{"id":165633,"date":"2017-07-19T10:03:16","date_gmt":"2017-07-19T08:03:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=165633"},"modified":"2017-07-19T10:03:16","modified_gmt":"2017-07-19T08:03:16","slug":"die-tollen-troeten-begeisterten-mit-ihrem-ersten-konzert-im-gueterbahnhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=165633","title":{"rendered":"Die \u201eTollen Tr\u00f6ten\u201c begeisterten mit ihrem ersten Konzert im G\u00fcterbahnhof"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDavon h\u00e4tten wir gerne noch mehr geh\u00f6rt\u201c \u2013 Den Wunsch vieler G\u00e4ste der letztj\u00e4hrigen Vernissage des Alsfelder Kunstvereins hatten sich die Verantwortlichen f\u00fcr dieses Jahr gemerkt. Das Ergebnis: Die Musikformation \u201eTolle Tr\u00f6ten\u201c unter der Leitung von Ulrike Schimpf spielte anl\u00e4sslich der aktuellen Ausstellung nicht im Rahmenprogramm, sondern in einem eigenen ersten gro\u00dfen Konzert und lieferte ihrem begeisterten Publikum zweieinhalb Stunden abwechslungsreichster Saxophonmusik, bereichert von Percussion, Tuba und Klarinette.<\/p>\n<p>Wie sehr die Alsfelder sich auf dieses Konzert gefreut hatten, verdeutlichte ein Blick in den vollbesetzten G\u00fcterbahnhof: Es hatte den Anschein, als ob alle, die noch nicht in die Ferien aufgebrochen waren, diesen Nachmittag in dem faszinierenden, flirrenden Ambiente des alten Industriegeb\u00e4udes verbringen wollten. Der letzte Stuhl wurde herbeigeholt, selbst Teile der Lounge aus dem Au\u00dfenbereich nach innen gebracht, mediterrane Snacks und Prosecco rundeten das Bild eines perfekten Sommertages ab. Und dann kam die Musik \u2013 und zwar m\u00e4chtig! Mit dem \u201eCircus March\u201c von Julius Fucik er\u00f6ffneten die 15 Musikerinnen und Musiker mit ihrer Bandleaderin Ulrike Schimpf einen Abend, der es in sich hatte. Nicht zuletzt bereicherte die witzige, fantasievolle Moderation von Saxophonist Udo Gonder das Programm ganz ungemein. \u201eKunst und Kl\u00e4nge\u201c versprach er dem Publikum und die M\u00f6glichkeit, sich zu jedem einzelnen St\u00fcck selbst Bilder zu malen \u2013 in der Vorstellungskraft, die die Melodien anregen w\u00fcrden. Gesagt, getan.<\/p>\n<p>\u201eBrother Wind\u201c, das zweite St\u00fcck, nahm die G\u00e4ste sogleich mit auf eine stille, bl\u00fchende Sommerwiese \u2013 die Gedanken gingen auf Reisen, angef\u00fchrt von der Musik, die die Tollen Tr\u00f6ten in verschiedensten Zusammensetzungen darboten. Schon zu Beginn gl\u00e4nzten sie durch eine unglaubliche musikalische Vielfalt \u2013 alle Stimmlagen waren hier vertreten, dazu kamen die m\u00e4chtige Tuba und der Rhythmus, der mal brachial, mal verhalten, mal jazzig, mal rockig den G\u00fcterbahnhof musikalisch f\u00e4rbte.<\/p>\n<p>Die \u201eTollen Tr\u00f6ten\u201c, so erl\u00e4uterte Ulrike Schimpf, sind die Vogelsberger Abordnung des Konzepts \u201eSax Con Action\u201c, sie spielen in einer Mischung aus Unterricht und Ensemblespiel. halten sich eher an Patterns als an vorgefertigte komplette Notenbl\u00e4tter, und stellen das Gef\u00fchl f\u00fcr T\u00f6ne und Harmonien in den Vordergrund. <\/p>\n<p>Dabei liefern weniger klassisch durchnotierte Stimmen, sondern vielmehr musikalische Patterns die Basis, um ein Gef\u00fchl f\u00fcr Harmonie und Zusammenspiel zu entwickeln. Gelungene Improvisationen sind ein Ausdruck dessen. \u201eWir kommunizieren w\u00e4hrend unseres Spiels, musikalisch oder mit Blicken.\u201c Es werde nicht viel dirigiert, alle Musikerinnen und Musiker spielten auf Augenh\u00f6he, gleichberechtigt. Schimpf lud alle Interessierten dazu ein, diese Art des Musikmachens f\u00fcr sich zu entdecken \u2013 auch als Musiker! Wie sch\u00f6n das sein kann, unterstrichen die n\u00e4chsten St\u00fccke, die \u2013 als ob es nicht schon sch\u00f6n genug gewesen w\u00e4re \u2013 wirkliche Urlaubsstimmung in das Gem\u00e4uer zauberten: \u201eIsland in the Sun\u201c von Harry Belafonte, \u201eMy little Suede Shoes\u201c von Charlie Parker und \u201eOne Note Samba\u201c von Ant\u00c3\u00b4nio Carlos Jobim sorgten daf\u00fcr, dass diejenigen, die keinen Sitzplatz hatten, im Vorteil waren, sie konnten l\u00e4ssig swingen und auch hier und da schon mal kleine T\u00e4nzchen wagen.