{"id":164145,"date":"2017-06-08T08:02:04","date_gmt":"2017-06-08T06:02:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=164145"},"modified":"2017-06-08T08:02:04","modified_gmt":"2017-06-08T06:02:04","slug":"comeback-fuer-edelkrebs-schneider-und-karausche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=164145","title":{"rendered":"\u201eComeback f\u00fcr Edelkrebs, Schneider und Karausche\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Einmal mehr wurde der Vortragsraum der VR-Bank NordRh\u00f6n in H\u00fcnfeld zur Diskussionsplattform f\u00fcr Artenschutzprojekte im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n. Die VR-Bank hatte den renommierten Fischereibiologen Christoph D\u00fcmpelmann aus Marburg eingeladen, um \u00fcber die Rh\u00f6ner Artenschutzprojekte Edelkrebs, die Kleinfischart Schneider und die Karausche zu informieren. Begr\u00fc\u00dft wurden die rund 40 Teilnehmer vom Marketingleiter der VR-Bank, J\u00f6rg Bachmann, VR Bank Nordrh\u00f6n, der auf die gute Tradition der gemeinsamen Veranstaltungen mit dem Biosph\u00e4renreservat hinwies.<\/p>\n<p>Christoph D\u00fcmpelmann, der seit 2004 mehrere Projekte in der Rh\u00f6n betreut, begann seinen Vortrag mit dem Deutschen Edelkrebs. Der Edelkrebs, der immerhin eine L\u00e4nge von \u00fcber 20 cm erreichen kann, war bis in den 1960er Jahre eine weitverbreitete Art. Gew\u00e4sserverschmutzungen, Gew\u00e4sserverbauung und das Einf\u00fchren amerikanischer Krebsarten f\u00fchrten beinahe bundesweit zur Ausrottung. Bereits 2002 wurden in der hessischen Rh\u00f6n erste Schritte zur Wiederansiedlung unternommen. Es erfolgten schrittweise die Kartierung eventueller Krebsvorkommen und die Suche nach geeigneten B\u00e4chen. In Fischteichen bei W\u00fcstensachsen wurden versuchsweise erste Krebse besetzt. Ab 2004 erfolgten weitere Besatzma\u00dfnahmen mit den deutschen Krebsen, zun\u00e4chst mit erwachsenen, dann mit Jungtieren. Als geeignet, weil naturnah und frei von amerikanischen Krebsen, wurden die B\u00e4che Brandbach, Scheppenbach, N\u00fcst, N\u00e4sse, Weid, D\u00f6llbach, Dammersbach, Igelbach und D\u00f6rmbach ausgew\u00e4hlt. Hinzu kamen mehrere Naturschutz- und Forstteiche und in 2016 die Hasel. Als ungeeignet wegen starkem Vorkommen amerikanischer Arten erwiesen sich die Ulster, die Fulda, die L\u00fctter, die Haune und die Wanne im Unterlauf. Da die amerikanischen Arten in der Regel die sogenannte Krebspest aufweisen, gegen die die europ\u00e4ischen Arten keine Resistenz aufbauen konnten, musste ein Zusammentreffen beider Arten bestm\u00f6glich ausgeschlossen werden. Aus Sicht von D\u00fcmpelmann ist das Projekt ein herausragendes Beispiel f\u00fcr eine gelungene Wiederansiedlung. Nachdem bis 2010 Krebse ausgebracht wurden, erfolgen nun j\u00e4hrliche Erfolgskontrollen in Zusammenarbeit mit den \u00f6rtlichen Fischereiberechtigten, den Rangern des Biosph\u00e4renreservats und den ehrenamtlichen Gew\u00e4sserwarten. Mit Ausnahme des D\u00f6rmbachs gelangen in allen B\u00e4chen sogenannte Wiederf\u00e4nge. Mitunter handelte es sich dabei um Eier tragende Weibchen, ein Indiz daf\u00fcr, dass sich die Best\u00e4nde auch ohne weiteren Besatz vermehren.<br \/>\nD\u00fcmpelmann warnte eindringlich vor den Gefahren illegaler Auswilderungen von amerikanischen Krebsarten, die eine permanente Bedrohung des Projektes darstellen.