{"id":162722,"date":"2017-05-03T20:21:47","date_gmt":"2017-05-03T18:21:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=162722"},"modified":"2017-05-03T20:21:47","modified_gmt":"2017-05-03T18:21:47","slug":"aktuelle-runde-an-der-albert-schweitzer-schule-beleuchtet-den-syrien-konflikt-mit-hilfe-des-konfliktforschers-dr-johannes-becker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=162722","title":{"rendered":"\u201eAktuelle Runde\u201c an der Albert-Schweitzer-Schule beleuchtet den Syrien-Konflikt mit Hilfe des Konfliktforschers Dr. Johannes Becker"},"content":{"rendered":"<p>Die \u201eAktuelle Runde\u201c an der Albert-Schweitzer-Schule richtet sich an Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der gymnasialen Oberstufe. Sie ist ein Angebot des gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichs und soll Aufmerksamkeit und Kompetenzen f\u00fcr aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen sch\u00e4rfen. Das Thema \u201eSyrienkonflikt\u201c stand vor wenigen Tagen auf der Tagesordnung der Aktuellen Runde in der Aula des Oberstufenstandortes an der Krebsbach. Vorbereitet hatten die Veranstaltung die beiden Fachlehrer Michael Baumarth und Dr. Peter Philipp gemeinsam mit dem PoWi-LK der Q4.<\/p>\n<p>Fachbereichsleiter Holger Palm er\u00f6ffnete die Aktuelle Runde mit dem Hinweis auf die anhaltende Brisanz des Themas und dessen Bedeutung f\u00fcr die deutsche Politik und Gesellschaft. Als Einstieg hatten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Leistungskurses verschiedene Materialien \u00fcber die Grundlagen des Syrienkonfliktes erarbeitet, die sie den G\u00e4sten in der Aula vorstellten. Hierbei beleuchteten sie die Situation in Syrien vor Ausbruch des B\u00fcrgerkrieges, stellten die Geographie des Landes vor, das seine teils wie mit dem Lineal gezogene Grenzen als Folge der Aufteilung des Osmanischen Reiches an England und Frankreich nach dem Ersten Weltkrieg erhielt. Die Abiturienten gingen auch auf die Folgen des seit nunmehr sechs Jahre anhaltenden B\u00fcrgerkriegs ein; sie zeigten das Leid der Menschen ebenso wie die Zerst\u00f6rungen im Land.<\/p>\n<p>Als Experten zu diesem Thema hatte die Schule mit dem Konfliktforscher Dr. Johannes Becker von der Philipps-Universit\u00e4t Marburg einen Partner gewonnen, der den Konflikt aus Sicht der Friedens- und Konfliktforschung beleuchtete: Wie kann ein solcher Konflikt entstehen? Woher bezieht er seine Dynamik und vor allen Dingen: Wie kann man ihn l\u00f6sen?<\/p>\n<p>Dr. Becker pl\u00e4dierte daf\u00fcr, in den Betrachtungen des Konflikts keine vorschnellen Schl\u00fcsse zu ziehen, weil man selbst auf einer bestimmten Seite stehe: Welche Motivation haben Russen oder Amerikaner, sich in den Konflikt einzumischen, so eine der vielen Fragen. Auch die Vorw\u00fcrfe beispielsweise, wer wann gegen wen Giftgas eingesetzt habe, k\u00f6nnten nicht kurzfristig und umfassend gekl\u00e4rt werden, woraus sich wiederum die Frage nach der Richtigkeit eines milit\u00e4rischen Gegenschlags stelle. Der Konfliktforscher, selbst Major der Reserve und kein erkl\u00e4rter Pazifist, erinnerte daran, was milit\u00e4rische Intervention von Gro\u00dfm\u00e4chten in Krisengebieten bisher f\u00fcr Folgen gehabt h\u00e4tten: Soziale Infrastrukturen seien beispielsweise im Irak, in Libyen oder auch in Afghanistan erst dadurch v\u00f6llig zerst\u00f6rt worden. Der Intervention sei nach einem vermeintlichen Sieg \u2013 der Vertreibung der Diktatoren \u2013 kein Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung gefolgt, die Bev\u00f6lkerung leide hier mehr denn je.<br \/>\nAus diesem Grund zeigte sich Dr. Becker \u00fcberzeugt davon, dass milit\u00e4rische Intervention in Syrien nicht zum Erfolg f\u00fchren werde. \u201eLieber 100 Stunden umsonst verhandeln als eine Minute schie\u00dfen\u201c, zitierte der Redner Helmut Schmidt und pl\u00e4dierte daf\u00fcr, dazu auch einmal die Rolle des Gegen\u00fcbers einzunehmen, um dessen Sichtweise zu verstehen \u2013 das sei auch in anderen Konflikten durchaus angebracht, etwa ganz aktuell dem zwischen den USA und Nordkorea.<br \/>\nMit dem sogenannten IS zu verhandeln, sei schwierig bis unm\u00f6glich, r\u00e4umte der Experte mit Blick auf den Nahen und Mittleren Osten ein. Hier empfahl er, die Strukturen der Terrororganisation auszutrocknen: Konten einfrieren, Waffenlieferungen besser kontrollieren, \u00d6l-K\u00e4ufe vermeiden. \u201eKann man aber bis dahin zuschauen, was in Syrien passiert?\u201c, war eine Frage aus dem Podium. Manchmal m\u00fcsse man Leid aushalten, so die Antwort Dr. Beckers. Als Utopie pr\u00e4sentierte der Politologe eine Idee des norwegischen Friedensforschers Johann Galtung, der sich eine Vereinigung im Nahen und Mittleren Osten analog der EU vorstellen konnte.<\/p>\n<p>Viel Stoff zu diskutieren hatten die jungen Erwachsenen nach diesem interessanten und ungew\u00f6hnlichen Input. Sie nutzten die Gelegenheit, den Perspektivenwechsel im Anschluss zu \u00fcben, und er\u00f6rterten die aufgeworfenen Fragen engagiert und intensiv. Als Vertreter der Konfliktparteien T\u00fcrkei, Deutschland, USA, Saudi-Arabien auf der einen Seite und Iran, Assad und Russland auf der anderen Seite versuchten sie dem Konflikt neue Facetten zu geben und wie von Dr. Becker initiiert, einmal eine andere Sichtweise f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dem Thema in Betracht zu ziehen.<\/p>\n<p>Eine aufschlussreiche und interessante Ann\u00e4hrung an den Syrienkonflikt \u2013 da waren sich am Ende der Aktuellen Runde alle Beteiligten der ASS einig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die \u201eAktuelle Runde\u201c an der Albert-Schweitzer-Schule richtet sich an Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der gymnasialen Oberstufe. Sie ist ein Angebot des gesellschaftswissenschaftlichen Fachbereichs und soll Aufmerksamkeit und Kompetenzen f\u00fcr aktuelle politische und gesellschaftliche Fragen sch\u00e4rfen. 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