{"id":162664,"date":"2017-05-03T20:09:53","date_gmt":"2017-05-03T18:09:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=162664"},"modified":"2017-05-03T20:09:53","modified_gmt":"2017-05-03T18:09:53","slug":"von-magnetkarten-zur-digitalen-akte-eine-spannende-zeitreise-durch-die-it-der-kreisverwaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=162664","title":{"rendered":"Von Magnetkarten zur digitalen Akte: Eine spannende Zeitreise durch die IT der Kreisverwaltung"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAcht Kilobyte Hauptspeicher!\u201c Walter Breitung wiederholt die Zahl mit einem Schmunzeln, so ungemein winzig mutet sie im heutigen IT-Zeitalter an, in der Festplatten mit Terabyte-Kapazit\u00e4ten zur Normalit\u00e4t geh\u00f6ren. <\/p>\n<p>In den siebziger Jahren war von Computertechnologie in der Kreisverwaltung noch weit und breit nichts zu sehen. Eine Buchhaltungsmaschine mit Magnetkarten und besagtem acht Kilobyte gro\u00dfen Hauptspeicher war das einzige Ger\u00e4t, das die Arbeit ein wenig vereinfachte. Anfang der achtziger Jahre erfolgte die Anbindung an das kommunale Gebietsrechenzentrum, \u201edas war f\u00fcr viele Jahre aber auch die einzige Entwicklung im IT-Bereich\u201c, erinnert sich Breitung, der damals noch in der Finanzabteilung des Kreishauses t\u00e4tig war.<\/p>\n<p>Der ehemalige Erste Kreisbeigeordnete und sp\u00e4tere Fuldaer Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller habe schlie\u00dflich die Tore f\u00fcr die Anf\u00e4nge der Elektronischen Datenverarbeitung ge\u00f6ffnet. \u201eDie Finanzplanung war extrem kompliziert\u201c, blickt Breitung zur\u00fcck. Der erste PC diente deshalb dazu, mit Hilfe eines einfachen Programms den Haushaltsplan zu berechnen. Mehr als eine Stunde ben\u00f6tigte der Rechner daf\u00fcr \u2013 ausgestattet mit einer 30 Megabyte gro\u00dfen Festplatte stellte diese immer noch freie Ressourcen zur Verf\u00fcgung. Zum Vergleich: Ein einziges Foto im RAW-Format einer digitalen Spiegelreflexkamera w\u00fcrde heute ausreichen, um das damalige Speichervolumen zu ersch\u00f6pfen. <\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit wurden die Anspr\u00fcche gr\u00f6\u00dfer. Erstes Etappenziel: 33 PC-Arbeitspl\u00e4tze sollten eingerichtet werden. \u201eDas war eine gewaltige Herausforderung\u201c, so Breitung, der bis zu seiner Pensionierung vor wenigen Tagen als Leiter der IT-Abteilung in alle wichtigen Entscheidungen involviert war. Aus 33 Ger\u00e4ten, die an ein Unix-System eingebunden waren, wurden noch im selben Jahr 128, wenig sp\u00e4ter kletterte die Zahl auf 256. <\/p>\n<p>\u201e1989\/90 begann damit bei uns eine neue Zeitrechnung\u201c, erz\u00e4hlt Breitung. Die Deponie in Kalbach beispielsweise erhielt einen eigenen Unix-Rechner f\u00fcr die Frakturierung der M\u00fcllanlieferungen. Aufgrund der immer komplexeren und vielf\u00e4ltigeren Aufgaben entstand nach und nach eine eigene EDV-Abteilung in der Kreisverwaltung. Im Landratsamt wurden in den Folgejahren weitere Server installiert. \u201eDie Entwicklung war fortan rasend\u201c, so Breitung. Den Bedienkomfort f\u00fcr die Mitarbeiter steigerten erste Windows-Rechner mit dem Betriebssystem Windows 3.0, das im Mai 1990 ver\u00f6ffentlicht wurde. <\/p>\n<p>Mittlerweile k\u00fcmmern sich zw\u00f6lf Kollegen ausschlie\u00dflich um die IT. Allein f\u00fcr den P\u00e4dagogikbereich in den Schulen des Landkreises kommen rund 3.500 Computer