{"id":16443,"date":"2008-12-13T08:30:19","date_gmt":"2008-12-13T07:30:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=16443"},"modified":"2008-12-13T10:30:41","modified_gmt":"2008-12-13T09:30:41","slug":"jugendlichen-mit-massiven-problemen-durch-fachliche-vernetzung-gezielt-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=16443","title":{"rendered":"Jugendlichen mit massiven Problemen durch fachliche Vernetzung gezielt helfen"},"content":{"rendered":"<p><a rel=\"lightbox[roadtrip]\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081211-sozial.jpg\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-16444\" title=\"081211-sozial\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081211-sozial-265x138.jpg\" alt=\"\" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"138\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081211-sozial-265x138.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081211-sozial.jpg 1145w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Vogelsbergkreis. <\/strong>Der Vogelsbergkreis gilt hessenweit als vorbildlich in der ambulanten psychiatrischen Versorgung f\u00fcr Erwachsene &#8211; und dies bereits seit \u00fcber 15 Jahren. Was dort erfolgreich wirkt, soll nun auch im Bereich der Jugendpsychiatrie der Standard werden: die kontinuierliche Kooperation aller Fachleute, die mit einem &#8220;Fall&#8221; zu tun haben. Hierzu haben 13 Institutionen bzw. Fachleute einen Vertrag unterzeichnet. Zielgruppe sind &#8220;Kinder und Jugendliche mit einem komplexen Hilfebedarf&#8221;. Hessenweit einzigartig ist im Vogelsbergkreis die Einbeziehung der Schulen in dieses Konzept, was ihm ausdr\u00fcckliches Lob von Ministerialdirigentin Susanne N\u00f6cker vom Hessischen Sozialministerium einbrachte.<!--more--><\/p>\n<p><strong>&#8220;Vorbeugung statt reparieren&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Vier Jahre wurde das Konzept inhaltlich vorbereitet &#8211; jetzt kann es im Fr\u00fchjahr 2009 beginnen. Hessen unterst\u00fctzt landesweit zehn solcher Projekte &#8211; vor allem, um die Pr\u00e4vention voran zu treiben. Es m\u00fcsse das Prinzip gelten &#8220;Vorbeugen statt reparieren&#8221;. Den Schulen mit Abteilungen f\u00fcr Erziehungshilfe &#8211; in Alsfeld, Lauterbach, Schotten, Grebenhain, Schlitz, Homberg und M\u00fccke &#8211; komme in dem neuen Konzept eine herausragende Bedeutung zu, betont Landrat Rudolf Marx.<\/p>\n<p>Als einen &#8220;kraftvollen Schritt zum Nutzen von Jugendlichen, die massive Probleme haben&#8221; bezeichnete der Landrat den nun feierlich unterzeichneten Vertrag zum Kooperationsverbund zwischen Jugendamt und zw\u00f6lf Partnern im Bereich Jugendhilfe, Jugendpsychiatrie, der Schulen sowie der Sucht- und Drogenberatung. Der Jugenddezernent und die Sprecherin des Projekts, Diplom-Psychologin Beate Otte-Frank, waren sich anl\u00e4sslich der Vertragsunterzeichnung vor wenigen Tagen im Kreishaus in Lauterbach einig, dass die nun vereinbarte dauerhafte fachliche Vernetzung positive Effekte sowohl bei der Vorbeugung als auch in der Krisenintervention haben werde.<\/p>\n<p>Susanne N\u00f6cker nannte das Vogelsberger Konzept &#8220;vorbildlich&#8221; und dankte f\u00fcr das heraus ragende Engagement der regionalen Akteure beim Zustandekommen der Vereinbarung und sagte die weitere Unterst\u00fctzung ihres Ministeriums zu.<\/p>\n<p><strong>Komplexer Hilfebedarf?