{"id":148615,"date":"2016-02-28T15:49:25","date_gmt":"2016-02-28T14:49:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=148615"},"modified":"2016-02-28T15:49:25","modified_gmt":"2016-02-28T14:49:25","slug":"vortrag-ueber-alte-strassen-der-region-im-heuson-museum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=148615","title":{"rendered":"Vortrag \u00fcber alte Stra\u00dfen der Region im Heuson-Museum"},"content":{"rendered":"<p>Der wohlbekannte Regionalhistoriker Christian Vogel referiert am 08.03. um 20.00 Uhr beim B\u00fcdinger Geschichtsverein \u00fcber \u201eAlte Stra\u00dfen in Wetterau, Kinzigtal und vorderem Vogelsberg\u201c.<\/p>\n<p>Christian Vogel besch\u00e4ftigt sich seit \u00fcber einem halben Jahrhundert mit alten Stra\u00dfen der Region. 2004 hat er das Buch \u201eVia-Antiqua, Bonifatius\u00e2\u20ac\u2122 letzter Weg\u201c vorgelegt, in dem der Weg rekonstruiert ist, der bei der Bonifatius-\u00dcberf\u00fchrung von Mainz nach Fulda benutzt wurde. Seither widmet er sich verst\u00e4rkt der Erforschung des Verlaufs alter Stra\u00dfen im Einzugsbereich der Fl\u00fcsse Nidda und Kinzig. Hier wie auch sonst steht noch immer ein Gesamt\u00fcberblick aus, der nur vor Ort durch fl\u00e4chendeckende Feldforschung zu gewinnen ist. Ausgangspunkt ist dabei, dass moderne Wege selten den alten Stra\u00dfen entsprechen und deren Trassen etwas oder auch ganz abseits verlaufen. Um diese zu ermitteln, ist zun\u00e4chst das Gel\u00e4nde nach den Kriterien zu werten, die generell f\u00fcr alte Stra\u00dfen gelten. Dann sind die modernen Messtischbl\u00e4tter, aber auch \u00e4ltere Karten aus den letzten zwei Jahrhunderten heranzuziehen und auf ihnen entsprechende Spuren zu suchen. Die so gewonnenen Ansatzpunkte sind schlie\u00dflich vor Ort im Gel\u00e4nde zu \u00fcberpr\u00fcfen. Nur wenn sich konkrete Reste alter Stra\u00dfen \u2013 meist in Form von Rinnen \u2013 tats\u00e4chlich finden und der dazugeh\u00f6rige Stra\u00dfenverlauf im Ganzen nachvollziehbar ist, kann von gesicherten Erkenntnissen ausgegangen werden.<\/p>\n<p>Wie der Referent betont, gibt es noch sehr viele, teilweise sehr gro\u00dfe Stra\u00dfenreste &#8211; nicht nur, aber vor allem im Wald. Diese sieht er jetzt in Gefahr. Konnte man vor Jahrzehnten sein Fahrrad noch beliebig durch ger\u00e4umte W\u00e4lder schieben, so lassen dies inzwischen gewachsenes Unterholz und herumliegendes Altholz meist nicht mehr zu. Ausgebliebener Holzkleinverkehr f\u00fchrt bei nur noch als Nebenwegen benutzten alten Stra\u00dfen allm\u00e4hlich zu deren Verschwinden. Zwar wachsen diese Stra\u00dfen, in die immer wieder Steine geworfen wurden, nur langsam zu. Sie verwischen aber doch allm\u00e4hlich und verschwinden oft genug ganz bei Aufforstungen. So ist auf der H\u00f6he des Vogelsberges gerade ein St\u00fcck Bonifatiusweg in einer Schonung aufgegangen. Au\u00dferdem gen\u00fcgt bei durchn\u00e4sstem Boden oft schon ein einziger Einsatz von schweren Holzerntemaschinen, um alte Wege unbenutzbar zu machen. Und hinzu kommen regelrechte Verhaue durch Jagdp\u00e4chter (im B\u00fcdinger Wald auch verfassungswidrige gro\u00dffl\u00e4chige