{"id":154478,"date":"2016-08-29T08:34:47","date_gmt":"2016-08-29T06:34:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=154478"},"modified":"2016-08-29T08:34:47","modified_gmt":"2016-08-29T06:34:47","slug":"sommerreise-i-umweltministerin-priska-hinz-besuchte-pilotbetrieb-im-landkreis-fulda-biodiversitaet-und-landwirtschaft-potentiale-erkennen-und-produktionsintegriert-umsetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=154478","title":{"rendered":"Sommerreise I: Umweltministerin Priska Hinz besuchte Pilotbetrieb im Landkreis Fulda \u2013 \u201eBiodiversit\u00e4t und Landwirtschaft \u2013 Potentiale erkennen und produktionsintegriert umsetzen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Anl\u00e4sslich ihrer Sommerreise besuchte Umweltministerin Priska Hinz die landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft Schneider \/ Jest\u00e4dt in Kleinl\u00fcder im Landkreis Fulda. Ministerin Hinz \u00e4u\u00dferte sich positiv dar\u00fcber, \u201edass ein konventioneller Betrieb in der Biodiversit\u00e4ts-Beratung eine solch\u00c2\u00b4 wichtige Rolle einnimmt. Damit steht die LLH-Biodiversit\u00e4ts-Beratung f\u00fcr das Miteinander aller landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen.\u201c Andreas Sandh\u00e4ger, Direktor des LLH, zeigte sich sehr erfreut, dass \u201emit Betriebsleiter Dr. Marco Schneider ein leitender Mitarbeiter des Landesbetriebs Landwirtschaft die im Beratungsteam Pflanzenbau vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse unmittelbar in die Praxis umsetzt.\u201c Er erg\u00e4nzte, dass die Familien Schneider und Jest\u00e4dt mit gutem Beispiel als Pilotbetrieb im Rahmen der vom Land Hessen neu aufgelegten Biodiversit\u00e4ts-Beratung f\u00fcr landwirtschaftliche Betriebe voran gingen: \u201eIhr Vorbild findet hoffentlich viele Nachahmer. Auch k\u00f6nnen wir hier sehen, wie problemlos landwirtschaftliche Betriebe mit keinem bis geringem produktionstechnischen Aufwand und ohne finanzielle Einbu\u00dfen die Artenvielfalt vor Ort erh\u00f6hen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Vorbildrolle: LLH-Biodiversit\u00e4tsberatung f\u00fcr landwirtschaftliche und gartenbauliche Betriebe<br \/>\nMinisterin Hinz fand es nutzbringend, \u201edass mit der Beratung aus Mitteln des \u00d6koaktionsplans auch konventionelle Betriebe erreicht werden.\u201c Sie f\u00fchrte aus: \u201eEin Ziel unseres \u00d6koaktionsplans ist, die Landwirtinnen und Landwirte zu beraten, wie sie in ihren betrieblichen Abl\u00e4ufen auf den Erhalt und den Schutz der Biodiversit\u00e4t achten k\u00f6nnen.\u201c Daf\u00fcr brauche es Vorbilder wie in Kleinl\u00fcder. Denn: \u201eEinen positiven Beitrag zur Artenvielfalt k\u00f6nnen alle landwirtschaftlichen Betriebe leisten \u2013 egal ob sie konventionell oder \u00f6kologisch wirtschaften, denn die Beratung des LLH richtet sich an alle landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betriebe.