{"id":166225,"date":"2017-08-11T08:37:00","date_gmt":"2017-08-11T06:37:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=166225"},"modified":"2017-08-11T08:37:00","modified_gmt":"2017-08-11T06:37:00","slug":"hans-heinrich-maerz-verlaesst-nach-40-jahren-die-schulbuehne-ein-portrait","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=166225","title":{"rendered":"Hans Heinrich M\u00e4rz verl\u00e4sst nach 40 Jahren die Schulb\u00fchne \u2013 ein Portrait"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAch, den hatte ich auch!\u201c Fast kein Vater oder keine Mutter, die ihre Schulzeit an der Albert-Schweitzer-Schule verbracht hat und deren Kinder inzwischen auch wieder dort sind, kommt um diese Feststellung herum. Die Rede ist von Hans Heinrich M\u00e4rz, seines Zeichens Lehrer f\u00fcr Mathematik und Physik an der Albert-Schweitzer-Schule, vierzig Jahre lang im Amt. Nun geht diese \u00c4ra zu Ende: Zum Schuljahresende ging M\u00e4rz in den Ruhestand \u2013 das neue Schuljahr startet ohne ihn. In einem Gespr\u00e4ch blickt er nicht nur auf ein umtriebiges Lehrerleben zur\u00fcck, sondern auch auf wechselhafte schulpolitische Zeiten, technische Entwicklungen und eine ganz andere Sch\u00fclerschaft. Konstant war \u00fcber die vier Jahrzehnte im Schuldienst eigentlich nur er selbst: Engagiert als Lehrer, als Gewerkschafter, als Erneuerer und Initiator, war er bis zum Ende seiner Schulzeit ein Fels in der Brandung, gesch\u00e4tzt f\u00fcr seinen unerm\u00fcdlichen Einsatz, mitunter auch gef\u00fcrchtet, weil er auch unangenehmen Diskussionen nicht aus dem Weg ging.<\/p>\n<p>Gewerkschaftsarbeit als ein Schwerpunkt<br \/>\nIn Asbach (Kreis Hersfeld) geboren, in Marburg studiert, f\u00fchrte ihn sein Weg direkt nach dem Studium an die Albert-Schweitzer-Schule. Liebe auf den ersten Blick irgendwie: \u201eEs passte einfach \u2013 die Schule, das Kollegium. Als Anf\u00e4nger wurde ich hier gleich f\u00fcr \u00e2\u20ac\u0161vollgenommen\u00e2\u20ac\u02dc.\u201c Die Begegnung auf Augenh\u00f6he innerhalb des Kollegiums ist f\u00fcr M\u00e4rz ein Pfund geblieben, mit dem die Schule bis heute wuchern kann: \u201eIch wollte hier nie weg.\u201c Dabei stie\u00df er als Gewerkschafter in einem Schulapparat der sp\u00e4ten 70er- und fr\u00fchen 80er-Jahre nicht nur auf Entgegenkommen. Und hat dennoch dieses Engagement sehr fr\u00fch in den Schulbetrieb eingebracht \u2013 zum Nutzen der Kolleginnen und Kollegen. \u201eMir ging es dabei nie um Polarisierung oder gar um Klassenkampf\u201c, f\u00fchrt M\u00e4rz aus, \u201ewas mir wichtig war, war das Wohl der Schule.\u201c Und so war es ihm stets ein Anliegen, bei allen Belangen einen gemeinsamen Nenner mit der Schulleitung zu finden \u2013 was im Lauf der Jahre auch meist gelang. \u201eBei allen Diskussionen, auch den strittigsten, hat mir geholfen, dass ich Pers\u00f6nliches und Dienstliches gut voneinander trennen kann\u201c, res\u00fcmiert M\u00e4rz. Schon fr\u00fch war er im Personalrat \u2013 auf fast drei\u00dfig Mitgliedsjahre brachte er es, zuletzt zw\u00f6lf Jahre als Vorsitzender. Bei den vielf\u00e4ltigen Ergebnissen aus dieser Zeit ist ihm besonders wichtig, das BEM-Verfahren, das Lehrerinnen und Lehrern im l\u00e4ngeren Krankheitsfall besondere M\u00f6glichkeiten zur individuellen Wiedereingliederung in den Arbeitsalltag einr\u00e4umt, zusammen mit der Schulleitung als inzwischen normales Instrument der Personalf\u00fchrung eingef\u00fchrt zu haben. Seinen Posten im Personalrat gab er im vergangenen Jahr mit Blick auf den bevorstehenden Ruhestand auf und bedauert, dass die gewerkschaftliche Arbeit heute nicht mehr den Stellenwert hat, den sie mal hatte. Lehrer wie Sch\u00fcler seien im Lauf der Jahre viel unpolitischer geworden, so seine Wahrnehmung. Auch die Sch\u00fclervertretung sch\u00f6pfe ihre M\u00f6glichkeiten l\u00e4ngst nicht so aus, wie sie es k\u00f6nnte, und habe auch viel weniger Interesse an politischen Themen als noch vor Jahren oder gar zu Anfang seiner Lehrt\u00e4tigkeit.