{"id":164763,"date":"2017-06-26T09:01:03","date_gmt":"2017-06-26T07:01:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=164763"},"modified":"2017-06-26T09:01:03","modified_gmt":"2017-06-26T07:01:03","slug":"wirtschaftsdezernent-dr-mischak-besichtigt-betrieb-von-kreislandwirt-andreas-kornmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=164763","title":{"rendered":"Wirtschaftsdezernent Dr. Mischak besichtigt Betrieb von Kreislandwirt Andreas Kornmann"},"content":{"rendered":"<p>Die Bandbreite ist immens:  Ein Landwirt muss heute die Fleisch- und Getreidepreise auf dem Weltmarkt  genauso im Auge haben wie die Gewitterwolken \u00fcber seinem Acker. Bauer sein &#8211; das hat nicht mehr so ganz viel zu tun mit l\u00e4ndlicher Idylle, das l\u00e4sst sich mittlerweile durchaus mit der Leitung eines mittelst\u00e4ndischen Unternehmens vergleichen. Von \u201eersten Schritten in die Landwirtschaft 4.0\u201c spricht denn auch Kreislandwirt Andreas Kornmann, der auf seinem Hof in Zell den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak (CDU) und Anja P\u00fcchner, die Leiterin des Amtes f\u00fcr Wirtschaft und l\u00e4ndlichen Raum, begr\u00fc\u00dft.  Doch bei allem Fortschritt: \u201eDas Tierwohl steht hier im Mittelpunkt\u201c, lobt Jens Mischak nach einem Rundgang durch den Betrieb.<\/p>\n<p>Die Zahlen, die Andreas Kornmann seinen G\u00e4sten pr\u00e4sentiert, sind beeindruckend: Rund 530 Zuchtsauen gibt es auf dem Hof, pro Jahr werden rund 14.000 Ferkel geboren, die nach sieben bis acht Wochen Aufzucht weiter an Schweinem\u00e4ster in Westfalen verkauft werden. 1200 Tonnen Futter sind Jahr f\u00fcr Jahr n\u00f6tig \u2013 zum allergr\u00f6\u00dften Teil selbst erzeugt auf den mehr als 200 Hektar Fl\u00e4che, gelagert in neuen Futtersilos, ausgestattet mit modernster Technik. Apropos Technik: Die findet sich in den Ferkelst\u00e4llen mit Fu\u00dfbodenheizung oder  in den Boxen f\u00fcr die Sauen mit Berieselungsanlagen genauso wie auf den Feldern. Die \u00c4cker werden n\u00e4mlich komplett pfluglos bewirtschaftet, im Einsatz ist vielmehr ein sogenannter Airseeder.<\/p>\n<p>Beeindruckend aber auch der gesamte Ablauf in den gro\u00dfen modernen St\u00e4llen. F\u00fcr jede Phase,  von der Befruchtung der Sau \u00fcber das  Abferkeln bis hin zum Verkauf der L\u00e4ufer, gibt es eigene, speziell ausgestattete Boxen &#8211; auf dem Hof in der Ludwigstra\u00dfe und in den neuen  Stallgeb\u00e4uden au\u00dferhalb des Ortes an der Landstra\u00dfe nach Romrod. Wichtig dabei ist: Es darf keinen \u201eStau\u201c im Stall geben, die Ferkel ziehen n\u00e4mliche in ihren ersten Lebenswochen gleich mehrfach um, die Boxen sind der Gr\u00f6\u00dfe der Tiere angepasst. Damit alles reibungslos klappt, m\u00fcssen nat\u00fcrlich die Sauen in einem engen Zeitfenster den Nachwuchs zur Welt bringen. \u201eWir wissen genau, wann Eisprung ist\u201c, erkl\u00e4rt Andreas Kornmann, dementsprechend werden die Sauen besamt. \u201eJede Woche ferkeln 25 Sauen\u201c,  f\u00fchrt er weiter aus.