{"id":152056,"date":"2016-06-09T07:42:02","date_gmt":"2016-06-09T05:42:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=152056"},"modified":"2016-06-09T07:42:02","modified_gmt":"2016-06-09T05:42:02","slug":"traditioneller-priestertag-im-hotel-maritim-pastoraltheologe-pater-sievernich-sj-sprach-vor-170-geistlichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=152056","title":{"rendered":"Traditioneller Priestertag im Hotel Maritim\u2013Pastoraltheologe Pater Sievernich SJ sprach vor 170 Geistlichen"},"content":{"rendered":"<p>Die Zahl der Gl\u00e4ubigen in der katholischen Kirche sei kleiner geworden und werde es in Zukunft noch deutlicher werden, w\u00e4hrend die Belastungen zun\u00e4hmen und der Einfluss zur\u00fcckgehe, unterstrich Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch im Fuldaer Dom. Der Bischof dankte den rund 170 Priestern und Diakonen f\u00fcr ihre Bereitschaft, Jesus Christus zu suchen und in ihrer Mitte wohnen zu lassen. Immer wieder n\u00e4hmen sie die Menschen wieder zu dieser Mitte mit. Nur Priester, in deren Leben Jesus Christus die Mitte sei, k\u00f6nnten in der heutigen Zeit dazu beitragen, dass die Kirche missionarisch sei. Die Kraft \u00fcberzeugender Menschen bleibe nach wie vor von vielen ersehnt und gesucht.<\/p>\n<p>\u201eJesus Christus muss unbedingt die Mitte unseres priesterlichen Lebens sein. In persona Christi capitis handeln k\u00f6nnen wir glaubw\u00fcrdig nur, wenn wir aus der Mitte der Begegnung mit Christus leben und bereit sind, mit ihm in der Mitte der Menschen zu wohnen, um sie in ihren Herzen zu ber\u00fchren\u201c, so der Bischof. Nichts sei schlimmer in der Kirche als \u201elaue, graue und kraftlose Mittelm\u00e4\u00dfigkeit\u201c, was insbesondere f\u00fcr die Amtstr\u00e4ger gelte. \u201eDie Mitte unseres Glaubens ist kein kleinster gemeinsamer Nenner, den irgendwie die meisten noch mitmachen k\u00f6nnten, sondern eine F\u00fclle, die es immer neu zu ermessen gilt\u201c, betonte der Oberhirte. Vor allem in der Hl. Eucharistie versammle der Priester die Menschen zur Mitte und lasse Christus in ihr Innerstes gelangen; im Bu\u00dfsakrament trage er dazu bei, dass Menschen mit sich und Gott ins Reine k\u00e4men; in der Krankensalbung schenke er wie Jesus den Kranken Aufrichtung und Heil.<\/p>\n<p>Priestertag im Maritim<br \/>\nGeneralvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke begr\u00fc\u00dfte im Anschluss im Maritim die diesj\u00e4hrigen Jubilare unter den Geistlichen sowie die Missionare, neugeweihten Priester und Diakone und Ruhest\u00e4ndler. Er gedachte sodann der im vergangenen Jahr verstorbenen Geistlichen. Stanke betonte, der seelsorgliche Einsatz der Geistlichen sei manchmal erm\u00fcdend und fordere angesichts der Ver\u00e4nderungen dieser Zeit immer neu die Bereitschaft, sich auf Neues einzustellen. \u201eAber ich hoffe, das hei\u00dft ich bin auch \u00fcberzeugt, dass Sie in Ihrem Dienst auch viel Positives erleben in der Begegnung mit den Menschen, immer wieder auch die Best\u00e4tigung, dass Ihr priesterlicher Einsatz von den Menschen Ihrer Pfarrgemeinde oder Ihren Pfarrgemeinden gesch\u00e4tzt wird.\u201c<\/p>\n<p>Vortrag \u00fcber Spiritualit\u00e4t, Stil und Programm von Papst Franziskus<br \/>\nPater Prof. Dr. Michael Sievernich SJ sprach in seinem anschlie\u00dfenden Festvortrag \u00fcber \u201eDas Pontifikat von Papst Franziskus. Spiritualit\u00e4t \u2013 Stil \u2013 Programm\u201c. Franziskus\u00ca\u00be neues Schreiben Amoris laetitia zu Ehe und Familie sei in einem einladenden Sprachstil geschrieben, der die seelsorglichen M\u00f6glichkeiten im Geist der Barmherzigkeit aussch\u00f6pfe. \u201eDer Papst \u00e4ndert keine einzige Lehre, aber sein neuer Ton macht die Musik\u201c, betonte der Referent. \u201eEr spricht die Sprache der Anerkennung, der Barmherzigkeit und der Caritas.