{"id":163180,"date":"2017-05-16T08:23:33","date_gmt":"2017-05-16T06:23:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=163180"},"modified":"2017-05-16T08:23:33","modified_gmt":"2017-05-16T06:23:33","slug":"internationales-freundschaftsfest-von-demokratie-leben-als-chance-der-begegnung-und-des-austauschs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=163180","title":{"rendered":"Internationales Freundschaftsfest von \u201eDemokratie leben\u201c als Chance der Begegnung und des Austauschs"},"content":{"rendered":"<p>Die Sonne strahlte, die Menschen kamen in Scharen, die Stimmung war ausnehmend gut \u2013 kurz: Das Internationale Freundschaftsfest des Vogelsbergkreis im Alsfelder Klostergarten war ein gro\u00dfer Erfolg, \u00fcber den sich nat\u00fcrlich besonders die Mitwirkenden der Projektgruppen des Bundesprojektes \u201eDemokratie leben\u201c der Stadt Alsfeld und des Vogelsbergkreises freuten.<\/p>\n<p>Gestartet war es am Samstagnachmittag mit viel Rhythmus und jeder Menge Freude: Die Trommelgruppe \u201eBambeto\u201c er\u00f6ffnete die Veranstaltung. Sie vereint Kinder und Jugendliche jeden Alters und richtet sich auch an Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund. So bestach bereits dieses Ensemble durch seine bunte Mischung. Mit ihrer Musik und richtig guten Tanzeinlagen sorgten die Jugendlichen f\u00fcr Begeisterung unter den schon von Anfang an sehr zahlreich anwesenden G\u00e4sten und Vertretern der Politik. Den Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak und Alsfelds B\u00fcrgermeister Stephan Paule konnte Moderator Norbert Kelbassa zu einem Gru\u00dfwort im Klostergarten begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>\u201eFreundschaft ist eine innere Haltung\u201c, so Dr. Mischak, der dazu aufrief, verschiedene Kulturen als Bereicherung und nicht als Belastung zu sehen. \u201eEs geht darum Br\u00fccken zu bauen. Daf\u00fcr m\u00fcssen wir nicht nur \u00fcbereinander und miteinander reden, sondern auch gemeinsam feiern.\u201c Alsfelds B\u00fcrgermeister Stephan Paule zeigte sich sehr erfreut, dass die Ausweitung des Demokratiefestes, beispielsweise durch die Beteiligung der T\u00fcrkisch-Islamischen Gemeinde, ein breiteres Angebot biete als fr\u00fchere Feste und mehr Menschen anspreche. \u201eWer in Alsfeld lebt, ist Alsfelder und Vogelsberger\u201c, stellte der Rathauschef mit Blick auf die vielen G\u00e4ste mit Migrationshintergrund fest, die sich ganz selbstverst\u00e4ndlich unter die viele Gruppen Einheimischer und G\u00e4ste aus dem weiteren Landkreis mischten.<\/p>\n<p>Zu sehen, zu sprechen und zu genie\u00dfen gab es reichlich Internationales in diesen drei Stunden im Klostergarten. Die T\u00fcrkisch-Islamische Gemeinde hatte ein sagenhaftes B\u00fcffet mitgebracht, ebenso die Kuchenb\u00e4ckerinnen des Internationalen Frauencaf\u00e9s. Landestypische Spezialit\u00e4ten gab es auch am Stand der Volkshochschule des Kreises. Die Dozentinnen und Dozenten stellten ihre Herkunftsl\u00e4nder kulinarisch vor und bereicherten das Fest um eine wachsende Landkarte mit Informationen dar\u00fcber. W\u00e4hrend die Mitarbeiterinnen des Kreises mit dem KAFF-Mobil f\u00fcr viel Spa\u00df bei den Kindern sorgten, bot das weitere Programm auch zwei Moscheef\u00fchrungen an. So konnten die G\u00e4ste auch diesen Teil Alsfelds entdecken \u2013 eingestimmt hatte sie da vielleicht schon der Auftritt des Tanzenden Derwisch, f\u00fcr den kurzfristig die Volkmarstra\u00dfe gesperrt wurde. Ganz in ein wei\u00dfes Gewand verh\u00fcllt, versank der Derwisch durch seine langsamen, einer bestimmten Symbolik folgenden Drehungen in eine Art Trance, eine Abkehr von der Welt hin zu einer Ann\u00e4herung an Allah. Ein Ritus, der vielen G\u00e4sten fremd war und in einzelnen Gespr\u00e4chen nach den beiden Darbietungen erl\u00e4utert wurde. Die Musik, die zwischendurch immer wieder zum Tanzen einlud, spielte die Band \u201eMelodie\u201c in dem offenen Zelt im Klostergarten. Dort fand in der letzten Stunde des Festes auch der Aufritt von Ali Can, dem \u201eAsylbewerber des Vertrauens\u201c dar.