{"id":159454,"date":"2017-01-24T19:52:25","date_gmt":"2017-01-24T18:52:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=159454"},"modified":"2017-01-24T19:52:25","modified_gmt":"2017-01-24T18:52:25","slug":"staatssekretaer-a-d-dr-joachim-gottschalk-beim-kkv-neujahrsempfang-chancen-der-technologischen-revolution-nutzen-mensch-muss-weiter-urheber-mittelpunkt-und-ziel-aller-wirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=159454","title":{"rendered":"Staatssekret\u00e4r a.D. Dr. Joachim Gottschalk beim KKV-Neujahrsempfang: Chancen der technologischen Revolution nutzen \u2013 Mensch muss weiter \u201eUrheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft\u201c bleiben"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWir d\u00fcrfen nicht in die Position des Zauberlehrlings geraten, dem die Kontrolle \u00fcber eine sich verselbstst\u00e4ndigende Entwicklung entgleitet, sondern wir m\u00fcssen bei Wahrnehmung der Chancen der technologischen Revolution f\u00fcr eine sozialad\u00e4quate Einhegung von gesellschaftlichen Gef\u00e4hrdungen sorgen.\u201c Mit diesen Worten appellierte Dr. Hans-Joachim Gottschalk, Staatssekret\u00e4r a.D., anl\u00e4sslich des Neujahrsempfangs des KKV-Bundesverbandes an die Mitglieder des katholischen Sozialverbandes die Entwicklungen in der Arbeitswelt unter den Bedingungen von Industrie 4.0 sorgsam zu analysieren und dabei immer den Menschen als \u201eUrheber, Mittelpunkt und Ziel aller Wirtschaft\u201c (Gaudium et Spes) im Focus zu haben. Insofern sei es auch symboltr\u00e4chtig, dass sich der KKV 125 Jahre nach der ersten Sozialenzyklika \u201eRerum Norvarum\u201c mit dem Thema Arbeit 4.0 besch\u00e4ftige. Im \u00dcbrigen kann man den kompletten Vortrag unter www.kkv-bund.de, Rubrik \u201eZum Runterladen\u201c, abrufen.<\/p>\n<p>Bei seinem Jahresr\u00fcckblick und -ausblick unterstrich deshalb auch der geb\u00fcrtige Fuldaer KKV-Bundesvorsitzende, Bernd-M. Wehner, dass sich der KKV in einer immer schneller werdenden digitalisierten Arbeitswelt daf\u00fcr einsetzen werde, dass menschenw\u00fcrdiges Arbeiten keine Utopie bleibe. Frei nach dem nach dem Motto \u201cDer Mensch ist nicht f\u00fcr die Arbeit da, sondern die Arbeit f\u00fcr den Menschen\u201c. Deshalb werde auch der F\u00f6rdererkreis f\u00fcr Bildungsarbeit im KKV mit Unternehmen, Verb\u00e4nden und Institutionen \u00fcber den technologischen Wandel in einer digitalisierten Arbeitswelt diskutieren. Dabei gelte das Augenmerk besonders den Auswirkungen auf die sozialen Verh\u00e4ltnisse und der Frage nach Chancen und Risiken f\u00fcr den Menschen an einem ver\u00e4nderten Arbeitsplatz.<\/p>\n<p>\u201eMensch bleiben in der Arbeitswelt\u201c<\/p>\n<p>Der KKV, Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung, hatte unter dem Motto \u201eMensch bleiben in der Arbeitswelt \u2013 Welche Ver\u00e4nderungen bringt die Digitalisierung?\u201c zu seinem sechsten Neujahrsempfang in die Kommende nach Dortmund eingeladen. Als Gastredner konnte er den fr\u00fcheren Staatsekret\u00e4r und ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des F\u00f6rderkreises f\u00fcr Bildungsarbeit des KKV, Dr. Hans-Joachim Gottschalk, aus Wilhelmshaven gewinnen. Dr. Gottschalk hat sich mit der Thematik des KKV-Jahresmottos \u201eMensch bleiben in der Arbeitswelt\u201c \u2013 und hier vor allem mit dem Thema Arbeit 4.0 \u2013 seit langem auseinandergesetzt.<\/p>\n<p>Josef Ridders, stellv. KKV-Bundesvorsitzender aus Greven, konnte zu diesem sechstenNeujahrsempfang des KKV-Bundesverbandes, der zum ersten Mal in Dortmund stattfand, rund 50 KKVerinnen und KKVer und G\u00e4ste in der Kommende begr\u00fc\u00dfen. Dabei unterstrich er in Anbetracht der st\u00e4ndigen Verf\u00fcgbarkeit durch die elektronischen Medien die Forderung des KKV, dass jeder Mensch ein Recht auf Unerreichbarkeit habe.<\/p>\n<p>In seinem Festvortrag erl\u00e4uterte Dr. Gottschalk zun\u00e4chst einige Begrifflichkeiten. So verstehe man unter dem Begriff \u201eIndustrie 4.0\u201c, aus dem sich dann \u201eArbeit 4.0\u201c ableite, die gegenw\u00e4rtige Stufe unserer industriellen Entwicklung, die gekennzeichnet sei durch die Verkn\u00fcpfung von Daten und Maschinen, die sich an die vorausgehenden Stufen Nutzung von Wasserkraft und Elektrizit\u00e4t, Flie\u00dfbandfertigung und Datenverarbeitung angeschlossen habe. \u201eDie Eigendynamik der neueren Entwicklungen bricht sich Bahn &#8211; ob man das will oder nicht\u201c, unterstrich deshalb der Referent. Aus anderen Lebensbereichen wie der Medizin wisse man, dass der Mensch letztlich alles was er k\u00f6nne, er auch tun werde, wobei es dann sehr schwer sei, ethische Eingrenzungen durchzusetzen. Umso mehr werde es darum gehen m\u00fcssen, bei grunds\u00e4tzlicher Akzeptanz der digitalisierten Welt Fehlentwicklungen zu verhindern.