{"id":159855,"date":"2017-02-06T19:40:02","date_gmt":"2017-02-06T18:40:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=159855"},"modified":"2017-02-06T19:40:02","modified_gmt":"2017-02-06T18:40:02","slug":"keine-toleranz-dafu%cc%88r-perspektive-durch-das-fulda-mosocho-projekt-zur-omoiseke-mit-klitoris","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=159855","title":{"rendered":"Keine Toleranz, dafu\u00cc\u02c6r Perspektive: Durch das FULDA-MOSOCHO-PROJEKT zur \u201eOMOISEKE mit Klitoris\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Seit u\u00cc\u02c6ber 15 Jahren tritt der weltweite Kampf gegen weibliche Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung auf der Stelle. Die steigende Zahl von Betroffenen bringt es auf den Punkt: Nennenswerte Erfolge und Fortschritte bei der Abschaffung der menschenrechtsverachtenden Praktik sind zu wenig verbreitet. Der International Day of Zero Tolerance to Female Genital Mutilation (FGM) gibt Anlass zum Umdenken und Aufwachen.<br \/>\nFGM \u2013 ein Problem weit weg von mir? Es sind 200 Millionen betroffene M\u00e4dchen und Frauen, die weltweit unter der brutalen Entfernung ihrer Klitoris leiden. Beim Urinieren. Beim Menstruieren. Beim Geschlechtsverkehr. Der vorgeschobene oft genannte Grund: Sexueller Untreue vorbeugen zu wollen.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich ist es ein Urteil, das alle 11 Sekunden u\u00cc\u02c6ber eine Frau gef\u00e4llt wird: Weniger Wert zu sein als ein Mann. M\u00e4nner erhalten dieses System, das Jahr fu\u00cc\u02c6r Jahr mehr Opfer hervorbringt. Der Tag gegen Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung bringt die Notwendigkeit zum Ausdruck, dass entschieden gegen diese Gr\u00e4uel an Frauen vorgegangen werden muss, denn j\u00e4hrlich kommen laut UNICEF mehr als drei Millionen M\u00e4dchen hinzu.<br \/>\n2017 findet der Aktionstag zum 15.Mal statt. Den Vereinten Nationen (UN) wurde er 2003 vom Inter-African Committee (IAC) in Addis Abeba vorgeschlagen. Die internationale Konferenz unter dem Motto &#8220;Null-Toleranz gegenu\u00cc\u02c6ber weiblicher Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung&#8221; setzte sich das Ziel, die bereits begonnene Kampagne gegen FGM weiter voran zu treiben und zu beschleunigen.<\/p>\n<p>Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen, werden bis 2030 nach UN-Berechnungen 15 Millionen betroffene M\u00e4dchen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren hinzukommen. Zum Vergleich: In Deutschland wurden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 359.097 M\u00e4dchen im Jahr 2015 geboren \u2013 bis 2030 w\u00e4ren das rechnerisch 5.386.455 weibliche Kinder.<br \/>\nDurch Migration dringt das Problem FGM auch nach Europa. Dort sind ca. 500.000 M\u00e4dchen und Frauen betroffen und j\u00e4hrlich 180.000 bedroht. In Deutschland sind laut Sch\u00e4tzungen ca. 30.000 M\u00e4dchen\/Frauen beschnitten. Neuere Erhebungen, deren Ver\u00f6ffentlichung unmittelbar bevorstehen, gehen von einer gr\u00f6\u00dferen Zahl aus. An den Folgen leidende oder bedrohte Frauen und M\u00e4dchen sind also auch mitten unter uns.<br \/>\n\u201eAufgekl\u00e4rt sind bei uns alle. Nur reicht das nicht\u201c<\/p>\n<p>Die Ablehnung der Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung ist immer auch die Einsicht in die Notwendigkeit zu mehr Wissen. Jeder Mensch ist ein sexuelles Wesen. Die Vorstellung, die Sexualit\u00e4t wegen der mutwilligen Zerst\u00f6rung der Klitoris nicht leben zu k\u00f6nnen \u2013 fu\u00cc\u02c6r viele kann das nur Ahnung bleiben. Wissen u\u00cc\u02c6ber den Bereich Sexualit\u00e4t, insbesondere Faktenwissen zu<br \/>\nAnatomie, Bedeutung und Funktionsweise der Klitoris, muss weltweit verbreitet werden, auch in vermeintlich