<\/p>\n<p>Selbst vor mehr als zwei Jahrzehnten mit seinen Eltern als Fl\u00fcchtling nach Deutschland gekommen, wurde der Student gerade seit 2015 immer wieder angesprochen und nach seiner Einsch\u00e4tzung zu den wachsenden Fl\u00fcchtlingszahlen und den M\u00f6glichkeiten der Integration befragt. Selbst nahm er \u2013 besonders durch die gro\u00dfen Pegida-Bewegungen im Osten Deutschlands \u2013 wachsende Fremdenfeindlichkeit und Rassismus wahr. Seine so unterhaltsame wie beeindruckenden Pr\u00e4sentation stellte er unter das Motto \u201eManchmal reden wir zu viel und f\u00fchlen zu wenig.\u201c Mit dieser Idee machte er sich schlie\u00dflich auf in den Osten, mischte sich mit einem Schokoladenosterhasen unter die rechten Pegida-Anh\u00e4nger und suchte und fand den \u201ekleinsten gemeinsamen Nenner\u201c. Ali Can beschloss die \u00c4ngste und Bedenken der Menschen ernst zu nehmen, die sich gegen die Aufnahme von zu vielen Gefl\u00fcchteten stellten und gr\u00fcndete die \u201eHotline f\u00fcr besorgte B\u00fcrger\u201c. Hier kann jeder Mann und jede Frau anrufen und mit ihm \u00fcber diese \u00c4ngste sprechen, ohne gleich als Rassist abgestempelt zu werden, denn, so die Philosophie dahinter: \u201eRassismus sollte man bek\u00e4mpfen, Rassisten dagegen nicht.\u201c Mit ihnen, ganz gleich ob man ihnen in der Familie, im Bekanntenkreis oder wo auch immer begegne, solle man den Dialog suchen, das Gespr\u00e4ch, den kleinsten gemeinsamen Nenner, um eine Spaltung der Gesellschaft zu verhindern und damit den Extremen in die H\u00e4nde zu spielen. Leichter gesagt als getan \u2013 das wei\u00df auch Ali Can, der seinen \u201eMigrationsvordergrund\u201c, also sein s\u00fcdl\u00e4ndisch-arabisches Aussehen mit auf die Pediga-Demonstrationen nahm und es selbst dort schaffte, Distanz abzubauen. F\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit besorgten oder rechtstendierenden B\u00fcrgern pr\u00e4sentierte er einen F\u00fcnf-Punkte-Plan: Nur zuh\u00f6ren \u2013 Wertsch\u00e4tzung zeigen &#8211; Sch\u00fclerrolle einnehmen und Fragen stellten &#8211; eigene Anekdoten beif\u00fcgen &#8211; connecten mit dem gemeinsamen Nenner. Offenbar gelingt Can das sehr gut \u2013 auch in Alsfeld wurde er daher nicht m\u00fcde, die Bedeutung von Wertsch\u00e4tzung und Dialog zu betonen.<\/p>\n<p>\u201eJenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.&#8221; Mit diesem Zitat des persischen Mystikers Dschal\u00c3\u00a2l-ed-d\u00c3\u00aen Rum\u00c3\u00ae war Ali Can in seinen Vortrag gestartet. Am Samstagnachmittag mochte der Alsfelder Klostergarten ein solcher Ort gewesen sein. Und ansonsten gilt es diese Orte zu suchen. Immer wieder und unerm\u00fcdlich. Neben dem Genuss eines wunderbaren Nachmittages war dies vielleicht die wichtigste Botschaft des Internationalen Freundschaftsfestes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Sonne strahlte, die Menschen kamen in Scharen, die Stimmung war ausnehmend gut \u2013 kurz: Das Internationale Freundschaftsfest des Vogelsbergkreis im Alsfelder Klostergarten war ein gro\u00dfer Erfolg, \u00fcber den sich nat\u00fcrlich besonders die Mitwirkenden der Projektgruppen des Bundesprojektes \u201eDemokratie leben\u201c der Stadt Alsfeld und des Vogelsbergkreises freuten. 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