<\/p>\n<p>Zeuge von vierzig Jahren Schulpolitik und Begleiter von vier Direktoren<br \/>\nM\u00e4rz hat viele Entwicklungen kommen und gehen sehen. Schulpolitisch von gro\u00dfer Bedeutung war die Zeit der F\u00f6rderstufe: Diese Schulform war in den 80er-Jahren fl\u00e4chendeckend im Vogelsberg eingef\u00fchrt, und M\u00e4rz war wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen an die F\u00f6rderstufen der umliegenden Schulen abgeordnet. Die Erfahrungen aus dieser Zeit konnte er sp\u00e4ter, als die fl\u00e4chendeckende F\u00f6rderstufe wieder abgeschafft wurde, sehr zugunsten der Schule einsetzen, als er ein neues Eingangsstufenkonzept mitentwickelte. Die Bildung von Klassenleitungsteams, Eltern-Info-Veranstaltungen und Elterneinbindung, Koordinationstreffen, Jahrgangskonferenzen \u2013 viele Neuerungen stie\u00df der r\u00fchrige P\u00e4dagoge an. Weiterentwickelt wurde dieses Konzept sp\u00e4ter um die Einrichtung der Erlebniswanderwoche unter pr\u00e4ventiven und sozialen Aspekten sowie der Waldtage der 5. Klassen, die sich dort als neugegr\u00fcndete Gruppen unter waldp\u00e4dagogischer Anleitung von Christof Croonenbrock vom Forstamt Romrod zusammenfinden. <\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich bedarf dieses Engagement einer engen Abstimmung mit der Schulleitung. Die letzte H\u00e4lfte seiner Laufbahn teilte M\u00e4rz mit der amtierenden Schulleiterin Elisabeth Hillebrand, in den zwanzig Jahren zuvor lernte er drei weitere Schulleiter kennen: \u201eAls ich anfing, war J\u00fcrgen Flechtner noch Schulleiter, Konrad R\u00fcssel sein Stellvertreter. Unter R\u00fcssel als sp\u00e4terem Schulleiter startete unter anderem das Eingangsstufenkonzept. J\u00fcrgen Udo Pfeiffer lernte ich eineinhalb Jahre lang als Interimsschulleiter kennen, bevor 1998 Elisabeth Hillebrand Schulleiterin wurde.\u201c Mit ihr hielten viele Ver\u00e4nderungen Einzug an der Albert-Schweitzer-Schule &#8211; Schule ver\u00e4nderte und ver\u00e4ndert sich in diesen Zeiten rasend schnell: Der Weg zur ganzt\u00e4gig arbeitenden Schule mit einer ausgekl\u00fcgelten Mittagsbetreuung wurde beschritten, zwischenzeitlich musste der Wechsel zu G8 und wieder zur\u00fcck zu G9 gemanagt werden, und auch die sozialen Anforderungen an die Schule wuchsen. Viele Herausforderungen der schulischen Arbeit ging Hans Heinrich M\u00e4rz mit. Nicht nur in einer seiner vielen Funktionen, sondern als engagierter und interessierter P\u00e4dagoge, der die Schule zum Wohl von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler als auch von Lehrerinnen und Lehrern mitentwickeln wollte. So ist beispielsweise die Errichtung einer professionellen Schulsozialarbeit mit sein Verdienst. \u201eMit Wolfgang Weiser von der Fachstelle f\u00fcr Suchtpr\u00e4vention holte ich erstmals einen au\u00dferschulischen Partner hinzu \u2013 der Beginn einer wirklich kreativen und zugewandten Sch\u00fclerarbeit, dem Kooperationen mit dem Caf\u00e9 Online \u2013 der Stelle f\u00fcr schulbezogene Jugendarbeit \u2013, mit Schulpsychologen und externen P\u00e4dagogen folgen sollten.