{"id":151489,"date":"2016-05-23T19:03:27","date_gmt":"2016-05-23T17:03:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=151489"},"modified":"2016-05-23T19:03:27","modified_gmt":"2016-05-23T17:03:27","slug":"zur-urauffuehrung-der-neufassung-das-antlitz-des-stephanus-von-inga-storck-schnabel-im-kulturkeller-fulda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=151489","title":{"rendered":"Zur Urauff\u00fchrung der Neufassung \u201eDas Antlitz des Stephanus\u201c von Inga Storck-Schnabel im Kulturkeller Fulda"},"content":{"rendered":"<p>Auf die Initiative des Benediktinerm\u00f6nchs Nikodemus Schnabel (OSB), der eigens f\u00fcr die Auff\u00fchrung angereist war, und des Schirmherren Wolfgang Schmidt (Propst der Erl\u00f6serkirche in Jerusalem) konnte mit dieser Auff\u00fchrung ein Krankenhaus im Gazastreifen unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p>Zacharias (Stephan Plur), ein angesehener Maler aus Tarsus, f\u00e4llt tief getroffen nach dem Anschauen des Bildes \u201eDas Antlitz des Stephanus\u201c in eine Sprachlosigkeit und K\u00e4lte, die er erst verliert, als Stephania (Petra Kling) in ihrer gro\u00dfen Herzensw\u00e4rme mit ihm spricht. Zacharias Kunstwerke haben Marktwert, man kennt ihn in Tarsus, bewundert ihn. Alles in seinem Leben scheint in Ordnung zu sein. Nun der steile Absturz in eine Depression &#8211; warum? Er hatte in das Werk eines armen, verfolgten und gefolterten Malers Antonius, der in einer unw\u00fcrdigen Behausung lebt, hineingeschaut. Es ist ein gnadenvoll vollendetes Werk, das \u00fcber jedes technische K\u00f6nnnen hinausstrahlt. In dem Bild liegt die gro\u00dfe Sehnsucht im \u201eStephanushimmel\u201c. Alles Zweckgebundene, Marktorientierte, was Zacharias so liebte, fand jetzt keinen Raum mehr. Ein Licht umstrahlt diesen Stephanushimmel, wodurch der Betrachter geblendet wird. In Zacharias kommt alles in Bewegung, aber er kann nicht mehr malen. Er ist wie gel\u00e4hmt, ihm ist kalt. Stephan Plur spielte den Maler Zacharias in allen Schattierungen seiner Empfindungen: Sprachlosigkeit, Verwirrung, Schock, Hilfe rufend in seiner Einsamkeit und K\u00e4lte.<\/p>\n<p>Seine Mutter (Monika Kling), die nur eines im Auge hatte, sieben Tage die Hochzeit ihrer Tochter Judit w\u00fcrdevoll zu feiern, versteht ihren Sohn nicht mehr. Die gro\u00dfe Anh\u00e4ufung an Arbeit und Organisation f\u00fcr dieses gro\u00dfe Fest, den Hang zur Perfektion, wo alle mit eingespannt werden, haben keine Wirkung mehr auf ihren verwirrten Sohn. Ihre Anspr\u00fcche zur Ausf\u00fchrung der Hochzeit sind \u00fcber die Ma\u00dfe gro\u00df angesetzt worden, so dass sie mit Unzufriedenheit reagiert und auf ihren Sohn \u00fcbertr\u00e4gt. Auch sie f\u00e4llt wie Zacharias in eine Gef\u00fchlswelt, die sie nicht kennt, als ihre Tochter (Braut Judit) am Hochzeitstag mit ihrem letzten St\u00fcck ihrer Hochzeitstorte zu ihrer Freundin Sara eilt, um ein Versprechen einzuhalten. Sie l\u00e4sst ihre Mutter hilflos allein. Es ist bewundernswert wie Monika Kling diesen Bruch in ihrer Empfindungswelt nach au\u00dfen bringen kann. Es ist keine Abenteuerlust, wenn Judit Hals \u00fcber Kopf zu ihrer besten Freundin Sara eilt. Es ist wahre Herzensliebe, eine Freundschaft. Die \u00fcbersteigerte Sorge um ihr Kind l\u00e4sst die Mutter vor Ersch\u00f6pfung einschlafen. Sie tr\u00e4umt von ihrem Kind, die in der verschiedenen Gestaltung der Liebe in ihren Tr\u00e4umen auftaucht. Sehr zart und von dem Geist der Liebe erf\u00fcllt spielt, tanzt und singt mit einer gro\u00dfen Verzauberung Beate Lamohr drei Performances. Die Liebe in ihrer absoluten Gewaltlosigkeit schafft sich auf der B\u00fchne Raum. Ihre \u00fcbergro\u00dfe Sehnsucht zum Geliebten, zum Br\u00e4utigam, erhellt ihr Herz, so wie das Bild des \u201eStephanushimmel\u201c.<\/p>\n<p>Und dann gibt es noch eine wahre Heldin \u2013 Stephania (Petra Kling), die Frau des Malers Antonius, der das Bild des mystischen Himmels mit dem Abglanz der Entbehrungen und den Spuren der Folterungen gemalt hat. Die Liebe in dieser Nazor\u00e4erin hatte ein Gesicht bekommen. In ihrer liebenden Hingabe schreitet sie mutig vorw\u00e4rts bis zur grausamen Folterung, wo sie vorher noch Zacharias tr\u00f6stet, mutig f\u00fcr die ganze Familie zur Bettlerin wird und das Lebenszeichen der Judit \u00fcbermittelt. Petra Kling spielt diese Liebende in tiefer Friedenshoffnung und Verinnerlichung. Auch als T\u00e4nzerin \u00fcberzeugt Petra Kling in den Performances \u201eM\u00fctter im Alten Bund\u201c, die das Zittern und Weinen der M\u00fctter um ihre verfolgten und ermordeten\u00c2\u00a0 Kinder, die vergessene Trauer um diese kostbaren Kinder in ihrer Gestaltung gedenkt, lassen eine neue Form von Trauerarbeit Wirklichkeit werden.<\/p>\n<p>Inga Storck-Schnabel (Regisseurin und Autorin) f\u00fcgte Sprache, Fl\u00f6tenspiel (Johanna Stadelmann), Psalmengesang (Reinhard Germann), Gesang (Rodrigue Ehrnsberger), Lichtmodulation (Andreas Schnell) und Bibelworte (Msgr. Stefan Bu\u00df) zu einem Farbenklang und Raumerlebnis behutsam zusammen, so dass der Gew\u00f6lbekeller des alten Jesuitengeb\u00e4udes zu einer eigenen Wesenstiefe sich \u00f6ffnete.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Auf die Initiative des Benediktinerm\u00f6nchs Nikodemus Schnabel (OSB), der eigens f\u00fcr die Auff\u00fchrung angereist war, und des Schirmherren Wolfgang Schmidt (Propst der Erl\u00f6serkirche in Jerusalem) konnte mit dieser Auff\u00fchrung ein Krankenhaus im Gazastreifen unterst\u00fctzt werden. 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