\u201c<\/p>\n<p>Fazit: Win-Win<br \/>\n\u201eMit der landwirtschaftlichen Betriebsgemeinschaft Schneider \/ Jest\u00e4dt zeigt einer der ersten Pilotbetriebe, die sich am LLH-Beratungsprojekt Biodiversit\u00e4t in der Landwirtschaft beteiligen, dass eine gute und umfassende gesamtbetriebliche Planung zu einer erh\u00f6hten Artenvielfalt f\u00fchren kann\u201c, zeigte sich Sandh\u00e4ger \u00fcberzeugt. Es m\u00fcssen allerdings dabei die jeweiligen agrarumweltlichen Strukturen ber\u00fccksichtigt werden. Das Gie\u00dfkannenprinzip habe ausgedient. Er gratulierte Dr. Schneider und w\u00fcnschte auch weiterhin Erfolg f\u00fcr den durchl\u00e4ssigen Theorie-Praxis-Bezug.\u00e2\u20ac\u00a8Ministerin Hinz sah die Landesmittel sehr gut eingesetzt. \u201eIch begr\u00fc\u00dfe es umso mehr, als dass sich Betriebe wie die Betriebsgemeinschaft Schneider\/Jest\u00e4dt finden, die bereit sind, neue Ans\u00e4tze auszuprobieren, um andere an ihren Erfahrungen teilhaben zu lassen.\u201c Nicht zuletzt brauche es das Engagement aller, um die Vielfalt an Tieren und Pflanzen zu erhalten \u2013 dies war und ist f\u00fcr die hessische Umweltministerin sicher.<\/p>\n<p>Das Land Hessen f\u00f6rdert dieses Projekt mit rund 210.000 Euro f\u00fcr den Zeitraum von drei Jahren und stellt insgesamt eine Million Euro j\u00e4hrlich im \u00d6koaktionsplan zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Erfolgreiche und praktikable Praxisbeispiele<br \/>\nIn einer Feldrundfahrt wurde anhand von vier produktionsintegrierten Beispielen gezeigt, wie die Biodiversit\u00e4t vor Ort \u2013 unter den jeweiligen betriebsspezifischen Bedingungen \u2013 vom Landwirt relativ einfach und kostenneutral gef\u00f6rdert werden kann. Denn dies sind genau die Ziele der Landwirtschaftlichen Biodiversit\u00e4ts-Beratung des LLH wie Martina Behrens vom Beratungsteam Pflanzenbau im Laufe der Veranstaltung kompetent ausf\u00fchrte: \u201eEs geht um die Ber\u00fccksichtigung und Integration folgender Aspekte: naturschutzfachliche, betriebsorganisatorische und betriebswirtschaftliche. Dabei wollen wir zu praxistauglichen L\u00f6sungen kommen, die von den Betriebsleitern gut angenommen und umgesetzt werden k\u00f6nnen\u201c, verdeutlichte die Agrarwissenschaftlerin. \u201eDabei m\u00fcssen die Opportunit\u00e4tskosten der Biodiversit\u00e4tsf\u00f6rderung gering gehalten werden, um die Akzeptanz zu erlangen\u201c, veranschaulichte Dr. Schneider mit Blick auf die Landwirtschaftskollegen.<\/p>\n<p>Ackerecken bl\u00fchen auf<br \/>\nAn der ersten Station erl\u00e4uterten die beiden Experten unter welchen Bedingungen im Betrieb am besten zus\u00e4tzliche Bl\u00fchaspekte und Strukturen geschaffen werden k\u00f6nnen. Dabei diskutierten sie die Alternativen Bl\u00fchstreifen und -fl\u00e4chen vs. F\u00f6rderung von seltenen standorttypischen Ackerwildkr\u00e4utern. Die Praxis zeige, dass die Bewirtschaftung von Teilfl\u00e4chen mit geringer Bodeng\u00fcte oder ung\u00fcnstigem Zuschnitt aus betriebswirtschaftlicher Sicht wenig Sinn mache, so dass sich insbesondere hier die Anlage von Bl\u00fchfl\u00e4chen empfehle. Dabei beobachtete Dr. Schneider, dass sich vielf\u00e4ltige Bl\u00fchmischungen erfahrungsgem\u00e4\u00df als Insektenmagnet erwiesen \u2013 einen an dem Tag mit herrschendem Kaiserwetter besonders gut zu beobachtenden Effekt.