Einz\u00e4unungen). Der Referent beklagt, dass das Hessische Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege hier keinerlei Interesse zeigt, wenn nicht sogar das Gegenteil der Fall ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr alte Stra\u00dfen hat der Referent Kriterien und Epochen herausgearbeitet. Wann immer das Gel\u00e4nde es hergibt, laufen sie<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>\u00fcber l\u00e4ngere H\u00f6henz\u00fcge, wegen des Windes nicht auf dem Kamm, sondern\u00c2\u00a0 am oberen Hang, und regelm\u00e4\u00dfig auf der trockeneren S\u00fcdseite<\/li>\n<li>nicht durch T\u00e4ler und Senken<\/li>\n<li>nicht durch Ortschaften<\/li>\n<li>direkt auf das Ziel zu, mit leichten B\u00f6gen, wenn das Gel\u00e4nde es erfordert<\/li>\n<li>unter Vermeidung unn\u00f6tiger Auf und Abs.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erst bei den sp\u00e4tmittelalterlichen Stra\u00dfen fehlen die meisten dieser Kriterien.<\/p>\n<p>Dabei gab es eine allm\u00e4hliche Entwicklung von der H\u00f6henstra\u00dfe zur Talstra\u00dfe. Urspr\u00fcnglich waren alte Stra\u00dfen wohl Trampelpfade \u00fcber die K\u00e4mme der H\u00f6henz\u00fcge, die sich allm\u00e4hlich auf die H\u00e4nge und schlie\u00dflich in die T\u00e4ler verlagerten. Angelegt durch Stra\u00dfenbau wurden diese Stra\u00dfen bis zum Sp\u00e4tmittelalter nicht, die Wahl des nat\u00fcrlich vorgegebenen Streckenverlaufs ging aber offensichtlich schon in keltischer Zeit auf Planung zur\u00fcck. Stra\u00dfenarbeiten reduzierten sich auf Auff\u00fcllen mit Bruchsteinen.<\/p>\n<p>Unterscheiden lassen sich in unserer Region vier Epochen alter Stra\u00dfen: Keltenzeit (mit bereits ganzen Stra\u00dfensystemen) \u2013 R\u00f6merzeit (mit Milit\u00e4rstra\u00dfen bis offensichtlich weit vor dem Limes, wie der Fund im Steinauer See belegt) \u2013 Fr\u00fchmittelalter (mit Stra\u00dfen, die sich weitgehend an die bereits vorhandenen Stra\u00dfen anlehnten) \u2013 Sp\u00e4tmittelalter (mit Stra\u00dfen, die jetzt durch T\u00e4ler und Senken, auf Nordseiten, durch Orte etc. f\u00fchrten) Ma\u00dfgeblich gingen diese sp\u00e4tmittelalterlichen Stra\u00dfen zur\u00fcck auf den Handel der jetzt entstehenden neuen St\u00e4dte, allen voran Frankfurt und Gelnhausen. Moderne Stra\u00dfen entstanden erst seit dem 18. Jahrhundert und sind weitgehend noch heute in Benutzung, durch Stra\u00dfenbau im modernen Sinn des Wortes.<\/p>\n<p>B\u00fcdingen und Stra\u00dfenforschung sind untrennbar miteinander verbunden. Hier wirkte und forschte Kammerdirektor M\u00fcller, der \u201eStra\u00dfenm\u00fcller\u201c, dessen \u201eAlte Stra\u00dfen und Wege in Oberhessen\u201c ein Klassiker ist. Um B\u00fcdingen fand der Referent in kleinerem Ma\u00dfstab, was in gr\u00f6\u00dferem f\u00fcr die gesamte Region gilt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der wohlbekannte Regionalhistoriker Christian Vogel referiert am 08.03. um 20.00 Uhr beim B\u00fcdinger Geschichtsverein \u00fcber \u201eAlte Stra\u00dfen in Wetterau, Kinzigtal und vorderem Vogelsberg\u201c. 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