<\/p>\n<p>Als zweites Projekt stellte der Biologe das in 2012 begonnene Projekt zur Wiederansiedlung des Schneiders vor. Der unscheinbare Schwarmfisch wurde noch in den 1950er Jahren als h\u00e4ufig beschrieben, konnte aber seit den 1990er Jahren in der Rh\u00f6n nicht mehr nachgewiesen werden. Auf Grund seiner hohen Anspr\u00fcche an die Wasserqualit\u00e4t und die Gew\u00e4s-serstruktur ist er ein wichtiger Anzeiger f\u00fcr intakte B\u00e4che. Nach umfangreichen Untersuchungen wurde in Zusammenarbeit mit der Oberen Fischereibeh\u00f6rde begonnen, Schneider nachzuz\u00fcchten und in der Ulster bei G\u00fcnthers und im D\u00f6llbach bei Rothemann auszusetzen. Im D\u00f6llbach war die Aktion von Erfolg gekr\u00f6nt. Sowohl in Rothemann als auch bei Hattenhof konnten inzwischen Schneiderschw\u00e4rme nachgewiesen werden. An der Ulster fehlen bislang solche Wiederf\u00e4nge. D\u00fcmpelmann vermutet, dass die Fische nach Th\u00fcringen verdriftet wurden und er hofft auf vergleichende Untersuchungen jenseits der Landesgrenze. Auch f\u00fcr 2017 sind erneut gemeinsam mit den Gew\u00e4sserwarten Bestandskontrollen an Ulster und D\u00f6llbach geplant.<\/p>\n<p>Ein weiterer Fisch, um den sich das Biosph\u00e4renreservat k\u00fcmmert, ist die Karausche. Auch dieser konkurrenzschwache Friedfisch ist hessenweit durch den Verlust seiner urspr\u00fcnglichen Lebensr\u00e4ume extrem gef\u00e4hrdet. Die Karausche ist eigentlich ein Fisch der Auen, der Altarme und \u00dcberschwemmungsbereiche. Aber auch in Naturschutz- und Forstteichen findet die Art gute Voraussetzungen, sofern andere Fischarten fehlen. Folglich wurden nach Voruntersuchungen eine Reihe von Teichen wie die Tannenfelsteiche, die Sch\u00e4ferteiche und der untere Teich am H\u00fcbelsberg besetzt. In der Regel konnte sich die Karausche etablieren und vermehren. Ziel ist es nun, nach und nach weitere geeignete Forstteiche und gegebenenfalls auch Auengew\u00e4sser mit Karauschen neu zu besiedeln. D\u00fcmpelmann hofft hier insbesondere auf weitere geeignete Forstteiche und bietet HessenForst eine Kooperation an. Auch bei diesem Projekt stellen ungenehmigte Besatzma\u00dfnahmen eine Gefahr dar. Goldfische, Karpfen und Giebel verdr\u00e4ngen Karauschen und f\u00fchren zum Erl\u00f6schen der Best\u00e4nde. Hechte k\u00f6nnen einen Karauschenbestand in einem Teich vernichten. Auch hier appellierte der Referent, insbesondere die illegalen Goldfischauswilderungen aus Gartenteichen zu unterbinden. Im T\u00fcmpelgarten Fulda wurde im letzten Jahr ein Schauaquarium eingerichtet, dass die Karausche zeigt.<\/p>\n<p>D\u00fcmpelmann dankte f\u00fcr gute Zusammenarbeit in der Region und die Unterst\u00fctzung durch die Obere Fischereibeh\u00f6rde. Ferner warb er f\u00fcr das Netzwerk der ehrenamtlichen Gew\u00e4sserwarte. Weitere Helfer sind hier jederzeit willkommen und k\u00f6nnen sich beim Biosph\u00e4renreservat unter Tel. 06654-96120 melden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Einmal mehr wurde der Vortragsraum der VR-Bank NordRh\u00f6n in H\u00fcnfeld zur Diskussionsplattform f\u00fcr Artenschutzprojekte im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n. Die VR-Bank hatte den renommierten Fischereibiologen Christoph D\u00fcmpelmann aus Marburg eingeladen, um \u00fcber die Rh\u00f6ner Artenschutzprojekte Edelkrebs, die Kleinfischart Schneider und die Karausche zu informieren. 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