{"id":163800,"date":"2017-05-31T09:02:50","date_gmt":"2017-05-31T07:02:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=163800"},"modified":"2017-05-31T09:03:35","modified_gmt":"2017-05-31T07:03:35","slug":"der-berliner-ist-meist-aus-posen-posener-spuren-im-heutigen-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=163800","title":{"rendered":"Der Berliner ist meist aus Posen\u00e2\u20ac\u00a6\u201c Posener Spuren im heutigen Berlin"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Berliner ist meist aus Posen oder Breslau\u201c &#8211; diese Feststellung Kurt Tucholskys (1890-1935) ist auch heute noch im \u00f6ffentlichen Raum Berlins sichtbar.<\/p>\n<p>Posener haben deutliche Spuren im Stadtbild Berlins hinterlassen und nicht zu untersch\u00e4tzende Beitr\u00e4ge zur Entwicklung dieser Stadt zur Metropole geleistet.<\/p>\n<p>Und diesen Spuren ist Harald Sch\u00e4fer, Bildungsreferent der djo &#8211; Deutsche Jugend in Europa\/LV Hessen, in seinem neuesten Buch \u201eDer Berliner ist meist aus Posen\u00e2\u20ac\u00a6\u201c nachgegangen, das in der Reihe \u201eBl\u00e4tter zur ostpolitischen Bildungsarbeit\u201c erschienen ist.<\/p>\n<p>Die Geschichte Posener spiegelt sich auch im heutigen Stadtbild wider \u2013 vielfach unbekannt oder unbeachtet.<br \/>\nViele Architekten und St\u00e4dteplaner mit Geburtsort in der ehemaligen Provinz Posen des 19. und 20. Jahrhunderts gaben Berlin sein sich immer wieder wechselndes Gesicht. So entwarf der Architekt Adolf Sommerfeld die Waldsiedlung \u201eOnkel Toms H\u00fctte\u201c und Heinrich Mendelssohn zeichnete planerisch f\u00fcr den Bau des Europahauses verantwortlich.<\/p>\n<p>Und Berlin war f\u00fcr die Posener ein gro\u00dfer Magnet. Wer etwas werden wollte, verlie\u00df die agrarisch gepr\u00e4gte Provinz und ging nach Berlin- so Berthold Kempinski, der als Weinh\u00e4ndler mit einer Gastst\u00e4tte den Grundstein f\u00fcr die ber\u00fchmte Hotelkette legte oder Rudolf Mosse, der in Berlin ein Zeitungsimperium aufbaute.<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Namen und ber\u00fchmte Zeugnisse aus Kunst, Geistes-, Kultur-, Gesellschafts- und Industriegeschichte sind mit dem \u201ePosener Einfluss\u201c auf die Entwicklung Berlins und Deutschlands verkn\u00fcpft.<br \/>\nZahlreiche Pers\u00f6nlichkeiten, die in der Provinz Posen geboren sind, haben Berliner Kommunalpolitik ma\u00dfgeblich mitgepr\u00e4gt oder an herausragender Position Verantwortung getragen- wie z.B. der 1871 in Bythin (Kreis Samter) geborene Arthur Scholz, B\u00fcrgermeister der Stadt Berlin.<br \/>\nAm Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligten sich viele Posener, so u.a. Herbert Baum, die vielfach in Pl\u00f6tzensee ihr Leben lassen mussten.<br \/>\nNicht unerw\u00e4hnt soll auch die weltber\u00fchmte Schauspielerin Lilly Palmer bleiben, die in Berlin aufwuchs und hier ihren Schauspielunterricht erhielt.<\/p>\n<p>Der heutige Berliner ist das historische Produkt einer kontinuierlichen Zuwanderung. Der Charakter dieser Stadt ist von Ein- und Zuwanderern nachhaltig ver\u00e4ndert und gepr\u00e4gt worden, die auf der Suche nach einem besseren Leben ihre alte Heimat verlassen und zu B\u00fcrgern ihres neuen Lebensmittelpunktes wurden.