<\/p>\n<p>Auch die Mutterschweine sind immer wieder in verschiedenen Bereichen untergebracht. Nach der Besamung geht es f\u00fcr 28 Tage in einen sogenannten Kastenstand \u2013 \u00fcber das Halten der Tiere in einer solchen Box wird in Landwirtschaftskreisen gerade heftig diskutiert, im Raum steht eine neue Richtlinie, nach der die Schweinez\u00fcchter die 70 Zentimeter breiten St\u00e4nde verbreitern m\u00fcssten. Auch diese Problematik spricht Kornmann gegen\u00fcber dem Ersten Kreisbeigeordneten an. \u201eWichtig ist, dass man den Landwirten, die erst vor kurzem im Vertrauen auf Genehmigungen investiert haben, auch Zeit bei der Umsetzung einr\u00e4umt und nicht mit der Brechstange vorgeht\u201c, sagt Mischak dazu. F\u00fcr viele Landwirte w\u00fcrde der Umbau der St\u00e4lle n\u00e4mlich richtig ins Geld gehen, Kornmann hat Gl\u00fcck, seine St\u00e4lle sind gro\u00dfz\u00fcgig bemessen, er m\u00fcsste nicht umgestalten.<br \/>\nUnd wie steht derzeit um die Wirtschaftlichkeit? \u201eDie Ferkelpreise sind im Moment stabil\u201c, so die positive Antwort. Doch Andreas Kornmann schr\u00e4nkt denn auch gleich ein: \u201eEs hat zwei katastrophale Jahre gegeben\u201c, davon m\u00fcssen sich die Ferkelerzeuger erst einmal erholen. Viele kleinere Betriebe \u2013 immerhin auch mit bis zu 150 Mutterschweinen \u2013 haben die schwierige Zeit nicht \u00fcberlebt, wei\u00df der Kreislandwirt.  Kornmann weist noch auf ein anderes Problem hin: Es ist schwierig, Mitarbeiter f\u00fcr einen landwirtschaftlichen Betrieb zu finden. Er bewirtschaftet den Hof gemeinsam mit den Eltern, seine Frau hilft mit, dazu noch ein Auszubildender und ein Mitarbeiter. \u201eDas ist ziemlich sportlich\u201c, sagt der \u201eBauer aus Leidenschaft\u201c.<\/p>\n<p>Das ist er wirklich. Er war \u201enicht davon abzubringen, Landwirtschaft zu machen\u201c, erinnert er sich schmunzelnd zur\u00fcck.  Und so trafen er und Vater Udo Kornmann die Entscheidung, einen Teil des Betriebes auszusiedeln. 1998 war das. Zwei Jahre sp\u00e4ter entstand auf der Anh\u00f6he zwischen Romrod und Zell das erste Geb\u00e4ude, 2004 und 2008 kamen zwei weitere Stallungen hinzu, 2009 schlie\u00dflich noch das gro\u00dfe Getreidelager.<\/p>\n<p>Und auf dem Hof in der Ludwigstra\u00dfe? Dort kommen die rosa Ferkelchen zur Welt. Gerade am Morgen des Besuchs hat eine Sau Nachwuchs bekommen. Ein guter Wurf. 18 St\u00fcck. Alle liegen dicht an dicht gedr\u00e4ngt am Bauch des Mutterschweins und d\u00f6sen ein wenig vor sich hin. Die Sau grunzt leise, es geht allen gut. Andreas Kornmann guckt zufrieden auf seine Tiere. Das ist wieder so ein Moment \u2013 da kann er noch richtig Bauer sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Bandbreite ist immens: Ein Landwirt muss heute die Fleisch- und Getreidepreise auf dem Weltmarkt genauso im Auge haben wie die Gewitterwolken \u00fcber seinem Acker. Bauer sein &#8211; das hat nicht mehr so ganz viel zu tun mit l\u00e4ndlicher Idylle, das l\u00e4sst sich mittlerweile durchaus mit der Leitung eines mittelst\u00e4ndischen Unternehmens vergleichen. 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