{"id":160982,"date":"2017-03-15T06:58:00","date_gmt":"2017-03-15T05:58:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=160982"},"modified":"2017-03-15T06:58:00","modified_gmt":"2017-03-15T05:58:00","slug":"zu-einem-vortrag-mit-dem-thema-trumps-amerika-auf-kosten-der-freiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=160982","title":{"rendered":"Zu einem Vortrag mit dem Thema  \u201eTrumps Amerika \u2013 auf Kosten der Freiheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen f\u00fcr Europa\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>hatte die Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Fulda, in die Aula des Domgymnasiums eingeladen.<\/p>\n<p>Das aktuelle und viel diskutierte Thema hatte 250 Zuh\u00f6rer, auch aus dem Lehrerkollegium, der Elternschaft und zahlreiche Sch\u00fcler, angezogen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Schulleiter OStDir. Mathias H\u00f6hl und den Sektionsleiter Oberstleutnant d.Res. Michael Trost referierte Dr. Josef Braml. Schnell wurde in seinen Ausf\u00fchrungen deutlich, dass der Politikwissenschaftler, Autor mehrerer B\u00fccher und USA-Experte der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik (DGAP) auch fundierte praktische Erfahrungen in den USA aufzubieten hatte, etwa als Mitarbeiter renommierter amerikanischer \u201eThink Tanks\u201c, als Consultant der Weltbank und legislativer Berater im US-Abgeordnetenhaus.<\/p>\n<p>Mit deutlichen Worten und mit Humor nahm er das Auditorium von Beginn an ein und erkl\u00e4rte, dass sein Weg in die Politikwissenschaft schon fr\u00fch vorgezeichnet gewesen sei. Denn vor seinem zweiten Bildungsweg und seiner Ausbildung zum Bankkaufmann sei er Landwirt gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braml wies zun\u00e4chst darauf hin, dass knapp 60 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner Trump gew\u00e4hlt h\u00e4tten. Er habe die Wahl gewonnen, obwohl \u2013 oder gerade weil \u2013 er die Regeln des menschlichen Anstands und demokratische Prinzipien missachtet habe.<\/p>\n<p>Trump habe seinen Wahlkampf gegen das sogenannte Establishment, die Eliten des Landes, gef\u00fchrt und vielen Ohnm\u00e4chtigen, die sich schon lange vom politischen Geschehen verabschiedet hatten, wieder eine Perspektive gegeben. Immer mehr wei\u00dfe Amerikaner h\u00e4tten Abstiegs\u00e4ngste, weil sie bef\u00fcrchten, dass ihnen Afroamerikaner, Latinos und asiatische Einwanderer den Rang ablaufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterhin meinte Braml, dass viele auch die politische und wirtschaftliche Position Amerikas in der Welt gef\u00e4hrdet sehen. Die Probleme Amerikas seien aber hausgemacht, w\u00e4hrend Trump anderen, den Einwanderern und Wettbewerbern, die Schuld zuweise. Dagegen biete Trump einfache, zumeist chauvinistische L\u00f6sungen f\u00fcr komplizierte Probleme an.<\/p>\n<p>Seine Anh\u00e4ngerschaft rekrutiere sich in erster Linie aus wei\u00dfen, weniger gebildeten Amerikanern. Seine Konkurrentin Hillary Clinton habe ihm in die Karten gespielt, weil sie auf diese Gruppe ver\u00e4chtlich herab geschaut und sie als ein \u201eHaufen Gotterb\u00e4rmlicher\u201c (basket of deplorables) verunglimpft habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Braml f\u00fchrte aus, dass es in den USA keine Parteien nach unserem Verst\u00e4ndnis gebe. Sie spielten keine Rolle in der Politikgestaltung. Selbst ihre Rolle der Personalauswahl bei Wahlk\u00e4mpfen h\u00e4tten sie mittlerweile an Interessengruppen und Verm\u00f6gende verloren, die mit mehr oder weniger unbegrenzten Wahlkampfspenden Einfluss nehmen.