{"id":160430,"date":"2017-02-23T08:43:19","date_gmt":"2017-02-23T07:43:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=160430"},"modified":"2017-02-23T08:43:19","modified_gmt":"2017-02-23T07:43:19","slug":"sucht-im-alter-ein-verkanntes-problem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=160430","title":{"rendered":"Sucht im Alter \u2013 ein verkanntes Problem?"},"content":{"rendered":"<p>Welche Bedeutung haben Sucht und Abh\u00e4ngigkeit eigentlich f\u00fcr \u00e4ltere Menschen? Dieser Frage ist der Kreisseniorenbeirat in seiner j\u00fcngsten Sitzung nachgegangen. Dazu begr\u00fc\u00dfte Vorsitzender Dr. Bernd Liller den Leiter des Beratungszentrum Vogelsberg (ehemals Jugend- und Drogenberatung) Matthias Gold. Eines vorab: \u201eBeim Thema Sucht werden \u00e4ltere Menschen oft ausgeblendet\u201c, so der Fachmann. Dabei seien viele \u00c4ltere abh\u00e4ngig von Alkohol, Nikotin und vor allem von Medikamenten. Die Seniorenbeauftragte des Kreises, Rosmarie M\u00fcller, warb daf\u00fcr, das  Beratungsangebot zu nutzen. Auch \u00e4ltere Menschen und Profis in der Altenhilfe, die in ihrer t\u00e4glichen Arbeit mit derlei Problemen konfrontiert sind, k\u00f6nnen hier wertvolle Unterst\u00fctzung erfahren.<\/p>\n<p>Als ausgewiesener Fachmann mit langj\u00e4hriger Berufserfahrung hatte Gold interessante Informationen f\u00fcr die Beiratsmitglieder: Bis zu 600 Menschen mit Abh\u00e4ngigkeitserkrankungen f\u00e4nden jedes Jahr den Weg ins Beratungszentrum, um L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Suchtprobleme zu finden. \u201eAuff\u00e4llig ist, dass nicht einmal f\u00fcnf Prozent der Ratsuchenden \u00fcber 60 Jahre alt sind. Weil Suchtprobleme in jedem Alter auftreten k\u00f6nnen, d\u00fcrfte es aber wesentlich mehr Menschen geben, die eigentlich Hilfe ben\u00f6tigen.\u201c Beim Thema Sucht blende die Gesellschaft \u00e4ltere Menschen aus, zumal langj\u00e4hrig Suchtkranke ohnehin eine um zehn bis 15 Jahre geringere Lebenserwartung h\u00e4tten. Der Referent stellte dazu einige landl\u00e4ufige Meinungen in den Raum: &#8220;Der \u00e4ltere Mensch wird nicht in der Lage sein, sein Leben zu ver\u00e4ndern&#8221; oder &#8220;Lassen wir ihn doch noch ein paar sch\u00f6ne Jahre trinken und verlangen nicht von ihm die Kargheit der Suchtmittelfreiheit&#8221;. Hinzu komme, dass \u00e4ltere, chronisch Suchtkranke nicht besonders auff\u00e4llig seien und kaum st\u00f6rten.<\/p>\n<p>Diese Haltung sei grundlegend falsch, stellte Matthias Gold klar. &#8220;Abh\u00e4ngigkeitserkrankungen f\u00fchren immer zu schlechter werdender Gesundheit und Leistungsf\u00e4higkeit, verminderter Lebensqualit\u00e4t und eingeschr\u00e4nkter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben&#8221;, so Gold. W\u00e4hrend man im Allgemeinen beim Thema Sucht zun\u00e4chst an illegale Drogen und Alkohol denke, spielten Nikotin und Medikamente ebenfalls eine wichtige Rolle. So sei in Untersuchungen festgestellt worden, dass bei fast einem Viertel der Menschen \u00fcber 70 Jahren eine Medikamentenabh\u00e4ngigkeit vorliege. Insbesondere gehe es hier um Schlaf- und Schmerzmittelkonsum.<\/p>\n<p>Gerade im Leben \u00e4lterer Menschen gebe es vermehrt Ereignisse, die eine Abh\u00e4ngigkeit beg\u00fcnstigten: Das Wegbrechen von Sinn stiftenden Aufgaben nach dem Renteneintritt, der Verlust des Partners und Vereinsamung k\u00f6nnten den Griff zu Suchtstoffen ausl\u00f6sen und in einen Teufelskreis f\u00fchren. \u201eDas Fatale darin ist, dass Alkohol, Medikamente und Drogen f\u00fcr den Moment tats\u00e4chlich erleichternde und bet\u00e4ubende Wirkung haben k\u00f6nnen\u201c, so der Referent, \u201eaber wegen der normalen altersbedingten Ver\u00e4nderungen im K\u00f6rper erzeugen Suchtstoffe bei \u00e4lteren Menschen st\u00e4rkere Wirkung.\u201c Was in jungen Jahren Konsumgewohnheit mit geringem Risiko war, entwickele sich zunehmend zu riskantem Konsum mit wachsender Gefahr einer Abh\u00e4ngigkeit. Die Folgen: Organsch\u00e4digungen, h\u00f6here Sturzgefahr, Ged\u00e4chtnisprobleme und Einschr\u00e4nkungen bei geistigen und sozialen F\u00e4higkeiten \u2013 erheblichen Einbu\u00dfen der Lebensqualit\u00e4t, die eigentlich bis ins hohe Alter erhalten bleiben sollte.<\/p>\n<p>Matthias Gold pl\u00e4dierte daf\u00fcr, in der Familie, bei Freunden und in der Nachbarschaft aufmerksam zu sein und sich bei Auff\u00e4lligkeiten durchaus Rat bei Experten zu holen. Oft komme man bei direkter Ansprache nicht weiter, weil suchtgef\u00e4hrdete Menschen ihre eigene Situation unrealistisch einsch\u00e4tzten und ihre Probleme bagatellisierten. Fachleute k\u00f6nnten einem dann erkl\u00e4ren, was man konkret tun kann und wie wichtig konsequentes Verhalten sei, um Ver\u00e4nderungen herbeizuf\u00fchren. \u201eEs geh\u00f6rt zu unserem Beratungsalltag, besorgten Familienmitgliedern, Freunden und Nachbarn weiterzuhelfen, wenn sie sich Sorgen um ihre Mitmenschen machen\u201c, so Gold.<\/p>\n<p>Das Beratungszentrum Vogelsberg hat seinen Sitz in Alsfeld und ist unter der Telefonnummer 06631\/79390-0 t\u00e4glich von 9 bis 17 Uhr erreichbar. Die Beratung ist kostenlos und auf Wunsch anonym. Informationen zum Beratungsangebot gibt es im Internet unter www.beratungszentrum-vogelsberg.de.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Welche Bedeutung haben Sucht und Abh\u00e4ngigkeit eigentlich f\u00fcr \u00e4ltere Menschen? Dieser Frage ist der Kreisseniorenbeirat in seiner j\u00fcngsten Sitzung nachgegangen. 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