<\/p>\n<p>Welche Auswirkungen auf die Arbeitswelt sind zu erwarten?<\/p>\n<p>Unstrittig sei, dass durch die Weiterentwicklung der Datenverarbeitungssysteme und des Maschinenparks eine deutliche auch besch\u00e4ftigungsintensive Belebung dieses Sektors erfolge einschlie\u00dflich der Entstehung neuer Berufsbilder. Auch die sich aufdr\u00e4ngenden Schulungserfordernisse f\u00fcr die Belegschaften w\u00fcrden der &#8220;Coaching Industrie&#8221; einen Boom bescheren. Hinzu komme, dass die Halbwertzeiten der erlernten Berufe durch die neuen Technologien sinken w\u00fcrden. Eine passgenaue Antwort sieht Dr. Gottschalk in der weiteren Besch\u00e4ftigung \u00e4lterer Arbeitnehmer und verst\u00e4rkter Frauenbesch\u00e4ftigung. Das bedeute aber im Umkehrschluss, dass die verst\u00e4rkte Einbeziehung der Frauen die Tendenzen zu mehr au\u00dferfamili\u00e4rer Kleinkindbetreuung f\u00f6rdere. Damit komme es, zu einer unheiligen Allianz zwischen den arbeitskraftfixierten Industrieverb\u00e4nden und emanzipatorisch feministischen Bewegungen, die die berufliche T\u00e4tigkeit f\u00fcr die einzig zul\u00e4ssige Form weiblicher Selbstverwirklichung hielten.<\/p>\n<p>Gefahr der Selbstausbeutung durch Entgrenzung von festen Arbeitszeiten<\/p>\n<p>Weitere Punkte seiner Ausf\u00fchrungen: Die Autonomie von Zeit und Ort bei der Arbeit verst\u00e4rkt durch ihre Individualisierungstendenz auch weiter die ohnehin in weiten gesellschaftlichen Bereichen zu beobachtende Bindungsscheu und das Sicheinbringen in Organisationen. Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, Sportvereine usw. litten alle darunter, dass die Menschen immer weniger zu diesbez\u00fcglichem festem Engagement bereit seien. Die massive Zunahme des Online-Handels ver\u00e4ndert nicht nur das Berufsbild des Einzelh\u00e4ndlers, sondern droht auch zu einer Ver\u00f6dung unserer Innenst\u00e4dte zu f\u00fchren. Insofern k\u00f6nne man die KKV Aktion &#8220;Kauf mal wieder nebenan&#8221; nur begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Bernd-M. Wehner wies in seinem Jahresr\u00fcck- und -ausblick darauf hin, dass der Verband bereits seit 2010 alle zwei Jahre den Preis f\u00fcr den \u201eEhrbaren Kaufmann\u201c verleihe. Auf dem Verbandstag in M\u00fcnchen werde er diesen Preis zum f\u00fcnften Mal vergeben. Er setze damit als ehemals Katholisch-Kaufm\u00e4nnischer Verein ein starkes Zeichen f\u00fcr das Ideal des \u201eehrbaren Kaufmanns\u201c, der insbesondere seit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine gesellschaftspolitische Renaissance erlebt habe.<\/p>\n<p>DOCAT: Die Soziallehre der Kirche in verst\u00e4ndlicher Sprache<br \/>\nEin besonderes Highlight sei zudem in 2016 die Herausgabe des DOCAT gewesen, so Wehner weiter. Sp\u00f6tter behaupteten ja, die Katholische Soziallehre sei das bestgeh\u00fcteste Geheimnis der Katholischen Kirche. Ein Schatz, der tief vergraben sei und darauf warte, dass man ihn entdecke. Mit dem DOCAT sei dieser Schatz nun gehoben worden. Mit ihm liege eine popul\u00e4re \u00dcbersetzung der Sozial- und Gesellschaftslehre der Katholischen Kirche vor, wie sie in wichtigen Dokumenten seit Papst Leo XIII. entwickelt worden sei. \u201eVon daher sind wir auch ein bisschen stolz, dass wir als KKV mit dazu beigetragen haben, dass dieses Werk entstanden ist\u201c, betonte Wehner.<br \/>\nIn dem 320-seitigen Buch werden in zw\u00f6lf Kapiteln die wesentlichen Elemente der Katholischen Soziallehre in verst\u00e4ndlicher und praxisbezogener Form dargelegt. In 328 Fragen und Antworten wird dies aufbereitet und mit Zitaten des Papstes, von Schriftstellern oder Schauspielern und Bibelstellen hinterlegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eWir d\u00fcrfen nicht in die Position des Zauberlehrlings geraten, dem die Kontrolle \u00fcber eine sich verselbstst\u00e4ndigende Entwicklung entgleitet, sondern wir m\u00fcssen bei Wahrnehmung der Chancen der technologischen Revolution f\u00fcr eine sozialad\u00e4quate Einhegung von gesellschaftlichen Gef\u00e4hrdungen sorgen.\u201c Mit diesen Worten appellierte Dr. Hans-Joachim Gottschalk, Staatssekret\u00e4r a.D., anl\u00e4sslich des Neujahrsempfangs des KKV-Bundesverbandes an die Mitglieder des katholischen &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-159454","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/159454","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=159454"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/159454\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":159457,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/159454\/revisions\/159457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=159454"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=159454"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=159454"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}