<\/p>\n<p>Die wirtschaftliche und die politische Ordnung sollten laut Braml jedoch im Gleichgewicht stehen, d.h. die Wirtschaft d\u00fcrfe einerseits nicht vom Staat gelenkt werden, sie d\u00fcrfe aber andererseits auch nicht v\u00f6llig sich selbst \u00fcberlassen werden. Denn sonst vermachteten Wirtschaftsbereiche, so wie es im Land der Freien geschehen sei. In den USA gebe es deshalb zu wenig Wettbewerb, insbesondere bestehe enorme Marktmacht in den Bereichen der Milit\u00e4rindustrie, \u00d6l- und Gasindustrie, der Finanzindustrie sowie in der IT-Branche und in den Medien. Weil der Marktmechanismus nicht mehr funktioniere, komme die Wirtschaft nicht mehr richtig in Schwung. Noch besorgniserregender sind f\u00fcr den Politikwissenschaftler Braml, dass einige \u201eglobal player\u201c enormen Einfluss auf die Politik nehmen. Als Beispiel nannte Braml, dass die \u00d6lindustrie ungeachtet ihrer hohen Gewinne nach wie vor staatliche Subventionen erh\u00e4lt. Die meisten Amerikaner hegten eine tiefe Abneigung gegen die etablierte Politik, weil einige Wenige die Spielregeln bestimmten, um ihre Partikularinteressen zu wahren. Dies habe auch Trump erkannt und im Wahlkampf versprochen, den Sumpf in Washington auszutrocknen.<\/p>\n<p>Es bestehe laut Braml jedoch die Gefahr, dass Trump die \u201eFr\u00f6sche frage\u201c, die gesellschaftlichen Gr\u00e4ben in der USA noch tiefer w\u00fcrden und die politischen Fronten sich verh\u00e4rten. Je mehr sich die USA mit sich selbst besch\u00e4ftigten, bef\u00fcrchtet Braml, desto weniger k\u00f6nnten sie eine friedliche Weltordnung aufrechterhalten, von der insbesondere auch die Handelsnation Deutschland abh\u00e4nge.<\/p>\n<p>Deutschland sei aber auch unmittelbar betroffen: Peter Navarro, Trumps Handelsberater und Leiter des Nationalen Handelsrates, beschuldigte etwa Deutschland, durch die Niedrigzinspolitik der Europ\u00e4ischen Zentralbank andere Staaten, nicht zuletzt auch die USA, auszubeuten. Damit konkretisierte Navarro den Vorwurf, den US-Pr\u00e4sident Trump bereits gegen\u00fcber der BILD-Zeitung ge\u00e4u\u00dfert hatte: Dass Deutschland die Europ\u00e4ische Union instrumentalisiere, um seine Interessen durchzusetzen, auch um den USA wirtschaftlich zu schaden. Braml zog daraus den Schluss, dass im schlimmsten Fall US-Pr\u00e4sident Trump versuchen k\u00f6nnte, Europa zu spalten, um die handels- und w\u00e4hrungspolitische Konkurrenz zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Selbst im g\u00fcnstigsten Fall werde er weiter sicherheitspolitischen Druck auf die Europ\u00e4er aufbauen, damit diese mehr Geld f\u00fcr R\u00fcstung und Sicherheit ausgeben. Um in eine bessere Verhandlungsposition zu kommen, habe Deal-Maker Trump eine Extremposition eingenommen: die NATO als \u201eobsolet\u201c erkl\u00e4rt und sogar die Beistandspflicht der USA infrage gestellt. Die Alliierten in Europa k\u00f6nnen sich indes das Wohlwollen der neuen US-Regierung erkaufen, erl\u00e4uterte Braml, indem sie mehr f\u00fcr ihre R\u00fcstung ausgeben \u2013 und dabei vor allem in amerikanische Technologie investieren. Europa m\u00fcsse aber auch aus eigenem Interesse mehr Geld f\u00fcr seine Sicherheit investieren \u2013 nicht nur weil Trump es wolle.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem lebendigen und informativen Vortrag des Referenten entwickelte sich noch eine lebhafte Diskussion, an der sich insbesondere Lehrkr\u00e4fte und Sch\u00fcler rege beteiligten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der Ausverkauf der amerikanischen Demokratie und die Folgen f\u00fcr Europa\u201c \u00c2\u00a0 hatte die Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik (GSP), Sektion Fulda, in die Aula des Domgymnasiums eingeladen. Das aktuelle und viel diskutierte Thema hatte 250 Zuh\u00f6rer, auch aus dem Lehrerkollegium, der Elternschaft und zahlreiche Sch\u00fcler, angezogen. &nbsp; Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Schulleiter OStDir. 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