aufgekl\u00e4rten Regionen und L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen weltweit haben gezeigt, dass weder Vorhaltungen noch Verurteilung der Praktik zu ihrem Ende fu\u00cc\u02c6hren. Auch Aufkl\u00e4rung u\u00cc\u02c6ber die schlimmen Folgen verhilft nicht zum Durchbruch. Denn Ethnienangeh\u00f6rige wissen von dem Leid, dass M\u00e4dchen zugefu\u00cc\u02c6gt wird. Dass viele der M\u00e4dchen daran sterben, erleben sie hautnah. \u201eDas Wissen um das Leid enth\u00e4lt nicht die Perspektiven. Die liegen im Wissen zu dem Organ, das es zu schu\u00cc\u02c6tzen gilt\u201c, so Professorin Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe, die seit Jahrzehnten L\u00f6sungen globaler Probleme erforscht, die den Bereichen geschlechtsspezifische Gewalt sowie sexuelle und reproduktive Gesundheit zuzurechnen sind.<\/p>\n<p>&#8220;Wer hat hierzulande Wissen u\u00cc\u02c6ber die Anatomie der Klitoris, u\u00cc\u02c6ber ihre Bedeutung fu\u00cc\u02c6r die Sexualit\u00e4t der Frau? Wie k\u00f6nnen wir dann davon ausgehen, dass dieses Wissen in Afrika anzutreffen ist? Aufgekl\u00e4rt sind bei uns alle. Nur &#8211; wie sich zeigt &#8211; reicht das nicht. Ist hier nicht ein Umdenken erforderlich, um die notwendige Basis fu\u00cc\u02c6r erfolgreiche Pr\u00e4ventionsarbeit zu schaffen?&#8221;<\/p>\n<p>Mit Faktenwissen zum Erfolg<br \/>\nEs braucht Schulung, Kurse, Ausbildung im Wissen um das weibliche Sexualorgan, seine Anatomie und Physiologie und seine Bedeutung und Funktionsweise fu\u00cc\u02c6r und in der Sexualit\u00e4t. Das sind entscheidende Voraussetzungen, um erfolgreich in der Pr\u00e4ventionsarbeit in Bezug auf FGM zu sein und erfolgreich in der sensiblen Zusammenarbeit mit Ethnien, bei denen das Ritual noch Bestandteil ihrer Kultur ist.<br \/>\nEine besonders erfolgreiche Herangehensweise zieht aus dem osthessischen Fulda weite Kreise. Der von Hinkelmann-Toewe entwickelte Wert-Zentrierte Ansatz, der in Kenia im FULA-MOSOCHO-PROJEKT in Zusammenarbeit mit der Kisii-Ethnie angewandt wird. Auf der Grundlage, dass FGM nur durch einen gesellschaftlichen Wandel und der Verhaltens\u00e4nderung der M\u00e4nner gestoppt werden kann, bilden die Mitarbeiterinnen des Projektes in Kenia beide Geschlechter in Bezug auf das notwendige Faktenwissen zu dem weiblichen Sexualorgan und den Bereichen Sexualit\u00e4t und Fortpflanzung aus.<\/p>\n<p>Die zugrunde liegende Forschungsarbeit, wie diese Form der Gewalt an Frauen gestoppt werden kann, kommt ebenfalls aus Osthessen. Der Wert-Zentrierte Ansatz wurde an der Hochschule Fulda von Hinkelmann-Toewe entwickelt und stellt seitdem ein \u00e4u\u00dferst effektives Instrument zur Ver\u00e4nderung von gesellschaftlich fest verankerten Strukturen, die der Diskriminierung von Frauen zugrunde liegen, dar.<br \/>\n\u201eDie Zeit des Ausprobierens ist vorbei!\u201c<\/p>\n<p>Zum 15. Mal macht der Tag gegen Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung auf die Menschenrechtsverletzung gegen Frauen und seine physischen und psychischen Folgen aufmerksam. Die Eind\u00e4mmung und die \u00dcberwindung bleiben angesichts der Betroffenenzahlen u\u00cc\u02c6beraus dringlich. So wichtig die grunds\u00e4tzliche Positionierung von Politik und Zivilgesellschaft gegen FGM auf der ganzen Welt ist, so entscheidend der Umgang mit der Schlussfolgerung daraus. \u201eDie Zeit des Ausprobierens ist vorbei! Erfolgreiche Strategien zur Bek\u00e4mpfung der Tortur gibt es, sie mu\u00cc\u02c6ssen nun bekannter gemacht und geeignete Voraussetzungen geschaffen werden, damit sie breitfl\u00e4chig Anwendung finden\u201c, ist Grundtenor des FULDA-MOSOCHO-PROJEKTES.