\u201c<\/p>\n<p>Ebenfalls im Blick: Lesef\u00f6rderung und Technik<br \/>\nAuch mit einem ganz anderen Projekt machte M\u00e4rz sich einen Namen und hinterl\u00e4sst eine breite Spur: Die Lesef\u00f6rderung passt zwar nicht ganz zur F\u00e4cherkombination, die M\u00e4rz unterrichtete, war ihm aber eine Herzensangelegenheit. \u201eMit Hans Sp\u00e4th (ASS) und Margret Gerschlauer von der Max-Eyth-Schule (MESA) hatte ich zwei tolle Mitstreiter daf\u00fcr\u201c, blickt er zur\u00fcck, auch auf die etwas wilden Anf\u00e4nge, als er beispielsweise mit Best\u00e4nden der geschlossenen Kreisbildstelle eine eigene Medienabteilung in der KJB (Kreisjungendb\u00fccherei an der MESA und der ASS) er\u00f6ffnete oder seinen Bestand mithilfe von Buchbestellungen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler aufstockte: \u201eEs gab einen Verlag, der bot deutlich verbilligte B\u00fccher an \u2013 ein Angebot, das ich den Kindern gerne zukommen lie\u00df. Sie bestellten \u00fcber mich ihre B\u00fccher, ich bekam daf\u00fcr ein bestimmtes Budget vom Verlag, mit dem ich B\u00fccher f\u00fcr die B\u00fcchereien anschaffen konnte.\u201c Die stattliche Summe von mehr als 15.000 Euro f\u00fcr Literatur hat M\u00e4rz mit den Jahren umgesetzt und damit sicherlich viele Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zum Lesen gebracht. Auch r\u00e4umlich gesehen war der Weg zur Mediathek und der KJB ein kleines Abenteuer: \u201eAm Anfang hatten wir ein paar gn\u00e4dig zur Verf\u00fcgung gestellten Regale in irgendwelchen Funktionsr\u00e4umen oder gar Vorr\u00e4umen\u201c, erinnert er sich. Heute ist die Schulbibliothek die drittgr\u00f6\u00dfte B\u00fccherei im Vogelsberg. Kaum zu glauben, dass dies auch mithilfe von Fotowettbewerben finanziert werden musste, weil anfangs kaum ein Budget daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n<p>Sehr interessant f\u00fcr eine Vier-Jahrzehnte-Betrachtung ist auch die technische Entwicklung: Angefangen hat M\u00e4rz 1978 mit Schreibmaschine, Overhead-Projektor und Druckmatrizen. Vierzig Jahre sp\u00e4ter ist er im Zeitalter von Active- und Whiteboards angekommen, von WhatsApp-Gruppen und dem Computer als ganz normalem Medium sowohl im Unterricht und der Arbeitswelt als auch privat. Neuerungen auf diesem Gebiet hat er nie gescheut. Schmunzelnd nimmt er allerdings jetzt zur Kenntnis, dass ganz offenbar auch die gute alte Tafel \u2013 neudeutsch \u201eGreenboard\u201c \u2013 wieder Einzug in viele Klassenr\u00e4ume h\u00e4lt.<\/p>\n<p>In weiser Voraussicht hat M\u00e4rz f\u00fcr viele seiner Funktionen Nachfolger gesucht und gefunden: Er wei\u00df Personalrat, Schulbibliothek und das Wettbewerbswesen im mathematischen Bereich in guten H\u00e4nden. Obwohl er nie wegwollte, ist der Zeitpunkt f\u00fcr ihn jetzt gut. Und was macht nun so einer, dessen Tage so unglaublich ausgef\u00fcllt waren, dessen Leben zu einem riesigen St\u00fcck die Schule pr\u00e4gte und bestimmte. \u201eIch habe drei Projekte\u201c, so \u2013 nicht sonderlich \u00fcberraschend \u2013 die strukturierte, planvolle Antwort: \u201e1. Enkel, 2.Garten, 3. Aktien.\u201c Wer Hans Heinrich M\u00e4rz kennt, wei\u00df, dass er diese Projekte erfolgreich und zielgerichtet \u00fcber die B\u00fchne bringen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eAch, den hatte ich auch!\u201c Fast kein Vater oder keine Mutter, die ihre Schulzeit an der Albert-Schweitzer-Schule verbracht hat und deren Kinder inzwischen auch wieder dort sind, kommt um diese Feststellung herum. Die Rede ist von Hans Heinrich M\u00e4rz, seines Zeichens Lehrer f\u00fcr Mathematik und Physik an der Albert-Schweitzer-Schule, vierzig Jahre lang im Amt. 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