{"id":166802,"date":"2017-08-30T06:51:08","date_gmt":"2017-08-30T04:51:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=166802"},"modified":"2017-08-30T06:51:08","modified_gmt":"2017-08-30T04:51:08","slug":"der-natur-mehr-raum-geben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=166802","title":{"rendered":"Der Natur mehr Raum geben"},"content":{"rendered":"<p>Der Gr\u00fcne Europaabgeordnete Martin H\u00e4usling folgte einer Einladung des Kreisverbandes von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen Fulda zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema Artenschwund in der Agrarlandschaft. H\u00e4usling, der nicht nur landwirtschaftlicher Sprecher der gr\u00fcnen Europafraktion, sondern auch selbst Landwirt ist, diskutierte zusammen mit Janet Emig (landwirtschaftliche Beraterin des Biosph\u00e4renreservates), Thomas L\u00f6w (Imkerverein Fulda), Mathias Bug (Vorsitzender des Kreisbauernverbands Fulda) und Walter Rammler (Gr\u00fcner Direktkandidat), unter der Moderation des Bioland-Landwirtes Helmut Sch\u00f6nberger \u00fcber die Ursachen des alarmierenden europaweiten Artensterbens.<\/p>\n<p>Schuld seien nicht nur die riesigen Monokulturen in weiten Teilen Europas, die keine Nahrungsgrundlage mehr f\u00fcr Insekten bieten, sondern auch der immense Einsatz von Insektengiften. Verboten werden m\u00fcssten vor allem Neonikotinoide, Insektenschutzmittel, die 8.000 x giftiger als das Nervengift DDT seien. Das umstrittene Umkrautvernichtungsmittel Glyphosat sei inzwischen auf 40 % aller Ackerfl\u00e4chen das g\u00e4ngige Mittel, um \u201epfluglos\u201c den Acker bearbeiten zu k\u00f6nnen.<br \/>\nEinig waren sich alle Podiumsteilnehmer, dass die F\u00f6rdergelder f\u00fcr die Landwirtschaft mit Umweltleistungen verbunden werden m\u00fcssten. \u201eEs geht nicht an\u201c, so Martin H\u00e4usling, \u201edass automatisch jeder Landwirt unabh\u00e4ngig von der Betriebsgr\u00f6\u00dfe 300 \u00e2\u201a\u00ac pro ha an F\u00f6rdergeldern bekommt.\u201c Was in kleinstrukturierten Landschaften wie der Rh\u00f6n zur Erhaltung der Landwirtschaft sehr wichtig sei, habe z.B. in Rum\u00e4nien und Bulgarien zu Spekulationen mit Agrarfl\u00e4chen in ungeahntem Ausma\u00df gef\u00fchrt. \u201eInvestoren aus Deutschland, Europa oder China kaufen tausende von ha Land auf und kassieren diese EU-F\u00f6rdergelder, ohne sich um die Standards zu k\u00fcmmern\u201c, kritisiert der Gr\u00fcne EU-Abgeordnete. Das gleiche einem bedingungslosen Grundeinkommen f\u00fcr Landwirte.<\/p>\n<p>Janet Emig m\u00f6chte die Vergabe der Gelder nicht nur an die Betriebsgr\u00f6\u00dfe, sondern auch an eine landwirtschaftliche Beratung koppeln. In der Rh\u00f6n w\u00fcrde die Landwirtschaft durch die H\u00f6henlage vor gro\u00dfe Herausforderungen gestellt; zudem erschwere der schwankende und meist zu geringe Milchpreis ausk\u00f6mmliche Einnahmen f\u00fcr die Landwirte. \u201eHier m\u00fcssen die Verbraucher Verantwortung \u00fcbernehmen und weniger auf den Preis, sondern mehr auf die Herkunft der Milch achten.\u201c Wichtig sei auch Umweltbildung in Kinderg\u00e4rten und Schulen.<\/p>\n<p>Das best\u00e4tigte der Imker Thomas L\u00f6w, der eine Schauimkerei unterh\u00e4lt und mit Gersfelder Schulen bez\u00fcglich Imkerei kooperiert. Er beklagte nicht nur, dass es in der Landwirtschaft immer weniger bl\u00fchende Pflanzen als Nahrungsquelle f\u00fcr Bienen und andere Insekten gebe, sondern auch, dass es immer weniger Obst-Hochst\u00e4mme gebe und in den Siedlungen die G\u00e4rten verschw\u00e4nden und Steinw\u00fcsten Platz machen m\u00fcssten. \u201eWenn Gift verspr\u00fcht wird, nehmen Bienen vergiftetes Futter mit in den Stock, wo sie es an die Larven und K\u00f6niginnen verf\u00fcttern und somit das Volk geschw\u00e4cht wird. Manche Insektengifte st\u00f6ren den Orientierungssinn der Bienen, so dass sie gar nicht erst nach Hausen finden\u201c, erkl\u00e4rte L\u00f6w.<br \/>\nMatthias Bug nimmt als Landwirt im Haupterwerb am Bl\u00fchstreifen-Projekt des Kreisbauernverbandes teil: die Landwirte verzichten auf einen Teil der Feldbewirtschaftung und bepflanzen an den \u00c4ckern ca. 2 m breite Streifen mit Bl\u00fchpflanzen als Biene- und Hummelfutter. Sein Betrieb verzichtet inzwischen auf den Import des Futtermittels Soja und baut stattdessen Rapsschrot als Eiwei\u00dffutter an. &#8220;Wir stehen als konventionelle Landwirte unter immensem \u00f6konomischem Existenzdruck, und letztendlich entscheiden die Verbraucher durch ihr Kaufverhalten, was wir verdienen,&#8221; so Bug.<\/p>\n<p>Walter Rammler bedauerte den Strukturwandel in der Landwirtschaft sowie die Agrarpolitik der EU: &#8220;Ich fordere eine schnelle Wende in der Landwirtschaft, wei\u00df aber auch wie schwer das ist,&#8221; fordert er.<\/p>\n<p>\u201eDie Biene ist \u2013 nach Schwein und Rind &#8211; das drittwichtigste Nutztier in unserer Landwirtschaft\u201c, betonte Moderator Sch\u00f6nberger. Das zeige, wie wichtig der Schutz dieser Tiere und damit ein Umdenken in der Landwirtschaft sei, um weiteres Artensterben nicht nur von Insekten wie Wildbienen oder V\u00f6geln wie Rebhuhn und Lerche zu verhindern. Die Tiere verschw\u00e4nden stumm. Erst, wenn sie fehlten, w\u00fcrden uns die Sch\u00e4den bewusst, die wir damit angerichtet h\u00e4tten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der Gr\u00fcne Europaabgeordnete Martin H\u00e4usling folgte einer Einladung des Kreisverbandes von B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen Fulda zu einer Podiumsdiskussion mit dem Thema Artenschwund in der Agrarlandschaft. 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