{"id":166423,"date":"2017-08-17T07:23:36","date_gmt":"2017-08-17T05:23:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=166423"},"modified":"2017-08-17T07:23:36","modified_gmt":"2017-08-17T05:23:36","slug":"wo-einst-die-koepfe-rollten-am-rabenstein-in-lehnerz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=166423","title":{"rendered":"Wo einst die K\u00f6pfe rollten \u2013 Am Rabenstein in Lehnerz"},"content":{"rendered":"<p>Wer in Fulda die Leipziger Stra\u00dfe Richtung Michelsrombach verl\u00e4sst, denkt wohl kaum daran, dass sich auf der stillen gr\u00fcnen Wiese direkt neben dem Lehnerzer Friedhof einst grauenvolle Szenen abgespielt haben. Die Stra\u00dfe \u201eAm Rabenstein\u201c markiert eine ehemalige Hinrichtungsst\u00e4tte der Fuldaer Gerichtsbarkeit. Am 21. November 1856 trat hier das letzte Mal der st\u00e4dtische Henker Johann Conrad Lucas in Aktion.<\/p>\n<p>Der Delinquent, der an besagtem Tage mit einem Hieb enthauptet wurde, war der 51 Jahre alte Schmied Benedikt Bl\u00f6\u00dfer aus Keulos. Nur drei Wochen nach der als besonders kaltbl\u00fctig beschriebenen Ermordung des Forstl\u00e4ufers (heute: Forsth\u00fcter) Johann Adam Maul aus K\u00fcnzell wurde am Fuldaer Rabenstein sein Todesurteil vollstreckt. <\/p>\n<p>Schaurig und d\u00fcster wird die Szenerie beschrieben, als am Morgen des 21. November der Leiterwagen mit dem \u00fcberf\u00fchrten M\u00f6rder aus der Stadt zum 45 Minuten entfernten Rabenstein rumpelte. Nur mit wei\u00dfem Hemd und Zipfelm\u00fctze bekleidet, in Geleit von Wachen und Geistlichen, die unentwegt Gebete in den Himmel schickten, wurde Bl\u00f6\u00dfer schon von einem gro\u00dfen Publikum erwartet. <\/p>\n<p>Wie f\u00fcr die damalige Zeit \u00fcblich, lag die Richtst\u00e4tte \u2013 in Fulda gab es mehrere, die gleichzeitig genutzt wurden, \u2013 bewusst au\u00dferhalb der Stadt an einer wichtigen Ausfallstra\u00dfe zur Abschreckung der Vorbeireisenden. Hinrichtungen waren ein \u00f6ffentliches Spektakel. Die B\u00fcrger zogen von Schaulust getrieben in gro\u00dfer Schar zum sogenannten Hochgericht, um den Ungl\u00fcckseligen nach einer schmachvollen Prozession aus der Stadt heraus in Empfang zu nehmen. Nicht selten \u201edurften\u201c auch Sch\u00fcler zu Lehrzwecken beiwohnen. <\/p>\n<p>Doch als ahnte das Publikum an jenem Tag, dass dies die letzte Hinrichtung hier drau\u00dfen sein sollte, wollte keine rechte Stimmung aufkommen. Die Leute hatten am Ende dann doch Mitleid mit dem armen S\u00fcnder Bl\u00f6\u00dfer, der allerdings nicht mehr zu retten war. <\/p>\n<p>Der Rabenstein im heutigen Lehnerz bestand laut \u00dcberlieferungen aus einer runden aufgemauerten Plattform, die man durch einen Eingang betreten konnte. Darauf befand sich ein sogenannter \u201edreischl\u00e4friger\u201c Galgen, an dem mehrere Verurteilte gleichzeitig geh\u00e4ngt werden konnten. Auch als Schafott diente der Bau. Enthauptet wurden die Verurteilten hier oben ganz typisch f\u00fcr Fulda im Sitzen. Die \u00e4lteste \u00fcberlieferte Hinrichtung wurde an dieser St\u00e4tte am 21. Juli 1771 vollzogen.<\/p>\n<p>Woher die Bezeichnung \u201eRabenstein\u201c stammt, ist nicht eindeutig gekl\u00e4rt. Die vermeintlich plausibelste Deutung geht auf die aasfressenden V\u00f6gel zur\u00fcck, die sich gern rund um den Galgen aufhielten, weil man die Hingerichteten oft einfach dort h\u00e4ngen- oder liegen lie\u00df.<\/p>\n<p>Nachdem bereits 1833 das Kreisamt Fulda mit der Kurf\u00fcrstlichen Regierung in Kassel dar\u00fcber verhandelt hatte, den Rabenstein in seiner urspr\u00fcnglichen Form aus \u00e4sthetischen Gr\u00fcnden zu entfernen, um ihn nur noch f\u00fcr Enthauptungen zu nutzen \u2013 Vorbeireisende hatten sich \u00fcber den \u00fcblen Anblick beschwert \u2013, wurde er erst im Jahr 1894 g\u00e4nzlich abgetragen.<\/p>\n<p>Hinrichtungen kamen allm\u00e4hlich aus der Mode, und so \u00fcbernahm Johann Conrad Lucas, wie es f\u00fcr den Berufsstand des Henkers typisch war, fortan Aufgaben als Abdecker (Wasenmeister) und Wundarzt. Seine letzte Ruhest\u00e4tte kann nach wie vor auf dem Alten St\u00e4dtischen Friedhof am \u201eFranzosenw\u00e4ldchen\u201c in Fulda besucht werden. Seit 2015 macht hier das \u201eBand der Erinnerung\u201c die Stadtgeschichte anhand von Gr\u00e4bern ber\u00fchmter Fuldaer Pers\u00f6nlichkeiten auf ansprechende Weise erfahrbar.<\/p>\n<p>Heute ist vom alten Rabenstein nichts mehr zu sehen. Lediglich eine leichte Erhebung auf der Wiese markiert den Ort, an dem einst Fuldas Henker hunderte Menschen vom Leben in den Tod bef\u00f6rderten. Ob es hier spukt? M\u00f6glicherweise ist die Wiese nicht umsonst unbebaut&#8230; <\/p>\n<p>Info<br \/>\nWeitere gruselige Geschichten \u00fcber Geister, paranormale Erscheinungen, Sagen, Mythen und Legenden in und um Fulda bietet die dreieinhalb- bis vierst\u00fcndige Erlebnistour mit dem Fuldaer Geisterbus. Kosten: 28 Euro pro Person. www.geisterbus.de   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wer in Fulda die Leipziger Stra\u00dfe Richtung Michelsrombach verl\u00e4sst, denkt wohl kaum daran, dass sich auf der stillen gr\u00fcnen Wiese direkt neben dem Lehnerzer Friedhof einst grauenvolle Szenen abgespielt haben. Die Stra\u00dfe \u201eAm Rabenstein\u201c markiert eine ehemalige Hinrichtungsst\u00e4tte der Fuldaer Gerichtsbarkeit. Am 21. 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