{"id":165735,"date":"2017-07-24T09:05:21","date_gmt":"2017-07-24T07:05:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=165735"},"modified":"2017-07-24T09:05:21","modified_gmt":"2017-07-24T07:05:21","slug":"pool-ehrenamtlicher-sprachmittler-der-ev-dekanate-alsfeld-und-vogelsberg-blickt-auf-ein-spannendes-erstes-jahr-zurueck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=165735","title":{"rendered":"Pool Ehrenamtlicher Sprachmittler der ev. Dekanate Alsfeld und Vogelsberg blickt auf ein spannendes erstes Jahr zur\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Seit ziemlich genau einem Jahr ist er aktiv \u2013 der Pool ehrenamtlicher Sprachmittler, deren Aufgabe es ist, \u00fcberall im Vogelsberg schnell und unb\u00fcrokratisch dort zu dolmetschen, wo es den Menschen an ausreichenden Deutschkenntnissen fehlt. Entstanden war er Anfang letzten Jahres als WIR-Projekt des Vogelsbergkreises unter Federf\u00fchrung von Michaela Stefan. Im Rahmen dieses Programms d\u00fcrfen Projekte nur angesto\u00dfen, nicht aber weitergef\u00fchrt werden \u2013 so war es ein Gl\u00fccksfall, dass im Mai letzten Jahres in den beiden evangelischen Dekanaten des Vogelsbergkreises eine Stelle im Freiwilligenmanagement geschaffen werden konnte, die sich Franziska Wallenta und Traudi Schlitt teilen. Letztere \u00fcbernahm am 7. Juli 2016 den Pool, um diesen praktisch an den Start zu bringen und mit Leben zu f\u00fcllen. 46 Sprachmittlerinnen und Sprachmittler hatten sich zu diesem Zeitpunkt bereiterkl\u00e4rt, aktiv an dem Projekt mitzuarbeiten, 32 Sprachen konnte man da bereits abdecken.<br \/>\nViel hat sich in diesem Jahr getan: Die Anzahl der ehrenamtlichen Dolmetscherinnen und Dolmetscher ist auf 74 angestiegen, auch die Sprachenvielfalt konnte noch einmal erweitert werden: Somalisch und Oromo, Swahili und Kikuyu sind dazu gekommen. \u201eBei der Akquise von Sprachmittlern, besonders f\u00fcr die Sprachen der Gefl\u00fcchteten, helfen uns nat\u00fcrlich unsere Kontakte aus der langj\u00e4hrigen Fl\u00fcchtlingsarbeit in Alsfeld\u201c, erl\u00e4utert Traudi Schlitt, die u.a. in Netzwerktreffen, an Runden Tischen und in den Fortgeschrittenenkursen der Volkshochschule um Mitglieder f\u00fcr den Pool wirbt. Denn: \u201eWie \u00fcberall gibt es auch hier eine gewisse Fluktuation. Menschen ziehen weg oder \u2013 was nat\u00fcrlich ganz besonders sch\u00f6n ist \u2013 finden Arbeitspl\u00e4tze, auf die sie sich konzentrieren wollen. Andere wiederum wollten nicht mehr auf ehrenamtlicher Basis f\u00fcr uns t\u00e4tig sein, sondern hatten feste Honorarvorstellungen, die sich nicht mir der Grundidee des Pools decken\u201c, res\u00fcmiert die Koordinatorin des Pools. Eine kleine Aufwandsentsch\u00e4digung erhalten die freiwilligen Dolmetscher dennoch: \u201eIn der Regel sind das zehn Euro pro Einsatz sowie die Fahrtkostenerstattung\u201c, schildert Traudi Schlitt, und erg\u00e4nzt: \u201eDie Freiwilligen arbeiten ja stets auftragsbezogen und m\u00fcssen verl\u00e4ssliche Arbeit abliefern.\u201c Dies gelingt in den meisten F\u00e4llen ziemlich gut: \u201eEs gab in diesem Jahr vielleicht nur ein, zwei Anfragen, die wir nicht bedienen konnten.