{"id":165095,"date":"2017-06-29T21:06:38","date_gmt":"2017-06-29T19:06:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=165095"},"modified":"2017-06-29T21:06:38","modified_gmt":"2017-06-29T19:06:38","slug":"landrat-manfred-goerig-mittendrin-ein-tag-als-pflege-hospitant-im-kreiskrankenhaus-in-alsfeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=165095","title":{"rendered":"Landrat Manfred G\u00f6rig \u201eMittendrin\u201c: Ein Tag als Pflege-Hospitant im Kreiskrankenhaus in Alsfeld"},"content":{"rendered":"<p>Vorsichtig riskiert die \u00e4ltere Dame noch einen zweiten Blick. Irgendwie kommt ihr der Mann, der gerade eine Patientin im Rollstuhl in den Lift geschoben hat, bekannt vor. Schlie\u00dflich fasst sie sich ein Herz: \u201eEntschuldigen Sie\u201c, fragt sie leise, \u201esind Sie nicht der Herr G\u00f6rig?\u201c Der Mann vor ihr dreht sich rum, lacht sie freundlich an und nickt. \u201eJa, der bin ich.\u201c Und schon muss er erkl\u00e4ren, warum er in seiner Kleidung aussieht wie ein Krankenpfleger, und was er \u00fcberhaupt hier im Fahrstuhl macht. F\u00fcr einen Tag ist der Vogelsberger Landrat n\u00e4mlich wieder einmal \u201eMittendrin\u201c und gerade auch so richtig in seinem Element: als Hospitant im Alsfelder Kreiskrankenhaus. Das kennt er nat\u00fcrlich als Aufsichtsratsvorsitzender, jetzt aber lernt er die verschiedensten Bereiche aus einer anderen Perspektive kennen:  \u201eSonst sehe ich nur die Zahlen, jetzt wei\u00df ich, welche Arbeit dahintersteckt\u201c, lobt Manfred G\u00f6rig das Engagement der Mitarbeiter.<\/p>\n<p>Und er wei\u00df, dass Krankenschwestern und \u2013pfleger verdammt fr\u00fch aufstehen m\u00fcssen. Um kurz nach vier klingelt an diesem Morgen der Wecker, kurz vor sechs meldet sich Manfred G\u00f6rig \u2013 diesmal nicht im Anzug mit Krawatte, sondern in wei\u00dfer Hose und hellblauem Kittel &#8211; in der Geriatrie \u201ezum Dienst\u201c.  Alte Menschen werden auf dieser Station  behandelt, oft mit Mehrfacherkrankungen. Viele haben eine Operation hinter sich. Auf der Geriatrie wird versucht, sie soweit zu stabilisieren, dass sie zu Hause wieder einigerma\u00dfen selbstst\u00e4ndig zurechtkommen, erkl\u00e4rt Schwester Isolde.<\/p>\n<p>Zur \u00dcbergabe im kleinen Schwesternzimmer gibt es erst einmal einen Kaffee \u2013 und nat\u00fcrlich jede Menge Informationen von der Nachtschwester. Wer war unruhig? Wer hat durchgeschlafen? Auf wen muss besonders geachtet werden? Alles wird genau dokumentiert. Mit gro\u00dfen Aktenmappen geht es dann auch zum morgendlichen Rundgang. Blutdruck und Temperatur werden gemessen und eingetragen, die Medikation \u00fcberpr\u00fcft. Schwester Andrea nimmt den neuen Praktikanten unter ihre Fittiche. \u201eSie sind die Chefin\u201c, lacht der Landrat und sch\u00fcttelt Betten in den Patientenzimmern auf. Auch hier wird er erkannt, unterh\u00e4lt sich mit den alten Menschen, fragt nach deren Krankheitsgeschichte. Es sind nicht nur Vogelsberger, die auf der Station liegen, auch aus umliegenden Kreisen kommen die Patienten \u2013 vor allem aus dem Schwalm-Eder-Kreis. \u201eDas geht bis Fritzlar oder Borken\u201c, erz\u00e4hlt Ulrich Helmberger. \u201eWir haben einen recht guten Ruf\u201c, schiebt der Geriatrie-Koordinator nach. Das wei\u00df nat\u00fcrlich auch der Landrat, als Chef des Aufsichtsrates hat er  die positive Entwicklung der Abteilung verfolgt \u2013 nicht zuletzt anhand der Zahlen. \u201eEs ist eine gute Einrichtung, die hier geschaffen wurde\u201c, lobt er. Und dann muss er sich auch schon wieder auf den Weg machen: Es geht in die Zentrale Aufnahme, zum R\u00f6ntgen, zum Funktionsdienst und ins Labor.