<\/p>\n<p>Sehr musischen Jazz brachten die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler mit den \u201eMilestones\u201c von Miles Davis unter das Publikum. Ganz individuell starteten sie ganz, ganz tief, bevor nach und nach die h\u00f6heren Saxophonstimmen einsetzten. \u201eImmer nur Tr\u00f6ten\u201c \u2013 die heimliche Hymne der Formation, brachte erneut richtig gute Laune auf die B\u00fchne \u2013 Wiedererkennung garantiert, denn inspiriert ist dieses St\u00fcck ganz klar von dem Popsong \u201eK\u00fcssen verboten\u201c der Band \u201eDie Prinzen\u201c. Nat\u00fcrlich fehlte auch das St\u00fcck \u201eTequila\u201c nicht \u2013 der ewige BigBand-Klassiker, der eigentlich als Rock\u00e2\u20ac\u2122n\u00e2\u20ac\u2122Roll-St\u00fcck gedacht war und wie kaum ein anderer nach Strandbar, Spa\u00df und Sommer klingt. Sommerlich, doch ganz anders, das unverg\u00e4ngliche St\u00fcck \u201eSummertime\u201c von George Gershwin, das als Jazzst\u00fcck genauso gut geht wie als Lied, das alle aus der Oper \u201ePorgy and Beth\u201c kennen. Richtig rhythmisch wurde es kurz vor der Pause noch einmal mit dem weltbekannten St\u00fcck \u201eHava Nagila\u201c, ein Lied, das h\u00e4ufig auf j\u00fcdischen Hochzeiten gespielt wird und auch im G\u00fcterbahnhof zum Mitklatschen und Tanzen verf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Mit \u201ePeter Gunn\u201c, einem Thema aus dem Film \u201eBlues Brothers\u201c, starteten die Tollen Tr\u00f6ten in die zweite H\u00e4lfte. Temporeich, brachial \u2013 auch das k\u00f6nnen Saxophone sein. Wie zuvor, lie\u00df auch dieses St\u00fcck den Improvisationstalenten untern den Musikerinnen und Musiker jede Menge Raum zur Selbstverwirklichung \u2013 das Publikum freute es! Zur\u00fcck zum Gef\u00fchl der lauschigen Sommernacht brachte das St\u00fcck \u201eNaima\u201c von John Coltrane die G\u00e4ste. Nicht zuletzt die l\u00e4ssige Begleitung des Caj\u00c3\u00b3ns machte diese Wirkung aus. Mit \u201eBlue Monks\u201c \u2013 ein absolut schwelgerisches St\u00fcck mit dem der Komponist Thelonious Sphere Monk sich und dem Blues ein Denkmal gesetzt hat, \u00fcberzeugte die Formation einmal mehr: Ihre Vielstimmigkeit, ihr l\u00e4ssiges und begeistertes Zusammenspiel \u2013 all das \u00fcbertrug sich auf die G\u00e4ste, die nicht m\u00fcde wurden, zu applaudieren. Klar, dass der Klassiker \u201eTake Five\u201c auch auf dem Programm der leidenschaftlichen Musikerinnen und Musiker stand, genauso wie das Funkst\u00fcck \u201eChameleon\u201c von Herbie Hancock. Jedes einzelne dargebotene Werk trug nat\u00fcrlich die Handschrift der Interpreten \u2013 sie machten sich die St\u00fccke mit ihrem Spiel zu eigene, pr\u00e4sentierten sie auf ihre Art und Weise und er\u00f6ffneten auch ge\u00fcbten H\u00f6rern neue Klangwelten. Dass sie damit an diesem fr\u00fchen Abend nat\u00fcrlich den ausgestellten Werken des Kunstvereins die Schau stahlen, war klar. Die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler des Vereins nahmen dies aber gerne hin!<br \/>\nMit den St\u00fccken \u201eDevil No. 2\u201c, mit dem sie der Klangvielfalt ihres Konzerts sogar noch Elemente aus der Gregorianik hinzuf\u00fcgten, und \u201eHattie Wall\u201c beendeten sie ihr Konzert, nicht ohne Zugabe nat\u00fcrlich. \u201eMercy, Mercy\u201c spielten die Musikerinnen und Musiker zum Abschluss \u2013 jede und jeder Einzelne von ihnen bekam in dieser ausgedehnten Version eine letzte Plattform f\u00fcr seine Kunst und die M\u00f6glichkeit, sich vom Publikum zu verabschieden.<\/p>\n<p>Dieses Konzert war das erste, das die Tollen Tr\u00f6ten gestaltet hatten \u2013 der Wunsch des Publikums war klar: Es soll nicht das letzte gewesen sein!<\/p>\n<p>Das weitere Programm im Rahmen der Sommerausstellung des Kunstvereins bietet am 22. Juli ab 14 Uhr einen Malworkshop mit den K\u00fcnstlerinnen Britta Jakobi, Tanja Gremmel und Inge Zuschlag in und um die Location an. Am 23. Juli liest der Historiker und Autor Matthias Nicolai um 15 Uhr aus historischen Alsfelder Begegnungen. Als musikalische Begleitung f\u00fcr diese Veranstaltung konnte Marina Melikian, Tr\u00e4gerin des Bundespreises der Sologitarre, gewonnen werden.<br \/>\nDie Ausstellung selbst ist noch bis zum 30. Juli von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr im G\u00fcterbahnhof zu sehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eDavon h\u00e4tten wir gerne noch mehr geh\u00f6rt\u201c \u2013 Den Wunsch vieler G\u00e4ste der letztj\u00e4hrigen Vernissage des Alsfelder Kunstvereins hatten sich die Verantwortlichen f\u00fcr dieses Jahr gemerkt. 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