\u201c Diese Zahl zeigt auch, wie engagiert die Menschen im Sprachmittler-Pool bei der Sache sind, wie verbunden sie sich ihrer Aufgabe f\u00fchlen.<br \/>\n\u201eDie Mitarbeit im Pool stellt gerade f\u00fcr die Gefl\u00fcchteten unter den Sprachmittlern eine gro\u00dfe Chance der gesellschaftlichen Teilhabe dar: Ihre Kenntnisse werden gebraucht, sie k\u00f6nnen Kontakte kn\u00fcpfen. Viele der Freiwilligen im Pool geben auch an, dass es f\u00fcr sie wichtig ist, der Gesellschaft, die sie hier aufgenommen hat, ebenfalls etwas Gutes zu tun\u201c, stellt Schlitt die Motive der Sprachmittlerinnen und Sprachmittler dar. Dies best\u00e4tigt auch Nazila Afshar. Sie ist schon sehr lange in Deutschland und von Anfang an in dem Pool aktiv. Mit ihrer Muttersprache Farsi kann sie f\u00fcr Menschen aus dem Iran und Afghanistan dolmetschen. \u201eMir ist es wichtig, den Menschen zu helfen \u2013 ich wei\u00df ja selbst noch, wie es war, als ich ohne gro\u00dfe Deutschkenntnisse hier ankam\u201c, sagt sie zu ihrer Motivation. \u201eAu\u00dferdem lerne ich im Umgang mit vielen verschiedenen Situationen auch viele Leute kennen, ich kann meine eigenen Kenntnisse verbessern und meinen Horizont erweitern.\u201c<\/p>\n<p>Zu den Klienten des Pools geh\u00f6ren zum einen viele \u00c4mter des Vogelsbergkreises: Das Jugendamt fragt an, die Sozialarbeiter aus den verschiedensten Gr\u00fcnden, ganz oft ben\u00f6tigen auch das Gesundheitsamt oder die Krankenhilfe die Dienste des Pools. Vermehrt haben auch Schulen und Kindertagesst\u00e4tten angefragt. Gefl\u00fcchtete selbst brauchen beispielsweise bei Arztbesuchen oder in Mietangelegenheit Unterst\u00fctzung, Firmen besprechen Arbeitsvertr\u00e4ge, auch die Polizei hat inzwischen schon mehrfach Bedarf angemeldet. Die Zusammenarbeit mit diesen Stellen l\u00e4uft \u2013 wie in der Regel mit allen anderen auch \u2013 inzwischen sehr routiniert. Traudi Schlitt hat zum Start des Pools Formbl\u00e4tter entwickelt, die die Klienten unterschreiben. Auch die Sprachmittler selbst gehen feste Vereinbarungen mit dem Dekanat in Alsfeld ein. \u201eWir regeln damit zum einen die Abrechnungsmodalit\u00e4ten, zum anderen sind in den Vereinbarungen aber auch so wichtige Dinge wie Datenschutz, Haftungsausschluss und Schweigepflicht festgeschrieben\u201c, f\u00fchrt die Koordinatorin aus. Obwohl alles sehr gut l\u00e4uft, \u00fcbersteigt der Aufwand f\u00fcr den Pool das zu Anfang angedachte Ma\u00df um ein Vielfaches: \u201eFast bei jedem Auftrag ist noch irgendetwas zus\u00e4tzlich zu kl\u00e4ren: Die Sprache ist nicht angegeben, die Kosten\u00fcbernahme ist nicht gesichert, die ersten drei angefragten Dolmetscher k\u00f6nnen nicht, der Termin verschiebt sich oder die Menschen, f\u00fcr die der Dolmetscher bestellt wurde, kommen gar nicht\u201c, fasst Schlitt einige Erfahrungen aus einem Jahr Sprachmittler-Pool zusammen. Nichts, was es nicht gibt also, im Umgang mit so vielen verschiedenen Menschen und Haltungen. \u201eDas macht das Ganze nat\u00fcrlich ziemlich anstrengend, ist aber auch gleichzeitig supersch\u00f6n, weil so bunt und lebendig und abwechslungsreich\u201c; freut sich Schlitt \u00fcber diesen Job, den