{"id":157793,"date":"2016-12-02T10:12:38","date_gmt":"2016-12-02T09:12:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=157793"},"modified":"2016-12-02T10:12:38","modified_gmt":"2016-12-02T09:12:38","slug":"bischof-algermissen-in-oekumenischem-gottesdienst-anlaesslich-70-jahre-hessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=157793","title":{"rendered":"Bischof Algermissen in \u00f6kumenischem Gottesdienst anl\u00e4sslich \u201e70 Jahre Hessen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eUnser Glaube, unsere Beziehung zu Jesus Christus und seinem Evangelium mit politischen Konsequenzen pr\u00e4gte die Wertewelt dieses Landes. Bei allem Streit, in Krisen und Konflikten ist die Hoffnung auf Vers\u00f6hnung und Vergebung nie aufgegeben worden.\u201c Dies rief der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag in Wiesbaden in Erinnerung. In einem \u00f6kumenischen Gottesdienst zum 70. Jahrestag der Gr\u00fcndung des Landes Hessen, den der Oberhirte gemeinsam mit dem evangelischen Bischof Dr. Martin Hein (Kassel) feierte, betonte Algermissen, es sei Aufgabe der Christen, den Menschen, die Halt und Vertrauen verloren h\u00e4tten, Hoffnungsbilder heilend zu vermitteln. \u201eAuf dem Weg in die Zukunft unseres Landes Hessen bed\u00fcrfen wir solcher Bilder, um angesichts der Daseinskrisen von Leiden und Sterben, von Ohnmacht und Ausgeliefertsein die n\u00e4chsten notwendigen Schritte zu tun\u201c, unterstrich der Bischof und w\u00fcnschte den politisch Verantwortlichen des Landes Gottes Segen.<\/p>\n<p>Die Botschaft von der Hoffnung, die auf Gottes Liebe zu den Menschen beruht, treffe in unserer Gesellschaft auf Menschen, die ihrerseits suchend und fragend oder auch kategorisch jedweder Botschaft ablehnend gegen\u00fcberst\u00fcnden. Laut dem Kasseler Soziologen Heinz Bude seien die Menschen in der deutschen Gesellschaft von vielf\u00e4ltigen \u00c4ngsten umgetrieben. Dieses Grundgef\u00fchl der Angst und Hoffnungslosigkeit sei ausgerechnet das die Gesellschaft verbindende Gef\u00fchl. \u201eAngst aber bedeutet Sinnverlust\u201c, hob Bischof Algermissen hervor. \u201eDieser Befund macht mich unruhig und offenbart, dass unser Land Hessen sein achtes Jahrzehnt in turbulenten Zeiten beginnt.\u201c Daraus erwachse die Verpflichtung f\u00fcr Christen, Zeugen f\u00fcr eine lebensbestimmende Hoffnung zu sein, \u201edie keine Illusion ist und keine billige Vertr\u00f6stung\u201c.<\/p>\n<p>Zu Beginn seiner Ansprache hatte Algermissen an die bedeutende Rede erinnert, die der Schriftsteller und Orientalist Navid Kermani als Dank f\u00fcr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels am 18. Oktober 2015 in der Frankfurter Paulskirche gehalten hatte, und sie als \u201eein ber\u00fchrendes, gar ersch\u00fctterndes Zeugnis f\u00fcr den Dialog der Kulturen und Religionen\u201c gew\u00fcrdigt. Darin sei eine scharfsinnige Analyse \u00fcber die kulturpr\u00e4gende Kraft der Religion enthalten. Am Ende der Rede kam Kermanis Bitte, nicht zu applaudieren, sondern aufzustehen und still f\u00fcr einen ihm bekannten Priester und dessen Gemeinde zu beten, die von islamischen Terroristen in Syrien entf\u00fchrt worden waren. \u201eDa steht doch tats\u00e4chlich ein gl\u00e4ubiger Muslim am Rednerpult und betet still in sich gekehrt. Und die versammelte ehrenwerte Gesellschaft war h\u00f6chst irritiert und erhob sich nur z\u00f6gerlich bis peinlich ber\u00fchrt von den Pl\u00e4tzen.\u201c Fast versch\u00e4mt und nur nebenbei h\u00e4tten die Fernsehnachrichten, die sonst Nebens\u00e4chliches minutenlang hoch inszenieren k\u00f6nnten, diese ber\u00fchrende Handlung gezeigt. Dieses entlarvende Bild, habe bei ihm Fragen ausgel\u00f6st, so der Bischof: \u201eWie weit haben wir die Religion bereits aus der \u00d6ffentlichkeit vertrieben? Haben die Menschen in dieser Gesellschaft die Sensibilit\u00e4t daf\u00fcr verloren, dass Gebete die expressivste M\u00f6glichkeit sind, die menschliche Existenz in Worte zu fassen, wenn in einer sonst geschw\u00e4tzigen Welt alle Worte versagen? Gibt es noch die verbindende Kraft einer gemeinsamen Hoffnung, die mehr ist als Optimismus?\u201c<\/p>\n<p>Wenn man an diesem 1. Dezember zur\u00fcckblicke auf die sieben Jahrzehnte des Landes Hessen, d\u00fcrfe man f\u00fcr vieles dankbar sein, fuhr Algermissen fort. \u201eAm st\u00e4rksten ber\u00fchrt mich die Tatsache, dass uns 70 Jahre ohne Krieg geschenkt wurden, zumal am Anfang dieser Jahre die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs stand.\u201c Sozusagen aus dessen Folge sei Hessen als erstes Bundesland der noch nicht gegr\u00fcndeten Bundesrepublik hervorgegangen. Es konnte eine Verfassung erarbeitet und am 1. Dezember 1946 verabschiedet werden. Der R\u00fcckblick f\u00fchre in deutender R\u00fcckschau zur Einsicht, dass Zukunft Herkunft braucht. \u201eUnd wenn das so ist, dann doch wohl auch begr\u00fcndete Hoffnung auf Zukunft \u2013 ohne sie ginge es uns wie einer Lunge ohne Sauerstoff.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eUnser Glaube, unsere Beziehung zu Jesus Christus und seinem Evangelium mit politischen Konsequenzen pr\u00e4gte die Wertewelt dieses Landes. Bei allem Streit, in Krisen und Konflikten ist die Hoffnung auf Vers\u00f6hnung und Vergebung nie aufgegeben worden.\u201c Dies rief der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen am Donnerstag in Wiesbaden in Erinnerung. 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