{"id":151399,"date":"2016-05-22T09:49:06","date_gmt":"2016-05-22T07:49:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=151399"},"modified":"2016-05-31T08:36:28","modified_gmt":"2016-05-31T06:36:28","slug":"kunst-und-kirche-getanzte-vesper-verkuendet-die-pfingstbotschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=151399","title":{"rendered":"Kunst und Kirche \u2013    \u201eGetanzte Vesper\u201c verk\u00fcndet die Pfingstbotschaft"},"content":{"rendered":"<p>Am Pfingstwochenende fand in der Fuldaer Stadtpfarrkirche eine \u201egetanzte Vesper\u201c statt, an der \u00fcber 200 Besucher teilnahmen. Unter dem Leitwort \u201cAus dir str\u00f6mt Leben, Licht und Glut\u00e2\u20ac\u009d wurde das liturgische Abendgebet der Kirche gestaltet, in das Musik, Sprache, Tanz und Licht einflossen. Idee und Konzept entwickelte die T\u00e4nzerin und Choreographin Doroth\u00e9e Bretz aus Fulda, die zusammen mit den T\u00e4nzerinnen Laila Clematide aus D\u00fcsseldorf und Verena Piwonka aus Kassel die darstellerischen Parts \u00fcbernahm. Die musikalische Gestaltung \u00fcbernahmen Prof. Hans-J\u00fcrgen Kaiser (Orgel), Olaf Pyras (Schlagwerk) und Gudrun Stute (Gesang). Das Lichtdesign kreierte Benedikt Kaiser. \u201eEine klare Liturgie, gef\u00fcllt durch diese Elemente von Musik, Licht und Tanz nehmen uns mit hinein in das Pfingstgeschehen\u201c, erl\u00e4uterte Dechant Stefan Bu\u00df aus Fulda, der diesem besonderen Vespergebet vorstand.<\/p>\n<p>Zum Klang von Plattenglocken riefen die Mitwirkenden zun\u00e4chst au\u00dferhalb des Kirchengeb\u00e4udes Menschen auf, sich ihnen f\u00fcr diese au\u00dfergew\u00f6hnliche, k\u00fcnstlerisch gestaltete Gebetszeit anzuschlie\u00dfen. Sie trugen den Klang sodann weiter in den Kirchenraum und brachten diesen zum Schwingen. Zu zarten Kl\u00e4ngen des Vibraphons bewegten sich die T\u00e4nzerinnen gleich einem st\u00e4rker werdenden Wind durch den Mittelgang nach vorne und entfachten vor dem Altar mit z\u00fcngelnden Armbewegungen ein lebendiges Feuer, das durch den Einsatz von Licht noch verst\u00e4rkt wurde. Nach der feierlichen Er\u00f6ffnung des Priesters interpretierten die T\u00e4nzerinnen Bretz, Clematide und Piwonka den zun\u00e4chst lateinisch vorgesungenen Hymnus, die Pfingstsequenz, in harmonische, leicht schwingende und flie\u00dfende Formationen, um der Sammlung Raum zu geben.<\/p>\n<p>Einen ersten H\u00f6hepunkt bot der von L. Clematide choreographierte und getanzte Psalm 147, in dem ein Kleid mit meterlanger Schleppe sowohl Last, aber auch Anker versinnbildlicht. Die verschiedenen von Gudrun Stute rezitierten Bilder wurden theatralisch umgesetzt und vom Schlagwerk eindringlich und dramatisch einf\u00fchlsam untermalt.<\/p>\n<p>Als 5 Flammen begeisterten die M\u00e4dchen der F\u00f6rderklasse f\u00fcr zeitgen\u00f6ssischen Tanz mit einer quirligen und variationsreichen Choreographie zur Toccata \u00fcber Maurice Durufl\u00e9 \u2013 Veni creator &#8211; und den \u201etongues of fire\u201c aus der Pfingstmesse von Olivier Messiaen. Als Gesamtgruppe, sowie in kleinen Duetten und Soli trugen die jungen K\u00fcnstlerinnen das Feuer zu den Gottesdienstbesuchern und lie\u00dfen so das eigentliche Pfingstereignis t\u00e4nzerisch anschaulich erfahrbar werden.<\/p>\n<p>Ein weiterer H\u00f6hepunkt folgte nach der Schriftlesung mit einer Betrachtung zur Musik von Petr Eben f\u00fcr Schlagwerk und Orgel. Unter dem Titel \u00c2\u00b4Sprachenwunder\u00c2\u00b4 etablierten die drei T\u00e4nzerinnen, zun\u00e4chst r\u00e4umlich voneinander isoliert, ihre eigene Bewegungssprache \u2013 aber sie k\u00f6nnen sich nicht gegenseitig verstehen. Erst beim Einsatz der Glocken (von den M\u00e4dchen der F\u00f6rderklasse angeschlagen) geschieht das Wunder des heiligen Geistes und gemeinsame Kommunikation wird m\u00f6glich. Die T\u00e4nzerinnen nutzten abstrakte Bewegungsmotive und dynamische Wechsel, um dieses Ereignis lebendig werden zu lassen.