{"id":160597,"date":"2017-03-05T18:58:02","date_gmt":"2017-03-05T17:58:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=160597"},"modified":"2017-03-05T18:58:02","modified_gmt":"2017-03-05T17:58:02","slug":"fastenhirtenbrief-von-bischof-heinz-josef-algermissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=160597","title":{"rendered":"Fastenhirtenbrief von Bischof Heinz Josef Algermissen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEs ist ja nicht irgendeine Liebe, sondern die treue, partnerschaftliche, aber mitunter spannungsreiche Liebe zwischen Frau und Mann, die Gott sich erw\u00e4hlt hat, um von seiner Liebe zu uns zu erz\u00e4hlen.\u201c Dies hebt der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seinem diesj\u00e4hrigen Fastenhirtenbrief an die Gemeinden seiner Di\u00f6zese hervor. Die Liebe der Eheleute wisse sich geborgen in der g\u00f6ttlichen Liebe. In dem Hirtenbrief, den der Oberhirte unter dem Titel \u201eDie Ehe, Bund und Sakrament \u2013 gut f\u00fcr die Menschen in unserer Zeit\u201c verfasst hat, betont er, dass das Zutrauen Gottes der ehelichen Liebe eine Kraft gebe, die nicht aus ihr selbst komme. Der Bischof dankt allen, die die Ehe leben und damit authentisch Zeugnis geben. \u201eUnsere christliche Ehe ist ein Geschenk, gerade auch an die Menschen in der Welt von heute und morgen.\u201c<\/p>\n<p>In dem Hirtenbrief, der am Sonntag und in den Vorabendmessen vom Samstag in der ganzen Di\u00f6zese verlesen wurde, erinnert der Bischof an das Schreiben \u201eAmoris Laetitia\u201c (\u00c2\u00bb\u00dcber die Liebe in der Familie\u00c2\u00ab) von Papst Franziskus aus dem Fr\u00fchjahr 2016. Viele katholische Christen h\u00e4tten das Ernstnehmen lebensgeschichtlicher Besonderheiten und der Zerbrechlichkeit des Menschenlebens als Befreiung erlebt. So mahne der Papst, \u201eUrteile zu vermeiden, welche die Komplexit\u00e4t der verschiedenen Situationen nicht ber\u00fccksichtigen\u201c und \u201emit Realismus die Grenzen, die Herausforderungen oder die Unvollkommenheit zu akzeptieren und auf den Ruf zu h\u00f6ren, gemeinsam zu wachsen\u201c. Der Papst stelle die Unaufl\u00f6slichkeit der g\u00fcltig geschlossenen Ehe nicht in Frage, betone aber sehr den Prozess der Unterscheidung und Begleitung durch die Kirche im Einzelfall.<\/p>\n<p>Bischof Algermissen kommt in seinem Hirtenbrief auf die Herausforderung f\u00fcr die Ehe zu sprechen, die in der Tatsache bestehe, dass die katholischen Trauungen in den letzten 25 Jahren um mehr als die H\u00e4lfte zur\u00fcckgingen, w\u00e4hrend die Zahl der zivilrechtlichen Eheschlie\u00dfungen in Deutschland nur leichtgefallen sei. Die Lebensform Ehe sei als solche erstaunlich anpassungsf\u00e4hig. Es zeige sich allerdings auch, dass die Menschen Mehrwert und Eigenart der kirchlich geschlossenen Ehe nach katholischem Verst\u00e4ndnis nicht kennten oder nicht sch\u00e4tzten. \u201eMir scheint, wir haben in den letzten Jahrzehnten zu oft von den Schwierigkeiten gesprochen, die die Ehe fallweise mit sich bringt, und zu wenig davon, dass wir sie f\u00fcr eine \u00fcberzeugende, zeit- und menschengem\u00e4\u00dfe Lebensform halten\u201c. Aus katholischer Sicht habe die christliche Ehe zwei besonders wichtige Dimensionen: \u201eSie ist ein Bund und ein Sakrament.\u201c Die letzten Jahrzehnte der Deregulierungen, der Globalisierung, Technisierung und Mobilisierung h\u00e4tten die Menschen in eine offene und flexible Weltgesellschaft hineingeworfen, was sowohl Offenheit als auch Angst mit sich bringe. Je komplizierter das Leben sei, desto schwieriger werde es, etwas r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, was wir im Nachhinein f\u00fcr falsch halten. \u201eVerzeihen zu suchen und zu gew\u00e4hren trennt uns von den Fesseln des Vergangenen. Ein Versprechen zu geben und es auch gegen Widerst\u00e4nde zu halten, ist das beste Mittel, Zukunft zu gestalten und ihr damit das Be\u00e4ngstigende zu nehmen\u201c, zeigt sich der Oberhirte \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Versprechen und Verzeihen seien auch die Grundlagen des Bundes Gottes mit seinem Volk in der Bibel, die in der Ehe zwischen Mann und Frau ein Abbild dieses Bundes sehe. \u201eNach kirchlicher Lehre kommt Gottes Bund im Ehebund von Mann und Frau wirksam zum Ausdruck: Dass Gott zu uns steht, zeigt sich, wenn die Gatten zueinander stehen in gehaltenen Versprechen und im gro\u00dfherzigen Verzeihen.