{"id":150212,"date":"2016-04-15T07:41:45","date_gmt":"2016-04-15T05:41:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=150212"},"modified":"2016-04-15T07:41:45","modified_gmt":"2016-04-15T05:41:45","slug":"blaue-plakette-zum-jahresende-fuer-wirtschaft-inakzeptabel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=150212","title":{"rendered":"\u201eBlaue Plakette\u201c zum Jahresende f\u00fcr Wirtschaft inakzeptabel"},"content":{"rendered":"<p>Die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE) hat mit gro\u00dfer Besorgnis die Einigung der Landesumweltminister mit dem Bundesumweltministerium zur Kenntnis genommen, die Einf\u00fchrung einer blauen Plakette in Umweltzonen zu erm\u00f6glichen. Ziel ist eine Versch\u00e4rfung der 35. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV), in der die Bestimmungen f\u00fcr Umweltzonen festgeschrieben sind. Zuk\u00fcnftig sollen dann nur noch Dieselfahrzeuge ab der h\u00f6chsten derzeit g\u00fcltigen Schadstoffklasse (Euro VI\/6) einfahren d\u00fcrfen, Benziner d\u00fcrften ab Euro IV\/4 weiterhin in die St\u00e4dte mit Umweltzonen fahren. <\/p>\n<p>Zur Erinnerung: Euro VI\/6 ist f\u00fcr schwere Nutzfahrzeuge seit Januar 2013, f\u00fcr Pkw seit September 2014 und f\u00fcr leichte Nutzfahrzeuge sogar erst ab September 2015 verpflichtend. <\/p>\n<p>Mit der neuen Regelung, die voraussichtlich bereits zum 1. Januar 2017 in Kraft treten soll, w\u00fcrde einem Gro\u00dfteil der Dieselfahrzeuge die Einfahrt in Umweltzonen verwehrt, da die allermeisten der zugelassenen Kraftfahrzeuge noch nicht mit Euro VI\/6 fahren. Besonders heftig w\u00fcrde es die leichten Nutzfahrzeuge treffen, die einen Gro\u00dfteil der Versorgungsfahrzeuge in den St\u00e4dten ausmachen und die fast ausschlie\u00dflich mit Diesel betrieben werden. Hier ist erst seit September vergangenen Jahres die Neuzulassung mit Euro VI\/6 verpflichtend. <\/p>\n<p>Aus wirtschaftlicher Sicht ist unklar, wie die Versorgung der St\u00e4dte aufrechterhalten werden soll \u2013 zumindest w\u00fcrde sie aber erheblich teurer werden. Auch im \u00d6PNV g\u00e4be es Probleme: viele der Busse fahren noch nicht mit Euro VI\/6. Gleiches gilt f\u00fcr die meisten der Taxis. Diese Fahrzeugflotten k\u00f6nnen nicht von heute auf morgen ausgetauscht werden. Gerade Taxifahrer st\u00fcnden so oftmals vor dem sicheren Ruin, aber auch die oft mittelst\u00e4ndischen Busbetriebe h\u00e4tten ein gro\u00dfes Problem. Wie der \u00f6ffentliche Nahverkehr unter diesen Voraussetzungen aufrechterhalten werden soll, ist unklar. Generell stark betroffen d\u00fcrften kleine und mittelst\u00e4ndische Betriebe aus allen Branchen sein, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden ihren Fahrzeugpark nicht st\u00e4ndig erneuern k\u00f6nnen, um ihn dem neuesten technischen Stand anzupassen. <\/p>\n<p>Betrachtet man nur Pkw, die mit ca. 70 Prozent auch die st\u00e4rksten Verursacher der Stickoxidemissionen sind, sind die Zahlen dramatisch: Deutschland hat einen Bestand von knapp 14 Mio. Pkw, die mit Diesel betrieben werden. Nur ca. 435.000 davon fahren laut Kraftfahrt-Bundesamt bisher mit Euro VI\/6, das sind 3 Prozent (Stand 2015). Legt man diese Zahlen auf den Pkw-Bestand in Hessen um, d\u00fcrften von 1,1 Mio. Fahrzeugen nur noch 34.000 in Umweltzonen einfahren. Die restlichen Fahrzeuge w\u00fcrden quasi unverk\u00e4uflich, was einer faktischen Enteignung gleichk\u00e4me. <\/p>\n<p>Darum fordert die ARGE wesentlich l\u00e4ngere \u00dcbergangsfristen und gro\u00dfz\u00fcgige Ausnahmegenehmigungen f\u00fcr Unternehmen bei einer Versch\u00e4rfung der BImSchV und Einf\u00fchrung der blauen Plakette. \u201eDies