{"id":166495,"date":"2017-08-18T07:25:27","date_gmt":"2017-08-18T05:25:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=166495"},"modified":"2017-08-18T07:25:27","modified_gmt":"2017-08-18T05:25:27","slug":"sein-wunsch-sicherheit-und-schutz-der-iraker-amer-ibrahim-hofft-auf-eine-chance-fuer-seine-familie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=166495","title":{"rendered":"Sein Wunsch: Sicherheit und Schutz &#8211; Der Iraker Amer Ibrahim hofft auf eine Chance f\u00fcr seine Familie"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2-zerst\u00f6rung.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/2-zerst\u00f6rung-265x149.jpeg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"149\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-166498\" \/><\/a>Fotos von der Zerst\u00f6rung seines Viertels, von den Verletzungen seiner Schwester, von den verstorbenen Br\u00fcdern und deren Familien: Amer Ibrahim h\u00e4lt in H\u00e4nden, was ihm von seiner Heimat geblieben ist, von seiner Familie, die im Irak ausharrt und keinen Tag sicher ist. Sein Wunsch: Er m\u00f6chte seine Mutter, seine beiden Schwestern und seinen Bruder nach Deutschland holen. Rechtlich hat er dazu keine Handhabe. Er hofft auf eine humanit\u00e4re Entscheidung.<\/p>\n<p>Amer Ibrahim ist seit Ende 2015 in Deutschland. Der Iraker verlie\u00df 2014 die Stadt Mossul, als der sogenannte IS mit brachialer Gewalt dort einfiel und bis heute eine Spur der Verw\u00fcstung und des Todes hinterlassen hat. In Mossul zur\u00fcck blieben seine Mutter, seine Schwestern, die Br\u00fcder. Einer von ihnen hatte ein kleines Kind. \u201eAus Mossul heraus f\u00fchrte damals schon keine Stra\u00dfe mehr. Der beschwerliche Weg w\u00e4re f\u00fcr sie nicht zu schaffen gewesen \u2013 schon gar nicht die Flucht nach Europa\u201c, berichtet Amer, der in Gedanken stets zuhause war, in Mossul, bei seiner Familie. W\u00e4hrenddessen stellte er in Deutschland einen Asylantrag. Ihm wurde eine Aufenthaltserlaubnis erteilt. Noch ein Jahr darf er zun\u00e4chst hierbleiben.<\/p>\n<p>Doch die Lage in seiner Heimatstadt l\u00e4sst ihn nicht los. St\u00e4ndig bleibt er mit seiner Familie verbunden. Auch als im M\u00e4rz die von der NATO unterst\u00fctzte Offensive der irakischen Armee auf den IS beginnt, bangt Amer um seine Familie in der bombardierten Stadt. W\u00e4hrend die Armee f\u00fcr sich Erfolge reklamiert, sterben in einem Bombardement auf ein Wohnhaus verschiedenen Berichten, unter anderem der Tagesschau und der Zeit, zufolge \u00fcber hundert Zivilisten. Darunter: Amers Bruder mit seiner Frau und zwei Kindern, das j\u00fcngste gerade mal einen Monat alt. Auch ein weiterer Bruder des Irakers stirbt unter den Tr\u00fcmmern. Die ganze Familie wohnte in dem bombardierten Haus, 14 Menschen. Amers Schwester wird schwer verletzt. Nach sechs Stunden kann sie gerettet werden. Ihre Beine sind kaputt, f\u00fcr ihre Br\u00fcder und deren Familien gibt es keine Rettung. \u201eMeine Schwester hat noch ihren kleinen Neffen unter den Tr\u00fcmmern rufen h\u00f6ren, doch irgendwann war alles still\u201c, berichtet Amer. Lange Zeit, war die die Lage in Mossul so unsicher, dass nicht mehr nach Versch\u00fctten und Toten gesucht werden konnte. So konnten erst vor wenigen Tagen die Leichenteile aus den zerst\u00f6rten H\u00e4usern geborgen werden. Auch davon hat Amer inzwischen Fotos bekommen. \u201eNur von dem Baby fand man nichts mehr unter Tr\u00fcmmern, nichts mehr\u201c, berichtet der Iraker unter Tr\u00e4nen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/3-\u00fcberreste.jpeg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/3-\u00fcberreste-265x149.jpeg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"149\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-166499\" \/><\/a>Als Amer Ibrahim im M\u00e4rz erf\u00e4hrt, was seiner Familie geschehen ist, gibt es f\u00fcr ihn kein Halten. Er m\u00f6chte zur\u00fcck in den Irak, will