<\/strong><\/p>\n<p>Jugendliche mit einem komplexen Hilfebedarf &#8211; was kann man sich darunter vorstellen? Die Fachleute beschrieben ein Fallbeispiel (Name ge\u00e4ndert): Dominik K. ist 13 Jahre alt. Er ist extrem aggressiv, besonders gegen\u00fcber seiner Mutter, aber auch gegen\u00fcber seinen Br\u00fcdern und seinen Schulkollegen. Seine Impulsausbr\u00fcche haben Jahr f\u00fcr Jahr zugenommen. Einen speziellen F\u00f6rderbedarf hat die Abteilung f\u00fcr Erziehungshilfe seiner Schule bereits festgestellt und ist im Kontakt mit dem Sch\u00fcler. Aber es ist noch mehr fachliche Unterst\u00fctzung gefragt, denn es gibt auch Drogenprobleme, zumal der Vater unter Alkohol immer wieder gewaltt\u00e4tig wird. Die Mutter war zeitweise in ein Frauenhaus gefl\u00fcchtet. Sie hat gegen\u00fcber dem Jugendamt mehrfach angedeutet, sie f\u00fchle sich stark \u00fcberfordert.<\/p>\n<p>Ziel des &#8220;Kooperationsverbundes zwischen Jugendhilfe, Sucht- und Drogenhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie und Schule im Vogelsbergkreis &#8211; Pr\u00e4vention und Krisenintervention&#8221; ist es nun, dass mit Hilfe einer verl\u00e4sslichen &#8220;Fallkonferenz&#8221; &#8211; sozusagen mit &#8220;geballter Fachkompetenz&#8221; auf einen solch ganz schwierigen Fall draufgeschaut wird und man sich verabredet, wie man ganzheitlich dem Betroffenen am Besten hilft. Vermieden werden soll vor allem, dass der Jugendliche mit all seinem belastenden Hintergrund auch noch &#8220;von Experte zu Experte weiter gereicht wird&#8221;. Alle Fachleute sollen vielmehr gemeinschaftlich beurteilen, wer was am Besten als N\u00e4chstes macht. Eine &#8220;koordinierende Bezugsperson&#8221; &#8211; die verl\u00e4sslich immer die gleiche bleibe &#8211; sichere \u00dcberg\u00e4nge von einer Ma\u00dfnahme in die andere und wirke wie ein &#8220;vertrauensvolles Scharnier&#8221;.<\/p>\n<p>Diese &#8220;Klarheit in der Zusammenschau&#8221; stabilisiere den Betroffenen zus\u00e4tzlich &#8211; er k\u00f6nne in einem &#8220;konstanten Prozess, der keine fachlichen Widerspr\u00fcche oder L\u00fccken berge&#8221; Vertrauen und Perspektive aufbauen. Nur wenn man alle Lebensumst\u00e4nde genau kenne, k\u00f6nne Hilfe wirklich gezielt und wirklich erfolgreich sein, dann k\u00f6nnen man den &#8220;komplexen Hilfebedarf&#8221; wirklich sinnvoll organisieren, sagte Jugendamtsleiterin Dagmar Scherer.\u00c2\u00a0 &#8220;Vernetzung im Lebenskontext&#8221; nennen das die Fachleute. Das Konzept setzt gezielt auf die Mitwirkung des Betroffenen. Er sei nicht Empf\u00e4nger einer Leistung, sondern letztlich der entscheidende Akteur.<\/p>\n<p><strong>Wer kooperiert in dem neuen Verbund?<\/strong><\/p>\n<p>Klinik Jugendpsychiatrie Marburg, Ambulanz der Jugendpsychiatrie Marburg (Au\u00dfenstelle Alsfeld), Amt f\u00fcr Jugend, Familie und Sport des Vogelsbergkreises, Staatliches Schulamt, AG \u00c2\u00a7 78 SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfe), Albert-Schweitzer-Kinderdorf Hanau, Gemeinn\u00fctzige Schottener Reha, Verein Hilfe f\u00fcr das verlassene Kind, Jugend- und Drogenberatung\/Suchthilfe im Vogelsbergkreis, Verein Menschenskinder Schotten, Jugendpsychotherapeutin Barbara Schein, Lauterbach, Verein zur Pflege der Waldorfp\u00e4dagogik Schlitz, Violeta Schlitz. Weitere interessierte Institutionen k\u00f6nnen dieser Vereinbarung noch beitreten, betont Jugendamtsleiterin Dagmar Scherer.<\/p>\n<p><strong>FOTO:<\/strong><\/p>\n<p>Jugendlichen mit komplexen Problemen gezielt und verabredet helfen &#8211; Das Foto zeigt die Vertragsunterzeichnung im Lauterbacher Landratsamt mit Landrat Rudolf Marx (Mitte), links neben ihm Dagmar Scherer, Leiterin des Jugendamts, rechts neben dem Landrat die Sprecherin des Kooperationsprojekts, Diplom-Psychologin Beate Otte-Frank, und Referatsleiterin Susanne N\u00f6cker aus dem Sozialministerium (zweite Reihe, hinter Marx und Otte-Frank).<br \/>\nFoto: Pressestelle Vogelsbergkreis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vogelsbergkreis. Der Vogelsbergkreis gilt hessenweit als vorbildlich in der ambulanten psychiatrischen Versorgung f\u00fcr Erwachsene &#8211; und dies bereits seit \u00fcber 15 Jahren. 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