{"id":166707,"date":"2017-08-24T06:23:18","date_gmt":"2017-08-24T04:23:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=166707"},"modified":"2017-08-24T06:23:18","modified_gmt":"2017-08-24T04:23:18","slug":"vom-mieter-zum-eigentuemer-regionaler-wohnungskauf-check","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=166707","title":{"rendered":"Vom Mieter zum Eigent\u00fcmer \u2013 Regionaler Wohnungskauf-Check"},"content":{"rendered":"<p>Offensive f\u00fcr die eigenen vier W\u00e4nde: Vom Eigenheim bis zur Eigentumswohnung \u2013 im Landkreis Fulda k\u00f6nnten k\u00fcnftig mehr Menschen in einem Zuhause wohnen, das ihnen auch selbst geh\u00f6rt. Das zeigt eine Modellrechnung des Pestel-Instituts (Hannover), bei der es darum geht, die Chancen zu ermitteln, mit denen Mieter zu Wohnungseigent\u00fcmern werden. Demnach kann in der Stadt Fulda die Wohneigentumsquote von derzeit lediglich 35 Prozent deutlich gesteigert werden. Zum Vergleich: Im \u00fcbrigen Landkreis liegt die Eigentumsquote bei 63 Prozent.<\/p>\n<p>Das Pestel-Institut hat in seinem regionalen \u201eWohnungskauf-Check\u201c \u2013 speziell zugeschnitten auf den Wohnungsmarkt in Fulda \u2013 auf der Grundlage aktueller Immobilienpreise berechnet, wer sich als Mieter k\u00fcnftig ein Reihenhaus oder eine Eigentumswohnung leisten kann \u2013 und das mit solider Finanzierung. Voraussetzung ist, dass der Staat sie dabei durch ein Programm mit langfristigen Krediten \u00fcber die KfW-F\u00f6rderbank unterst\u00fctzt und ihnen Sicherheit bei den Zinsen gibt \u2013 anders als Kreditinstitute, die in der Regel keine Niedrigzinsen auf Dauer bieten. Weitere Bedingung: Das Land soll f\u00fcr einen Freibetrag bei der Grunderwerbsteuer sorgen. Diese Forderungen unterst\u00fctzt die Initiative \u201eWohn-Perspektive Eigentum\u201c, die das Pestel-Institut mit der Regio-Analyse beauftragt hat.<\/p>\n<p>Konkret geht es dabei um den Kauf eines Reihenhauses mit 100 Quadratmetern Wohnfl\u00e4che in mittlerer Lage und guter Bausubstanz. Dies kostet in Fulda nach dem aktuellen Immobilien-Preisspiegel der LBS rund 200.000 Euro. Dazu kommen noch einmal etwa 24.000 Euro an Kosten, die beim Kauf anfallen \u2013 z.B. die Grunderwerbsteuer, Geb\u00fchren und Honorare f\u00fcr Notar, Makler, Banken und Berater.<\/p>\n<p>\u201eW\u00fcrde der Staat \u00fcber 30 Jahre hinweg einen Kredit zum festen Zinssatz von 1,5 Prozent anbieten, w\u00e4re vielen in Fulda geholfen, die sich eine Immobilie anschaffen wollen, um selbst darin zu wohnen. Denn die eigenen vier W\u00e4nde stehen immer noch ganz oben auf der Wunschliste der Menschen\u201c, sagt Matthias G\u00fcnther. Der Leiter des Pestel-Instituts spricht hierbei von einer \u201eangemessenen und notwendigen Wohneigentumsf\u00f6rderung durch den Staat\u201c.<\/p>\n<p>Auf dieser Grundlage w\u00fcrde einem Haushalt in Fulda ein Nettoeinkommen von 2.020 Euro pro Monat reichen, um sich das Reihenhaus anzuschaffen. Und das bei einem Eigenkapital von 20 Prozent \u2013 also einem \u201eImmobilien-Startkapital\u201c von rund 45.000 Euro, rechnet das Pestel-Institut vor.<\/p>\n<p>\u201eWichtig bei dieser Berechnung ist, dass 40 Prozent des Einkommens, das der Haushalt monatlich netto zur Verf\u00fcgung hat, in die Finanzierung der Immobilie flie\u00dfen\u201c, sagt G\u00fcnther. Hierbei seien Zinsen und Tilgung des \u00fcber drei Jahrzehnte laufenden Kredites ber\u00fccksichtigt. Ebenso wie eine 1-prozentige R\u00fccklage vom Kaufpreis pro Jahr, um sp\u00e4tere Reparaturen und Sanierungen bezahlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201e\u00c4hnlich gehen die Menschen, die heute noch zur Miete wohnen, auf Nummer sicher, wenn es darum geht, eine Eigentumswohnung zu kaufen. Singles zum Beispiel, die mit 50 Quadratmetern Wohnfl\u00e4che gut klarkommen\u201c, sagt Matthias G\u00fcnther. So eine Eigentumswohnung in guter Wohnlage mit modernem Bad, Balkon und ohne unmittelbaren Modernisierungsbedarf kostet nach dem LBS-Preisspiegel in Fulda rund 102.000 Euro. Hinzu kommen noch einmal rund 12.000 Euro f\u00fcr die Nebenkosten beim Immobilienkauf.