{"id":152144,"date":"2016-06-13T20:22:47","date_gmt":"2016-06-13T18:22:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=152144"},"modified":"2016-06-13T20:22:47","modified_gmt":"2016-06-13T18:22:47","slug":"projekt-des-biosphaerenreservats-rhoen-gemeinsam-mit-dem-botanischen-garten-frankfurt-zum-erhalt-einer-seltenen-pflanzenart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=152144","title":{"rendered":"Projekt des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n gemeinsam mit dem Botanischen Garten Frankfurt zum Erhalt einer seltenen Pflanzenart"},"content":{"rendered":"<p>Dass Birkh\u00fchner in die Rh\u00f6n gebracht werden, um die hiesige Population zu erhalten, ist bekannt. Nun wurden, ebenfalls zur St\u00e4rkung des heimischen Bestands, 200 Sumpf-Fetthennen angesiedelt. Anders als der Name vermuten l\u00e4sst, handelt es sich dabei nicht um Gefl\u00fcgel, sondern um Gew\u00e4chse, deren Samen seit 2009 im Botanischen Garten Frankfurt vermehrt und kultiviert werden.<\/p>\n<p>\u201eDas ist alles?\u201c, fragt der Ehrenberger B\u00fcrgermeister Thomas Schreiner mit gespielter Entt\u00e4uschung, als Biologe Uwe Barth den Kofferraumdeckel seines Autos \u00f6ffnet und vier Plastikschalen mit einem unscheinbaren, kaum zehn Zentimeter hohen Kraut zum Vorschein kommen. Und doch handelt es sich bei der winzigen Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Sedum villosum um eine der Top-Rarit\u00e4ten im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n (BRR). Denn in Deutschland gilt die Sumpf-Fetthenne als nahezu ausgestorben; lediglich im S\u00fcd-Schwarzwald und auf den Berghutungen im Ulstertal gibt es noch Relikte.<\/p>\n<p>Bereits 2012 hatte Barth \u2013 auf Anregung der Botanischen Vereinigung f\u00fcr Naturschutz in Hessen \u2013 in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten Frankfurt, dem BRR und der Gemeinde Ehrenberg auf sechs verschiedenen Wiesen Sumpf-Fetthennen gepflanzt. \u00dcberdauert hat einzig die Population auf der Seifertser Hute, die deshalb als Standort f\u00fcr die aktuelle Pflanzung wieder ausgew\u00e4hlt wurde. Was zum Untergang der anderen Best\u00e4nde gef\u00fchrt hat, kann auch der Experte blo\u00df vermuten: \u201eDie Samen sind nach der Bl\u00fctezeit nur f\u00fcr ganz kurze Zeit keimf\u00e4hig. Ist es dann gerade sehr trocken, gehen sie nicht auf. Ist es dagegen zu feucht, wachsen die umstehenden Gr\u00e4ser \u00fcberm\u00e4\u00dfig und ersticken die Sumpf-Fetthenne.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-152152\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1-265x398.jpg\" alt=\"314-Fetthenne 1\" width=\"265\" height=\"398\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1-265x398.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1-177x265.jpg 177w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1-768x1153.jpg 768w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1-400x600.jpg 400w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/314-Fetthenne-1.jpg 900w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Das im Grunde nicht besonders anspruchsvolle Kraut ben\u00f6tigt offene Bodenstellen, wie sie durch Trittl\u00f6cher von Rinderhufen auf feuchten Weiden immer wieder hervorgerufen werden. Doch damit stehen die Bed\u00fcrfnisse der Pflanzen den Interessen der meisten Wiesenbesitzer entgegen.\u00c2\u00a0 \u201eViele Feuchtwiesen wurden trockengelegt, Trittsch\u00e4den s\u00e4en Landwirte rasch nach, damit sich kein Unkraut durchsetzt\u201c, erl\u00e4utert Barth. Er und Martin Kremer vom Biosph\u00e4renreservat sind froh, dass es in Gemeinden wie Ehrenberg noch Gemeinschaftsweiden mit gro\u00dfen Viehherden gibt, die wie fr\u00fcher extensiv bewirtschaftet werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr die insgesamt 70 Hektar Gemeinschaftshutung, zu denen die Seifertser Hute geh\u00f6rt, ist Weidewart Ralf Schmitt zust\u00e4ndig. Er muss wegen der angesiedelten Sumpf-Fetthennen keinerlei Einschr\u00e4nkungen in Kauf nehmen. Fr\u00fcher noch seien die Vorkommen der seltenen Pflanze umst\u00e4ndlich ausgez\u00e4unt worden, bis die Erfahrung gezeigt habe, dass f\u00fcr die Sumpf-Fetthenne die Gemeinschaft mit dem Vieh genauso lebensnotwendig sei wie ein feuchter Untergrund.<\/p>\n<p>Wenn der laufende LIFE-Antrag zum Hessischen Berggr\u00fcnland genehmigt wird, k\u00f6nnten die Wiedervern\u00e4ssung extensiv genutzter Fl\u00e4chen gef\u00f6rdert und so bessere Lebensbedingungen f\u00fcr die Sumpf-Fetthenne geschaffen werden. Auch andere seltene Arten wie Wollgras, Sumpfblutauge oder Moor-Klee w\u00fcrden davon profitieren.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Pflanzaktion der erfolgte im Rahmen eines sogenannten Ex-situ-Projekts des Botanischen Gartens Frankfurts. Dieses sieht vor, insgesamt 15 seltene Pflanzenarten, f\u00fcr die das Land Hessen eine besondere Verantwortung tr\u00e4gt, g\u00e4rtnerisch zu vermehren und sp\u00e4ter wieder am nat\u00fcrlichen Standort auszubringen. Finanziert wird das 2014 gestartete Projekt von der KfW-Stiftung. Die Erfolgskontrolle f\u00fcr die Sumpf-Fetthenne, auch Dr\u00fcsige oder Haarige Fetthenne genannt, \u00fcbernimmt das Netzwerk Rh\u00f6nbotanik mit seinen \u00fcber 50 ehrenamtlichen Helfern unter Leitung von Uwe Barth. Der Rh\u00f6nbotaniker war es auch, der f\u00fcr den Botanischen Garten das Saatgut f\u00fcr die Sumpf-Fetthenne auf Steinkopf, Stirn- und Mathesberg gesammelt hat.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall herrschen bei der Pflanzung erfolgversprechende Bedingungen: Es regnete, w\u00e4hrend Uwe Barth, Martin Kremer und Johannes M\u00e4rkert, Praktikant beim BRR, mit den 200 Pfl\u00e4nzchen durch den Morast stapften. M\u00f6glicherweise zeigen die ersten Neuzug\u00e4nge bereits in einigen Tagen ihre blassrosa Bl\u00fcten, w\u00e4hrend die im Rh\u00f6ner Klima gewachsenen Haarigen Fetthennen wohl etwas sp\u00e4ter bl\u00fchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Dass Birkh\u00fchner in die Rh\u00f6n gebracht werden, um die hiesige Population zu erhalten, ist bekannt. Nun wurden, ebenfalls zur St\u00e4rkung des heimischen Bestands, 200 Sumpf-Fetthennen angesiedelt. 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