seiner Mutter und den \u00fcberlebenden Geschwistern beistehen. Daf\u00fcr w\u00fcrde er sogar sein Aufenthaltsrecht in Deutschland aufgeben \u2013 Amer will nur eins: zur\u00fcck. Seine Freunde, Gefl\u00fcchtete wie er, raten ihm ab. Doch der Wunsch, seine Familie zu sehen, wird immer st\u00e4rker. Amer findet Unterst\u00fctzer, auch bei ProAsyl und der Caritas, sie sammeln Geld f\u00fcr ihn und besprechen mit der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde die M\u00f6glichkeit, f\u00fcr eine kurze Zeit zur\u00fcckreisen zu d\u00fcrfen. \u201eEs war eine ziemliche Prozedur\u201c, berichtet Pfarrer Walter Bernbeck von der Fl\u00fcchtlingsberatung ProAsyl. Am Ende k\u00f6nnen sie nachweisen, was mit Amers Familie geschehen ist; im Juni reist Amer daraufhin f\u00fcr 20 Tage in seine Heimat.<\/p>\n<p>Was er dort sieht, kann er kaum in Worte fassen. Zerst\u00f6rung weit und breit. Der Tod hat sein Stadtviertel mit seinem Geruch \u00fcberzogen \u2013 so viele Menschen, die immer noch unter den Tr\u00fcmmern begraben liegen. Das Wiedersehen mit seiner Familie findet im Krankenhaus statt. Dort harrt seine Mutter bei der einen Schwester aus. Die anderen Geschwister haben Unterschlupf im Haus einer Tante gefunden. Dieses befindet sich im von der irakischen Armee kontrollierten Teil der Stadt, dort ist es relativ sicher. Seine verletzte Schwester war zun\u00e4chst in Mossul im Krankenhaus, jetzt wurde sie nach Erbil in den Norden des Iraks verlegt. Viel Hilfe bekommt sie dort dennoch nicht: \u201eEs fehlt an allem \u2013 die medizinische Versorgung ist schlecht und kostet viel Geld\u201c, berichtet Amer. Und Geld hat seine Familie schon lange nicht mehr: Der Krieg hat ihnen wirklich alles genommen, sie haben nur noch, was sie am Leib hatten.<\/p>\n<p>Amer sch\u00f6pft die wenigen Wochen, die ihm gestattet wurden, voll aus. Jede Sekunde ist er bei seiner Familie, spricht, versucht zu tr\u00f6sten und sich tr\u00f6sten zu lassen. Als er abreisen muss, kann er es kaum aushalten. Seit Ende Juni ist er nun bereits wieder in Deutschland, in Alsfeld. Er w\u00fcnscht sich nichts sehnlicher, als seine Mutter, seine Schwestern und seinen Bruder hier in seine Arme schlie\u00dfen zu k\u00f6nnen. Doch Familienzusammenf\u00fchrung ist schwer geworden in Deutschland, selbst f\u00fcr minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge. Keine Chance also f\u00fcr Amer, der bereits 27 Jahre alt ist. Und der Verwandtschaftsgrad gibt ebenfalls keine Begr\u00fcndung f\u00fcr eine Familienzusammenf\u00fchrung her. Sollte Amers Familie nach Deutschland wollen, m\u00fcssten sie den langen, beschwerlichen und gef\u00e4hrlichen Weg einer Flucht auf sich nehmen. Doch daran ist nicht zu denken: Es ist kein Geld mehr da, und der Gesundheitszustand der Schwester erlaubt es ohnehin nicht. Die 25-J\u00e4hrige m\u00fcsste dringend in Deutschland operiert werden, damit sie irgendwann wieder gehen kann. \u201eIch suche f\u00fcr meine Familie nach einem legalen Weg nach Deutschland.\u201c Das ist Amers gr\u00f6\u00dfter Wunsch, und so lange dieser nicht erf\u00fcllt ist, kann er hier nicht richtig ankommen. Die Sorge um seine Familie h\u00e4lt ihn fest umschlungen. Seine gro\u00dfe Hoffnung: Die Bundesrepublik m\u00f6ge seine Familie aus humanit\u00e4ren Gr\u00fcnden einreisen lassen. Dazu hat will er eine Eingabe bei den politischen und milit\u00e4rischen Stellen machen, die f\u00fcr dieses Bombardement verantwortlich sind. Da es sich um einen Nato-Beschuss handelte, z\u00e4hlen auch der Deutsche Bundestag und die Bundeswehr dazu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fotos von der Zerst\u00f6rung seines Viertels, von den Verletzungen seiner Schwester, von den verstorbenen Br\u00fcdern und deren Familien: Amer Ibrahim h\u00e4lt in H\u00e4nden, was ihm von seiner Heimat geblieben ist, von seiner Familie, die im Irak ausharrt und keinen Tag sicher ist. 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