{"id":158879,"date":"2017-01-03T19:03:56","date_gmt":"2017-01-03T18:03:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=158879"},"modified":"2017-01-03T19:03:56","modified_gmt":"2017-01-03T18:03:56","slug":"ehemalige-tannerin-ist-buecherfrau-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=158879","title":{"rendered":"Ehemalige Tannerin ist \u201eB\u00fccherfrau 2016\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das zur\u00fcckliegende Jahr war f\u00fcr die aus Tann stammende Anita Djafari, geborene J\u00f6rges ein besonderes: Die nun im Taunus lebende Rh\u00f6nerin ist auf der Frankfurter Buchmesse als \u201eB\u00fccherfrau des Jahres\u201c ausgezeichnet worden. Der Garten ihrer verstorbenen Eltern samt kleinem Ferienh\u00e4uschen lockt sie und ihre drei Geschwister immer wieder mal zu Treffen in ihr altes Heimatst\u00e4dtchen.<\/p>\n<p>B\u00fccher spielen im Leben der 63-J\u00e4hrigen eine entscheidende Rolle: Als Kind, aus einem \u201ebuchfreien\u201c, b\u00e4uerlichen Haushalt stammend, verbrachte sie jede freie Minute in der Tanner Stadtbibliothek. \u201eDie Werke von Astrid Lindgren, Michael Ende und Enid Blyton haben mich gepr\u00e4gt\u201c, sagt sie. In den 1980er\u00c2\u00a0 Jahren betrieb sie einen Buchladen\u00c2\u00a0 in Sachsenhausen. Am B\u00fcchertisch lernte sie auch ihren Mann kennen, mit dem zusammen sie heute noch ganze Urlaubstage lesend und \u00fcber Literatur diskutierend auf dem Sofa verbringt. An den Schulen ihres Sohnes setzte sie sich f\u00fcr die Einrichtung von Sch\u00fclerb\u00fcchereien ein.<\/p>\n<p>Ausgezeichnet wurde sie als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von Litprom, der Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, sowie als Chefredakteurin der Zeitschrift \u201eLiteraturNachrichten Afrika- Asien-Lateinamerika\u201c. Als Gr\u00fcndungsmitglied von Litprom begann sie 1980 w\u00e4hrend ihres Studiums \u201ein einer \u00c4ra der Befreiungsbewegungen in S\u00fcdamerika, des Apartheidskampfs in S\u00fcdafrika und der postkolonialen Aufbr\u00fcche in Afrika\u201c, sich ehrenamtlich f\u00fcr die Literatur aus L\u00e4ndern der\u00c2\u00a0 \u201eDritten Welt\u201c zu engagieren. Auch ihren Buchladen betrieb sie mit diesem Schwerpunkt. \u201eMein Interesse f\u00fcr die Thematik speiste sich zum einen aus Solidarit\u00e4t und zum anderen aus dem Drang, den eigenen Horizont zu erweitern.\u201c<\/p>\n<p>Neugier \u201eund immer wieder Gl\u00fcck\u201c bescherten Anita Djafari eine abwechslungsreiche Vita: Nach einer \u201ewegen Langeweile\u201c abgebrochenen kaufm\u00e4nnischen Ausbildung arbeitete sie als Sekret\u00e4rin in einem Reiseb\u00fcro in Frankfurt und geriet so vom Zonenrandgebiet in die weite Welt. \u201eDas weckte in mir den Wunsch, das Gesehene besser zu verstehen\u201c, begr\u00fcndet sie, weshalb sie in Abendschule ihr Abitur machte und Anglistik, Germanistik sowie Literatur zu studieren begann. Mit ihrem Mann, der in der Entwicklungshilfe t\u00e4tig war, lebte sie drei Jahre lang in Peru, wo sie eine noch heute renommierte Sprachschule\u00c2\u00a0 gr\u00fcndete. Zur\u00fcck in Frankfurt arbeitete sie freiberuflich als \u00dcbersetzerin und Literaturvermittlerin. 