\u201c Die geistlichen und ethischen Impulse aus christlicher Inspiration \u201egeben uns allen zu denken und zu danken, auch den religi\u00f6s Unmusikalischen.\u201c Der Papst verwende das jesuitische Kriterium der \u201eUnterscheidung der Geister\u201c. In diesem Zusammenhang habe bereits Papst Johannes Paul II. die W\u00fcrde der Gewissensentscheidung des Menschen hervorgehoben.<\/p>\n<p>Der Jesuit Sievernich, der den heutigen Papst seit \u00fcber 30 Jahren kennt und im letzten Herbst das Buch \u201ePapst Franziskus \u2013 Texte, die ihn pr\u00e4gten\u201c herausgegeben hat, stellt ein weltweit gestiegenes Interesse an dem aus Lateinamerika stammenden Nachfolger des hl. Petrus fest. Erstmals sei ein Jesuit Papst geworden, der zudem noch als erster den Namen des hl. Franz von Assisi angenommen habe. Die Katholische Kirche, mit 1,3 Milliarden Gl\u00e4ubigen weltweit die gr\u00f6\u00dfte Glaubensgemeinschaft (17,5 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung), nehme zwar in Deutschland aus demographischen Gr\u00fcnden ab, wachse aber sonst auf den anderen Kontinenten, wobei Amerika 49 Prozent ausmache.<\/p>\n<p>Der soziale Katholizismus sei in der Heimat des Heiligen Vaters stark ausgepr\u00e4gt \u2013 die \u201eOption f\u00fcr die Armen\u201c, die Anerkennung des armen, gl\u00e4ubigen Volkes, sei dort eine Grundhaltung der Kirche. So spiele die Volksfr\u00f6mmigkeit als die Weisheit des Volkes mit ihrer besonderen Verehrung des Leidens Jesu Christi und der hl. Jungfrau Maria f\u00fcr den Papst eine besondere Rolle. Dabei tr\u00fcgen sein einfacher Stil in der Kommunikation und seine N\u00e4he zu den Menschen zur Erdung seines hohen Amtes bei. Auf lange Beratung folge kurze Entscheidung, und die Kurie werde in Richtung Dienstleistung an den Menschen umstrukturiert. Diesem neuen F\u00fchrungsstil des Papstes entsprechend gehe es ihm um Spiritualit\u00e4t, Aufbruch und \u00d6kumene.<\/p>\n<p>\u201eIn der p\u00e4pstlichen Programmatik, die mit der kirchlichen Reformagenda innerlich zusammenh\u00e4ngt, stehen oben auf der Tagesordnung globale soziale Fragen wie Armut, Gerechtigkeit, Migration, Frieden, Umwelt\u201c, fuhr Pater Sievernich fort. Das Verh\u00e4ltnis von Glaube und Gerechtigkeit sei ein zentrales Anliegen von Papst Franziskus, der gegen eine \u201eGlobalisierung der Gleichg\u00fcltigkeit\u201c k\u00e4mpfe. Die spirituelle und soziale Programmatik verkn\u00fcpfe der Heilige Vater in seinem Schreiben Evangelii gaudium (2013). Die Sorge um die \u00d6kologie mit den Problemen Klimawandel, Armut und Ungleichheit besch\u00e4ftige ihn in seiner Enzyklika Laudato si\u00ca\u00be (2015), und die Realit\u00e4t der Familie, ins \u201eLicht der Liebe getaucht\u201c, r\u00fccke mit einer \u201eLogik der pastoralen Barmherzigkeit\u201c in dem diesj\u00e4hrigen Schreiben Amoris laetitia in den Blick.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Zahl der Gl\u00e4ubigen in der katholischen Kirche sei kleiner geworden und werde es in Zukunft noch deutlicher werden, w\u00e4hrend die Belastungen zun\u00e4hmen und der Einfluss zur\u00fcckgehe, unterstrich Bischof Heinz Josef Algermissen am Mittwoch im Fuldaer Dom. 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