{"id":155799,"date":"2016-10-04T16:53:27","date_gmt":"2016-10-04T14:53:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=155799"},"modified":"2016-10-04T16:53:27","modified_gmt":"2016-10-04T14:53:27","slug":"syrien-volksaufstand-oder-buergerkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=155799","title":{"rendered":"Syrien: Volksaufstand oder B\u00fcrgerkrieg?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Der-Sprecher-des-Syrischen-Nationalrats-in-Deutschland-SNC-2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-155811\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Der-Sprecher-des-Syrischen-Nationalrats-in-Deutschland-SNC-2-265x177.jpg\" alt=\"der-sprecher-des-syrischen-nationalrats-in-deutschland-snc-2\" width=\"265\" height=\"177\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Der-Sprecher-des-Syrischen-Nationalrats-in-Deutschland-SNC-2-265x177.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Der-Sprecher-des-Syrischen-Nationalrats-in-Deutschland-SNC-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Der-Sprecher-des-Syrischen-Nationalrats-in-Deutschland-SNC-2-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Der-Sprecher-des-Syrischen-Nationalrats-in-Deutschland-SNC-2.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Die Sektion Fulda der Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik e.V. (GSP) hatte zu einem Vortrags- und Diskussionsabend in das Hotel J\u00e4gerhaus in Fulda-Bronnzell eingeladen. GSP-Sektionsleiter Michael Trost war es gelungen, den in Damaskus geborenen Dr. Sadiqu Al-Mousllie als Referenten zu gewinnen. Er ist deutscher Staatsb\u00fcrger, lebt seit 27 Jahren in Deutschland und betreibt eine zahn\u00e4rztliche Praxis in Braunschweig. Dr. Al-Mousllie ist Sprecher des Syrischen Nationalrats in Deutschland (SNC), Vorsitzender des Landesverbands des Zentralrats der Muslime und war mehrere Jahre Generalsekret\u00e4r der Union arabischer Mediziner in Europa. Aus der Sicht des Syrischen Nationalrats und aus eigener Sicht entwickelte er Zukunftsszenarien\u00c2\u00a0 nach Jahrzehnten der Diktatur der Baath-Partei und des Assad-Clans.<\/p>\n<p>Nach der Begr\u00fc\u00dfung und Vorstellung des Referenten durch den Sektionsleiter im\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 vollbesetzten Wintergarten des Hotel J\u00e4gerhaus, wurde ein Radio-Interview vom Vormittag eingespielt, das Friedbert Meurer vom Deutschlandfunk mit Dr. A-Mousllie zur gegenw\u00e4rtigen Lage in Syrien gef\u00fchrt hatte. Stichpunkte des Interviews waren:\u00c2\u00a0 die Umsetzung der Waffenruhe, trotz unterschiedlicher Standpunkte Einigung zwischen USA und Russland, Versorgungsnotstand der Zivilbev\u00f6lkerung mit Wasser, Nahrung und medizinischer\u00c2\u00a0 Versorgung, Ablehnung Assads durch das syrische Volk und westliche Regierungen, Freie Syrische Armee erfolgreich dank t\u00fcrkischer Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Im anschlie\u00dfenden Referat ging Dr. Al-Mousllie auf die Geschichte Syriens ein. Nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches folgte das franz\u00f6sische Protektorat. Erst 1947 wurde Syrien selbst\u00e4ndig und ein fr\u00fches Mitglied der Vereinten Nationen. In den Jahren bis 1960 gab es funktionierende demokratische Parteien, ein friedliches Miteinander der unterschiedlichen Ethnien und Religionen. Ende 1960 trat die Baath-Partei auf. Hafis al-Assad, ein Alawit und Vater des jetzigen Pr\u00e4sidenten Baschar al-Assad, kam durch einen Milit\u00e4rputsch an die Macht. Vorbei waren demokratische Zeiten. Es folgte eine brutale Gleichschaltung mittels der Baath-Partei, au\u00dfenpolitisch eine Ann\u00e4herung an die damalige Sowjetunion, ein Zwischenspiel mit \u00c4gypten zur Vereinigten Arabischen Republik und eine Konfrontation mit dem Staat Israel, bei dem Syrien die Golanh\u00f6hen verlor. 1982 wurden 30.000 Oppositionelle in HAMA durch die eingesetzte Syrische Armee liquidiert. Die libanesische Hisbollah und der internationale Terrorismus wurden unterst\u00fctzt.