{"id":156488,"date":"2016-10-25T23:19:06","date_gmt":"2016-10-25T21:19:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=156488"},"modified":"2016-10-25T23:19:06","modified_gmt":"2016-10-25T21:19:06","slug":"parteienvertreterinnen-in-fulda-diskutieren-ueber-altersarmut-osthessisches-buendnis-gegen-altersarmut-ruft-zu-reformen-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=156488","title":{"rendered":"Parteienvertreter\/innen in Fulda diskutieren \u00fcber Altersarmut &#8211; Osthessisches B\u00fcndnis gegen Altersarmut ruft zu Reformen auf"},"content":{"rendered":"<p>Vier Parteienvertreter\/innen und etwa 50 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind der Einladung des Osthessischen B\u00fcndnisses gegen Altersarmut gefolgt, am 13. Oktober im Bonifatiushaus \u00fcber die besonderen Risiken f\u00fcr k\u00fcnftige Altersarmut in Stadt und Landkreis Fulda zu diskutieren und gemeinsam zu \u00fcberlegen, wie diesen begegnet werden kann. Dem Osthessischen B\u00fcndnis gegen Altersarmut geh\u00f6ren die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung KAB, die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, der Deutsche Gewerkschaftsbund DGB, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands kfd, der AWO Kreisverband Fulda, der Sozialverband VDK, der Parit\u00e4tische Wohlfahrtsverband in Osthessen sowie die Fuldaer Gruppe des globalisierungskritischen Netzwerks attac an.<\/p>\n<p>Bereits im Mai dieses Jahres hatte das B\u00fcndnis eine von der Hochschule Fulda im B\u00fcndnisauftrag erstellte Studie zur Entwicklung von Altersarmut in Osthessen vorgestellt. Sie bildete die Grundlage f\u00fcr die Diskussion am 13. Oktober: So \u00fcbersteigt die Quote der im Niedriglohnbereich Besch\u00e4ftigten in Stadt und Landkreis Fulda die hessische Quote um 40 %, der Bundesdurchschnitt wird um 18 % \u00fcbertroffen. Mit knapp 17 % ist der Anteil der Minijobber h\u00f6her als im Bundesdurchschnitt (15,1 %) und in Hessen (14.6 %). 3,2 % der Arbeitnehmer sind in Stadt und Landkreis \u00fcber eine Zeitarbeitsfirma besch\u00e4ftigt, im Bundesdurchschnitt sind dies nur 2,2 %, im hessischen Schnitt gar nur 1,9 %. All diese Faktoren erh\u00f6hen das Risiko, sp\u00e4ter von Altersarmut betroffen zu werden.<\/p>\n<p>Was tun angesichts der f\u00fcr ganz Deutschland, aber eben auch f\u00fcr Fulda bedr\u00fcckenden Fakten? Der HR- Reporter Hermann Diel moderierte ein engagiertes Gespr\u00e4ch, dem einzelne Partner\/innen des B\u00fcndnisses ihre eigenen, spezifischen Akzente voranstellten: So wies die Vertreterin von ver.di eindringlich darauf hin, dass Arbeitgeber sich angesichts der Armutsrisiken in Fulda angespornt f\u00fchlen sollten, die Lohnentwicklung zu verbessern, und pl\u00e4dierte f\u00fcr die Anhebung des Rentenniveaus. Der Vertreter der Katholischen Arbeitsnehmerbewegung forderte die Umsetzung eines neuen Rentenmodells, das auf den S\u00e4ulen \u201eSockelrente\u201c, \u201eArbeitnehmer-Pflichtversicherung\u201c und \u201ebetriebliche und private Altersvorsorge\u201c fu\u00dft. Eine Reform der Altersgrundsicherung forderte die Vertreterin des Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbands, Landesverband Hessen, im B\u00fcndnis: Der PARIT\u00c4TISCHE setzt sich f\u00fcr eine Anhebung der Regels\u00e4tze ein, damit die Leistungen wirklich vor Armut sch\u00fctzen und eine echte Teilhabe am Leben m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die Parteienvertreter\/innen (Birgit K\u00f6mpel, Bundestagsabgeordnete der SPD, Sabine Leidig, Bundestagsabgeordnete \u201eDie Linke\u201c, Sibylle Herbert, stellv. Kreisvorsitzende der FDP und Ralf Zwengel, Kreisvorstand B\u00dcNDNIS 90\/DIE GR\u00dcNEN) stimmten grunds\u00e4tzlich zu, dass Reformen n\u00f6tig sind, um den Trend zu mehr Altersarmut in Deutschland und damit auch in Stadt und Landkreis Fulda zu bremsen. Sie unterbreiteten dem Publikum die grunds\u00e4tzlichen Haltungen ihrer Parteien zu einer notwendigen Rentenreform. Sabine Leidig brachte die Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens zur Sprache und wurde damit von einem Zuh\u00f6rer im Publikum unterst\u00fctzt, der ein \u00e4hnliches Modell skizzierte, das in Holland praktiziert wird. Nicht alle Gespr\u00e4chsteilnehmer\/innen konnten einem solchen Konzept vorbehaltlos zustimmen, doch dass in einer sozialen Gesellschaft die Rente solidarisch nach unten mit einem Mindestbetrag \u201eabgefedert\u201c werden sollte, war Konsens in der Podiumsrunde. Zur Frage der Finanzierung notwendiger Mehrleistungen wurden mehrere M\u00f6glichkeiten angesprochen: Die Etablierung obligatorischer Betriebsrenten wurde ebenso ins Spiel gebracht wie die Forderung einer Besteuerung s\u00e4mtlicher Einkommensarten (auch Kapitaleinkommen), um damit einen gr\u00f6\u00dferen finanziellen Spielraum f\u00fcr eine Mindestrente zu gewinnen. Angesprochen wurden sowohl eine m\u00f6gliche Anhebung der Rentenbeitrags-Bemessungsgrenze also auch die M\u00f6glichkeit einer \u201eDeckelung\u201c der Rentenh\u00f6he. An diesem Punkt gab es deutliche Unterschiede bei den Diskutanten.<\/p>\n<p>Alles in allem waren sich die Gespr\u00e4chspartner\/innen einig darin, dass das Problem der zunehmenden Altersarmut auch in Stadt und Landkreis Fulda auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden darf. In seinem Abschlussstatement bedankte sich Michael Schmitt (Kath. Arbeitsnehmerbewegung) herzlich bei den vier geladenen G\u00e4sten f\u00fcr ihre Bereitschaft, sich mit dem dr\u00e4ngenden Problem von Altersarmut auch in unserer Region aktiv auseinanderzusetzen, und wies alle Anwesenden auf die vielfachen Informationsm\u00f6glichkeiten zum Thema Altersarmut \u2013 auch \u00fcber Internet &#8211; bei den Mitgliedern des B\u00fcndnisses hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vier Parteienvertreter\/innen und etwa 50 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger sind der Einladung des Osthessischen B\u00fcndnisses gegen Altersarmut gefolgt, am 13. Oktober im Bonifatiushaus \u00fcber die besonderen Risiken f\u00fcr k\u00fcnftige Altersarmut in Stadt und Landkreis Fulda zu diskutieren und gemeinsam zu \u00fcberlegen, wie diesen begegnet werden kann. 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