{"id":157883,"date":"2016-12-04T11:30:51","date_gmt":"2016-12-04T10:30:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=157883"},"modified":"2016-12-04T11:30:51","modified_gmt":"2016-12-04T10:30:51","slug":"vielseitigkeit-beim-gernsehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=157883","title":{"rendered":"VIELSEITIGKEIT BEIM GERNSEHEN"},"content":{"rendered":"<p>Eine unterhaltsame Musikstunde stand auf dem Programm des November-Gernsehens und genau das wurde es auch. Der Pianistin und Geigerin Anna Maria Haas war es ein Anliegen, dem Publikum nicht nur ein breites Repertoire an St\u00fccken und Stilen von Chopin \u00fcber Piazzolla bis Jon Schmidt zu zeigen, sie wollte auch den Blick auf Musik \u00fcberhaupt erweitern.  Letztlich ist alles Melodie und Rhythmus, ob es nun auf dem Piano, auf der Geige gespielt wird oder auf Plastikrohren.  Nat\u00fcrlich sind auf den Rohren keine Nuancen und kein Tonumfang wie auf einer Geige m\u00f6glich, aber sie erzeugen eben auch Ger\u00e4usche und k\u00f6nnen daher musikalisch eingesetzt werden. Das f\u00fchrte die Dozentin der Fresenius Hochschule Frankfurt am Main im Museumscaf\u00e9 mit Hilfe des Publikums ganz praktisch vor. Viele Zuschauer erhielten dabei Rohre (sogenannte \u201eBoomwhacker\u201c), die einen Ton in einer bestimmten H\u00f6he von sich geben, wenn man sie beispielsweise gegen die Tischkante oder in die eigene Hand schl\u00e4gt. Rhythmisch dirigiert wurde daraus ein harmonisch geteilter Grund-Beat, den der gesamte Saal erzeugte und auf den Anna Maria Haas dann ein irisches St\u00fcck auf der Geige spielte. Immer schneller wurde sie dabei, doch das Publikum hielt mit. Eine weitere musikalische Erfahrung, die die Zuschauer an diesem Abend machen durften. <\/p>\n<p>Dass man, um Musik zu erzeugen, nicht einmal Rohre oder Becher braucht (wie Anna Maria Haas und Marianne Blum mit dem auch im Internet ber\u00fchmten Cup-Song vorf\u00fchrten), sondern dass der eigene K\u00f6rper auch ein Instrument ist, das f\u00fchrte sie im Part \u201eBody Percussion\u201c vor. Auch hier lieferte das Publikum mit einer einfachen Klatsch-Choreographie den Grund-Beat, auf den Anna Maria Haas dann Body-Percussion Moves improvisierte. Dass Viele im Publikum animiert durch den Grund-Rhythmus begannen, \u201eWe will rock you\u201c von Queen zu singen, zeigt, dass das Konzept der Show, Musik nicht nur vorzuf\u00fchren, sondern zum Mitmachen anzuregen voll aufgegangen war.<\/p>\n<p>Im vierten Teil des Abends zeigten die Musikerinnen aber doch auch nochmal, dass sie auch klassisches Konzert-Publikum begl\u00fccken k\u00f6nnen. In gro\u00dfer Robe gaben sie das typische S\u00e4ngerin-Pianistin-Duo und die Blum schmetterte in bester Kabarett-Manier zwei herzerfrischende Tucholsky-Klassiker. \u201eAch lege deine Wange doch mal an meine Wange und bleibe da recht lange\u00e2\u20ac\u00a6\u201c und ein Lied von der schrecklichen Vision einer Ehe nach dem alles entscheidenden Kuss. \u201eUnd darum wird beim Happy End, im Film gew\u00f6hnlich abgeblend\u00e2\u20ac\u2122t\u201c. Doch der eigentliche H\u00f6hepunkt dieses Sets waren eindeutig zwei Lieder, in denen absurde Morgenstern-Gedichte vertont wurden. \u201eDas Knie\u201c  (\u201egeht einsam durch die Welt. Es war ein Knie, sonst nichts\u201c) und \u201eDie weggeworfene Flinte\u201c (die Palmstr\u00f6m im Korn findet). Zum Schreien komisch und gleichzeitig musikalisch anspruchsvoll l\u00f6ste diese Vorf\u00fchrung ebenso Heiterkeitsausbr\u00fcche wie am Ende kr\u00e4ftigen Applaus im gut besetzten Museumscaf\u00e9 aus. Zu Recht. Dieses war wieder eine \u00e4u\u00dferst vielseitige und abwechslungsreiche Ausgabe der Dinner-Show, bei der man nur eines wirklich vermisst hat: ein echtes Klavier. Zwar verstand es die Blum bei ihrer Anmoderation wie immer gekonnt, den Nachteil eines E-Pianos in einen Vorteil umzudeuten. \u201eSchlie\u00dflich passt in Zeiten, in denen jemand wie Donald Trump amerikanischer Pr\u00e4sident werden kann, auch ein postfaktisches Klavier auf eine Kleinkunstb\u00fchne\u201c, wie sie treffend formulierte, und Anna Maria Haas holte Dank ihres gro\u00dfes pianistischen K\u00f6nnens alles aus dem E-Piano heraus. Dennoch kann man dem Museumscaf\u00e9 nur w\u00fcnschen, dass es diese Investition t\u00e4tigt. Das Gernsehen wird es schlie\u00dflich hoffentlich noch lange geben und mit einem richtigen Klavier w\u00e4re der musikalische Genuss noch h\u00f6her.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Eine unterhaltsame Musikstunde stand auf dem Programm des November-Gernsehens und genau das wurde es auch. 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