<br \/>\nNach dem Tode Hafis al-Assads wurde auch\u00c2\u00a0 der innenpolitische Terror nicht geringer. Sein ihm nachfolgender Sohn\u00c2\u00a0 Baschar al-Assad auf dem Pr\u00e4sidentenstuhl sp\u00fcrte den Reformwillen des syrischen Volkes. Als im M\u00e4rz 2011 drei minderj\u00e4hrige Jungen eine kritische Wandparole anbrachten, wurden sie verhaftet, gefoltert und get\u00f6tet. Dies f\u00fchrte zu Stra\u00dfendemonstrationen des aufgebrachten Volkes. Das Regime antwortete mit Erschie\u00dfungen, zun\u00e4chst mit einigen Demonstranten, dann aber mit t\u00e4glich steigender Tendenz. Es begann der sogenannte kreative Tod, das kreative Chaos, die Aufteilung der Gewalt nach ethnischen und religi\u00f6sen Prinzipien. Der Referent schilderte grauenhafte\u00c2\u00a0 Menschenrechtsverletzungen durch das Regime. \u00c4u\u00dfere Mitspieler, regionale und globale, stellten sich ein und weiteten die milit\u00e4rischen Auseinandersetzungen aus: T\u00fcrkei, Saudi Arabien, Katar, Iran, USA, Russland und die EU. Die Folge: die Zivilbev\u00f6lkerung floh, sofern sie es konnte. Innerhalb Syriens sind 13 Millionen auf der Flucht, 4 Millionen flohen in die Nachbarl\u00e4nder, vor allem in die T\u00fcrkei. Rechne man die Fl\u00fcchtlinge seit Mitte der 1980er Jahre bis heute zusammen, komme man auf 14 Millionen. Heute z\u00e4hle Syrien daher\u00c2\u00a0 nur noch 23 Millionen Einwohner. Das syrische Volk sei entt\u00e4uscht von der Zur\u00fcckhaltung des Westens gegen\u00fcber Baschar al-Assad und seinem Regime.<\/p>\n<p>Das syrische Volk wolle seine staatliche Einheit erhalten,\u00c2\u00a0 aber ohne Assad,\u00c2\u00a0 und werde dabei besonders von der T\u00fcrkei, Saudi Arabien und Katar unterst\u00fctzt. Assad werde abgelehnt, weil durch den Volksaufstand allein in den letzten f\u00fcnf Jahren etwa\u00c2\u00a0 250.000 Menschen umgekommen seien.\u00c2\u00a0 Der Iran und Russland wollten auch die staatliche Einheit Syriens erhalten, aber mit Assad. Dabei spielten deren regionale und globale Interessen eine Rolle. Trotz gewisser Unterst\u00fctzungen der Freien Syrischen Armee existierten im Westen (USA und EU) leider auch Pl\u00e4ne einer Zerst\u00fcckelung Syriens nach ethnisch und religi\u00f6s unterschiedlich gepr\u00e4gten Landesteilen. Wenn die \u00e4u\u00dferen Mitspieler sich aus Syrien zur\u00fcckziehen und auch Assad nicht mehr unterst\u00fctzen w\u00fcrden, k\u00f6nnte das syrische Volk sein Schicksal selbst bestimmen und auch Assads Regime st\u00fcrzen. In diesem Zusammenhang vertrat er auch noch mal die feste \u00dcberzeugung, dass es sich nicht um B\u00fcrgerkrieg sondern um einen Volksaufstand handeln w\u00fcrde. Ziele des Syrischen Nationalrats seien W\u00fcrde, Freiheit und Demokratie f\u00fcr alle B\u00fcrger und freie Wahlen.<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde u.a.\u00c2\u00a0 gefragt, ob bei einem Sieg \u00fcber das Assad-Regime durch die Unterst\u00fctzung der sunnitischen Staaten T\u00fcrkei, Saudi Arabien und Katar sich die wahabitische Form des Islam durchsetze, welche z. B. einen Minderheitenschutz f\u00fcr Christen, Jesiden, Drusen und Alewiten nicht kenne. Dies verneinte der Referent mit dem Hinweis, dass das syrische Volk innerlich so stark sei, dass es dies zu verhindern wisse. Andere Diskussionsteilnehmer verwiesen auf die Stellungnahmen der christlichen Bisch\u00f6fe in Damaskus, welche die Not der belagerten Zivilbev\u00f6lkerung schilderten, die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen, die Beendigung der Bombardierungen und der K\u00e4mpfe forderten. Dies k\u00f6nne auch er unterschreiben, erkl\u00e4rte Sadiqu Al -Mousllie.<\/p>\n<p>Sektionsleiter Michael Trost und die zahlreichen Teilnehmer dankten dem Referenten f\u00fcr seinen engagierten Vortrag mit einem lang anhaltenden\u00c2\u00a0 Applaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Sektion Fulda der Gesellschaft f\u00fcr Sicherheitspolitik e.V. (GSP) hatte zu einem Vortrags- und Diskussionsabend in das Hotel J\u00e4gerhaus in Fulda-Bronnzell eingeladen. 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