zum Einsatz, dazu werkeln etwa 400 Rechner in der Schul- und rund 900 PCs in der Kreisverwaltung, auf denen mehr als 100 Fachapplikationen laufen. Umstellungen auf das Jahr 2000 oder auf den Euro verliefen ohne Probleme. Als \u201efaszinierend\u201c und \u201etolle Innovation\u201c bezeichnet Walter Breitung die Einf\u00fchrung des Internets. Pl\u00f6tzlich habe sich ein zus\u00e4tzliches Fenster in die Welt ge\u00f6ffnet. <\/p>\n<p>Von elementarer Bedeutung ist dem Petersberger zufolge heute der Datenschutz. Die Vorgaben seien strikt, das EU-Recht verbiete vieles im Umgang mit pers\u00f6nlichen Daten. Ein Gro\u00dfteil der Akten ist mittlerweile digitalisiert. Das gesamte Sozialamt etwa arbeitet ohne Papier. Aktuell findet eine vollst\u00e4ndige Digitalisierung der Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde statt.<\/p>\n<p>\u201eNat\u00fcrlich bleiben auch wir nicht vor Spam und Cyberangriffen verschont\u201c, geht Breitung auf die Gefahren durch externe Angreifer ein. Allerdings habe es bisher keine gr\u00f6\u00dferen Ausf\u00e4lle gegeben. F\u00fcr maximale Sicherheit laufen im Landratsamt mehrere Virenscanner verschiedener Hersteller, die vielfach jeden Tag aktualisiert w\u00fcrden. Im Notfall k\u00f6nnen Daten wieder auf die Minute genau rekonstruiert werden. Backups werden gleichzeitig an verschiedenen Orten erstellt. Zudem setzen die Experten zus\u00e4tzlich auf eine klassische Bandsicherung. Auf den einzelnen Rechnern werden keine Daten mehr gesammelt.<\/p>\n<p>\u201eDaten sind unser wichtigstes Gut. Hardware k\u00f6nnen wir jederzeit neu kaufen, Daten nicht\u201c, erkl\u00e4rt Breitung die oberste Maxime. Mitarbeiter, die von zu Hause aus arbeiten, d\u00fcrfen keine Papierakten aus der Verwaltung mitnehmen. Sie genie\u00dfen die Vorteile der elektronischen Akte. Auch die Schulleitungen sch\u00e4tzen inzwischen die gute Vernetzung. Vertretungspl\u00e4ne k\u00f6nnen sie beispielsweise ganz bequem vom Schreibtisch in den eigenen vier W\u00e4nden aus aktualisieren, ohne erst den Weg in die Schule antreten zu m\u00fcssen. Das spart enorm viel Zeit. <\/p>\n<p>Im Ernstfall kann der Serverraum durch Batterien und Notstromsysteme ohne Strom betrieben werden. Der Katastrophenschutz geh\u00f6rt schlie\u00dflich zur Kreisverwaltung dazu. In Bedrohungslagen muss deshalb sichergestellt sein, dass der Krisenstab arbeiten kann und Zugriff auf elementare Daten besteht. Als wichtige Zukunftsthemen sieht Breitung den immer beliebter werdenden Trend \u201eSmart Home\u201c, also die M\u00f6glichkeit, Ger\u00e4te des Alltags \u2013 wie zum Beispiel Heizungen \u2013 zu vernetzen und so auch aus der Ferne zu steuern, sowie die vollst\u00e4ndige Digitalisierung der Papierakten.<\/p>\n<p>Mit 65 Jahren hat sich Walter Breitung in den Ruhestand verabschiedet. Dabei galt f\u00fcr ihn stets die Vorgabe: \u201eIT ist Teamarbeit und nicht die Sache eines einzelnen.\u201c Ganz egal, ob die Rechner mit acht Kilobyte oder mit acht Terabyte ausgestattet sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eAcht Kilobyte Hauptspeicher!\u201c Walter Breitung wiederholt die Zahl mit einem Schmunzeln, so ungemein winzig mutet sie im heutigen IT-Zeitalter an, in der Festplatten mit Terabyte-Kapazit\u00e4ten zur Normalit\u00e4t geh\u00f6ren. In den siebziger Jahren war von Computertechnologie in der Kreisverwaltung noch weit und breit nichts zu sehen. 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