<\/p>\n<p>\u201eDamit k\u00f6nnte sich ein Single in Fulda seine eigenen vier W\u00e4nde schon mit einem Nettoeinkommen ab 1.370 Euro pro Monat leisten, wenn er davon 30 Prozent abzweigt, um seinen Immobilienkredit abzubezahlen. Vorausgesetzt, er bringt ein F\u00fcnftel des Kaufpreises \u2013 also rund 23.000 Euro \u2013 als Eigenkapital mit\u201c, rechnet Matthias G\u00fcnther vom Pestel-Institut vor. Bedingung immer: Der Staat bietet ein entsprechendes Kreditprogramm.<\/p>\n<p>Genau daran, so G\u00fcnther, hapere es allerdings. \u201eMit der Abschaffung der Eigenheimzulage wurde die F\u00f6rderung von Wohneigentum in Deutschland faktisch eingestellt. Und das ist schon \u00fcber zehn Jahre her\u201c, so Matthias G\u00fcnther. Die Folge sei deutlich zu sp\u00fcren: Mit einer Eigentumsquote von bundesweit rund 45 Prozent liege Deutschland im Europa-Vergleich auf dem drittletzten Platz \u2013 deutlich hinter seinen Nachbarn im Westen (Frankreich mit 58 Prozent) und Osten (Polen mit 70 Prozent).<\/p>\n<p>Insbesondere die \u201eNestbauer-Generation\u201c der 25- bis 40-J\u00e4hrigen geh\u00f6re zu den Verlierern, wenn es um die Anschaffung von Wohneigentum gehe. Dabei sei gerade die Eigentumswohnung oder das eigene Haus ein wichtiger Baustein f\u00fcr die Altersvorsorge. \u201eDie eigenen vier W\u00e4nde sind da und haben Bestand \u2013 unabh\u00e4ngig davon, wie die Rentenh\u00f6he im Alter schwankt. Sie bieten die Sicherheit eines dauerhaften \u00e2\u20ac\u0161Daches \u00fcber dem Kopf\u00e2\u20ac\u02dc \u2013 ohne Angst vor Mieterh\u00f6hungen oder vor einer K\u00fcndigung\u201c, sagt Pestel-Studienleiter Matthias G\u00fcnther. Der Stellenwert, den die eigenen vier W\u00e4nde im Alter h\u00e4tten, lie\u00dfe sich auch daran erkennen, dass es derzeit bei den Senioren, die auf staatliche Grundsicherung im Alter angewiesen seien, kaum Wohnungseigent\u00fcmer gebe.<\/p>\n<p>Die Parteien seien deshalb gut beraten, sich \u201eendlich wieder um das Wohneigentum zu k\u00fcmmern\u201c. Hier seien dringend F\u00f6rderkonzepte notwendig. \u201eWer im Bundestagswahlkampf das Wohneigentum politisch f\u00fcr sich entdeckt, spricht damit eine breite Bev\u00f6lkerungsgruppe an. Umgesetzt in konkrete Regierungsarbeit w\u00e4re das ab Herbst dann sogar auch ein gutes St\u00fcck Konjunktur- und Rentenpolitik\u201c, sagt Matthias G\u00fcnther.<\/p>\n<p>In der Initiative \u201eWohn-Perspektive Eigentum\u201c haben sich unter anderen der beim Hausbau und Wohnungskauf als Dienstleister im Verbraucherschutz beratende Verband privater Bauherren (VPB), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) zusammengeschlossen. Gemeinsam sprechen sie sich f\u00fcr eine politische Offensive bei der F\u00f6rderung von Wohneigentum aus, wenn die Immobilie nach dem Bau oder Kauf selbst genutzt wird. G\u00fcnstige Zinsen \u00fcber 25 bis 30 Jahre \u2013 am besten bis zur vollst\u00e4ndigen R\u00fcckzahlung des Darlehns \u2013 seien bei der Immobilien-Finanzierung ein wichtiger Punkt. Ein Kredit, der nicht wirklich langfristig Niedrigzinsen biete, helfe nicht weiter. Wer in eine Immobilie investiere, m\u00fcsse in Sachen Finanzierung auf der sicheren Seite stehen und d\u00fcrfe kein Zinsrisiko eingehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Offensive f\u00fcr die eigenen vier W\u00e4nde: Vom Eigenheim bis zur Eigentumswohnung \u2013 im Landkreis Fulda k\u00f6nnten k\u00fcnftig mehr Menschen in einem Zuhause wohnen, das ihnen auch selbst geh\u00f6rt. Das zeigt eine Modellrechnung des Pestel-Instituts (Hannover), bei der es darum geht, die Chancen zu ermitteln, mit denen Mieter zu Wohnungseigent\u00fcmern werden. 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