<\/p>\n<p>Noch ist es ruhig im \u201eGlaskasten\u201c von Schwester Irmgard, es ist noch nicht mal acht, die \u00c4rzte sind noch nicht da, um in den kleinen Behandlungszimmern im hinteren Bereich ihre Patienten zu untersuchen. Das aber soll sich kurze Zeit sp\u00e4ter \u00e4ndern: Vor der Annahme bilden sich Schlangen, Notf\u00e4lle m\u00fcssen verarztet werden, andere Patienten kommen zur Kontrolle. Irmgard hat alles bestens im Griff, flitzt von einem Zimmerchen zum n\u00e4chsten, lotst die Patienten auf die Behandlungsliegen. So auch den kleinen Micha. Zehn Jahre alt ist er und hat sich \u2013 so kurz vor den gro\u00dfen Ferien \u2013 den Arm gebrochen. Beim Fu\u00dfball in der Schule ist das passiert. Elle und Speiche sind durch, erz\u00e4hlt seine Mama. Und w\u00e4hrend  Chirurg Dr. Sami \u00d6zt\u00fcrk den frisch operierten Bruch kontrolliert, erkl\u00e4rt der Viertkl\u00e4ssler dem Landrat, dass er nat\u00fcrlich weiter Fu\u00dfball spielen wird.<\/p>\n<p>Eine Abteilung, die Fu\u00dfballer nur zu gut kennen, ist das R\u00f6ntgen. Ilona Limburg hat an diesem Morgen Dienst und bedient das gro\u00dfe neue R\u00f6ntgenger\u00e4t. Erst im Fr\u00fchjahr ist es angeschafft worden, gut 250.000 Euro hat es gekostet. Diesmal schaut Manfred G\u00f6rig als Hospitant zu, wie ein Patient nach dem n\u00e4chsten durchleuchtet wird, viel schneller geht das als fr\u00fcher. Und mit weniger Strahlung. Und das Beste: Es m\u00fcssen keine Folien mehr entwickelt werden, die hoch aufgel\u00f6sten digitalen Dateien k\u00f6nnen sofort am Bildschirm begutachtet werden.<\/p>\n<p>Noch einmal macht der Praktikant einen Abstecher in die Notaufnahme. Bei Schwester Irmgard ist jetzt aber richtig was los, auch Patienten f\u00fcr ambulante Eingriffe stellen sich vor und m\u00fcssen aufgenommen werden. Schwester Kathrin nimmt gerade Blut ab, das dann gleich im hauseigenen Labor untersucht werden kann. Genauso wie die Abstriche auf MRSA, den gef\u00e4hrlichen Krankenhauskeim.<\/p>\n<p>Und nach viel Theorie und Erkl\u00e4rungen muss der neue Hospitant dann schlie\u00dflich richtig mitanfassen.<\/p>\n<p>Nina Bockshorn sagt, wo es lang geht \u2013 und das im wahrsten Sinne des Wortes. Sie geh\u00f6rt zum Hol- und Bringedienst des Hauses. St\u00e4ndig klingelt ihr Handy, kommen Mitteilungen, wo ein Patient abgeholt werden muss. Mit Rollstuhl oder Bett geht es von der Station zum R\u00f6ntgen oder wieder hoch ins Zimmer. Da m\u00fcssen Blutr\u00f6hrchen ins Labor gebracht werden oder Arzneien geholt werden. Wie viel Kilometer Nina Bockshorn an einem Tag l\u00e4uft? \u201eIch will es gar nicht wissen\u201c, sagt die sympathische Frau auf dem Weg nach unten zu den Funktionsr\u00e4umen. Manfred G\u00f6rig muss gleich mit ran, erst muss er eine Frau im Rollstuhl wieder auf Station bringen, bei der zweiten Tour gilt es dann, ein Bett durch die engen Flure zu schieben. \u201eIch ziehe, sie lenken\u201c, gibt Nina Bockshorn als Order aus. \u201eWie in der Politik\u201c, lacht der Landrat und umschifft geschickt Hindernisse und enge Kurven.<\/p>\n<p>Immer wieder wird er angesprochen auf den Fluren des Krankenhauses. Viele kennen den Landrat, z\u00f6gern allerdings einen Moment, ehe sie ihn fragen, warum er mit einem Krankenbett unterwegs ist. \u201eIch bin Praktikant\u201c, ruft er stolz zur\u00fcck. Und er macht damit deutlich, wie sehr er die Arbeit der Pflegekr\u00e4fte sch\u00e4tzt. An diesem Tag, der \u00fcbrigens mit einem Abstecher in der  Intensivstation und im OP-Bereich endet, hat er einen Einblick gewinnen k\u00f6nnen. Einen Einblick in die vielf\u00e4ltige und verantwortungsvolle Arbeit, die im Krankenhaus geleistet werden muss &#8211; und zwar auf allen Ebenen. \u201eMit diesem Personal\u201c, zeigt er sich \u00fcberzeugt, \u201eist unser Kreiskrankenhaus in Alsfeld bestens aufgestellt. Die Aufgaben der Zukunft werden wir meistern, da besteht kein Zweifel.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vorsichtig riskiert die \u00e4ltere Dame noch einen zweiten Blick. Irgendwie kommt ihr der Mann, der gerade eine Patientin im Rollstuhl in den Lift geschoben hat, bekannt vor. 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