{"id":158877,"date":"2017-01-03T19:05:22","date_gmt":"2017-01-03T18:05:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=158877"},"modified":"2017-01-03T19:05:22","modified_gmt":"2017-01-03T18:05:22","slug":"rhoenbotaniker-setzen-erfolgreiche-arbeit-fort","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=158877","title":{"rendered":"Rh\u00f6nbotaniker setzen erfolgreiche Arbeit fort"},"content":{"rendered":"<p>Bereits im Jahr 2004 rief die Hessische Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n das \u201eNetzwerk Rh\u00f6nbotanik\u201c ins Leben, eine der bundesweit ersten Citizen Science-Initiativen in Gro\u00dfschutzgebieten. Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe ist ein Netzwerk sach- und ortskundiger Experten, die Beobachtungen zum Vorkommen und zur Gef\u00e4hrdung von Pflanzen sammeln und vom Rh\u00f6nbotaniker Uwe Barth betreut werden. In der R\u00fcckschau auf das Jahr 2016 ziehen die Rh\u00f6nbotaniker und das Biosph\u00e4renreservat ein positives Fazit. Auch in 2016 wurden umfangreich Daten \u00fcber heimische Pflanzen gesammelt und in die Datenbanken des Biosph\u00e4renreservats sowie des Landes Hessen eingespeist, wo sie f\u00fcr diverse Anfragen aus Forschung, Naturschutz und Landschaftsplanung abrufbar sind. Durch die exakten Angaben von Ort und Zahl sind die Daten auch f\u00fcr Geografische Informationssysteme verwertbar, die heutzutage aus der modernen Landschaftsplanung und Umweltforschung nicht mehr wegzudenken sind.<\/p>\n<p>R\u00fcckblickend war 2016 ein \u00fcberdurchschnittlich erfolgreiches Jahr f\u00fcr die Rh\u00f6nbotaniker. Die etwa f\u00fcnfzig Mitglieder umfassende Gruppe konnte ihre Kenntnisse in einer Reihe von gemeinsamen Veranstaltungen vertiefen und ermittelte zahlreiche neue, bislang unbekannte Vorkommen schutzw\u00fcrdiger Pflanzen. Als Beispiele seien genannt: Purpur-Knabenkraut am Weinberg bei Dietershausen und auf der Oberbernhardser H\u00f6he, Bienen-Ragwurz bei H\u00fcnfeld, Moorklee nahe dem Wachtk\u00fcppel und Guter Heinrich auf der Eube. \u201eDie \u00dcberpr\u00fcfung bekannter Fundstellen offenbarte allerdings auch erneut den anhaltenden Artenschwund in unserer Heimat\u201c, fasst Uwe Barth die Ergebnisse zusammen. So sei die Fliegen-Ragwurz, eine unserer kleinsten und interessantesten Orchideen, stark im R\u00fcckgang begriffen. Auch die Arnika habe etliche Vorkommen verloren und leide unter der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung ehemaliger Heuwiesen, auf denen heute Silage erzeugt wird. Erfreulich ist dagegen die Zunahme der Bocksriemenzunge, vor allem am Weinberg bei H\u00fcnfeld. Als Ursache f\u00fcr die Ausbreitung der w\u00e4rmeliebenden Orchidee gilt hier der Klimawandel mit zunehmend milden Wintern. #siehe Foto_Fliegenragwurz#<\/p>\n<p>Im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Kreisgruppe Fulda im Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) wurden neben der Kartierung auch Fakten f\u00fcr den Schutz der von Verbuschung bedrohten Sandenhofer Hute zusammengetragen. Die Hutefl\u00e4che bei Hilders weist mit \u00fcber 500 Exemplaren eines der gr\u00f6\u00dften Vorkommen des Stattlichen Knabenkrautes im Ulstertal auf. \u201eDieses l\u00e4sst sich nur durch Fortf\u00fchrung der extensiven Beweidung erhalten, wobei die Landwirte Ausgleichszahlungen f\u00fcr den erschwerten Aufwand und den geringen Ertrag erhalten m\u00fcssen, denn es darf zum Schutz der Orchideen nicht ged\u00fcngt werden\u201c, stellt Barth klar. #siehe Foto_Knabenkraut#<\/p>\n<p>Ein weiteres Kooperationsprojekt mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) dient dem Schutz der Flora im alten Steinbruch \u201eSchwarzer Acker\u201c bei Gersfeld. In diesem NABU-Schutzgebiet erfolgen regelm\u00e4\u00dfig Pflegema\u00dfnahmen zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, wobei die Beobachtungen und Empfehlungen der Rh\u00f6nbotaniker in das Gesamtkonzept einflie\u00dfen. Recht \u00fcberraschend gelang hier in 2016 die Entdeckung des sehr seltenen Wiesen-Leinblattes, das unged\u00fcngte Wiesen und Magerrasen besiedelt. Es ist eine der schutzbed\u00fcrftigen Pflanzen der hessischen Biodiversit\u00e4tsstrategie, f\u00fcr die der Landkreis Fulda eine besondere Verantwortung f\u00fcr Schutz und Pflege der Populationen besitzt. #siehe Foto_Wiesenleinblatt#<\/p>\n<p>Mehr als ein Dutzend \u00f6ffentliche Termine dienten dazu, die Anliegen der Rh\u00f6nbotaniker interessierten G\u00e4sten zu erl\u00e4utern.\u00c2\u00a0 So beteiligten sich die Rh\u00f6nbotaniker an den 11. Naturschutz-Erlebnistagen der Naturschutz-Akademie Hessen (NAH) und an der Jubil\u00e4umsveranstaltung des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n in Gersfeld. Die inzwischen mehr als zehntausend Pflanzenbeobachtungen erlauben auch Interpretationen zum Klimawandel, wor\u00fcber am 29. September im Rahmen der Reihe \u201eForum im Foyer\u201c in der Ulstertalschule Hilders berichtet wurde.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Umsetzung der Hessischen Biodiversit\u00e4tsstrategie wurden in j\u00fcngster Zeit 26 Pflanzenarten ermittelt, f\u00fcr deren weltweiten Erhalt Hessen besondere Verantwortung tr\u00e4gt. F\u00fcr den Landkreis Fulda erfolgte die \u00f6ffentliche Vorstellung der Biodiversit\u00e4tsstrategie und \u201eunserer\u201c Verantwortungsarten 2016 auf einer \u201eKreiskonferenz Biodiversit\u00e4t\u201c. Hier waren die Rh\u00f6nbotaniker vertreten und richteten im Folgenden ihre Arbeit verst\u00e4rkt auf diese Arten aus. Ein Beispiel f\u00fcr aktiven Schutz statt passiver Beobachtung ist hierbei die Sumpf-Fetthenne: Diese in Deutschland vom Aussterben bedrohte Pflanze wurde \u00fcber mehrere Jahre im Botanischen Garten\/Palmengarten der Stadt Frankfurt vermehrt und konnte nun wieder auf der Seifertser Hute heimisch gemacht werden. Das Biosph\u00e4renreservat betrachtet, so Martin Kremer von der Verwaltung, dies als ein besonders gelungenes Kooperationsprojekt. Saatgutsammlung, Vermehrung und die Regelung der beh\u00f6rdlichen Formalit\u00e4ten erfolgten mit Unterst\u00fctzung der KfW Stiftung und der Stadt Frankfurt; die Auspflanzung und weitere Betreuung erfolgt ehrenamtlich durch die Rh\u00f6nbotaniker in Kooperation mit der Botanischen Vereinigung f\u00fcr Naturschutz in Hessen (BVNH). Unterst\u00fctzung erhielt das Projekt von der Gemeinde Ehrenberg als Eigent\u00fcmerin des Ansiedlungsortes (im Bild mittig Bgm. Schreiner), von der Weidegemeinschaft, vertreten durch den Weidewart Schmitt (im Bild zweiter von rechts) und durch das Biosph\u00e4renreservat.\u00c2\u00a0 #siehe Foto_Fetthenne#<\/p>\n<p>Die Rh\u00f6nbotaniker sind ein offener Kreis von Pflanzenkennern\u00c2\u00a0 und \u2013freunden. Auch wer nur wenige Pflanzen kennt, ist herzlich willkommen, so Barth. Der Arbeitskreis bietet die Gelegenheit, im Kreis von Gleichgesinnten die Rh\u00f6n und ihre Pflanzenwelt intensiv kennen zu lernen. Die Mitarbeit in der Gruppe ist kostenlos. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats auf der Wasserkuppe unter Tel. 06654\/96120.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Bereits im Jahr 2004 rief die Hessische Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n das \u201eNetzwerk Rh\u00f6nbotanik\u201c ins Leben, eine der bundesweit ersten Citizen Science-Initiativen in Gro\u00dfschutzgebieten. Die ehrenamtliche Arbeitsgruppe ist ein Netzwerk sach- und ortskundiger Experten, die Beobachtungen zum Vorkommen und zur Gef\u00e4hrdung von Pflanzen sammeln und vom Rh\u00f6nbotaniker Uwe Barth betreut werden. 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