<\/p>\n<p>In der 2. H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erlebte Berlin eine st\u00fcrmische wirtschaftliche Entwicklung. Mit den franz\u00f6sischen Reparationen nach dem deutsch-franz\u00f6sischen Krieg 1870\/71 versuchte Deutschland, den industriellen R\u00fcckstand gegen\u00fcber anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern aufzuholen. Die Reichshauptstadt war der ideale Standort f\u00fcr etliche innovative Unternehmer, die den Grundstein ihres wirtschaftlichen Erfolges in Berlin legten \u2013so u.a. Hermann Aron, der die technischen Grundlagen f\u00fcr die Messung des Verbrauchs von elektrischen Strom entwickelte.<\/p>\n<p>Arbeitskr\u00e4fte wurden ben\u00f6tigt, die vor allem aus Brandenburg, Pommern, Ost- und Westpreu\u00dfen, aus Posen und Schlesien nach Berlin kamen. Die Einwohnerzahl Berlins und der 1920 eingemeindeten St\u00e4dte wuchs in den Jahren von 1871 bis 1910 von rund 930.000 auf 3,7 Millionen Menschen. Mit der Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches war Berlin die Hauptstadtfunktion zugefallen. So war sie u.a. ein attraktiver Anziehungspunkt f\u00fcr initiative und kreative Pers\u00f6nlichkeiten (u.a. die Maler Walter Leistikow und Lesser Ury).<\/p>\n<p>Juden aus der Provinz Posen haben in hohem Ma\u00dfe zum Aufstieg Berlins, zu ihrer Modernit\u00e4t, ihrer Offenheit gegen\u00fcber neuen Ideen, ihrer Toleranz, kurz: zu ihrem Weltstadt-Charme beigetragen. Zu ihnen geh\u00f6rte Salman Schocken, Besitzer des gleichnamigen Warenhauskonzerns, M\u00e4zen der Wissenschaft und bibliophiler Verleger, der 1877 in Margonin geboren wurde. Ein weiterer Warenhausk\u00f6nig, n\u00e4mlich Hermann Tietz, stammte aus Birnbaum und er betrieb in Berlin u.a. am Alexanderplatz ein Kaufhaus \u2013 allgemein bekannt ist die Kette unter dem Namen \u201eHertie\u201c.<br \/>\nDieses Buch versteht sich auch als Beitrag zur aktuellen Diskussion \u00fcber Migration und Zuwanderung. Die Zuwanderung von Menschen \u2013 das ist sozusagen das Credo der Ver\u00f6ffentlichung &#8211;  ist in erster Linie als Chance und nicht als Bedrohung zu verstehen.<br \/>\nGestalten wir das Miteinander- das Ergebnis wird in vielen F\u00e4llen Bereicherung und fruchtbare Entwicklung sein.<\/p>\n<p>Diese neue Ver\u00f6ffentlichung ist ein weiterer konkreter Beitrag zur Ausge-staltung der Landespartnerschaft \u201eHessen-Wielkopolska\u201c und der Patenschaft des Landes Hessen \u00fcber die Landsmannschaft Weichsel-Warthe. So wird aus einem Beitrag der Historie und Erinnerungskultur ein nachdenkenswerter Beitrag zur aktuellen Diskussion \u00fcber die Zuwanderung in Deutschland.<\/p>\n<p>Das Buch ist das Ergebnis aus der Erarbeitung von Seminarmaterialien, die f\u00fcr ein Mitarbeiterseminar der djo-Hessen zusammengetragen wurden, das im vergangenen Jahr am hessischen Gedenktag f\u00fcr die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation in Berlin durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eDer Berliner ist meist aus Posen oder Breslau\u201c &#8211; diese Feststellung Kurt Tucholskys (1890-1935) ist auch heute noch im \u00f6ffentlichen Raum Berlins sichtbar. Posener haben deutliche Spuren im Stadtbild Berlins hinterlassen und nicht zu untersch\u00e4tzende Beitr\u00e4ge zur Entwicklung dieser Stadt zur Metropole geleistet. 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