<\/p>\n<p>T\u00e4glich sind die Haupt- und Ehrenamtlichen des FULA-MOSOCHO-PROJEKTES mit kenianischen M\u00e4nnern und Frauen im Austausch, die an den Folgen des in vielen L\u00e4ndern<\/p>\n<p>gesetzeswidrigen Ritus zu tragen haben und sich schon mitten in einem umfassenden Ver\u00e4nderungsprozess ihrer gesellschaftlichen Strukturen befinden.<\/p>\n<p>Kerstin Hesse ist Anti-FGM-Fachkraft vom Tr\u00e4gerverein Lebendige Kommunikation e.V. und mehrmals im Jahr in Kenia unterwegs. Sie kennt die Bedeutung der Freiwilligkeit: \u201eDurch die Ausbildungsinhalte und das Ausbildungssetting kann die Wertsch\u00e4tzung vor allem der M\u00e4nner gegenu\u00cc\u02c6ber Frauen wachsen und in der Folge die eigene freie Entscheidung, T\u00f6chter und Enkelinnen unversehrt aufwachsen zu lassen.\u201c Ganz konkret erarbeitet sie zusammen mit den Seminarteilnehmern \u2013 M\u00e4nner wie Frauen &#8211; Wissen u\u00cc\u02c6ber das weibliche und m\u00e4nnliche Sexualorgan und die Folgen von Verstu\u00cc\u02c6mmelung. Auf Basis dieses Wissens erfassen die Seminarteilnehmer sofort die Freude u\u00cc\u02c6ber M\u00f6glichkeiten und Chancen, in einer Kultur mit Klitoris zu leben \u2013 ein u\u00cc\u02c6beraus wichtiger Motor fu\u00cc\u02c6r den gesellschaftlichen Wandel.<\/p>\n<p>Omoiseke sein &#8211; Vollwertige Mitglieder der Gesellschaft<br \/>\nDie erfolgreich bewahrten M\u00e4dchen in Mosocho k\u00f6nnen nun unversehrt &#8211; mit Klitoris &#8211; inmitten der eigenen Familie und des eigenen sozialen Umfeldes aufwachsen. Sie k\u00f6nnen geschu\u00cc\u02c6tzt vor der Praktik, ohne Trauma und ohne Folgeerscheinungen, froh und unbelastet ihr Leben genie\u00dfen. Auch erleben sie die Ver\u00e4nderung ihrer Eltern und k\u00f6nnen eine vertrauensvolle, nicht durch das Ritual belastete Beziehung, zu ihnen aufbauen. Ihre Aufnahme in die Erwachsenenwelt h\u00e4ngt nicht mehr von der Verstu\u00cc\u02c6mmelung ihrer Genitalien ab. Scholastica Maeri aus Nyakoe, mittlerweile 18 Jahre alt, erinnert sich: \u201eIch brauchte nicht durch diese schreckliche Prozedur der Verstu\u00cc\u02c6mmelung, um Omoiseke (ein vollwertiges Mitglied der Erwachsenen) zu werden.\u201c Ihren Eltern sei sie unendlich dankbar dafu\u00cc\u02c6r. Stolz sei sie auf ihren Vater, der an einer 3,5 j\u00e4hrigen Wert-Zentrierten Fortbildung teilgenommen und das neue Wissen in seine Familie eingebracht hat.<\/p>\n<p>Die Mitarbeiterinnen des FULDA-MOSOCHO-PROJEKTES stellen fest, dass die Kontinuit\u00e4t der Strategie des Wert-Zentrierten Ansatzes greift und die Zahlen geben ihnen Recht: Weit u\u00cc\u02c6ber 20.000 M\u00e4dchen konnten in der Region Mosocho bereits vor FGM bewahrt werden. Dem Fuldaer Team ist wichtig, am internationalen Tag der Nulltoleranz den grunds\u00e4tzlich positiven Blick auf bisher Erreichtes und die Perspektiven im Kampf gegen die Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung zu st\u00e4rken. Doch ebenso die Forderung: \u201eFGM ist nur durch gesellschaftlichen Wandel und Verhaltens\u00e4nderung der M\u00e4nner aufzuhalten. Anl\u00e4sslich des Internationalen Tages gegen Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung rufen wir die Dringlichkeit ins Ged\u00e4chtnis. Es muss vorangehen!\u201c<\/p>\n<p>Wenn Sie Teil der erfolgreichen Arbeit des FULDA-MOSOCHO-PROJEKTES und den Tr\u00e4gerverein Lebendige Kommunikation unterstu\u00cc\u02c6tzen m\u00f6chten:<\/p>\n<p>Infokasten<br \/>\nLebendige Kommunikation e.V. Sparkasse Fulda IBAN: DE45 5305 0180 0043 5102 03 BIC: HELADEF1FDS<br \/>\nStichwort: Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung u\u00cc\u02c6berwinden<br \/>\nKontakt: Telefon: 0661\u201364125, E-Mail: info@fulda-mosocho-project.com<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Seit u\u00cc\u02c6ber 15 Jahren tritt der weltweite Kampf gegen weibliche Genitalverstu\u00cc\u02c6mmelung auf der Stelle. 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