2006 erhielt sie eine Festanstellung bei Litprom, 2009 wurde sie dort Gesch\u00e4ftsleiterin \u2013 \u201ewieder ein Gl\u00fccksfall\u201c.<\/p>\n<p>Das Jahr 2016 setzt f\u00fcr sie nicht nur wegen der Wahl zur B\u00fccherfrau einen Markstein, sondern auch, weil sich f\u00fcr sie \u201eein Kreis schloss\u201c: Im November besuchte sie nach 40 Jahren erstmals wieder Singapur, jetzt als\u00c2\u00a0 Litprom-Vertreterin anl\u00e4sslich eines Writer-Festivals. \u201eDiesmal hatte ich besser verstanden, wo ich eigentlich war\u201c, merkt Djafari an und lacht.<\/p>\n<p>Auch in Teheran und Korea war sie in diesem Jahr beruflich unterwegs. Auf eine m\u00f6gliche Furcht vor terroristischen Anschl\u00e4gen angesprochen, betont sie, dass sie sich vielmehr darum sorge, wenn Islam mit Terrorismus gleichgesetzt werde. Sowohl sie als auch ihr Mann mit seinen persischen Wurzeln seien nicht religi\u00f6s, w\u00e4hrend ihre Schwiegermutter gl\u00e4ubige Muslimin sei.<\/p>\n<p>\u201eUnsere Arbeit ist im Moment wichtiger denn je\u201c, \u00e4u\u00dfert sie sich \u00fcber Litprom. \u201eIch halte Literatur f\u00fcr eines der besten Mittel, um Interesse, Empathie und Verst\u00e4ndnis zu wecken. Sie bewahrt davor, Gruppen von Menschen, wie zum Beispiel aktuell Fl\u00fcchtlinge, \u00fcber einen Kamm zu scheren.\u201c\u00c2\u00a0 Ein Auseinanderdriften der christlich und der islamisch gepr\u00e4gten Welt k\u00f6nne sie nicht wahrnehmen: \u201eIch kenne \u00fcberall weltoffene Menschen.\u201c Im Grunde seien wir l\u00e4ngst zusammenger\u00fcckt: \u201eJeder Betrieb reist in der Welt umher. Es w\u00fcrde uns guttun, einander zuzuh\u00f6ren\u201c, konstatiert Djafari. Deshalb organisiert Litprom seit 2010 allj\u00e4hrlich auf der Buchmesse in Frankfurt den \u201eWeltempfang \u2013 Zentrum f\u00fcr Politik, Literatur und \u00dcbersetzung\u201c mit Autoren aus aller Welt sowie \u00fcber das Jahr verteilt vier weitere Diskussionsveranstaltungen mit internationaler Beteiligung. Gerne w\u00fcrde sie damit noch mehr\u00c2\u00a0 &#8211; \u201eund nicht immer nur die gleichen\u201c -\u00c2\u00a0 Menschen ansprechen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem hat sich die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin mit ihrem vierk\u00f6pfigen Team auf die Fahnen geschrieben, den LiBeraturpreis, den Litprom vergibt, \u201ezur kleinen Schwester des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels zu machen\u201c. Mit dem LiBeraturpreis wird jedes Jahr das Buch einer Autorin aus dem S\u00fcden ausgezeichnet. \u201eIch halte nichts davon, als Deutsche f\u00fcr die Emanzipation von Frauen beispielsweise in Nigeria einzutreten. Das k\u00f6nnen diese selbst glaubw\u00fcrdiger. Aber ich h\u00e4tte gerne ein Budget, um beispielsweise im Heimatland einer ausgezeichneten Afrikanerin eine Schreibwerkstatt f\u00fcr Frauen zu erm\u00f6glichen\u201c, berichtet Djafari von einer ihrer Ideen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Das zur\u00fcckliegende Jahr war f\u00fcr die aus Tann stammende Anita Djafari, geborene J\u00f6rges ein besonderes: Die nun im Taunus lebende Rh\u00f6nerin ist auf der Frankfurter Buchmesse als \u201eB\u00fccherfrau des Jahres\u201c ausgezeichnet worden. 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