{"id":158431,"date":"2016-12-20T12:08:07","date_gmt":"2016-12-20T11:08:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=158431"},"modified":"2016-12-20T12:08:07","modified_gmt":"2016-12-20T11:08:07","slug":"pfarrer-werner-gutheil-schuf-bei-seinem-elternhaus-einen-garten-der-erinnerung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=158431","title":{"rendered":"Pfarrer Werner Gutheil schuf bei seinem Elternhaus einen \u201eGarten der Erinnerung\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine Telefonzelle mitten im Garten. Doch darin ist kein Telefon, sondern eine Weihnachtskrippe, neben anderen, auf den ersten Blick vollkommen zueinander bezugslosen St\u00fccken. Und das nicht zur Weihnachtszeit, sondern ganzj\u00e4hrig. \u201eAlles in diesem Garten sind Erinnerungsst\u00fccke an das Leben von gestorbenen Menschen\u201c, so Pfarrer Werner Gutheil, der Architekt des \u201eGartens der Erinnerung\u201c ist.<\/p>\n<p>Der \u201eGarten der Erinnerung\u201c befindet sich im Gr\u00fcn rund um das Elternhaus des Geistlichen im Neuhofer Ortsteil Rommerz. Gutheil ist Di\u00f6zesanseelsorger f\u00fcr Trauernde. Sein Dienstsitz ist in Hanau in der Rh\u00f6nstra\u00dfe 8. \u201eEigentlich\u201c, so erz\u00e4hlt er, \u201esollte dieser \u00e2\u20ac\u0161Garten der Erinnerung\u00e2\u20ac\u203a bei uns am Trauerzentrum in Hanau angelegt werden. Doch leider gab es Nutzungskonflikte mit den Mitbewohnern des Hauses, weswegen dieses Vorhaben dort nicht verwirklicht werden konnte. Doch ichwollte von dieser Idee nicht ablassen und habe ihn dann hier im Garten meines Elternhauses angelegt.\u201c<\/p>\n<p>Gehhilfen stehen f\u00fcr Menschen mit Behinderung<br \/>\nF\u00fcr den Geistlichen ist der \u201eGarten der Erinnerung\u201c ein guter Ort nicht nur f\u00fcr Erinnerung \u2013 er spricht auch von einer Form der Erinnerungskultur \u2013, sondern auch f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung von Verlust. \u201eAlles, was man hier sehen kann, hat einmal Menschen geh\u00f6rt, die inzwischen gestorben sind. Jedes Teil steht in einer besonderen Beziehung zu deren Person, ihrem Leben oder dem, was sie gemacht haben\u201c, erl\u00e4utert Gutheil. Zum Beispiel sind das eine gro\u00dfe Zahl von Gehhilfen, Kr\u00fccken, St\u00f6cke: sie stehen symbolisch f\u00fcr die Frauen und M\u00e4nner, die im Alter oder aufgrund einer Behinderung diese benutzt haben und so ihr Erscheinungsbild gepr\u00e4gt haben. Oder aber die Leisten eines Schuhmachers, die sein Lebenswerk als Handwerker repr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p>Doch es gibt auch noch andere, teilweise auch etwas skurril anmutende \u201eExponate\u201c im \u201eGarten der Erinnerung\u201c. Da scheint schwerelos ein altes Fahrrad an drei wei\u00dfen Luftballons zu schweben. Oder bunte Strandh\u00e4uschen stehen schon aneinandergereiht. Auf der R\u00fcckseite sind alte Friedhofskreuze aus Holz angebracht. In einer offenen Laube sind alte Lampen, wie man sie aus Wohnzimmern oder K\u00fcchen kennt, angebracht. Der Weg zur Souterrainwohnung des Elternhauses ist eingefasst mit Grabsteinen. \u201eSichtbar sind aber nur die R\u00fcckseiten. Wir haben aus Gr\u00fcnden der Piet\u00e4t die Schriftseiten nach hinten gewendet\u201c, erl\u00e4utert Gutheil.<\/p>\n<p>Ausstellungsst\u00fccke der Verg\u00e4nglichkeit unterworfen<br \/>\nVieles, sogar die meisten Ausstellungsst\u00fccke sind der Witterung schutzlos ausgeliefert. Auch die Teppiche, die auf dem Weg von der Garage in den Gartenausgelegt sind. \u201eDas ist Absicht\u201c, sagt Pfarrer Gutheil. \u201eDer \u00e2\u20ac\u0161Garten der Erinnerung\u00e2\u20ac\u203a ist ja kein Museum, wo wir die Erinnerungsst\u00fccke wie Artefakte konservieren wollen. Sie sind, wie das Leben eines Menschen auch, dem Wandel unterworfen und damit auch der Verg\u00e4nglichkeit. So gehen alle St\u00fccke hier im \u00e2\u20ac\u0161Garten der Erinnerung\u00e2\u20ac\u203a letztlich den Weg alles irdischen und werden eines Tages auch vergehen\u201c, so der Geistliche.<\/p>\n<p>Wie aber kam die Telefonzelle in den \u201eGarten der Erinnerung\u201c und welche Bewandtnis hat dies? Soll sie ein Erinnerungsst\u00fcck f\u00fcr einen Telekommunikationsmitarbeiter sein? \u201eNein, beileibe nicht\u201c, so Gutheil lachend. \u201eSie ist ein Geschenk, dass ich zu meinem 50. Geburtstag von Freunden bekommen habe. Jetzt steht sie hier im \u00e2\u20ac\u0161Garten der Erinnerung\u00e2\u20ac\u203a und beherbergt unter anderem die Weihnachtskrippe. Dieses Bild l\u00f6st sicherlich bei den Betrachtern viele unterschiedliche Assoziationen aus. Aber genau das sollen ja auch die St\u00fccke hier im \u00e2\u20ac\u0161Garten der Erinnerung\u00e2\u20ac\u203a: Sie sollen nicht nur Erinnerungsst\u00fccke an ein Leben sein, sondern auch den Betrachter zum Nachdenken und sich Besinnen anregen.\u201c<\/p>\n<p>Ein vielschichtiger Ort, der nicht nur viel zeigt, sondern auch dem Betrachter viele Geschichten \u00fcber Menschen und deren Leben zu erz\u00e4hlen vermag. Und einen jeden auch selbst daran erinnert, dass jeder Mensch den Weg alles Irdischen geht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Eine Telefonzelle mitten im Garten. Doch darin ist kein Telefon, sondern eine Weihnachtskrippe, neben anderen, auf den ersten Blick vollkommen zueinander bezugslosen St\u00fccken. 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