\u201c Der Bund von Mann und Frau bleibe indes ein Bund unter Menschen, der menschlich und zerbrechlich sei. Bischof Algermissen weist auf die lebenslange Dauer und Zerbrechlichkeit der Ehe hin. Von der Liebe zwischen Menschen werde oft alles erhofft: gro\u00dfe Gef\u00fchle, gro\u00dfes Gl\u00fcck und zwar f\u00fcr immer. Diese Erwartung sei ein Erbe der Romantik. \u201eWir wollen diese romantische Liebe leben. Auf Dauer ist das aber mehr, als endliche und zerbrechliche Wesen leisten k\u00f6nnen\u201c, gibt Algermissen zu bedenken. Die Ehe als Sakrament, wie Katholiken sie verst\u00fcnden, leugne romantische Sehns\u00fcchte nicht. Aber sie sei ein klares Statement gegen die \u00dcbersteigerungen und Zumutungen romantischer Liebe. \u201eDie Sakramentalit\u00e4t der Ehe bedeutet: Die eheliche Liebe ist sich selbst nicht genug, ist nicht nur auf sich bezogen und mit sich selbst besch\u00e4ftigt. Sie wird zum Zeichen f\u00fcr Gottes Liebe zum Menschen.\u201c Das relativiere die eheliche Liebe. \u201eDiese Liebe ist n\u00e4mlich nicht absolut und nicht g\u00f6ttlich. Die absolute g\u00f6ttliche Liebe bildet sie lediglich ab.\u201c Ein solches Eheverst\u00e4ndnis sei ein gutes Gegenmittel gegen die \u00dcberforderung, alles Gl\u00fcck und alle Erf\u00fcllung von einer zerbrechlichen Liebe zu erwarten, die gerade unter einem solchen Erwartungsdruck zerbrechen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Man m\u00fcsse sich auch fragen, ob man in der eigenen Begrenztheit Kindern das geben k\u00f6nne, was sie wirklich brauchen, und wie man sie vor all den Gefahren sch\u00fctzen k\u00f6nne, die es in der Welt gebe. Die sakramentale Ehe helfe Eltern bei allen Fragen zum Umgang mit den Kindern: \u201eIhr m\u00fcsst und k\u00f6nnt das Lebensgl\u00fcck nicht \u00e2\u20ac\u0161bewerkstelligen\u00e2\u20ac\u02dc, weder euer eigenes, noch das des Partners oder eurer Kinder! Aber Gott hat sich eurer Beziehung in Treue zugesagt. Habt also Vertrauen! Und dieses Vertrauen wird die Wirklichkeit zum Guten ver\u00e4ndern!\u201c Bischof Algermissen zeigt sich \u00fcberzeugt, dass die sakramentale Ehe der beste Ort f\u00fcr die Liebe zwischen Mann und Frau und f\u00fcr die Liebe zu ihren Kindern ist.<\/p>\n<p>Die Menschen seien seit Anbeginn der Sch\u00f6pfung von der Zerbrechlichkeit gepr\u00e4gt, wie sie im Bild von der Formung aus \u201eErde vom Ackerboden\u201c zum Ausdruck komme. Der Zusammenhang von Gr\u00f6\u00dfe und Zerbrechlichkeit, W\u00fcrde und Schutzbed\u00fcrftigkeit des Menschen sei ihm stets ein Anliegen gewesen, so der Bischof weiter. \u201eSo habe ich meinen andauernden Einsatz f\u00fcr die ungeborenen und die sterbenden, aber auch f\u00fcr die vom Krieg bedrohten Menschen verstanden.\u201c In diesem Hirtenbrief gehe es um eine andere Zerbrechlichkeit: jene, die \u201ewir als Beziehungswesen mitbringen\u201c. Liebesbeziehungen seien \u201enie harmlos\u201c, was man auch vom Leben \u00fcberhaupt sagen k\u00f6nne. \u201eDer sakramentale Ehebund ist eine Lebensform derer, die das verstanden haben\u201c, schreibt Bischof Algermissen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eEs ist ja nicht irgendeine Liebe, sondern die treue, partnerschaftliche, aber mitunter spannungsreiche Liebe zwischen Frau und Mann, die Gott sich erw\u00e4hlt hat, um von seiner Liebe zu uns zu erz\u00e4hlen.\u201c Dies hebt der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in seinem diesj\u00e4hrigen Fastenhirtenbrief an die Gemeinden seiner Di\u00f6zese hervor. 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