ist nicht nur im Sinne der Unternehmen, sondern auch im Sinne der Mitarbeiter, von denen viele immer noch darauf angewiesen sind, mit dem Auto zur Arbeit zu kommen\u201c, sagt Matthias Gr\u00e4\u00dfle, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der ARGE. \u201eWir sind allerdings \u2013 wie auch schon in der Feinstaubdebatte \u2013 der Ansicht, dass sich das Thema auch ohne zus\u00e4tzliche Regelungen erledigt: durch die Einf\u00fchrung der neuen Euro VI\/6-Grenzwerte werden die Stickstoffemissionen auch ohne Umweltzone deutlich reduziert und die Luftqualit\u00e4t erheblich verbessert. Statt eines faktischen Einfahrverbots f\u00fcr Dieselfahrzeuge in die Umweltzonen g\u00e4be es auch andere Ma\u00dfnahmen der Luftreinhaltung, die mindestens ebenso effizient sind \u2013 und die nicht zu derart massiven wirtschaftlichen Auswirkungen f\u00fcr Privatleute und Unternehmen f\u00fchren\u201c, so Gr\u00e4\u00dfle. <\/p>\n<p>Als effiziente Ma\u00dfnahmen zur Schadstoffreduzierung ohne Einfahr- oder Durchfahrtsverbote eignen sich eine intelligente Verkehrslenkung, wie z.B. ein Lkw-Routenkonzept, um Belastungsschwerpunkte zu vermeiden, und eine Verbesserung des Verkehrsflusses, z.B. durch eine gr\u00fcne Welle. \u201eGleichm\u00e4\u00dfiger Verkehrsfluss ohne unn\u00f6tige Brems- und Beschleunigungsvorg\u00e4nge ist ein effektives Mittel zur Schadstoffreduzierung\u201c, sagt Gr\u00e4\u00dfle. \u201eGenerell sind positive Anreize zur Verhaltens\u00e4nderung Restriktionen immer vorzuziehen.\u201c Richtiges Instrument zur Reduzierung der Emissionen ist nicht das Verbot, sondern die technologische Entwicklung zu Dekarbonisierung \u2013 die Umstellung in Richtung eines niedrigeren Umsatzes von CO2\u2013 insbesondere des Pkw-Verkehrs. <\/p>\n<p>Langfristig m\u00fcssen daher die Weiterentwicklung alternativer Antriebe, eine angemessene Finanzierung und Ausbau des \u00d6PNV sowie der<br \/>\nSchieneninfrastruktur vorangetrieben werden, um den Schadstoffaussto\u00df im Verkehr insgesamt zu reduzieren. Dies trifft insbesondere auch auf die F\u00f6rderung von Radverkehr und den Ausbau von Radwegenetzen zu. <\/p>\n<p>Auch im gewerblichen Verkehr k\u00f6nnen durch neue Konzepte auf der \u00e2\u20ac\u0161letzten Meile\u00e2\u20ac\u02dc, wie die Etablierung von Mikrodepots oder die Feinverteilung mit E-Fahrzeugen oder Lastenfahrr\u00e4dern, Schadstoffemissionen eingespart werden. <\/p>\n<p>Die ARGE f\u00f6rdert insbesondere das Betriebliche Mobilit\u00e4tsmanagement (www.suedhessen-effizient-mobil.de), bei dem die Unternehmen auf freiwilliger Basis ihr Mobilit\u00e4tsverhalten analysieren und effizienter und damit nachhaltiger gestalten. Hier liegen bei den Unternehmen gro\u00dfe Potenziale f\u00fcr die Reduzierung von CO2 &#8211; und Stickoxidemissionen vor. \u201eDie hessischen IHKs setzen sich aktiv f\u00fcr nachhaltige Mobilit\u00e4t bei den Unternehmen ein\u201c, erg\u00e4nzt Gr\u00e4\u00dfle. \u201eUnd nicht nur das: wir stellen fest, dass es hier bei den Unternehmen ein riesiges Interesse und gro\u00dfen Beratungsbedarf gibt. Hier w\u00fcnschen wir uns ein gr\u00f6\u00dferes Engagement der hessischen Landesregierung \u2013 immerhin taucht das Thema auch im hessischen Koalitionsvertrag auf.\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Arbeitsgemeinschaft hessischer Industrie- und Handelskammern (ARGE) hat mit gro\u00dfer Besorgnis die Einigung der Landesumweltminister mit dem Bundesumweltministerium zur Kenntnis genommen, die Einf\u00fchrung einer blauen Plakette in Umweltzonen zu erm\u00f6glichen. Ziel ist eine Versch\u00e4rfung der 35. 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