sie selbst mitgestaltet hat. Wie notwendig ein solcher Pool ist, zeigen die Zahlen, die sich seit dem Start des Projekt stetig nach oben entwickelt haben: Von Juni bis Dezember letzten Jahres konnte Schlitt 75 Eins\u00e4tze notieren, f\u00fcr 2017 sind es jetzt schon \u00fcber 100. Vereinzelt fragen auch Nachbarkeise an: Der Dolmetscher-Pool ist bekannt geworden, ein wichtiges, integratives Instrument. Zuletzt waren beispielsweise zwei Freiwillige nach Kassel an die Verbraucherzentrale ausgeliehen. Auch auf einem Fachtag f\u00fcr die Beteiligung von Gefl\u00fcchteten stellte Traudi Schlitt gemeinsam mit zwei Ehrenamtlichen den Sprachmittler-Pool vor.<\/p>\n<p>Wie man sieht, geh\u00f6ren neben dem Tagesgesch\u00e4ft auch \u00fcbergreifende Dinge zur Arbeit mit den Dolmetscherinnen und Dolmetschern: Es werden regelm\u00e4\u00dfige Fortbildungen geplant, es finden Austauschtreffen statt, und die B\u00fcrot\u00fcr von Traudi Schlitt im Haus der Evangelischen Kirche steht immer offen, falls einer oder eine der Ehrenamtlichen Fragen hat oder etwas braucht. So hat die Koordinatorin auch eine sehr pers\u00f6nliche Ebene mit den Sprachmittlern gefunden, die den Umgang miteinander herzlich und verbindlich macht.<\/p>\n<p>\u201eDie Arbeit im Pool ist f\u00fcr alle Beteiligten eine wirkliche Win-Win-Situation\u201c, freut sich Traudi Schlitt: \u201eDie Menschen, die Hilfe ben\u00f6tigen, profitieren wie die, die verstanden werden wollen. Und diejenigen, die Hilfe geben, profitieren obendrein. Und wenn wir dann an unseren Austauschtreffen sitzen \u2013 f\u00fcnfzehn, zwanzig Leute manchmal, die alle aus unterschiedlichen L\u00e4ndern kommen, unterschiedlichen Religionen angeh\u00f6ren, aus den verschiedensten Gr\u00fcnden hier in Deutschland leben, und deren gemeinsamer Nenner die deutsche Sprache ist, dann hat man das Gef\u00fchl, multikulti kann sehr gut gelingen, wenn alle willens sind.\u201c<\/p>\n<p>Ein Jahr Sprachmittler-Pool \u2013 was w\u00fcrde sich Traudi Schlitt w\u00fcnschen, wenn ihr jemand zu diesem Jubil\u00e4um etwas schenken wollte: \u201eWir haben jetzt immer mehr Menschen, die aufgrund ihres Rechtskreiswechsels, also wenn sie aus dem AsylbLG heraus- und die Richtlinien nach SGB II hineinfallen, viele Kosten nicht mehr erstattet bekommen, auch nicht den Aufwand f\u00fcr die Dolmetscher. Das h\u00e4lt manche Gefl\u00fcchteten davon ab, wichtige Arztbesuche oder andere Termine wahrzunehmen. Hier w\u00fcrde ich gerne eine Finanzierungsm\u00f6glichkeit schaffen. Ich hoffe sehr, dass das gelingt.\u201c<br \/>\nWie auch immer: Der Dolmetscher-Pool ist an seinem ersten Geburtstag angekommen im Kreis und dort auch bei den Menschen und Einrichtungen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Seit ziemlich genau einem Jahr ist er aktiv \u2013 der Pool ehrenamtlicher Sprachmittler, deren Aufgabe es ist, \u00fcberall im Vogelsberg schnell und unb\u00fcrokratisch dort zu dolmetschen, wo es den Menschen an ausreichenden Deutschkenntnissen fehlt. Entstanden war er Anfang letzten Jahres als WIR-Projekt des Vogelsbergkreises unter Federf\u00fchrung von Michaela Stefan. 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