{"id":157063,"date":"2016-11-15T08:19:26","date_gmt":"2016-11-15T07:19:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=157063"},"modified":"2016-11-15T08:19:26","modified_gmt":"2016-11-15T07:19:26","slug":"vertrauliche-geburt-bietet-schwangeren-in-notlagen-rechtssicherheit-und-entscheidungs-moeglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=157063","title":{"rendered":"Vertrauliche Geburt bietet Schwangeren in Notlagen Rechtssicherheit und Entscheidungs-m\u00f6glichkeiten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Mai 2014 ist das Gesetz zum Ausbau der Hilfen f\u00fcr Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft getreten. Im Interview informieren Ines George und Irmgard Plappert, Mitarbeiterinnen der gemeinsamen Adoptionsvermittlungsstelle der Jugend\u00e4mter von Landkreis Fulda, Stadt Fulda und Landkreis Hersfeld-Rotenburg, \u00fcber die vertrauliche Geburt und berichten \u00fcber ihre Erfahrungen seit Einf\u00fchrung der neuen gesetzlichen Regelung.<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Welche M\u00f6glichkeit bietet das Gesetz zur vertraulichen Geburt?<br \/>\n<\/strong>George: Das Gesetz bietet Schwangeren, die sich in einer psychosozialen Notlage befinden, die M\u00f6glichkeit, ihr Kind medizinisch sicher und vertraulich zur Welt bringen. Dabei werden die Frauen von Schwangerenberatungsstellen beraten, betreut und begleitet. In der ersten Stufe geht es darum, Frauen so zu st\u00e4rken, dass sie ihre Schwangerschaft annehmen k\u00f6nnen, und gemeinsam L\u00f6sungen f\u00fcr die individuellen Problemlagen zu finden. Erst in der zweiten Stufe findet eine Beratung zur vertraulichen Geburt statt. Ab diesem Zeitpunkt ist die Adoptionsvermittlungsstelle als beratende Institution mit im Boot.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Mutter muss ihre Identit\u00e4t nicht preisgeben?<br \/>\n<\/strong>Plappert: Die Beratung ist anonym m\u00f6glich. Erst im Verfahren f\u00fcr die vertrauliche Geburt muss sich die Schwangere einmal gegen\u00fcber ihrer Beraterin, die zur Verschwiegenheit verpflichtet ist, ausweisen. Die Daten werden beim Bundesamt f\u00fcr Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben sicher verwahrt. Gegen\u00fcber allen anderen Stellen bleibt die Identit\u00e4t der Frau geheim.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Aus welchem Grund werden die pers\u00f6nlichen Daten erhoben? <\/strong><\/p>\n<p>George: Mit der vertraulichen Geburt hat die Mutter die M\u00f6glichkeit, ihre Anonymit\u00e4t zu wahren, gleichzeitig wird aber auch das Recht des Kindes auf das Wissen um die eigene Herkunft gesichert. Denn ab seinem 16. Geburtstag hat das Kind das Recht, die pers\u00f6nlichen Daten der Mutter einzusehen.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Bedeutet die Entscheidung f\u00fcr eine vertrauliche Geburt automatisch, dass das Kind zur Adoption freigegeben wird?<br \/>\n<\/strong>George: Ja, es bedeutet Adoption. Dazu werden die Frauen von der Adoptionsvermittlungsstelle intensiv beraten. Die Mutter hat die M\u00f6glichkeit, ihre W\u00fcnsche zu \u00e4u\u00dfern. Das Gesetz gibt ihr auch in den Tagen nach der Entbindung die M\u00f6glichkeit, Entscheidungen zu treffen &#8211; ob sie das Kind behalten oder zur Adoption freigeben m\u00f6chte &#8211; und welche Form der Adoption, offen oder geschlossen, es sein soll. Es gibt viele Varianten.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Worin sehen Sie die wesentlichen Vorteile des Gesetzes?<br \/>\n<\/strong>Plappert: Im Vergleich zur anonymen Geburt und zur Abgabe eines Kindes in einer Babyklappe sehen wir das Gesetz als eine Weiterentwicklung an. Die wesentlichen Vorteile sind, dass Mutter und Kind medizinisch versorgt werden k\u00f6nnen und die Kosten daf\u00fcr gedeckt sind, dass das Kind irgendwann, wenn es m\u00f6chte, seine Herkunft erfahren kann und dass alle Beteiligten Rechtssicherheit haben.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie viele vertrauliche Geburten haben Sie seit Inkrafttreten des Gesetzes durchgef\u00fchrt?<\/strong> <strong><br \/>\n<\/strong>George: Wir haben zwei vertrauliche Geburten durchgef\u00fchrt. Davon hat eine Mutter ihre Identit\u00e4t offenbart und ihr Kind zur\u00fcckgenommen. Bei der anderen Frau ist es zur Adoption des Kindes gekommen.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was hat sich mit dem neuen Gesetz hier in der Region getan?<br \/>\n<\/strong>Plappert: Nach dem Inkrafttreten des Gesetzes haben die Schwangerenberatungsstellen, die gemeinsame Adoptionsvermittlungsstelle, Jugend\u00e4mter und Kliniken noch intensiver an ihrer Vernetzung gearbeitet. Es wurden viele organisatorische Dinge besprochen und Abl\u00e4ufe festgelegt, so dass die Zusammenarbeit gut funktioniert.<\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00c2\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kontakt<br \/>\n<\/strong>Schwangerschaftsberatungsstellen:<br \/>\ndonum vitae, Telefon (0661)2506710<br \/>\nSozialdienst katholischer Frauen, Telefon (0661 83940<br \/>\nprofamilia, Telefon (0661)48049690<br \/>\nGemeinsame Adoptionsvermittlungsstelle: Telefon (0661)6006-9391 oder -9392<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schwangere in Not k\u00f6nnen sich im ersten Schritt an eine anonyme, mehrsprachige und rund um die Uhr besetzte Telefonhotline wenden. Die Beraterinnen des Hilfetelefons stellen auf Wunsch den Kontakt zu einer Schwangerschaftsberatungsstelle her.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Im Mai 2014 ist das Gesetz zum Ausbau der Hilfen f\u00fcr Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft getreten. 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