<\/p>\n<p>Die Beratung unterst\u00fctze die erfolgreiche Etablierung der bl\u00fchenden Best\u00e4nde insbesondere mit Hinweisen zur Mischungsauswahl und Saatbettbereitung. Doch k\u00f6nnten Saatmischungen nicht als Ersatz f\u00fcr heimische Ackerwildkraut-Flora dienen. Hier empfehle sich ein Herbizid- und D\u00fcngeverzicht am Ackerrand, ggf. in Verbindung mit einem Management eventueller Problemgr\u00e4ser. Au\u00dferdem solle die h\u00f6here Wertigkeit mehrj\u00e4hriger Bl\u00fchmischungen Ber\u00fccksichtigung finden. Aus seiner Erfahrung biete sich f\u00fcr H\u00f6fe insofern der Naturschutz besonders gut auf denjenigen Fl\u00e4chen an, als sie eine vernachl\u00e4ssigbare Lage h\u00e4tten oder vom Ertrag eher uninteressant seien \u2013 nicht jedoch auf produktiver Gesamtfl\u00e4che. Jedoch m\u00fcsse die Kommunikation mit der unmittelbaren Umgebung st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung finden, beispielsweise wenn mehrj\u00e4hrige Bl\u00fchfl\u00e4chen in sp\u00e4teren Standjahren einen ungepflegten Eindruck erweckten. So k\u00f6nnten Informationstafeln \u00fcber den hohen Biotopwert der Fl\u00e4chen informieren, auch wenn kein f\u00fcr das menschliche Auge attraktiver Bl\u00fchaspekt mehr vorhanden sei.<\/p>\n<p>Es lebe das Rebhuhn \u2013 ein gesamtbetriebliches Konzept<br \/>\nDie zweite Station demonstrierte Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung spezieller Zielarten am Beispiel von Rebh\u00fchnern, denn: Eine Zielart als Sympathietr\u00e4ger auszuw\u00e4hlen stellt eine gro\u00dfe Chance f\u00fcr den Landwirt dar. Ein praxistaugliches, gesamtbetriebliches Konzept zur Unterst\u00fctzung der wenig mobilen Tiere m\u00fcsse zun\u00e4chst die artspezifischen Bed\u00fcrfnisse auf vergleichsweise engem Raum ber\u00fccksichtigen, so Biodiversit\u00e4tsberaterin Behrens. Dazu geh\u00f6rten beispielsweise Deckung zur Ruhe und zur Brut sowie offene Bereiche zum Aufw\u00e4rmen und ein ausreichendes Nahrungsangebot, insbesondere an Insekten f\u00fcr die Jungtiere.<br \/>\nAls Ma\u00dfnahmen w\u00e4hlte die Hofgemeinschaft eine Bl\u00fchfl\u00e4che mit spezieller Vegetationsstruktur aus. Diese wurde erg\u00e4nzt durch Schwarzbrachestreifen, unbefestigte Graswege und eine vielf\u00e4ltige Fruchtfolge mit zum Beispiel Kartoffeln und Ackerbohnen. Zusammen mit zahlreichen extensiven Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen ergebe sich so eine f\u00f6rderliche heterogene Vegetationsstruktur. Im Winterhalbjahr diene eine Hochschnitt-Stoppelbrache als Habitat.<\/p>\n<p>Dr. Schneider hob hervor, dass die hohe Fuchsdichte am Standort einer erfolgreichen F\u00f6rderung der Rebh\u00fchner entgegenstehe. Hier m\u00fcsse gemeinschaftlich und innovativ mit der \u00f6rtlichen Jagdgenossenschaft kooperiert werden. Als Landwirt bekannte er sich dazu, dass f\u00fcr ihn Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung einer bestimmten Zielart vorwiegend aus pers\u00f6nlicher \u00dcberzeugung erfolgen m\u00fcssten und \u201enicht so sehr die staatliche F\u00f6rderung zur Kompensation im Vordergrund steht.