<\/p>\n<p>Im Responsorium wurde der weite Kirchenraum mit klingenden Steinen akustisch befragt. Der Wechselgesang zwischen Vorspielern und Gemeinde lie\u00df eine akustische Welle aus Steinkl\u00e4ngen durch den Raum schwingen und umgab einen jeden mit feinem Brausen.<\/p>\n<p>Den Lobpreis Mariens im Magnifikat zu Johann Sebastian Bachs \u00c2\u00b4Et exultavit\u00c2\u00b4 machte Verena Pivonka mit einem selbstchoreographierten Solo zu einer Augenweide. Luftig und verspielt setzt sie die von Gudrun Stute einf\u00fchlsam und brillant gesungenen musikalischen Motive um, die durch h\u00e4ufiges Wechseln der Ebenen eine Frische und Lebendigkeit widerspiegeln.<\/p>\n<p>Ein Duett, vorgetragen und choreographiert von Doroth\u00e9e Bretz und Laila Clematide lie\u00df den Weihrauch der F\u00fcrbitte zum Himmel emporsteigen. Ein st\u00e4ndiges vereinen und wieder l\u00f6sen, ruhen und wieder ineinander wirbeln, l\u00e4sst den inneren Blick gen Himmel wandern, Ver\u00e4nderndes und Wiederkehrendes, mit der Ewigkeit verschmelzen.<\/p>\n<p>Domorganist Prof.\u00c2\u00a0Hans-J\u00fcrgen Kaiser trug nicht nur als Begleiter sondern auch als Solist und wesentlich durch seine Improvisationen zum Gelingen des Programmes bei. Diese aus dem Stehgreif auf die jeweilige Situation hin entwickelten musikalischen Gedanken, passten sehr gut zur Dynamik der T\u00e4nzer. Gerade die unterschiedliche Begleitung der Lieder, sei es in der Begleitung der Vors\u00e4ngerin oder der Gemeinde, die auch zum Mitsingen eingeladen war, geben bei solchen Veranstaltungen eine besondere, nur dem Augenblick geschuldete\u00c2\u00a0Akzentuierung.<\/p>\n<p>Den Auszug gestalteten die 7 T\u00e4nzerinnen, ebenso wie den Einzug, wieder gemeinsam. In vier Standbildern, in die sich jede individuell einbaut, wird ein Ausblick auf die Kirche dargestellt, in der jede charismatische Gabe z\u00e4hlt und so das Ganze gebaut wird und symbolisiert. Die kleine \u201eTaube\u201c in der Abschlusshebung, ein bildhaftes Zeichen f\u00fcr den heiligen Geist, schwebt mit aus dem Raum: die Kirche ist berufen hinaus zu gehen.<\/p>\n<p>Begeistert und ber\u00fchrt zeigten sich die Besucher der Vesper von den Anregungen zu Gedanken und Gebet am Pfingstfest durch die Darbietungen der T\u00e4nzerinnen sowie der Musiker und dem Gesang. Besonders beeindruckte auch das Farbenspiel, in das die Stadtpfarrkirche w\u00e4hrend des Gottesdienstes von Benjamin Kaiser getaucht wurde.<\/p>\n<p>Der Referent f\u00fcr Neuevangelisierung im Seelsorgeamt des Bisch\u00f6flichen Generalvikariats und Mitinitiator des Projektes Thomas Bretz beschreibt: \u201eDie Kunst ist f\u00e4hig, das Bed\u00fcrfnis des Menschen, \u00fcber das Sichtbare hinauszugehen, zum Ausdruck zu bringen und sichtbar zu machen. Sie kann zu Gebet und Reflexion einladen, was wir gerade auch heute Abend an den vielen Reaktionen von kunst- und kulturinteressierten Besuchern erlebt haben. Das Vespergebet korrespondierte so in seiner Gestaltung hervorragend mit den Erwartungen und M\u00f6glichkeiten der Teilnehmenden, auch derer, die zum ersten Mal dieses Gebet der Kirche mitfeierten.\u201c Eine \u00c2\u00b4getanzte Adventsvesper\u00c2\u00b4 wird es in diesem Jahr in Kassel und in Marburg geben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Am Pfingstwochenende fand in der Fuldaer Stadtpfarrkirche eine \u201egetanzte Vesper\u201c statt, an der \u00fcber 200 Besucher teilnahmen. Unter dem Leitwort \u201cAus dir str\u00f6mt Leben, Licht und Glut\u00e2\u20ac\u009d wurde das liturgische Abendgebet der Kirche gestaltet, in das Musik, Sprache, Tanz und Licht einflossen. 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