auftritt. Die Milben verursachen in der Regel einen starken Juckreiz. Befallene Tiere f\u00fcgen sich beim Kratzen offene Wunden zu, die dann zu Sekund\u00e4rinfektionen f\u00fchren. Die Beeintr\u00e4chtigung kann so stark werden, dass die befallenen Tiere entkr\u00e4ften und verenden.<br \/>\n2014 gab es in Nordhessen eine Hochphase des R\u00e4udeauftretens, in dessen Folge mehrere der wenigen in Nordhessen\/S\u00fcdniedersachsen lebenden Luchse starben. Allerdings f\u00fchrt nicht jeder R\u00e4udebefall zum Tode. Der Luchs-Kater \u201eFelux\u201c, der erstmals im November 2014 durch eine Fotofalle identifiziert wurde, \u00fcberlebte das Aufkommen der R\u00e4ude und lebte weiterhin in seinem Revier in Nordhessen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Umweltministerin Priska Hinz und Thomas Norgall vom Arbeitskreis Hessenluchs stellen aktuellen Luchsbericht vor \u201eDer Luchsbestand in Hessen erholt sich nur langsam: Nach einem schwierigen Jahr 2016 fehlt zwar ein Beleg f\u00fcr die erfolgreiche Jungenaufzucht. 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