\u201c<\/p>\n<p>Gr\u00fcnland ist nicht gleich Gr\u00fcnland<br \/>\nWie k\u00f6nnen konkurrierende Anspr\u00fcche von Futterproduktion einerseits und F\u00f6rderung der Biodiversit\u00e4t andererseits zeitgleich realisiert werden? \u2013 dieser Frage gingen Biodiversit\u00e4tsberaterin Martina Behrens und Dr. Richard Neff, stellvertretender Leiter des LLH Fachgebietes Futterbau und Gr\u00fcnland, an der dritten Station nach. Da der Betrieb bereit ist, geringwertigere Fl\u00e4chen im Sinne des Naturschutzes zur Verf\u00fcgung zu stellen, finde sich ein vielf\u00e4ltiges Nutzungsmosaik. Feuchte Senken und trockene Kuppen b\u00f6ten Lebensr\u00e4ume auch f\u00fcr spezialisierte Arten. Ein sp\u00e4ter Schnitt und verl\u00e4ngerte Mahdintervalle erm\u00f6glichten es Insekten, Feldhasen oder bodenbr\u00fctenden V\u00f6geln, sich erfolgreich fortzupflanzen. Eine angepasste D\u00fcngung f\u00f6rdere die Ausbildung einer vielf\u00e4ltigen Vegetation. Jedoch w\u00fcrde die \u201eKuh nicht von Blumen satt\u201c. Neff wies darauf hin, dass es vielf\u00e4ltige Zusammenh\u00e4nge zwischen Gr\u00fcnlandnutzung, Bestandesentwicklung und Futterqualit\u00e4t gebe. Eingeschr\u00e4nkte Futterverwertbarkeiten k\u00f6nnten in Hessen im Rahmen von Agrarumweltma\u00dfnahmen (HALM: Hessisches Programm f\u00fcr Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung einer besonders nachhaltigen Landbewirtschaftung) ausgeglichen werden. Dr. Schneider sieht sich bei den gef\u00f6rderten Fl\u00e4chen vor der Herausforderung sicherzustellen, dass alle Bewirtschafter die Auflagen kennen w\u00fcrden und somit keine Bewirtschaftungsfehler passierten. \u201eDie Extensivierung erreicht ihre Grenze, wenn das Futter im Betrieb nicht mehr verwendet werden kann. Ein besonderes Augenmerk erfordern in diesem Zusammenhang die k\u00fcnftigen, ver\u00e4nderten Rahmenbedingungen f\u00fcr Milchviehhalter in Verbindung mit der Entwicklung der Gr\u00fcnlandfl\u00e4chen in der Region\u201c, so der Experte.<\/p>\n<p>Bodenbearbeitung: Ein \u201esowohl-als-auch\u201c, kein \u201eentweder-oder\u201c<br \/>\nNicht nur die Nachahmung traditioneller Wirtschaftsweisen, sondern auch der Einsatz moderner Technologien kann zur F\u00f6rderung der biologischen Vielfalt im landwirtschaftlichen Betrieb beitragen. An der letzten Station demonstrierten Walter Zerr und Dr. Fabian Jacobi, ehemaliger und derzeitiger Leiter des Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (Bad Hersfeld), wie sich unterschiedliche Bearbeitungsverfahren auf das Bodenleben auswirken. Insbesondere konservierende Bodenbearbeitungsmethoden, wie beispielsweise das Strip-Till-Verfahren f\u00fcr Mais, zeigten einen deutlich positiven Effekt auf bodenbiologische Parameter. Der F\u00f6rderung einer vielf\u00e4ltigen Bodenz\u00f6nose (Moose, Pilze, Mikroorganismen, Pflanzen und Tiere) erbringe auch einen direkten Nutzen f\u00fcr die Landwirtschaft, indem wichtige Funktionen wie die Speicherung und Bereitstellung von Wasser und N\u00e4hrstoffen gew\u00e4hrleistet werde. F\u00fcr den Landwirt Dr. Schneider ein doppelter Nutzen: Es k\u00f6nnen zus\u00e4tzlich Arbeitskosten eingespart und witterungsbedingte Ertragsrisiken sowie Bodenerosion vermindert und somit Gew\u00e4sser gesch\u00fctzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Anl\u00e4sslich ihrer Sommerreise besuchte Umweltministerin Priska Hinz die landwirtschaftliche Betriebsgemeinschaft Schneider \/ Jest\u00e4dt in Kleinl\u00fcder im Landkreis Fulda. Ministerin Hinz \u00e4u\u00dferte sich positiv dar\u00fcber, \u201edass ein konventioneller Betrieb in der Biodiversit\u00e4ts-Beratung eine solch\u00c2\u00b4 wichtige Rolle einnimmt. 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